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Review: Toki Tori 2

Zwölf Jahre nach dem beliebten und erfolgreichen ersten Teil veröffentlicht Entwickler Two Tribes mit Toki Tori 2 endlich den heiß ersehnten Nachfolger des Puzzle-Plattformers und verzichtet bei dem Downloadtitel auf jegliche Bildschirmeinblendungen oder Tipps. Ob das gut gehen kann?

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Knuffiger Rätselspaß

Wie schon im Vorgänger schlüpfen wir auch diesmal wieder in die Rolle des namensgebenden, knallgelben Kükens mit Kulleraugen. Allerdings war es das dann auch fast schon wieder mit den Gemeinsamkeiten zum Erstling: Während wir die Rätsel im Vorgänger noch durch den Einsatz unterschiedlichster Gegenstände gelöst haben, gibt uns Toki Tori 2 lediglich zwei Fähigkeiten zur Hand, um unsere Umgebung zu manipulieren: Zwitschern und Stampfen. Mithilfe dieser Fähigkeiten gilt es dann, im Laufe des Spiels unzählige Rätsel zu lösen. Mit dem Zwitschern locken wir beispielsweise besondere Insekten herbei oder lenken die Aufmerksamkeit von Fröschen zu uns, während wir durch das Stampfen unter anderem Steinblöcke verschieben können.

Die zu Spielbeginn noch recht simplen Rätsel werden ziemlich schnell zu einer echten Herausforderung, wenn wir etwa einen Käfer dazu bringen müssen, uns zu folgen. Hat dieser seinen Bestimmungsort erreicht, bringen wir ihn mit der Kombination unserer Fähigkeiten dazu, unseren Lockruf nachzuahmen und so einen Einsiedlerkrebs, welcher sich in einem großen Steinblock ein neues Zuhause geschaffen hat, anzulocken. Im weiteren Spielverlauf sind wir immer wieder auch unterhalb der Erdoberfläche unterwegs: Hier ist das Licht unser stärkster Verbündeter im Kampf gegen furchteinflößende Voodoo-Masken oder fiese Fledermäuse, bei denen wir (wie auch bei allen anderen Gefahrenquellen) schon beim Erstkontakt das Zeitliche segnen. Immerhin sorgen die jederzeit fair verteilten und in hoher Stückzahl vorhandenen Rücksetzpunkte dafür, dass kein Frust aufkommt. Binnen kürzester Zeit werden diese Rätsel ziemlich knackig, was zum Teil auch daran liegt, dass es eben keinerlei Hinweise oder Tipps gibt. Die Lösung müssen wir also ganz alleine herausfinden. Genau hier birgt das Spiel aber zwei nicht unerhebliche Probleme: Zum einen lösen wir viele der Kopfnüsse eher zufällig, durch den Einsatz unserer beiden Fähigkeiten, da wir eh nur Laufen, Zwitschern und Stampfen können. Zum anderen tappen wir immer wieder in fiese Fallen und landen damit in einer Sackgasse, aus der wir nicht mehr herauskommen. Lediglich durch einen Neustart am letzten Speicherpunkt befreien wir uns aus der misslichen Lage.

TokiTori2Wie bereits erwähnt, gibt es in Toki Tori 2 keinerlei Bildschirmeinblendungen, auch eine Hintergrundgeschichte suchen wir vergebens. So durchlaufen wir einen Spielabschnitt nach dem anderen und sammeln dabei Puzzleteile ein, welche wir dann an bestimmten Steinen abliefern. Warum wir das tun? Ich habe nicht die leiseste Ahnung. Und dennoch sorgen gerade die kniffligen Rätsel dafür, dass wir mit dem etwa 15 Euro teuren Downloadtitel eine Menge Spaß haben. Die Level sind kunterbunt und abwechslungsreich, außerdem gibt es unzählige versteckte Abschnitte und alternative Routen.

 Der quietschgelbe Musiker

Im Laufe unseres Abenteuers treffen wir immer wieder auf einen kleinen Vogel, welcher eine simple Melodie zwitschert. Wiederholen wir diese Melodie aus kurzen und langen Tönen (welche wir entsprechend durch einen kurzen oder längeren Tastendruck variieren), erlernen wir jeweils eine neue, zumeist relativ nützliche Fähigkeit. Darunter die Möglichkeit, sich per Richtungspfeil den Fundort alle Puzzleteile in einem Level anzeigen zu lassen oder die Fähigkeit, Selbstmord zu begehen, wenn wir wieder einmal in eine Sackgasse gelaufen sind.

Mit einem Blick auf das Gamepad sehen wir, welche Lieder wir bereits beherrschen und welche Töne wir dafür anstimmen müssen. Ein weiteres Lied aktiviert einen Kamera-Modus, in dem das Gamepad zu einem Fotoapparat umfunktioniert wird und wir Bilder knipsen können. Die Fotos bestimmter Objekte wie Gegner, besonderer Steine oder der Hauptfigur werden in einem Fotoalbum gespeichert. Welchen Zweck das Ganze hat, wird allerdings wieder nicht erklärt. Im laufenden Spiel wird auf dem Gamepad zusätzlich ein Fortschrittsbalken des jeweiligen Abschnittes angezeigt, auf dem auch die Ein- beziehungsweise Ausgänge oder andere wichtige Orte verzeichnet sind. Auf der wirr gestalteten Oberweltkarte, welche zwischen den Leveln eingeblendet wird, fungiert das Gamepad als Übersichtskarte, auf der wir mit Stecknadeln bestimmte Bereiche markieren können, die wir möglicherweise zu einem späteren Zeitpunkt erneut besuchen möchten. Außerdem bietet Toki Tori 2 die Möglichkeit des Off-Screen-Spielens, also das komplette Spiel auf dem Touchscreen zu erleben.

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Grundsätzlich in Ordnung ist die Steuerung des Titels ausgefallen, da unser Held die Eingaben ohne jegliche Verzögerung umsetzt. Wie bereits erwähnt gibt es eine Taste für das Piepsen und eine weitere für das Stampfen, mit dem seltsamerweise aber auch alle anderen Tasten des Gamepads belegt wurden. Mit dem rechten Analogstick können wir uns umschauen, während wir uns mit dem Steuerkreuz bewegen. Leitern und Absätze erklimmt das Küken dabei übrigens von ganz alleine.

Hinweis in eigener Sache: Ich weiß nicht, ob es sich dabei um einen Fehler unserer Testversion handelt, oder ob das so beabsichtigt ist: Mit dem linken Analogstick können wir das Küken lediglich nach links bewegen, drücken wir den Stick in die andere Richtung passiert gar nichts.

Vor allem aus technischer Sicht macht Toki Tori 2 wirklich Einiges her. Die kunterbunte Grafik überzeugt mit gestochen scharfen Texturen und unzähligen Details. Im Hintergrund der zweidimensionalen Spielwelt winken uns andere Küken zu, Glühwürmchen tanzen im Licht und bunte Vögel trällern ihre Liedchen. Vor allem das schicke Gras samt Tiefenunschärfe-Effekt, die tollen Licht- und Wassereffekte und die knuffigen Figuren samt toller Animationen überzeugen auf ganzer Linie und machen das Spiel zu einem der bestaussehendsten Downloadtitel überhaupt. Auch an der Vertonung gibt es nicht viel zu meckern, die Musik ist stimmig und schön, die verschiedenen Bewohner der Welt sorgen mit ihren Lauten für die passende Atmosphäre. Auch der Hall-Effekt in den Höhlen trägt zur gelungenen Atmosphäre bei, eine Sprachausgabe gibt es hingegen leider nicht.


Fazit:

Toki Tori 2 zu bewerten ist wirklich schwierig, da der Titel für einige Spieler gut funktionieren dürfte, anderen aber möglicherweise überhaupt nicht gefallen wird. Zum einen wären da die interessanten und knackigen Rätsel. Zum anderen scheitert das Spiel aber auch an seiner Freiheit: Es gibt keine wirkliche Aufgabe, keinerlei Hinweise und immer wieder landet man in einer Sackgasse, aus der nur der eigene Tod heraus führt. Zumal man viele der Rätsel eher zufällig durch Verwendung der sehr limitierten Fähigkeiten löst. Ich meine: Die Idee der Entwickler, ein Spiel komplett ohne Tipps und Einblendungen zu entwickeln, ist durchaus interessant, aber wenn ich dann komplett im Dunkeln darüber tappe, warum ich nun überhaupt Puzzleteile sammeln und Fotos schießen soll, wirkt das alles recht unbefriedigend. Doch dann ist da wieder diese wunderschöne und malerische Welt voller schicker Details, niedlicher Tiere und toller Effekte, die stimmige Musik in Kombination mit dem Vogelzwitschern, die mich in ihren Bann zieht. Frustresistente Spieler sollten aber auf jeden Fall einen Blick in die Welt von Toki Tori 2 riskieren.


Von uns getestet: Wii-U-Version

Vielen Dank an Two Tribes für die freundliche Bereitstellung des Testmusters!

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