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Sea of Thieves – Was hat sich seit Release auf Rare´s Piratenspielplatz getan?

Bereits einige Monate tummeln sich nun die Xbox Piraten schon auf hoher See. Rare veröffentlichte seinen Piratenspielplatz Sea of Thieves im März 2018. Fachpresse und große Teile der Community waren sich damals einig, dass dieses Spiel in seinen Grundzügen genial ist, aber einen unfertigen Eindruck vermittelt. Doch was hat sich seither getan? Gerade jetzt, so finde ich, etwa eine halbe Woche nach Veröffentlichung des ersten größeren Inhaltsupdates Cursed Sails, ist der perfekte Zeitpunkt sich die Weltmeere erneut anzusehen.

Sea of Thieves


Harhar, ihr Landratten – Das lief von Beginn an gut

Zunächst jedoch ein kleines Roundup, was von Beginn an die Stärken in Sea of Thieves waren. Und jedem, wirklich jedem, kommt da zunächst das Wasser in den Sinn. Kein Spiel zuvor hat es dermaßen gut verstanden die Weltmeere darzustellen. Man meint fast, man wäre wirklich auf hoher See unterwegs. Beinahe schon ironisch, dass ausgerechnet dieses Spiel der König der Meere ist, wo es primär doch eigentlich eher eine Comic-hafte Darstellung bevorzugt als eine realistische. Und dies wird abgerundet durch das unglaublich gute Gefühl, welches die Schiffe vermitteln. Wer noch nie gesegelt ist glaubt hier zu lernen wie sich das anfühlt. Und wer bereits gesegelt ist, der bestätigt das in den Grundzügen stimmige Gefühl in der Regel auch.

Sea of Thieves
Das Meer und die Sonnenaufgänge sind die optischen Highlights in Sea of Thieves

Auch die Interaktion mit anderen Spielern war schlicht genial. Bei keinem Schiff weiß man im Vorhinein ob es angreifen und einen ausrauben, friedlich vorbeiziehen oder gar helfen will. Denn im Wesentlichen füllen die Spieler und ihre Persönlichkeiten seit dem ersten Tag die Welt. Und das Piratenleben schreibt teils die irrsten Geschichten. Bis hin zum bis unters Dach mit Schätzen beladenen Schiff, welches vom eigenen Crewmitglied nur wenige Meter vom rettenden Hafen versenkt wird, weil dieses versehentlich ein Schießpulverfass zündet und alle ins Verderben reißt. Ein Gruß voller bitterer Erinnerung gilt an dieser Stelle dem Gamezgeneration Kollegen Lars Schulze.

Sonst lobten Spieler die Möglichkeit zu erkunden. An nahezu jeder Ecke der Karte gibt es etwas zu entdecken. Seien es kleine Details oder einfach die überall eingeritzten Namen jener, die bereits in der geschlossenen Alphaphase Heldentaten vollbrachten. Für einige Stunden hält alleine der Entdeckerdrang einen auf Trab. Weiter fingen erste Kritiken zur Veröffentlichung hier aber auch bereits an von Schattenseiten zu sprechen.


Überrr die Planken! – Diese Kritik war besonders häufig zu hören

Denn der Entdeckerdrang wurde zum Beginn des Spiels kaum belohnt. Es gab nichts, was den Abenteurer für seine Entdeckungen entlohnte. Hin und wieder findet sich wild eine Truhe mit Schätzen, ein geheimes Logbuch oder eine Flaschenpost, wobei die letzteren beiden ohnehin aufs Gleiche hinauslaufen, diese waren aber schon immer eher offenstehend zu finden. Wer eine nicht auf der Karte verzeichnete Insel entdeckte, der bekam dort nichts. Eher sogar die optische Höchststrafe. Denn es fällt auf, dass diese Orte meist irgendwie unfertig aussehen. Kein Leben, welches es sonst nahezu überall gibt, die Strände sehen kantiger aus und auch die wichtigen Vorräte, sonst an jedem Ort in der Welt zu finden, fehlen hier nahezu komplett. Wer eine Höhle unter Wasser entdeckt, geradeso mit dem letzten Atemzug vor dem Ertrinken erreicht, der findet auch dort nichts. Mit Glück ein paar Bananen, die fit für den Rückweg machen.


Koste den Stahl! – Endloses Grinding und eintönige Missionen

Weitere Kritikpunkte waren recht abwechslungslose Missionen. Grundsätzlich gab es ab Release drei Parteien im Spiel, für die man Aufträge erfüllen kann. Der Seelenorden schickt einen auf die Jagt nach verwunschenen Skeletten, die es niederzumetzeln gilt. Abgesehen von drei verschiedenen Grundarten an Gegnern laufen diese immer gleich ab. Der Goldsammler lässt einen versteckte Schätze suchen. Die findet man entweder indem man Rätselsätzen folgt, im Grunde kleine Schnitzeljagten, oder indem man das klassische Kreuz auf einer Karte findet. Die Rätselkarten bieten zu Beginn noch am meisten Abwechslung, widerholen sich mindestens teilweise mit der Zeit aber auch.

Der Handelsbund könnte sich auch in „Club der Einfallslosigkeit“ umbenennen. Hier gilt es grundsätzlich immer eine Ware zu finden, in der Regel Hühner, Schweine oder später auch Schlangen, und sie zu einem bestimmten Ziel zu bringen. Dafür gibt es dann lächerlich kleine Belohnungen. Und wäre das nicht eintönig genug, dann hätten die Händler in Sea of Thieves auch dafür eine Lösung: Der Zielhafen ist eigentlich immer der Nachbarhafen vom Startpunkt.


Zeitpiraterie – Sea of Thieves beraubt ehrhafte Piraten um zu viel Spielzeit

Etliche Seemeilen und Spielstunden später hat man gerade mal wenige EP- Level geschafft, derer es 50 pro Fraktion, also 150 insgesamt, gibt und die ersten hart erarbeiteten Dublonen beisammen. Diese lassen sich im Shop aber mitnichten gleich umsetzen. Denn die lediglich kosmetischen Items sind teils lächerlich teuer. Als echter Pirat würde man den Verkäufer eher kielholen, in Sea of Thieves spart man ewig für sein Wunschobjekt.

Eingefleischte Fans der Alpha und Betaphasen, sowie einige frustrierte Spieler beklagten außerdem häufig, dass die Balance zwischen angriffslustigen und friedfertigen Schiffen nach Veröffentlichung von Sea of Thieves zu Ungunsten des Friedens kippte. Dies lag wohl auch am letzten Kritikpunkt. Der besagt nämlich, dass Sea of Thieves keine Inhalte in Form einer Story bietet. Und ganz ohne Anleitung wird auch der schönste (Piraten)Spielplatz irgendwann langweilig und von den Kindern beschädigt.


Eine Budddel voll Rum! – Das hat sich an den Kritikpunkten getan

Nichts desto trotz ist Sea of Thieves insgesamt ein voller Erfolg. Satte 5 Millionen Spieler konnte Rare erst vergangene Woche vermelden. Dies hat seinen Grund. Zunächst einmal ist das Spiel, davon bin ich überzeugt, trotz der hier recht gebündelten Kritikpunkte eine Innovation und sehr gut gelungen. Außerdem geht man auf diese Kritik merklich ein.

Teils offiziell bekanntgegeben, teils inoffiziell aber merklich gesteuert gibt es mehr Belohnungen im Spiel. Dies schwächt das Grinding ab und die Spieler haben mehr Erfolgserlebnisse auf ihren Entdeckungen. So wurden, vor allem für Spieler in höheren Leveln, die auffindbaren Schätze im Durchschnittswert höher. Schlechte Truhen des Schiffsbrüchigen wurden beispielsweise stark reduziert und die guten Truhen des Kapitäns finden sich häufiger. In den nun regelmäßig stattfindenden Events gibt es ebenfalls Belohnungen zu erbeuten und Möglichkeiten den Levelfortschritt separat zu beschleunigen.

Aber kommen wir zunächst zu den Events. Da gibt es verschiedene. Jedes größere Inhaltsupdate, davon gab es bislang zwei, wenngleich Rare das erste eher als mittleres wertet, bringt ein zeitlich begrenztes Event. Das liefert eine Menge an Aufgaben und wohl auch jedes Mal eine Art Story. Letztere beschäftigt einen gut und gerne für etwa 10 Stunden. Einen Widerspielwert hatte das erste Event, welches den Megadalon Hai ins Spiel einführte, mangels wiederholter Belohnungen keine. Auch hier kam Kritik auf, die in den sonstigen Tenor passte. Diese nahm man bei Rare auf und versprach Besserung. Prompt gab es im aktuellen Sea of Thieves Event Cursed Sails neben einmaligen auch widerholbare Belohnungen in Form von Schätzen. Und zwar in Form wertvoller Schätze, die einen reellen Fortschritt ermöglichen.


Ahoi! – Im Sea of Thieves gint es jetzt immer was zu tun

Zwischen den großen Hauptupdates bedient Sea of Thieves die Spieler seit einigen Wochen auch mit einer vierten Fraktion. Die Schiffsratten. Diese ermuntern im Zweiwochentakt mit wechselnden Aufgaben dazu Levelfortschritt und limitierte Kosmetik freizuspielen. Damit ist auch einiges an Abwechslung geboten. Außerdem sind die Aufgaben, sowohl in Events als auch die der Schiffsratten, in vielen Fällen so gestaltet, dass Zusammenarbeit mehrerer Crews erforderlich ist.

Damit ist die Sea of Thieves insgesamt zumindest phasenweise wieder merklich friedlicher geworden. Für zusätzliche Bereicherung der Welt sorgt die Tatsache, dass alle eingeführten Dinge, sei es Bedrohungen oder andere Elemente, nach ihren Events im Spiel verbleiben. Gab es zu Beginn beispielsweise als Seeungeheuer nur den Kraken, so schwimmt heute auch eine ganze Familie an Megaladons in Sea of Thieves umher und lehrt unachtsame Schiffe das Fürchten. Auch die gerade dank Cursed Sails aktiv gewordenen Skelett Schiffe werden wohl später noch in der Welt auftauchen und zufällig angreifen können.

Auch sonst wurde stark auf Spielerwünsche gehört. Es wurde nachträglich die Möglichkeit geschaffen jedes Schiff mit der selbst gewünschten Anzahl an Spielern zu belegen. Natürlich jeweils nur bis zum Maximum der Spieler, die auf solch einem Schiff Platz haben. Wer also eine Galeone, auf der es zu viert schon stressig sein kann, mal zu zweit steuern will, der darf dies auf Spielerwunsch tun. Die Sinnigkeit solcher Vorhaben darf teilweise bezweifelt werden, doch es war gewünscht und Rare beugt sich. Damit einhergehend hatten sich die Spieler gewünscht, dass Schiffe vom Matchmaking nicht automatisch mit einer Crew befüllt werden. Auch dem Wunsch kam Rare nach. Dasselbe gilt für teils kleine Anpassungen wie beispielsweise die Positionierung der Schiffsglocke, welche vielen zu nah an der Leiter war, und die Positionierung der Munitionskiste. Letztere war zu Beginn vielen Spielern zu nah am Waffenschrank.


Bei Neptun! – Das würden wir uns noch wünschen

Rare hört bei Sea of Thieves also merklich auf die Community. Und, dies muss an dieser Stelle ebenfalls gelobt werden, kommuniziert insgesamt sehr offen und vorbildlich über Kanäle wie Twitter. Auch dann, wenn es zu Problemen kommt, was aber gemessen an einem Spiel mit über 5 Millionen Spielern und wöchentlichen Updates tatsächlich eher selten der Fall ist. Da müssen ja beinahe noch Wünsche geäußert werden.

So fehlt meiner Ansicht nach die Möglichkeit im Spiel mühsam gesammelte Vorräte, also im Wesentlichen Kanonenkugeln, Holzbretter um deren Folgen zu beseitigen, und Bananen mit in die nächste Spielsession zu nehmen.

Auch ein zusätzlicher Waffentyp, denn da gibt es bislang nur drei, würde dem Spiel gut zu Gesicht stehen.

Bei den Storys verschenkt Sea of Thieves derzeit viel Potential. Jeder kleine Handlungsstrang ist in sich geschlossen. Eine größere Backround Story, und sei es nur über die sozialen Medien wie beispielsweise bei Overwatch, gibt es nicht. Dies ist schade. So hatte es beispielsweise zuletzt verfluchte Meerjungfrau Statuen einzudämmen gegeben. Diese wurden von den verfluchten Skelett- Schiffen nahezu nahtlos abgelöst. Den Bogen, dass eines zum anderen führt hätte man leicht spannen können. Sea of Thieves bleibt uns solche Verbindungen allerdings größtenteils schuldig. Dies ist schade, wo es doch anfänglich gut ausgesehen hatte mit einer Art Story. So wurde der Megadalon noch durch erhöhtes Hai-Aufkommen in den Gewässern in der Vorwoche angekündigt.

Nicht nur kosmetische Fortschritte fehlen vielen Spielern auch. Zwar sagt Rare hierzu recht klar es soll so etwas nicht geben, da eine stärkere Waffe beispielsweise ein Nachteil für Neulinge im Sea of Thieves wäre. Eine Argumentation der man eigentlich nur zustimmen kann. Es gäbe jedoch durchaus andere Möglichkeiten Fortschritt zu belohnen. Weshalb nicht Dinge wie Eine Harpune freispielbar machen und höherstufigen Piraten die Möglichkeit geben nach einem kauf beispielsweise auch Haie zu jagen und an den Handelsbund zu verkaufen um sich weitere Dinge leisten zu können? Auch hier bleibt Sea of Thieves hinter seinen Möglichkeiten noch zurück und bleibt zu sehr in einer recht starren Welt, für einen Spielplatz, verankert.


Fazit

Es ist noch nicht alles Perfekt. Doch insgesamt entwickelt Rare sein Sea of Thieves für, und in gewissem Sinne auch mit, der Community in die richtige Richtung. Viel von dem, was zu Beginn Unkenrufe wegen zu weniger Inhalte gegeben hatte ist heute bereits mit neuen Inhalten befüllt. Geht der Kurs so weiter, den Rare eingeschlagen hat, dann steht Sea of Thieves eine blendende Zukunft bevor. Lediglich teilweise muss Rare noch nachbessern und aufpassen nicht in alte Einfallslosigkeit zurück zu fallen. Beispielsweise hatte die letzte Schiffsratten Aufgabe mit den Meerjungfrauen erneut einen starken Grinding Charakter.


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