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Switch Tests

Moonlighter (Nintendo Switch) im Test

Das Action-Abenteuer Moonlighter von den 11 Bit Studios ist bereits seit einigen Monaten für PlayStation 4, PC und Xbox One erhältlich. Nun folgte der Release für die Nintendo Switch, die dank HeadUp Games obendrein auch noch mit einer Retail-Fassung bedacht wird. Wir haben uns die Umsetzung für die Hybrid-Konsole genauer angesehen und verraten euch, ob der interessante Genremix auch hier zünden kann.


Abenteurer und Geschäftsmann zugleich

Moonlighter präsentiert sich direkt auf den ersten Blick als ein interessanter Genremix im Retrolook. Ihr übernehmt die Rolle von Will, dem letzten Nachkömmling Händler-Dynastie, die in dem verträumten Örtchen Rynoka seit vielen Jahrzehnten den Moonlighter-Laden geführt hat. Leider liefen die Geschäfte zuletzt eher schlecht als Recht, sodass es nun an euch liegt, dem Laden neues Leben einzuhauchen. Hierfür benötigt es ausgefallene Warenbestände und seltene Items, die Will allerdings erst einmal auftreiben muss. Glücklicherweise befinden sich direkt vor den Toren eures Heimatortes düstere Dungeons, die es zu durchforsten und zu meistern gilt, um mit wertvollen Schätzen belohnt zu werden. 

Dummerweise beherbergen die düsteren Gemäuer nicht nur unzählige Schätze, sondern auch allerhand Gefahren und Monster, die Will seinen lukrativen Geschäftsplan durchkreuzen wollen. Dabei macht sich Moonlighter beim Spielaufbau das Roguelike-Prinzip zu Nutze und erstellt bei jedem Betreten der Dungeons einen neuen Ebenenaufbau, sodass ihr immer wieder vor neue Herausforderungen gestellt werdet. Das Spiel wird dabei aus der Top-Down-Ansicht gespielt und erinnert optisch an die guten alten 2D-Zelda-Abenteuer. Garniert wird das Ganze mit Einflüssen aus dem Roquelike-Universum, ohne allerdings gänzlich auf das Genre zu setzen. Die Entwickler betiteln Moonlighter deshalb als ein „Roquelite„-Spiel, doch dazu später mehr. 

Die Obermotze der Dungeons erfordern viel Können und Mut.

Dungeon-Abenteuer

Wie ihr durch das Lesen des ersten Abschnittes bereits festgestellt habt, ist Will’s Vorhaben kein einfaches Unterfangen. Zunächst nur mit einem Besen bewaffnet, erkunden wir den ersten Übungsbereich, in dem uns auf spielerische Art und Weise die Steuerung beigebracht wird. Das Will mit einem Besen als Waffe keinen Blumentopf gewinnen kann, wird ihm spätestens nach diesem ersten Dungeon-Besuch klar. Somit dürfen wir im Spielverlauf auch zu vielen deutlich schlagkräftigeren Waffen wie Schwertern, Lanzen oder auch Pfeil und Bogen greifen. 

Für seine gewiefte Geschäftsidee wagt sich unser Held in der Nacht in die mysteriösen Dungeons, die ihr über fünf Portaltore erreichen könnt. Der Plan besteht somit aus einem Leben als Abenteurer in der Nacht und als Geschäftsmann am Tag, wenn die erbeuteten Schätze den Bewohnern von Rynoka zum Verkauf angeboten werden. Je größer und ausgefallener die erbeuteten Schätze ausfallen, umso besser. Die Items, die wir in den Dungeons finden reichen von einfachen Mineralien, Wertgegenständen und Schriftstücken bis hin zu wertvollen Schätzen. Bei all dem fröhlichen Einsammeln der wertvollen Waren, solltet ihr allerdings immer ein Auge auf euer Inventar werfen. Selbiges bietet nur einen begrenzten Platz für das erbeutete Loot, sodass ihr auch hin und wieder überlegen müsst, ob ihr ein paar Items zugunsten eventuell wertvollerer Objekte zurücklasst. Passenderweise besitzt Will auch ein magisches Amulett, mit dem ihr euch aus den Dungeons gegen einen gewissen monetären Einsatz teleportieren könnt, um eure Beute sicher in den Laden zu bringen. 

Will sein Inventar bietet nur begrenzten Platz für seine Beute.

Die Qual der Wahl eines Händlers

Zurück in den eigenen vier Wänden angekommen, geht es an das Sichten der erbeuteten Schätze. Hier könnt ihr die schwere Entscheidung treffen, welche Produkte ihr in die Auslage eures Ladens zum Verkauf stellt oder doch vorerst behaltet, um mit diesen beispielsweise neue Waffen oder noch wertvollere Objekte herzustellen. Entscheidet ihr euch für die erstere Option, könnt ihr zudem den Verkaufspreis bestimmen. Hier kommt es auch etwas auf euer Gespür und ein glückliches Händchen an, denn vorab lässt sich natürlich schwer abschätzen, welche Preise ihr mit den jeweiligen Produkten erzielen könnt. 

Deswegen gilt es auch das Verhalten der Kunden genau zu beobachten. Diese schauen sich eure Verkaufsgegenstände genauestens an und reagieren mit eindeutigen Signalen auf den ausgeschriebenen Preis. Dadurch könnt ihr für die Zukunft bessere Preise festlegen und so eure Gewinne maximieren. Praktischerweise besitzt Will eine Art Journal in dem die Preisreaktionen der einzelnen Kunden festgehalten werden, wodurch die Preispolitik erleichtert wird. Nichtsdestotrotz wirkt dieser Spielpart wie eine kleine Wirtschaftssimulation, die den Alltag als Abenteurer in den Dungeons wunderbar auflockert. 

Doch mit dem einfachen Verkauf der Beute ist euer Alltag als Verkaufstalent noch längst nicht beendet. Nach dem Verkaufstag erfolgt zunächst der Kassensturz und mit einem stetig angehäuftem Gewinn lassen sich zahlreiche Investitionen in eurem Heimatort tätigen, die dabei helfen sollen Rynoka zum alten Glanz zurückzuführen. Durch den Ausbau der Stadt, profitiert ihr gleichermaßen, da ihr so bessere Waffen beim Schmied oder Heiltränke bei der örtlichen Kräuterfee besorgen könnt. Alternativ lässt sich auch das eigene Ladenlokal vergrößern, sodass ihr noch mehr Produkte zum Verkauf ausstellen könnt. 

Welcher Preis ist der Richtige? Ihr solltet die Reaktionen der Kunden genau im Auge behalten.

Mit Mut und Schweiß zum Erfolg

Doch kommen wir noch einmal auf das Dungeon-Gameplay zu sprechen. Wie bei Genrekollegen wie Binding of Isaac, erkundet ihr auch in Moonlighter zufallsgenerierte Dungeons. Euer Ziel besteht darin neben dem Einheimsen von Loot auch den jeweiligen Endboss des Dungeons zu bezwingen. Dies sind meist bildschirmfüllende Obermotze, die flinke Reaktionen von euch abfordern. Erst wenn ihr das Dungeon-Oberhaupt beseitigt habt, öffnet sich das nächste Dungeon-Portal. Da es insgesamt nur fünf Portale im Spiel gibt, könnt ihr euch selber ausrechnen, dass diese recht trickreich und mit zunehmender Spieldauer äußerst fordernd ausfallen. Geübte Spieler können Moonlighter in rund 12 bis 14 Stunden abschließen. Wer sich allerdings die Zeit nimmt, kommt gut und gern auf rund 20 Spielstunden.

In den Dungeons wimmelt es nur vor fiesen Monstern. Diese reichen von Steingolems über Skelette, heimtückischen Pflanzen bis hin zu schleimigen Zeitgenossen. Das Gameplay erinnert in den Kämpfen an die guten alten The Legend of Zelda-Abenteuer. Überlegtes Vorgehen zahlt sich somit aus, sodass ihr nicht nur ein guter Angreifer sein solltet, sondern auch mittels Ausweichrolle den gegnerischen Angriffen entweichen solltet.  

Aber nicht nur die Gegner und damit verbundenen Kämpfe machen euch euren Alltag als Abenteurer schwer, auch die Schätze beherbergen einige Tücken. So können einige Schätze im Inventar nicht neben anderen Objekten aufbewahrt werden, da diese mit einem Fluch belegt sind und somit auch die andere Beute unbrauchbar machen. Dadurch wird die Beutejagd auch etwas zum Glücksspiel. Klassische Logikrätsel findet ihr in den Dungeons übrigens nicht vor. Fällt Will im übrigen den zahlreichen Tücken eines Dungeons zum Opfer so hat dies weitreichende Konsequenzen für euch. Da es sich hier aber nur um einen „Roquelite“-Titel handelt, verliert Will nur einen Teil seiner Beute und Geldes, darf dafür aber seine Ausrüstungsgegenstände behalten. Dadurch bleibt auch das Frustlevel auf einem erträglichen Ausmaß. 

Mit zunehmenden Spielfortschritt blüht auch euer Heimatort auf.

Die technische Umsetzung und die Retail-Fassung

Auch auf der Nintendo Switch kann Moonlighter mit einer schönen Retro-Optik punkten. Das Spiel läuft sowohl im TV- als auch im Handheldmodus flüssig und ist nett anzusehen. Löblich ist zudem die deutsche Lokalisierung des Titels, was bei Indie-Spielen ja nicht immer gegeben ist. Auch die Soundkulisse weiß durchaus zu gefallen und punktet mit stimmungsvollen Melodien, die perfekt zum Spiel passen. 

Etwas schade ist allerdings die sehr seichte, fast schon nebensächlich erscheinende Story. Will und alle anderen NPC’s bleiben im Spielverlauf ziemlich blass und auch euer Städtchen weiß etwas an Charisma zu vermissen. Schade eigentlich, denn vor allem das gut spürbare Progressionslevel durch den Aufbau der Stadt mit zunehmenden Spielfortschritt bot eine gute Basis für einen hohen Identifikationsgrad. 

Dank HeadUp Games gibt es Moonlighter für die PlayStation 4 und Nintendo Switch auch in einer Retailfassung. Selbige umfasst zusätzlich noch ein englischsprachiges Game Manual mit Illustrationen und Beschreibungen zum Spiel, wie man sie in den heutigen Zeiten leider viel zu selten noch vorfindet. Daumen hoch für so viel Herzblut! 

Die Retailversion von Moolighter bietet auch ein schönes Booklet.

Fazit:

AwardMoonlighter präsentiert sich als stimmiger Genre-Mix, der auch langfristig motivieren kann. Euch werden hier fast schon zwei Spiele zum Preis von einem geboten, da sowohl die Dungeon- als auch die Verkaufssequenzen Laune bereiten und tiefgreifendes Gameplay bieten. Besonders motivierend wirkt sich die stetige Entwicklung eurer Heimatstadt auf euren Abenteueralltag aus, da ihr euch immer tiefer in die düsteren Dungeons wagt, um noch kostbarere Schätze zu bergen. Nichtsdestotrotz ist nicht alles gold was glänzt. So wirken die Kämpfe in Moonlighter auf Dauer etwas monoton und obendrein bleibt die Story mitsamt der Charaktere ziemlich blass. Hier wäre durchaus mehr drin gewesen. Freunde von 2D Action-Adventures und Roquelike-Spielen sollten sich Moonlighter dennoch genauer zu Gemüte führen. 


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