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PS4 Tests Xbox One

Shadow of the Tomb Raider im Test

„Welcome to the jungle“ sangen einst schon Guns ’n‘ Roses in ihrem legendären Hit. Ganz so willkommen ist Lara Croft im Urwald allerdings nicht. Shadow of the Tomb Raider ist der krönende Abschluss der Ursprungs-Trilogie, die mit dem Tomb Raider-Reboot in 2013 ihren Anfang nahm. In Laras dunkelstem und bestem Abenteuer bislang verschlägt es die junge Archäologin nach Mittel- und Südamerika, wo sie es nicht nur mit Trinity, sondern auch mit den Maya zu tun bekommt – Ja, genau die Typen, die gerne mal das Ende der Welt prophezeien. Unser Test zum spannenden Action-Adventure klärt, warum sich niemand das Spiel entgehen lassen sollte. 


Shadow of the Tomb Raider – Lara is back!

Shadow of the Tomb Raider
In Shadow of the Tomb Raider verschlägt es Lara und Jonah nach Lateinamerika.

Lara Croft ist neben (Super) Mario eine der wenigen Ikonen der Branche, die sich im Laufe der Jahre weit über die Videospiele hinaus einen Namen machen konnte. Die taffe Archäologin ist fest in der Popkultur verankert. Kein Wunder, erfreut sie uns doch bereits seit 22 Jahren mit größtenteils hervorragenden Games.

2013 wagte Entwickler Crystal Dynamics einen Neuanfang der Reihe, der die Anfänge der Heldin in den Mittelpunkt rückte. Erstmals zeigte sich die 21-jährige Lara verletzlich, hilflos und verängstigt, als sie sich auf die Suche nach dem sagenumwobenen Königreich Yamatai macht. Im Nachfolger, Rise of the Tomb Raider, reist Lara zusammen mit Kumpel Jonah in die sibirischen Tundra, um die verlorene Stadt Kitesch zu finden. Mittlerweile ist die hilflose und naive Dame erwachsener geworden und zu einer waschechten Überlebenskünstlerin gereift.

Eine Entwicklung, die auch im neuen Shadow of the Tomb Raider eine wichtige Rolle spielt. Vorbei sind die Zeiten der Angst: Diesmal dreht Lara den Spieß kurzerhand um und wird selbst zur Jägerin, um den Gefahren des mexikanischen Dschungels zu trotzen.


Das Ende naht

Shadow of the Tomb Raider
Im mexikanischen Dschungel lauern viele Gefahren.

Shadow of the Tomb Raider spielt knapp zwei Monate nach dem Ende des Vorgängers. Lara und Jonah sind auf dem Weg nach Lateinamerika, um dort eine geheimnisvolle Maya-Reliquie zu finden. Diese soll im direkten Zusammenhang mit ihrem Vater stehen und die vielen offenen Fragen endlich beantworten. Blöd nur, dass die Militärorganisation Trinty ebenfalls hinter dem übernatürlichen Relikt her ist, um den Lauf der Welt zu verändern.

Bereits zu Beginn löst die gute Lara mal eben aus Versehen die Apokalypse aus, als sie in einem mit Fallen übersäten Tempel ein altes Zeremonienmesser mitgehen lässt. Vielleicht sollte man sich doch etwas besser über altertümliche Artefakte informieren, bevor man sie sich aneignet. 

Und so kommt es, wie es kommen musste: Die Apokalypse naht. Eine gewaltige Flutwelle macht das benachbarte Dörfchen dem Erdboden gleich. Bei diesem bombastischen und kinoreif inszenierten Spielabschnitt wird euch mit Sicherheit die Kinnlade herunterklappen. Am Ende werden ihr sogar Zeuge davon, wie ein hilfloses Kind von den Fluten davon gerissen wird. Harter Tobak.

Shadow of the Tomb Raider
Atmosphäre und Inszenierung sind in Shadow of the Tomb Raider kinoreif!

Die Apokalypse zwingt Lara zum Umdenken, weshalb ihr persönlicher Rachefeldzug in den Hintergrund tritt. Lara Croft agiert in Shadow of the Tomb Raider menschlicher, glaubhafter und emotionaler. Schließlich geht es hier um Menschenleben. Eine der größten Stärken des Spiels.

Im Spiel erwartet euch die beste und glaubwürdigste Lara aller zeiten.

Fühlte sich der erste Teil der neuen Trilogie mit einer brutalen und schießwütigen Heldin noch ziemlich unglaubwürdig an, plagt sich die junge Frau nun mit Selbstzweifeln herum. Zwar geht ihr noch immer über Leichen, doch Lara reagiert anders darauf, als in den Vorgängern. Die Hauptfigur ist den Entwicklern jedenfalls hervorragend gelungen und Handlung, sowie Charakterentwicklung befinden sich nun endlich auf derselben Ebene.


Altbewährte Formel mit frischen Ideen

Shadow of the Tomb Raider
Die tadellosen Spielmechaniken wurden übernommen und sinnvoll erweitert.

Diesmal zeigen sich die Entwickler von Eidos Montreal für das Spiel verantwortlich, die ihr Können  spätestens mit Deus Ex: Mankind Divided eindrucksvoll unter Beweis gestellt haben. Wer nun vielleicht Angst hatte, dass sich Shadow of the Tomb Raider damit zu stark von seinen Vorgängern oder gar den Wurzeln entfernt, kann beruhigt aufatmen. Erstaunlicherweise gelingt dem Spiel neben einer qualitativen Steigerung zum Vorgänger sogar die Rückbesinnung auf die Abenteuer-Wurzeln der ersten Spiele.

Besonders in den ersten Spielstunden trefft ihr fast gar nicht auf Feinde, sondern seid vielmehr mit dem Erkunden der üppigen und wunderschönen Urwald-Fauna beschäftigt. Doch selbst nach ihrem ersten Aufeinandertreffen mit Trinity nimmt die Action nicht überhand. Erkundung, Rätsel und Gräber stehen diesmal erfreulicherweise wieder mehr im Fokus.

Kämpfe treten in Shadow of the Tomb Raider spürbar in den Hintergrund.

Wer die beiden Vorgänger gespielt hat, wird sich im neuesten Ableger sofort zurecht finden. Die grundlegenden Spielmechaniken sind zumindest weitestgehend gleich geblieben. Rohstoffe sammeln, Pfeile herstellen, Verbände zusammennähen – kennt man alles schon. Rätseleinlagen und Kletterpartien gehen dank rundum gelungener Steuerung jedenfalls sehr gut von der Hand.

Trotzdem verfeinert Shadow of the Tomb Raider seine Spielmechaniken diesmal spürbar und wartet mit gänzlich neuen Ideen auf, die den Abschluss der Trilogie zum bislang besten Abenteuer machen. Da wären zum Beispiel die ausgefeilten Stealth-Mechaniken, die Lara Eins mit dem Dschungel werden lassen. Ihr versteckt euch in Efeu-Büschen oder auf Baumwipfeln. Die Gegner nach und nach lautlos auszuschalten ist jedenfalls ein absoluter Genuss und funktioniert besser denn je.


Talentierte Grabräuberin

Shadow of the Tomb Raider
Gräber und Rätsel stehen nun erfreulicherweise mehr im Fokus.

Für Sammelitems, Storymissionen oder Gräber erhaltet ihr Erfahrungspunkte, die ihr in drei abwechslungsreiche Talentbäume investiert. Je nachdem, für was ihr euch entscheidet, wird Shadow of the Tomb Raider zu einem komplett unterschiedlichen Spiel. Natürlich erwarten euch die übliche Skills, die euren Umgang mit Waffen verbessern oder euch mehr Materialien liefern, doch am interessantesten sind die umfangreichen Schleich-Fähigkeiten ausgefallen.

So dürft ihr euch mit Schlamm einreiben, um nahezu unsichtbar zu werden oder eure Gegner an Seilen in die Baumkronen ziehenSpider-Man lässt grüßen. Apropos Gegner: Die menschlichen Feinde agieren nun deutlich klüger und treiben euch mit Granaten heraus, wenn ihr euch wie in den Vorgängern verschanzen wollt. Außerdem versuchen euch regelmäßig mehrere Trupps zu flankieren. Ihr solltet also immer in Bewegung bleiben.

Um den intensiven Kämpfen zu entgehen, bietet sich also ebenfalls die lautlose Vorgehensweise an. Pfeil und Bogen spielen sich jedenfalls erstklassig. Natürlich bekommt ihr es in Shadow of the Tomb Raider erneut mit übernatürlichen Feinden zu tun, welche direkt aus einem Horrorfilm entsprungen sein könnten. Ganz allgemein schlägt das Spiel einen deutlich dunkleren Grundton an. Die Angst ist ein zentrales Spielelement, welches den Entwicklern hervorragend gelungen ist. Diese garniert das Spiel mit einigen Schockmomenten, Angst vor dem Ertrinken und anderen Elementen, die so auch in einem The Evil Within oder Resident Evil vorkommen könnten.

Atmosphärisch bekommt ihr es hier fast schon mit einem Horrorspiel zu tun.

Womit wir auch schon bei der Atmosphäre sind. So ein Weltuntergang ist eben nicht Friede, Freude, Eierkuchen. Dementsprechend bekommt ihr es bei Shadow of the Tomb Raider mit dem bislang düstersten Ableger der Reihe zu tun. Von den Schockmomenten, über das idyllische Dorf Paititi, bis hin zu den genialen Gräbern: Das Spiel gehört atmosphärisch zum Besten, was wir seit Langem gespielt haben.


Der dynamische Schwierigkeitsgrad

Shadow of the Tomb Raider
Dank dynamischem Schwierigkeitsgrad erlebt ihr das Spiel so, wie ihr möchtet.

Ein interessantes Feature an Shadow of the Tomb Raider ist der dynamische Schwierigkeitsgrad. Damit stellt ihr sicher, dass Laras Abenteuer euch genau das bietet, was ihr euch erhofft. 

Kämpfe sind nicht so euer Ding? Dann wählt die leichte Stufe. Kämpfe, Rätsel und Gelände lassen sich einzeln voneinander einstellen und das jederzeit im laufenden Spiel. Ein System, welches erstaunlich gut funktioniert und euch beispielsweise mehr Zeit bei kniffligen Kopfnüssen bietet.

Ein wenig Anlass zur Kritik gibt es dann aber doch. Erfahrung und dadurch auch die Talentpunkte erhaltet ihr viel zu schnell und so dauert es nicht lange, bis ihr mit einer ausgeskillten Lara den Dschungel unsicher macht. Außerdem werden Sammler oftmals zu nervigem Backtracking gezwungen. Und obwohl die Kämpfe besser von der Hand gehen, als je zuvor, wirken einige Kampf-Abschnitte regelrecht aufgezwungen. Doch das ist Kritik auf extrem hohem Niveau.

Ungefähr 25 Stunden seid ihr mit dem Spiel beschäftigt. Erfreulicherweise erwartet euch danach ein ganz besonderer New-Game-Plus-Modus, wenn ihr euch erneut in das Abenteuer stürzen wollt.


Technische Meisterleistung

Aus technischer Sicht ist Shadow of the Tomb Raider schlichtweg eine Meisterleistung. Von der unglaublich detaillierten Protagonistin samt Mimik über die atemberaubenden und wunderschönen Umgebungen, bis hin zum atmosphärischen Lichteinsatz: Hier stimmt einfach alles. Regelmäßig ertappt ihr euch beim Spielen dabei, kurz inne zuhalten und den peruanischen Urwald zu bewundern. Von der dichten Vegetation über die üppige Tierwelt: Das Spiel sieht schlicht bombastisch aus.

Eine solch detailverliebte und lebendige Spielwelt findet man nur selten.

Besonders der Kontrast zwischen dicht besiedelten Gebieten und der trostlosen Leere in den Gräbern sorgt für eine ganz besondere Stimmung. Ganz selten kommt es dabei zu kleineren Clipping-Fehlern und spät nachladenden Texturen, doch angesichts der abgelieferten Qualität stört das kaum. Auf PS4 Pro und Xbox One X habt ihr zudem die Wahl zwischen zwei Bildschirm-Modi: 4K mit 30 fps und 1080p mit 60 fps.

Auch die Vertonung spielt problemlos in der obersten Liga mit. Besonders, wenn ihr Laras Abenteuer mit einer Surround-Anlage spielt. Auf der Xbox One X ist Shadow of the Tomb Raider dank Dolby Atmos jedenfalls eine absolute Wucht, doch selbst ohne Atmos sorgen wunderschöne Soundeffekte, hervorragende Sprecher und ein erstklassiger Soundtrack für eine dichte Atmosphäre.


Fazit:

AwardIch habe die beiden Vorgänger schon wirklich gemocht, aber Shadow of the Tomb Raider toppt diese mit Leichtigkeit. Chapeau, Eidos Montreal. Ich habe mit vielem gerechnet, aber nicht, mit einem SO guten Spiel. 

Vor allem froh bin ich darüber, dass die genialen Gräber endlich einen höheren Stellenwert einnehmen und sich das Stealth-Gameplay vielseitiger zeigt, als je zuvor in der Reihe. Außerdem freut es mich, dass die Kämpfe noch weiter in den Hintergrund treten und sich dabei gleichzeitig noch abwechslungsreicher spielen. Die Welt des Spiels ist glaubhaft und atmosphärisch ausgefallen. Das Klettersystem funktioniert besser denn je.

Besonders stark finde ich aber, wie den Entwicklern diesmal Lara Croft gelungen ist. Da muss sie erst eine Apokalypse auslösen, um ihr Handeln zu überdenken. Doch das macht Lara menschlicher und greifbarer, als jemals zuvor. War ihr Weg im Reboot noch von Leichen gepflastert, zwingt das Geschehen sie nun zum Umdenken. 

Shadow of the Tomb Raider leistet sich kaum nennenswerte Fehler und markiert nicht zuletzt dank genialem Gameplay, atemberaubender Technik und enorm dichter Atmosphäre den besten Teil der Reihe, den sich niemand entgehen lassen sollte.


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