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PS4 Tests

Secret of Mana Review

Wenn ihr in eurer Kindheit ein Super Nintendo Zuhause stehen hattet, habt ihr mit Sicherheit auch Square Enix‘ legendäres Action-Adventure Secret of Mana gespielt. 25 Jahre später erscheint das Meisterwerk in einer technisch und spielerisch aufgearbeiteten Version für die PlayStation 4. Ob euch das Abenteuer auf direktem Weg zurück in eure Kindheit verfrachtet, klärt unser Review.

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Secret of Mana – Das Abenteuer beginnt

Ein gutes Remake kann zeitlos sein und Fans an einige schöne Momente mit einem Spiel erinnern, aber einen Titel auch ganz neuen Spielern zugänglich machen. Das hat Bluepoint Games mit dem Shadow of the Colossus Remake eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Eine schlechte Neuauflage hingegen kann die wohligen Erinnerungen zum Platzen bringen und gleichzeitig dafür sorgen, das Original besser zu würdigen. Secret of Mana gehört leider zu Letzteren.

Das legendäre SNES-Spiel aus dem Jahr 1993 kombinierte auf clevere Art und Weise packende Echtzeitkämpfe mit einem komplexen Rollenspielsystem und gilt nicht zuletzt dank liebevoller Charaktere und coolem Setting als Klassiker.

Im Spiel schlüpft ihr in die Haut des jungen Randi, der nichtsahnend über das sagenumwobene Mana-Schwert stolpert und es kurzerhand aus dem Stein zieht, in dem es steckte. Das setzt dunkle Mächte frei, die die Welt und die umliegenden Ländereien bedrohen. Also setzt ihr alles daran, euren Fehler wieder auszubügeln und die alte Ordnung wiederherzustellen

Secret of Mana
Secret of Mana war seinerzeit ein Meisterwerk. Das Remake enttäuscht.

Dazu müsst ihr im Verlauf des Spiels verschiedene Tempel besuchen und Gegner besiegen, um dem legendären Schwert zunächst einmal seine ursprüngliche Macht wiederzugeben. Auf eurer Reise trefft ihr mit der jungen Primm und der Kobolddame Popoi zwei weitere Mitstreiterinnen, die sich euch auf dem Weg zum ultimativen Ziel, der Manafestung, anschließen. Wie bereits im Original dürfen zwei weitere menschliche Spieler die beiden Charaktere übernehmen. Secret of Mana bietet einen lokalen Koop-Modus für maximal drei Spieler, welcher natürlich deutlich mehr Spaß macht, als mit den KI-Kollegen durch die Lande zu ziehen. 

Also stattet eure Party verschiedenen geheimnisvollen Orten einen Besuch ab und sammelt die acht legendären Waffen und Elementarzauber. All das kennt ihr bereits aus dem Original.


Wenn der Charme fehlt…

Das Secret of Mana Remake bedient all eure Erinnerungen an das Spiel. Alle Orte sind noch genau so, wie ihr sie vor knapp 25 Jahren vorgefunden habt. Die Kanoni-Brüder laden zur Schnellreise ein und auch die coolen Gegner wie beispielsweise Ninja-Eulen, Schwerter und Bücher sind noch genau so, wie ihr sie in Erinnerung habt. 

Nun ja, das stimmt nicht ganz. Die legendären Pogopuschel, die eure ersten Widersacher im Spiel darstellen, wurden kurzerhand in Mümmler umbenannt. Das tut weh! Und ist ein erstes Indiz dafür, dass Secret of Mana den Charme des legendären Originals vermissen lässt. Hinzu gesellt sich die merkwürdige Kollisonsabfrage bei den Feinden. Nicht selten kommt es vor, dass sich verschiedene Gegnertypen gegenseitig durch die Umgebung schieben, wenn diese euch angreifen. Das sieht genauso lächerlich aus, wie es klingt.

Secret of Mana
Pogopuschel. Geliebt, gefeiert und legendär. Heißen jetzt Mümmler. Großartig…

Immerhin hat Square Enix das Original aus spielerischer Sicht nahezu unangetastet gelassen. Die flotten Echtzeitkämpfe funktionieren genau so, wie in eurer Erinnerung. Per Knopfdruck gelangt ihr in das Ringmenü, in dem eure Ausrüstung anpassen und euch heilen könnt. Soweit, so gut. Doch bereits in den ersten Spielminuten wird euch bewusst, wie simpel und langweilig die Kämpfe eigentlich sind.

Über eine Prozentanzeige am unteren Bildschirmrand wird ersichtlich, wann euch der nächste starke Angriff zur Verfügung steht. Erreicht diese Anzeige 100 %, verursacht ihr mehr Schaden. Um die einfachen Gegner zu besiegen heißt es also: Aufladen, schlagen, herumlaufen, aufladen, schlagen. Hinzu kommt, dass das simple, aber geniale Ringmenü aus unerfindlichen Gründen nicht immer sofort auf eure Eingaben reagiert. Teilweise müsst ihr einen Knopf erst mehrmals drücken, damit das Spiel eure Eingaben überhaupt erst in die Tat umsetzt.

Zudem scheint das Ringmenü mittlerweile unter Alzheimer zu leiden. So wählte das Orignal seinerzeit beim Öffnen des Menüs noch den Punkt an, den ihr zuletzt verwendet hattet. Dies ist im Secret of Mana Remake nicht mehr der Fall, wodurch die Kämpfe spürbar an Geschwindigkeit verlieren. Um zum Beispiel einen bestimmten Zauber auswählen zu können, müsst ihr erst in das Ringmenü und dort dann durch die Untermenüs zu eurer bevorzugten Magie navigieren. Und das jedes verdammte Mal.


Technisch verschlimmbessert

Auf dem SNES war Secret of Mana mit seinen hübschen Farben und dem stimmigen Look ein wunderschönes Spiel. Immerhin sind 16-Bit-Spiele auch heutzutage noch zeitlos und erfreuen sich weiterhin großer Beliebtheit.

Die Neuauflage wurde aus grafischer Sicht komplett überarbeitet und zeigt auf eindrucksvolle Weise, wie es nicht geht. So hat der neue Polygon-Look des Remakes den Zauber des Originals fast vollständig verloren. Das wird bereits in den ersten Spielminuten deutlich, in denen euch die steifen und langweiligen Animationen sauer aufstoßen dürften. Hinzu kommt, dass die modellierten Charaktermodelle und Gegner ziemlich groß ausgefallen sind, was überhaupt nicht dem Look des Originals entspricht und schlicht deplatziert wirkt. 

Secret of Mana
Die neu interpretierte Grafik lässt jeglichen Charme vermissen.

Ehrlich gesagt war ich in den ersten Spielstunden ein wenig erschüttert, wie das Secret of Mana Remake aussieht. In dieser Form wäre es auch in der vergangenen Konsolengeneration möglich gewesen, immerhin geben sich hier matschige und detailarme Texturen die Klinke in die Hand. Als riesiger Fan des Originals stimmt mich das einfach nur unglaublich traurig. Hinzu kommt, dass das Spiel mit gedrückter Sprint-Taste und drei oder mehr Gegnern auf dem Bildschirm auch noch zu Slowdowns und Rucklern neigt. Und das bei der Grafik. Puh.

Bei der bescheidenen Technik ist es zudem verwunderlich, dass der Spielfluss von zahllosen Ladepausen unterbrochen wird. Befindet ihr euch in einem Dorf, muss die Umgebung beim Betreten eines jeden Hauses erst einmal geladen werden. Wenn auch nur kurz. Unverständlich zudem, dass die Figuren beim Sprechen nicht einmal ihre Lippen bewegen. Was haben die Entwickler bei der Produktion des Spiels überhaupt gemacht? Wenn euer Held sich in Prolog mit den zwei anderen Jungs unterhält und der pummelige Tom beim Sprechen nicht einmal seinen Mund bewegt, sorgt das für einige Lacher. Aber nicht, weil die Dialoge so lustig wären, sondern, weil dieses fehlende Detail euch einfach nur traurig stimmt.

Immerhin wartet das Secret of Mana Remake mit einer vollständigen Vertonung auf und lässt euch die Wahl zwischen englischen oder japanischen Sprechern, kombiniert mit deutschen Untertiteln. Die Sprachausgabe geht in Ordnung, die deutschen Texte ebenfalls, wenngleich sie mit einigen herben Übersetzungsfehlern aufwarten.

Secret of Mana
Die Kämpfe spielen sich flott, fallen aber extrem simpel aus.

Neu sind hingegen die Gespräche der drei Protagonisten, welche hauptsächlich in den Hotels und neugestalteten Zwischensequenzen stattfinden. Diese lockern das Spielgeschehen auf und wissen durchaus zu gefallen. Allerdings wiederholen sich die immer gleichen Gespräche viel zu oft und fangen irgendwann einfach nur an zu nerven.

Der neu interpretierte Soundtrack gefällt zudem überhaupt nicht, erinnert jedoch zumindest entfernt an die legendären Lieder des zeitlosen Klassikers. Erfreulicherweise dürft ihr im Menü jederzeit zum Original-Soundtrack wechseln, was ihr spätestens nach einer Stunde mit dem neuen Elektro-Gedudel auch tun dürftet.


Nicht so schlecht wie es klingt

Zugegeben: Das Secret of Mana Remake ist nicht so schlecht, wie es jetzt vielleicht klingen mag. Aber im direkten Vergleich mit dem SNES-Original fördert es all die Fehler und Problemchen zutage, die der Klassiker aufweist, ohne auch nur eines der Details zu verbessern. 

Besonders die ersten Spielstunden fallen erstaunlich repetitiv aus. Immer und immer wieder bereist ihr dieselben winzigen Areale und haut Gegner zu Brei, die euch vor keine nennenswerte Herausforderung stellen. Glücklicherweise ändert sich das im Verlauf des Spiels. Wie hätte es auch anders sein können ist der Schwierigkeitsgrad allerdings auch nicht frei von Problemen.

Das liegt vor allem daran, dass ihr (und eure Gegner) nun von allen Seiten angreifen können, war dies in der Erstauflage lediglich in vier Richtungen möglich. Nun stehen euch aber die vollen 360 Grad zur Verfügung. Doch was zunächst einmal nach einer Verbesserung klingt, entpuppt sich im Spielverlauf als Verschlimmbesserung. Da euch die Bogenschützen nun beispielsweise aus allen Richtungen angreifen können, fallen einige Bereiche des Spiels um ein Vielfaches schwerer aus, als damals. Das kann mitunter frustrierend sein. 

Secret of Mana
Die flotten Kämpfe machen Spaß und gehen gut von der Hand.

Kommen wir zurück zur Einleitung. Ein gutes Remake kann ein altes Spiel ganz neuen Spielern zugänglich machen und diese genauso faszinieren, wie es die entsprechende Vorlage bereits getan hat. Secret of Mana wird dies mit seinen Spielmechaniken allerdings nicht gelingen und gleichzeitig die Fans des Originals daran erinnern, wie schön das Abenteuer in der eigenen Kindheit war. Ein schlechtes Spiel ist das Remake auf keinen Fall, immerhin bleiben die liebevollen Charaktere und die meisten Spielmechaniken weitestgehend erhalten. Auch die neuen Zwischensequenzen und die Vertonung gehen in Ordnung. 

Doch als Fanservice lässt der Titel jeglichen Charme der Vorlage vermissen und leistet sich einfach zu viele Patzer, um euch in Nostalgie schwelgen zu lassen. Secret of Mana ist mittlerweile einfach spielerisch in dieJahre gekommen und sollte von euch in der Erinnerung behalten werden, die ihr mit dem SNES-Klassiker verbindet. Immerhin eines gelingt der Neuauflage: Das Spiel aus dem Jahr 1993 in der Form zu schätzen, die ihm würdig ist.


Fazit:

Das Secret of Mana Remake ist eine herbe Enttäuschung. Erfreulicherweise lassen die Entwickler das Gameplay weitestgehend unangetastet und sorgen mit den liebevollen Charakteren, bekannten Umgebungen und dem zeitlosen Original-Soundtrack für wohlige Erinnerungen. Auch die flotten Kämpfe gehen so gut von der Hand, wie damals.

Doch daneben macht Secret of Mana genau eine Sache richtig: Es lässt euch das Original als das schätzen, was es damals war. Von der katastrophalen Grafik, über die misslungene Neuinterpretation des Soundtracks, bis hin zu einigen fragwürdigen Gameplayentscheidungen lässt die Neuauflage jeglichen Charme des Klassikers vermissen. Das Spiel funktioniert noch nicht einmal als Fanservice, geschweige denn, dass der Titel neuen Spielern Lust darauf macht, das Mana-Univserum erkunden zu wollen. 

Eine einfache Umsetzung des SNES-Originals zu einem fairen Preis wäre zumindest besser gewesen als das Remake, welches uns Square Enix hier auftischt. Und das tut nicht nur mir extrem in der Seele weh.


 

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