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Special: Wii U-Event in Köln

Obwohl mich ein tödlicher Männerschnupfen ausmergelte, sammelte ich meine letzten Kräfte und begab mich auf die lange und beschwerliche Reise zur Vulkanhalle, um euch mit meinen finalen Atemzügen Kunde zu bringen von einem unglaublichen Wunderwerk aus dem Land der aufgehenden Sonne. Setzet euch hin und lauschet meinem Minnesang, bevor die Schicksalsschwestern meinen Lebensfaden durchtrennen. Mein letzter Hauch möge der Pflicht dienen und der Ehre gewidmet sein.

Das ist natürlich ein klein wenig übertrieben, dennoch hätte ich auf die Erkältung, die mich auf der Fahrt nach Köln geplagt hat, gerne verzichtet. Ich habe einmal mehr den rasenden Außenreporter gemimt, die Zugstrecke von Saarbrücken nach Köln entwickelt sich allmählich zu einer guten Bekannten. Grund war dieses Mal eine Einladung seitens Nintendo, die uns endlich ihre neueste Konsole, die WiiU, vorstellen wollten.

Nintendo Land

In der Kölner Vulkanhalle angekommen, stand zunächst das ausführliche Antesten von Nintendo Land auf dem Programm. Zusammen mit einigen sehr sympathischen Nintendo-MitarbeiterInnen konnte ich verschiedene der darin enthaltenen Mini-Spiele anzocken und hatte dabei großen Spaß. Die Multiplayer-Spiele sind stets darauf ausgelegt, dass der Spieler mit dem Tablet andere Ziele hat als diejenigen mit den WiiMotes. Einmal muss man sich vor den Mitspielern verstecken, dann muss man sie als Geist jagen oder sie mit einem Fluggerät abschießen, ohne dabei selbst getroffen zu werden. Angelegt sind die Mini-Games dabei stets an bekannte Nintendo-Franchises wie Zelda, Animal Crossing oder Metroid.

Da man jedoch nicht immer die notwendige Anzahl an Mitspielern zur Verfügung haben wird, gibt es auch Single-Player-Spiele, die sich als echte Herausforderung erweisen. Donkey Kong’s Crash Course beispielsweise ist eine wirklich harte Nuss, die eure gesamte Konzentration erfordert. Und auch bei Yoshi’s Fruit Cart steigt der Schwierigkeitsgrad relativ schnell an.

Insgesamt ist mein Ersteindruck von Nintendo Land sehr positiv. Viele abwechslungsreiche Spiele, die man allein oder mit bis zu vier Mitspielern zocken kann. Wie bereits WiiSports ist Nintendo Land eine gelungene erste Tech-Demo, die zeigt, was mit den Funktionen der WiiU alles möglich sein wird. Gerade auf Partys dürften viele der Mini-Spiele zu einem echten Renner werden.

New Super Mario Bros U

Zusammen mit Mario und Gunnar von 10do ging es dann bei Super Mario Bros U weiter. Dass ich die Jungs auf solchen Events treffe, wird allmählich auch schon zur Tradition, die ich gerne auch in Zukunft fortsetze. Gegenüber anderen Teilen der NSMB-Reihe hat sich vom Prinzip her wenig geändert. Als neues PowerUp gibt es das Flughörnchen-Kostüm, warum man stattdessen nicht die deutlich effektivere Feder aus Super Mario World eingebaut hat, ist mir jedoch nicht ganz verständlich. Klar, man will die Reihe zumindest in den Details ausbauen, aber in der Super-Mario-Reihe gibt es bereits ein solches Arsenal an guten PowerUps, warum nicht einfach mal alle in ein Spiel einbauen?

Optisch präsentierten sich die Level im typischen Mario-Stil, allerdings in knackscharfer HD-Grafik. Im Multiplayer erweist sich auch NSMBU als ähnlich chaotisch wie sein Wii-Vorgänger. Ich war mir mit den 10do-Kollegen relativ schnell einig, dass unser größter Kritikpunkt der kurze „Freeze“ ist, wenn einen der Mitspieler ein frühzeitiges Ableben ereilt. Der Bildschirm friert kurz ein und man wird aus der gerade durchgeführten Aktion gerissen, was bei knapp bemessenen Sprüngen durchaus bedeuten kann, dass man das unangenehme Schicksal seines Kumpanen teilt. Insbesondere da es bei Ubisofts Konkurrenz-Produkt Rayman Legends diese Verzögerungen nicht gibt, ist uns unverständlich, warum ausgerechnet der sonstige Genre-Primus Nintendo es für nötig hielt, sie in das ansonsten großartige Spiel einzubauen.

Die Integrierung des Tablets wirkt eher als sei sie relativ spät erfolgt. Der Spieler am zweiten Bildschirm kann seine Kollegen unterstützen, indem er ihnen mit Plattformen den Weg zu sonst unerreichbaren Levelabschnitten bahnt oder sie vor einem Sturz in einen Abgrund bewahrt. Außerdem kann er auch Gegner betäuben. Das ist durchaus gelungen, wirkt aber dennoch eher wie ein Gimmick.

Und so spaßig der Multiplayer auch ist, am Allerbesten wird sich voraussichtlich auch New Super Mario Bros U alleine oder mit maximal einem Mitspieler zocken lassen.

Batman: Arkham City – Armored Edition

Bei der Ankündigung des WiiU-Launch-Lineups haben sich viele sehr darüber lustig gemacht, dass die meisten Titel ja Portierungen von Uralt-Titeln sind, die auf PS3 und Xbox360 ja schon längst keiner mehr spielt. Einer davon ist Batman: Arkham City. Ich persönlich habe bisher noch keinen der beiden Batman-Teile gespielt und falls ich sie irgendwann einmal nachholen sollte, kann ich mir sehr gut vorstellen, dass es bei Arkham City die WiiU-Version werden könnte.

Zum Grundprinzip muss ich wohl nicht allzu viele Worte verlieren, man ist der Goddamn-Batman und kämpft gegen den Abschaum in Arkham City, der ähnlich wie in „Die Klapperschlange“ in einem ganzen Stadtbezirk eingepfercht wurde. Neben der eigenen Körperkraft setzt Bruce Wayne auch auf die zahlreichen nützlichen Gadgets, die sich in seinem Fledermaus-Anzug befinden.

Beim ersten Gefecht bin ich erstmal draufgegangen, nachdem mich der nette Präsentator dann jedoch in den zweiten Levelabschnitt versetzt hatte, konnte ich auch die Fähigkeiten des WiiU-Tablets endlich in Aktion erleben. Unter anderem kann man mit Hilfe des Tablets aus der Egoperspektive zielen und Projektile verschießen, Sprengschaum anbringen oder die Batarangs steuern. Ich fand die Handhabung des Batarangs etwas schwierig, schiebe das jedoch darauf, dass ich noch nicht an die Steuerung mit dem Tablet gewöhnt bin.

Kleinere grafische Patzer wie extrem pixelige Texturen an einem Bleiglasfenster stießen etwas sauer auf, stören jedoch nicht den soliden Gesamteindruck.

Trine 2: Director’s Cut

Tja, Leute, ihr wisst, dass ich Indie-Spiele den meisten AAA-Titeln vorziehe. Ich kann euch über verschiedenste Puzzle-Plattformer erzählen, habe aber noch keinen Assassin’s-Creed-Teil gespielt. Insofern ist es eigentlich überraschend, dass ich Trine 2 noch nicht angespielt habe, aber bei dem massiven Download-Angebot, welches es dieses Jahr gab, muss man eben manchmal auch Opfer bringen. Und da habe ich auf Trine 2 bisher verzichtet. Umso erfreuter war ich über die Ankündigung der WiiU-Version.

Wie es im Indie-Bereich häufig der Fall ist, handelt es sich auch bei Trine 2 um einen Puzzle-Plattformer. Man ist mit einem bärenstarken Ritter, einer verschlagenen Diebin und einem mächtigen Magier unterwegs. Jede der Figuren verfügt über ihre eigenen Fähigkeiten. Dem Ritter kommt seine außergewöhnliche Körperkraft zu Gute, darüber hinaus kann er auch seinen Schild nutzen. Die Diebin verfügt über einen Enterhaken und ist etwas schneller unterwegs als der schwerfällige Ritter. Der Magier kann Kisten beschwören, mit denen man Hindernisse überwinden kann. Der Enterhaken oder die Kasten lassen sich mit Hilfe des Tablets sehr genau steuern. Die bunte Fantasy-Optik kommt auch auf der WiiU bestens zur Geltung und das Gameplay ist angenehm fordernd. Neben den großen Titeln solltet ihr Trine 2 auf jeden Fall auf eurem Merkzettel haben, wenn ihr euch eine WiiU zulegt.

Darksiders II

Ähnlich wie Kollege Maurice stehe ich diesem Titel sehr kritisch gegenüber. Schamlos hat man sich aus allen möglichen Richtungen verschiedene Gameplay-Elemente zusammengeklaut. Sich durch Gegnerhorden zu schnetzeln fühlte sich nett an, hat mir in Kingdoms of Amalur jedoch bedeutend mehr Spaß gemacht. Vielleicht ist es aber auch einfach nicht das Spiel für mich. Inventarauswahl und Zielen sind hier ebenfalls auf dem Tablet beheimatet. Alles in Allem solide, wirklich großartig gepackt hat mich die kurze Demo jedoch nicht.

Mass Effect 3

Bei Mass Effect 3 habe ich das grundsätzliche Problem, dass es mir zu viel Shooter und zu wenig Rollenspiel ist, weshalb ich auch die beiden Vorgänger bislang mehr oder weniger ignoriert habe. In der Demo habe ich mich mit für mich völlig ungewohnten Mechaniken wie Deckungen suchen und Ballern rumschlagen müssen. Als Japano-RPGler, Indie-Freak oder Adventure-Freund kennt man sowas nicht. Das war ok und alles ließ sich auch gut steuern, aber es stellt sich die Frage, warum man nur den dritten Teil auf die Konsole portiert, gerade wenn doch die Entscheidungen in den vorigen Teilen eine deutliche Auswirkung auf den Nachfolger haben. Man darf nur hoffen, dass die angekündigte Trilogie-Edition eventuell auch ihren Weg auf die WiiU findet, ansonsten ist Mass Effect 3 wahrscheinlich der sinnloseste WiiU-Port. Gut gemeint, aber irgendwie doch etwas merkwürdig, wenn man ehrlich ist.

Skylanders: Giants

Bei Skylanders ist meine anfängliche Skepsis über die vermeintliche Ausschlachtung der Spyro-Lizenz seit der gamescom einer regelrechten Faszination gewichen. Einen entsprechenden Vorschau-Artikel habe ich bereits nach der Kölner Videospielmesse verfasst, doch ich möchte es mir nicht nehmen lassen, ein bisschen Werbung für den Kollegen stiftnürsel zu machen, der das Thema mit seiner Artikelreihe zu den alten Skylanders-Figuren und einem Podcast-Auftritt bei manuspielt’s besser präsentiert hat, als ich es je könnte. Und wer Skylanders: Giants als Kinderspiel abtut, der liegt schlicht falsch.

Sonic & Allstars Racing Transformed

Auch wenn ich kein Freund von Rennspielen bin, hat mir Sonics Funracer sehr viel Spaß gemacht. Natürlich bleibt der Vergleich zu Mario Kart gar nicht aus, schließlich hat Nintendo damit das Genre begründet und dominiert es bis heute. Doch der blaue Igel braucht sich vor dem italienischen Klempner gar nicht zu verstecken. Das Fahrgefühl macht sehr viel Spaß, die Strecken sind abwechslungsreich gestaltet und lehnen sich beispielsweise an Level aus Sonic-Spielen oder anderen SEGA-Franchises an. Wer Funracer mag und womöglich auch Sympathien für Sonic und andere Figuren aus dem SEGA-Universum hat, der sollte hier auf jeden Fall reinschauen.

Da ich Rayman Legends, ZombiU und Assassin’s Creed 3 schon auf der gamescom und beim Ubisoft-Event ausführlich gespielt hatte, ließ ich sie dieses Mal außen vor. Bei Tekken Tag Tournament konnte ich leider nur zusehen. Witzig war es jedenfalls, Superpilze in einem Tekken-Spiel zu sehen. Doch dann war das Event leider auch bereits vorbei.

Ich muss ehrlich sagen, ich hatte mehr erwartet. Ich fand, dass vor allen Dingen relativ wenig Spiele gezeigt wurden. Selbst wenn Pikmin 3 verschoben wurde, hätte ich mich über eine Demo gefreut. The Wonderful 101 hätte ich sehr gerne mal angespielt. Zu einer Runde Tank!Tank!Tank! hätte ich ebenfalls nicht „Nein“ gesagt. Auch die Bewirtung mit Chips und Gummibärchen war etwas knauserig, wenn ich vergleiche, dass man bei Ubisoft mit leckerer Herrentorte verköstigt wurde. Wenn ihr mich schon mit Fressalien bestechen wollt, dann doch bitte nicht nur so halbherzig, so eine Zugfahrt schlaucht schließlich auch. Und da Sarkasmus im Internet nunmal nicht funktioniert und ich befürchte, auf vergnügungssüchtige Völlerei reduziert zu werden, solltet ihr die letzten beiden Sätze vielleicht nicht allzu ernst nehmen.

Trotz einer gewissen Enttäuschung hat sich die Fahrt nach Köln gelohnt. Es war sehr interessant, endlich auch mal First-Party-Titel von Nintendo selbst auf der WiiU zu spielen. Und sowohl Nintendo Land als auch New Super Mario Bros U haben mich überzeugt, da ich Letzteres vermutlich ohnehin alleine spielen werde, dürfte ich auch keine Probleme mit dem Einfrieren des Bildschirms haben. Ich habe mich gefreut, Mario und Gunnar von 10do wiederzutreffen. Und trotz meiner Bemühungen, möglichst hochdeutsch zu wirken, entglitt mir zur Begrüßung der beiden ein ursaarländisches „Unn?“ – man kann seine Wurzeln eben doch nicht verleugnen.

Für alle Nicht-Saarländer da draußen: „Unn?“ ist ein saarländisches, kontextsensitives Universalfragewort, welches in diesem speziellen Zusammenhang nach dem Wohlbefinden, beruflichen Erfolg und familiären Umständen der angesprochenen Person fragt. Für nähere Informationen einfach mal ein wenig googeln.

Abschließend möchte ich mich ganz herzlich bei Markus Jakobs alias @kehrseite bedanken, dem Betreiber der Suchmaschine ScanThe.Net, den ich auf dem Event kennengelernt habe. Markus hat die in diesem Artikel verwendeten Bilder erstellt, denn wenn man alleine auf einer solchen Veranstaltung unterwegs ist, fällt es schwer, ausführlich zu zocken und auch noch Bilder zu machen. Ich habe selbst nur ein einziges geschossen und bin deshalb sehr dankbar, dass Markus seine Fotos zur Verfügung gestellt hat, da eine reine Textwüste nicht sonderlich attraktiv ist, insbesondere wenn man über ein optisches Medium berichtet.

In der WiiU steckt sehr viel Potential, das wurde bei diesem Event noch einmal klar verdeutlicht. Vielleicht wird es ein wenig dauern, bis die richtigen Kracher kommen, dennoch sollte niemand die WiiU schon im Vorfeld abschreiben.

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