Image default
Switch Tests

Pokémon Purpur im Test

Die Pokémon Spiele gehören vermutlich zu den bekanntesten und gleichzeitig auch beliebtesten Videospielen der letzten Zeit. Fast jedes Jahr dürfen sich Fans des Franchise über einen neuen Ableger freuen. Letztes Jahr hörte dieser auf den Namen Pokémon Purpur oder Pokémon Karmesin und erschien auf der Nintendo Switch. Endlich sollten die Spieler voll auf ihre Kosten kommen und Pokémon mit langersehnten Spielelementen, wie beispielsweise einer Open-World oder einem Online-Koop, genießen können. Stellt sich also nur noch die Frage: Schaffen es Pokémon Purpur und Karmesin den Spielerwünschen gerecht zu werden? Oder zerbeißt es sich die Zähne wie ein Rattfratz an einem Onix und muss sich gewisse Kritik gefallen lassen? Das alles erfahrt ihr in unserem Test!

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden


Pokémon Purpur – Ein ungewöhnlich gewöhnlicher Start

Der Anfang von Pokémon Purpur/Karmesin ist zum größten Teil so, wie man es sich von einem Spiel der Reihe vorstellt. Ihr seid das neue aufstrebende Kind am Pokémon Himmel, lebt mit eurer Mutter in einem Dorf zusammen und habt endlich das Alter erreicht, um euer Abenteuer zu starten. Im Fall von diesem Ableger der Reihe, führt euch dieses „Abenteuer“ in die Hallen einer Pokémon-Akademie. Eines Tages wacht ihr auf. Ihr geht die Stufen aus eurem Zimmer nach unten und bekommt kurzerhand einen Besuch vom Schulleiter der hiesigen Akademie. Nach ein wenig Smalltalk, dass ihr jetzt endlich soweit seid eure schulischen Pflichten nachzugehen, bekommt ihr die Möglichkeit eines von drei Pokémon als Starter-Pokémon auszuwählen. Wie in den vorangegangenen Spielen erwartet euch mit dem Krokodilpokémon Krokel, dem Entenpokémon Kwaks und dem Katzenpokémon Felori jeweils ein Pokémon des Typs Feuer, Wasser oder Pflanze.

Pokémon Purpur
Dieses Mal verschlägt es euch in die Hallen einer Pokémon-Akademie.
© Nintendo

Fast zeitgleich dazu lernt ihr eure Rivalin Nemelia kennen. Sie hat das große Ziel Pokémon-Champion zu werden und ist stets darauf bedacht, euch immer wieder zum Kampf zu herauszufordern. Doch in der Paldea-Region, genauer gesagt dem Campus gibt es noch weitere interessante Charaktere, mit denen ihr interagieren müsst und die eure Hilfe benötigen. Beispielsweise der versierte Koch und mit schnittigem Haarschnitt ausgestattete Pepper. Er ist ein Jahrgang höher als ihr. Seine Spezialität sind Rezepte und das Kochen. Dafür reist er umher, um neue Rezepte zu erlernen, mit jenen er Pokémon helfen kann. Zusammen mit ihm bestreitet ihr den Pfad der Legenden, auf welchen wir etwas später zu sprechen kommen. Außerdem gibt es noch das geheimnisvolle Team Star, welches auf dem Campus und allgemein in Paldea ihr Unwesen treibt. Aber auch hierzu erzählen wir euch später etwas mehr.


Pokémon Purpur – Sandwich statt Meisterball

Doch noch bevor es wirklich zur Akademie geht, wird eure Aufmerksamkeit auf einen kleinen Strand unterhalb des Leuchtturms gelenkt. Schnell eilt unser Charakter zur Klippe, um nachzusehen was passiert ist. Im Sand liegt ein unbekanntes Pokémon, welches von zwei Hunduster bedroht wird. Die Hunduster werden verscheucht. Infolgedessen führt dies aber ebenso dazu, dass ihr von der Klippe fallt. Glücklicherweise hilft euer Smart-Rotom, sodass wir sanft landet. Das Smart-Rotom dient als eine Art Pokédex. Mit ihm seid ihr in der Lage Pokémon zu analysieren. Zusätzlich kommt es mit nützlichen Smartphone-Funktionen daher.

Was jetzt? Ihr steht einem ungewöhnlichen Pokémon gegenüber. Dieses wirkt auf dem ersten Anschein euch gegenüber bedrohlich, gleichzeitig auch beeindruckend futuristisch. Da das Helfersyndrom des zu spielenden Helden aber immer viel zu groß ist, kümmert ihr euch trotzdem um das scheinbar verletzte, wie auch stark erschöpfte Miraidon. In Pokémon Karmesin erwartet euch hier Koraidon statt Miraidon. Ihr bietet ihm ein Sandwich an, welches euch eure Mutter für die Reise zubereitet und gegeben hat. Nach dem ersten Beschnuppern langt Miraidon zu und hat anschließend wieder genügend Kraft getankt, um sich auf die Beine zu heben und in Richtung einer angrenzenden Höhle zu laufen. Es signalisiert euch zu folgen. 

Pokémon Purpur
Ihr könnt euch an Pokémon heranschleichen, um sie zu analysieren oder anzugreifen.
© Nintendo

Am Ende erwartet euch erneut Nemelia. Sie hilft euch und Miraidon aus der Höhle, bevor euer mysteriöser neuer Begleiter plötzlich wieder zusammenklappt. Scheinbar ist es trotz des leckeren Sandwich nach wie vor nicht vollends bei Kräften. Dies ist auch das, was Pepper zu euch sagt. Kurz darauf fordert er euch zu einem Kampf heraus. Er will testen, ob ihr in der Lage seid, euch um das verletzte Miraidon zu kümmern. Im Anschluss dampft Pepper zufrieden ab und ihr könnt euch über einen neuen geschwächten Begleiter freuen.


Los geht’s! Auf in die große weite Welt!

Miraidon lässt sich zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht im Kampf einsetzen. Wie erwähnt ist es nicht bei voller Kraft. Glücklicherweise lässt es sich aber hervorragend zur Erkundung der erstmaligen Open-World nutzen. Was man mit der umstrittenen Naturzone von Pokémon Schwert/Schild und der Welt von Pokémon: Legenden von Arceus schon versucht hat vorab zaghaft an die Spielerschaft heranzuführen, wird in Pokémon Karmesin/Purpur endlich Realität. Weg von den linearen Routen, die nur als Bindeglied zwischen den einzelnen Städten und Arenen gedient haben.

Zufallskämpfe im hohen Gras gehören der Vergangenheit an. Wie schon bei Let’s Go Evoli/Pikachu seht ihr jetzt die Pokémon auf der Oberwelt herumtollen und lassen sich von euch gezielt ansteuern. Trainer sprechen euch ebenfalls nicht mehr an, sobald ihr in ihr Blickfeld gelangt. Wenn ihr kämpfen wollt, dann müsst ihr mit Ihnen interagieren und sie herausfordern. Außerdem gibt es wieder die aus der Naturzone schon bekannten Tera-Raids, welche ihr zusammen mit drei KI- oder Online-Mitstreitern angehen könnt. Je nach laufenden Online-Event ist es darüber möglich besondere Pokémon zu fangen.

Pokémon Purpur
Kein hohes Gras mehr: Pokémon sind nun auf der Welt erkennbar und lassen sich gezielt ansteuern.
© Nintendo

Das klingt alles sehr gut und genau nach dem Pokémon Spiel, welches sich viele Fans der Reihe endlich gewünscht haben. Leider trügt dieser Schein jedoch gewaltig. Ja, die Open-World ist ganz nett und lädt zum Erkunden ein und ja, die einzelnen Orte wirken oberflächlich betrachtet abwechslungsreich. Vom Künstlerdorf, über eisige Schneeberge und Vulkane, bis hin zur geschäftigen Hafenstadt ist alles vertreten. Allerdings sind gerade die Städte doch bei genauer Betrachtung recht blass. Es lassen sich demnach nur noch eine Hand voll Häuser begehen und bei Geschäften wurden die Anpassungsmöglichkeiten zudem stark eingeschränkt. Ihr seid bis auf vier verschiedene Schuluniformen, welche den Jahreszeiten angeglichen wurden, gezwungen mit immer der gleichen Klamotte herumzulaufen. Lediglich Friseure und bestimmte Restaurants warten mit Freuden darauf, euch das Geld aus der Tasche zu ziehen. Na immerhin!


Open-World in den Kinderschuhen…

Des Weiteren wartet die Open-World mit weiteren Tücken auf, wodurch immer wieder deutlich wird, dass Entwickler Game Freak in diesem Gebiet noch in den Kinderschuhen steckt. Die Open-World ist zum großen Teil frei begehbar. Klar gibt es hier und da ein paar Wegsperren, bspw. von Team Star, die es erst im Laufe der Handlung aus dem Weg zu räumen gilt.

Pokémon Purpur
Technisch sehen die einzelnen Gebiete leider alles andere als gut aus.
© Nintendo

Im Großen und Ganzen ist dies aber nicht der Knackpunkt. Eher ist es das, dass ihr zwar wie erwähnt recht viel erkunden könnt, es aber nicht ratsam ist, dies auch zu tun. Gerade am Anfang nicht. Steuert ihr nämlich mal das falsche Gebiet an und dies kann schneller gehen als es einem lieb ist, wird das Spiel euch dafür bestrafen. Die wilden Pokémon und Trainer sind dann viel zu hoch für euch und werden euch unangespitzt in den Boden rammen.


Eine Story, aufgeteilt in drei Kampagnen

Vor allem passiert das dann, wenn ihr der Kampagne von Pokémon Purpur/Karmesin folgt. Ganz oben steht eine Schatzsuche, welche sozusagen die Hauptstory ist. Diese teilt sich allerdings recht schnell in drei Pfade auf, die man am Ende wieder geschickt zusammenführt. Es erwartet euch also der Weg des Champs, die Straße der Sterne und der Pfad der Legenden.

Bei dem klassischen Weg des Champs müsst ihr Arena-Leiter besiegen, Orden sammeln und dann gegen die Top Vier plus amtierenden Champion gewinnen.

Die Open-World bietet verschiedene Regionen und Witterungen.
© Nintendo

Die Straße der Sterne befasst sich mit dem Aufspüren und Besiegen von Team Star. Die Hintergrundgeschichten der einzelnen Boss kann sich dabei absolut sehen lassen und für uns persönlich ist dieser Strang auch der, der uns am meisten gefallen hat.

Zu guter Letzt ist da der Pfad der Legenden. Im Schlepptau mit Pepper reist ihr umher um Herrscher-Pokémon zu bekämpfen. Dadurch erlangt Pepper neue Gewürze, die er zur Herstellung von Sandwiches benötigt. Das Essen gibt er seinem treuen Begleiter Mastifioso, welcher dadurch mit jedem neuen Sandwich immer weiter wieder zurück zur alten Kraft kommt. Ihr hingegen gebt es Miraidon/Koraidon und schaltet auf diesem Weg neue Reisefähigkeiten frei. Zum Beispiel seid ihr auf den Rücken von Miraidon dann in der Lage zu fliegen, zu surfen oder zu klettern. Das Freischalten der Fähigkeiten lohnt sich also gewaltig, um die Open-World besser zu erkunden.


…zurück zu den Kinderschuhen

So, da wir nun ein wenig von dem Pfad unseres Reviews abgekommen sind, versuchen wir mal die Brücke zu den angesprochenen Tücken wiederzufinden. Wie schon gesagt, kann es sein, dass man von seinem Weg abkommt. Die Sache mit den drei Strängen der Handlung beißt sich hier ein wenig. Sollte dies doch eigentlich ein gewisses Maß an Freiheit vermitteln. Ganz so ist es aber einfach nicht. Wenngleich ihr euch dementsprechend dazu entscheidet, erst einen Pfad abzuschließen, werdet ihr recht schnell an eure Grenzen kommen.

Schuld sind die angesprochenen Levelbegrenzungen, die euch schnell auf den Boden der Tatsachen zurückholen können. Ihr seid also mehr oder weniger gezwungen, auch die anderen Handlungen immer etwas mitzuverfolgen, bevor ihr euch wieder auf dem von euch priorisierten Weg konzentrieren könnt. Beim Pokémon Center ist es möglich sich eine Empfehlung einzuholen, wo ihr euch als nächstes hinbegeben solltet, um keine Probleme zu haben. Wenn ihr dem vorgegebenen Weg folgt, werdet ihr vom Schwierigkeitsgrad her nie wirklich in Bedrängnis geraten. Pokémon Purpur/Karmesin macht es hier seinen Vorgängern gleich und ist insgesamt ein viel zu einfaches Spiel (wenn ihr nicht vom Weg abkommt).

Beim Pfad der Legenden erwarten euch riesige Herrscher-Pokémon.
© Nintendo

Ein weiteres Thema für viel Kritik ist die unausgereifte Technik. Man kann es fast schon frech nennen, mit was für einer Dreistigkeit Game Freak ihr Spiel auf die Nintendo Switch geknallt hat. Texturen sind matschig und müssen schon auf den kleinsten Entfernungen nachladen, die Framerate ist unter aller Kanone, wodurch das Spiel teils nur vor sich hinruckelt und dazu kommen noch Bugs, sowie Glitches die einfach nicht sein müssen und die unter anderem dafür sorgen, dass ihr einfach durch die Bodentextur fallt. Also Game Freak, abgesehen vom Krog-Wald, wäre es vielleicht ratsam gewesen, sich in so ziemlich jedem Faktor, der die Open-World betrifft, an The Legend of Zelda: Breath of the Wild zu orientieren. Dort wird ja gezeigt, zu was die Hybrid-Konsole von Nintendo imstande ist.


Das Gameplay funktioniert aber Großteils

Ansonsten ist das Gameplay aber genau das, was man sich von einem Pokémon-Spiel wünscht und was die Reihe auch ausmacht. Spielerisch betrachtet kann man sogar soweit gehen, abgesehen von den Problemen in der Open-World, die man nicht verschweigen darf, wäre es vermutlich das beste Spiel seiner Art und bedarf keiner weiteren Worte. Was man als hilfreiche Neuerung jedoch dennoch erwähnen muss, sind die neuen Auto-Kämpfe. Ihr könnt euer Pokémon neben euch herlaufen lassen. Es wird dann wilde Pokémon angreifen, ohne, dass der Kampfbildschirm aufgerufen wird. Ihr bekommt, wenn euer Pokémon siegreich ist zwar etwas weniger EXP, dennoch vereinfacht und beschleunigt es das Aufleveln eures Team gewaltig. Terakristallisierung ist übrigens dieses Mal das neue Gimmick eurer Pokémon und ersetzt damit die Dynamaximierung oder Mega-Entwicklung. Im Kampf könnt ihr einmal eines eurer Pokémon kristallisieren lassen. Dadurch bekommt es optisch ein paar ansehnliche Kristall-Accessoires verpasst. Kämpferisch werden die einzelnen Attacken nicht nur verstärkt, sondern verändern sich teilweise auch vom Typ, wodurch natürlich aus strategischer Sicht ein bisschen mehr möglich gemacht wird.

Terrakristallisierung ist die neue Besonderheit bei den Pokémon-Kämpfen in der Paldea-Region.
© Nintendo

Ergänzt wird der bekannte Loop bestehend aus dem Fangen, Erkunden und Sammeln durch einen nunmehr wirklich vorhandenen Online-Koop-Modus. Die Story, wie in TemTem könnt ihr zwar nicht im Koop zusammen durchspielen, dafür lässt sich mit bis zu vier anderen Trainern in einer Lobby die Welt erkunden, kämpfen und tauschen. Ungeachtet davon lässt sich wie gewohnt ein Link- oder Wundertausch mit Spielern auf der ganzen Welt durchführen. Genauso ist die Möglichkeit zum Kämpfen gegen einen anderen Online-Spieler gegeben. 

Einzig das Züchten von Pokémon Eiern sehen wir kritisch. So muss man nicht mehr zwei Pokémon unterschiedlichem Geschlecht in die Zucht geben. Stattdessen werden Eier nun dadurch gezüchtet, indem man ein Picknick veranstaltet. Nun heißt es einfach warten. So lange, bis der Korb mit Eiern gefüllt ist. Mit verschiedenen Ausrüstungsgegenständen für die Pokémon und dem richtigen Sandwich kann man die Eierzucht noch weiter beschleunigen. Das kann man natürlich auch positiv sehen, für uns war der alte Weg aber der, welcher einfach mehr Spaß gemacht hat. Ich will einfach nicht 30 Minuten meine Nintendo Switch weglegen, während meine Pokémon damit beschäftigt sind ihr Ding zu machen, nur damit ich dann Eier bekomme. 


Related posts

GameFreak kündigt Pokémon Strahlender Diamant und Pokémon Leuchtende Perle an

Christian Ibe

F1 2019 im Test

Christian Ibe

Vane im Test

Philipp Briel