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Review: Tiny & Big: Grandpa’s Leftovers

Um ehrlich zu sein, hat sich der Eindruck, den wir beim Testen der Vollversion von Tiny & Big bekommen haben, nicht großartig gegenüber dem der Vorab-Version geändert. Mit Tiny & Big steuert nun auch ein deutsches Entwicklerteam seinen Beitrag zum Jahr 2012 bei, welches ganz klar von Indie- und Downloadspielen dominiert wird. Während große Titel, so sie denn überhaupt erscheinen, in diesem Jahr nur im Mittelmaß rumdümpeln, explodiert die Indie-Szene derzeit regelrecht vor gut umgesetzten Ideen in noch besseren Spielen. Tiny & Big bildet da keine Ausnahme.

Tiny und Big entstammen der selben Familie, sind laut den Entwicklern Black Pants Studios jedoch keine Brüder. Big stiehlt Tiny noch vor Beginn des Spieles mit der Unterhose seines Großvaters das einzige Erinnerungsstück, welches er noch von seinem Vorfahren besitzt. Da Tiny das nicht einfach so hinnehmen kann, macht er sich mit Laser, Greifhaken und Lenkraketen sowie einem Radio im Gepäck auf, den Opa-Schlüpfer wieder zurückzubekommen.

Ein Laser ist ein nettes Spielzeug

Die Entwickler bezeichnen das Genre als Jump’n’Slice, was natürlich sofort verrät, dass man hier Elemente eines 3D-Plattformers vorfinden kann. Doch was verbirgt sich hinter dem Stichwort „Slice“? Hier kommt der bereits erwähnte Laser ins Spiel. Bei Black Pants hat man nämlich nicht nur ein Spiel, sondern gleich eine komplette Physik-Engine entwickelt, in der man mit Hilfe des Lasers munter die Umgebung zerschneidet und so versucht, sich neue Wege zu schaffen. Wenn das nicht auf Anhieb gelingt, kann man die zersägten Teile mit dem Greifhaken und den Raketen noch etwas zurechtrücken. Das erweist sich stellenweise jedoch als gar nicht so einfach und mitunter muss man gleich mehrere Anläufe starten, um ein Hindernis zu überwinden.

Leider hat sich die Kameraführung seit der Vorab-Version nicht geändert. In engeren Spalten hat Kamera-Goomba Lakitu immer noch seine liebe Not, das Spielgeschehen richtig einzufangen. Hier besteht leider weiterhin die Gefahr, dass man die Übersicht verliert.

Sehr gelungen ist dafür der Cel-Shading-Stil, der dem Spieler zusammen mit den als Onomatopoeia wie „Bang“ oder „Knirsch“ dargestellten Geräuschen das Gefühl gibt, sich in einer interaktiven Comic-Welt zu bewegen.

Indie trifft Indie

Ein Geniestreich ist den Machern beim Soundtrack gelungen: Wir sind ein Indie-Entwickler, warum fragen wir nicht Indie-Musiker, ob sie uns Lieder für das Spiel spenden? Gesagt, getan. Der Bitte des Black Pants Studios sind viele mal mehr, mal weniger bekannte Künstler nachgekommen, wodurch ein sehr guter Soundtrack entstanden ist. Da es viele Songs als versteckte Tapes innerhalb der Level zu finden gibt, lädt Tiny & Big auch zum Erkunden seiner Welt ein.

Leider wird das anfangs recht offene Spiel später zu linear und leider ist es auch etwas kurz geraten. Auf eine Fortsetzung darf man jedoch in jedem Fall hoffen.

An dieser Stelle möchte ich ein wenig Schleichwerbung für den Frühstückspodcast von manuspielt’s machen, der in Folge 534 mit dem Tiny-and-Big-Programmierer Christian Niemand sowie Herr Kaschke von den 3Typen, die Musik für das Spiel beigetragen haben, gleich zwei interessante Persönlichkeiten zu Gast hatte, die unmittelbar an dem Spiel beteiligt waren und in dem Gespräch Einblicke in die Entstehungsgeschichte von Tiny & Big geben. Prädikat: Unbedingt hörenswert.

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Fazit:

Tiny & Big: Grandpa’s Leftovers ist ein gelungener Puzzle-Plattformer mit kleineren Schwächen, insbesondere in der manchmal etwas zu hakeligen Kameraführung. Freunde von Indie-Games und 3D-Plattformern sollten es sich jedoch auf keinen Fall entgehen lassen. Das Jump’n’Slice-Gameplay versprüht zusammen mit dem Comic-Stil und dem äußerst gelungenen Soundtrack einen ganz eigenen Charme. Aus deutschen Entwicklerhäusen kommen sonst meistens nur neue Anno- und Siedler-Teile, die Black Pants Studios beweisen, dass man hierzulande aber auch Physik-basierte Spiele mit eigens dafür programmierten Engines auf den Markt bringen kann.

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Vielen Dank an Crimson Cow für die freundliche Bereitstellung des Testmusters!

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