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Metal Gear Survive Review

In Metal Gear Survive solltet ihr zunächst einmal Abschied nehmen. Abschied von allem, was die Metal Gear-Serie in der Vergangenheit ausgezeichnet hat. Mit dem Abgang von Serienschöpfer Hideo Kojima wendet sich das Spiel von seinen Wurzeln ab und geht ganz neue Wege. Aber sind diese auch gelungen? Das wird unser Review zeigen. 

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Warte… was?

Metal Gear Survive spielt nach den Ereignissen von Metal Gear Solid V: Ground Zeroes, aber noch vor The Phantom Pain. Unter dem Vorwand einer Nuklearinspektion durch die IAEO startet eine feindliche Gruppe namens XOF einen Uberraschungsangriff auf Big Boss‘ Operationsbasis Mother Base auf den Seychellen, die daraufhin vollständig zerstört wird.

Bereits das Intro sorgt für zahlreiche Fragezeichen in eurem Kopf. Während Quereinsteiger zunächst einmal überhaupt nichts verstehen, wundern sich Veteranen über die Zusammenhänge. Immerhin spricht die Einleitung Ereignisse an, die erst im Metal Gear Solid V: The Phantom Pain stattgefunden haben. Wie passt das also ins Bild? Immerhin spielt Survive zeitlich vor dem genannten Spiel. Eine Frage, die euch der Titel nicht beantworten wird. Doch es geht noch weiter.

Day-1-Patch ist Pflicht!
Um Metal Gear Survive überhaupt starten zu können, müsst ihr den 3,5 GB großen Patch herunterladen. Der Titel setzt zudem eine dauerhafte Internetverbindung voraus. 

Das auf pseudo-cool getrimmte Intro sagt nahezu Nichts aus. Immerhin taucht Serienheld Snake (oder Big Boss) mal kurz in seinem Hubschrauber auf, knallt ein paar Soldaten ab und verschwindet daraufhin wieder genauso schnell, wie er gekommen ist. Ansonsten fallen am laufenden Band irgendwelche namenlosen Soldaten, Särge werden ins Meer gekippt und ein Laurence Fishburne für Arme plappert mit einem Kollegen kryptisches Zeug.

Metal Gear Survive
Die Story zählt nicht gerade zu den Stärken von Metal Gear Survive

Nach ungefähr 15 Minuten dürft ihr euch dann endlich mal an die Charaktererstellung wagen und eure eigene Spielfigur zusammenschustern, nur um dann weitere 15 Minuten langatmige Videos über euch ergehen zu lassen. Natürlich dürft ihr dieses Intro auch überspringen und das solltet ihr auch tun, denn die quasi nichtssagende Story erklärt es sowieso nicht.

Plötzlich entsteht dann auch noch ein Wurmloch, welches alles und jeden in sich einsaugt. Ihr wacht letztlich in einer Forschungsstation der US-Regierung auf, in der euch Fishburne, der sich „Goodluck“ nennt, einen Spezialauftrag ereilt: Da ihr mit irgendetwas infiziert seid, müsst ihr in das Paralleluniversum reisen, um ein Heilmittel für eure Infektion zu finden und all diejenigen zu retten, die bereits in die Parallelwelt gezogen wurden. Oder so ähnlich zumindest. 


Hello from the other side

Auf der anderen Seite erwartet euch eine zerstörte und trostlose Welt. Fahrzeugwracks und Teile der gewaltigen Mother Base dominieren die Szenerie, bedeckt mit seltsamem, blauen Schleim. Nachdem euch Metal Gear Survive mit den grundlegenden Spielmechaniken vertraut gemacht hat, trefft ihr auf einen weiteren Überlebenden. Ein Mitglied der verfeindeten XOF, mit dem ihr euch kurzerhand zusammentut und um das nackte Überleben kämpft. In letzter Sekunde rettet ihr euch vor mysteriösen Infizierten, den sogenannten „Wandelnden“, die ziemlich stark an die Clicker aus The Last of Us erinnern (und auch fast genauso agieren). 

Metal Gear Survive
Die Wanderer sind die Standard-Gegner im Spiel.

Doch selbst, wenn man sich den großen Namen einmal weg denkt und das Spiel nüchtern betrachtet, bietet Metal Gear Survive zumindest in den ersten Spielstunden nicht viel, was euch gefallen wird. So schickt euch das Spiel zunächst einmal auf zahllose langweilige Missionen die noch nicht erahnen lassen, in welche Richtung sich das Spiel entwickeln wird. 

Also macht ihr euch auf die Jagd nach kleinen Tieren, um nicht zu verhungern oder sammelt Materialien, aus denen ihr eure Waffen selbst zusammenschustert, um die Wandelnden zu bekämpfen. An den Werkbänken kombiniert ihr so beispielsweise gesammeltes Metall mit Stoff, um daraus einen Rohrspeer zu basteln. Mit diesem könnt ihr dann eure Gegner zu Tode pieksen oder leichte Holztüren öffnen. Auf eurer Reise stoßt ihr auf zahlreiche Materialien, die ihr in typischer Survival-Manier in eurem Inventar platziert, um irgendwann einmal etwas daraus zu bauen. Keine der Spielmechaniken, die euch Metal Gear Survive in seinen ersten Stunden auftischt, wirkt sonderlich frisch oder spannend.

Metal Gear Survive
Im Spiel jagt ihr Tiere, welche Nahrung liefern und euch am Leben erhalten.

Es darf gekämpft werden

Zumindest in den ersten Spielstunden setzt ihr in Kämpfen fast ausschließlich auf Nahkampfwaffen. Mit einfachen und schweren Schlägen geht das Kampfsystem auch gut von der Hand und funktioniert zumindest auf dem Papier hervorragend.

Aus spielerischer Sicht mangelt es dem Titel aber an Herausforderungen, denn die Wanderer agieren nicht sonderlich schlau und arbeiten, wenn sie in Gruppen auftreten, auch nicht zusammen. Natürlich greifen hier die typischen, altbekannten Schleichmechaniken. Geräusche locken in Metal Gear Survive eure Gegner an. Versteckt ihr euch hinter einem Gegenstand, sehen euch die Infizierten natürlich nicht. Ablenken könnt ihr die Infizierten, indem ihr für ein lauteres Geräusch sorgt. Beispielsweise, wenn ihr eine Granate oder einen Gegenstand werft. 

Metal Gear Survive
Im späteren Spielverlauf geht stellenweise die Post ab.

Ja, Metal Gear Survive bietet tatsächlich Schleichmechaniken, wie ihr es aus der Serie kennt und liebt. Leises Vorgehen ist zudem durchaus sinnvoll, da ihr bereits nach wenigen Treffern das Zeitliche segnet. Blöd nur, dass das Schleichen ziemlich langweilig und uninspiriert ausgefallen ist. Metal Gear Solid 3: Snake Eater und Metal Gear Solid 5: The Phantom Pain haben auf eindrucksvolle Art und Weise gezeigt, wie gut das Spielkonzept in eine offene Welt passt. Doch Survive bietet fast ausschließlich flache Umgebungen, die mit viel zu wenigen Versteckmöglichkeiten aufwarten. Zudem wirkt die Welt gerade in den ersten Stunden viel zu leblos: Ihr könnt minutenlang durch die Prärie stapfen, ohne auch nur einen Gegner zu sehen. Geschweige denn irgendein spannendes Detail, welches eure Interesse erweckt. 


Es wird besser

Wer sich nach dem Lesen jetzt schon sicher ist, dass er es hier mit einer absoluten Gurke zu tun hat, darf sich freuen: Metal Gear Survive wird nach den ersten Spielstunden tatsächlich besser. Doch das dauert leider so lange, dass viele Spieler bereits aufgrund der müden Sammelaufgaben längst abgesprungen sein dürften. 

Spätestens nach knapp zehn Stunden, wenn euch der Titel in die Gebiete schickt, in denen es von Infizierten nur so wimmelt, geht die Post ab. Denn dann entfaltet Survive tatsächlich eine düstere Atmosphäre, die fast schon an Horrorspiele heran reicht. Doch auch in diesen Bereichen gilt: Das eigentliche Überleben macht deutlich mehr Spaß, als das abarbeiten der uninspirierten Missionen

Metal Gear Survive
Zu Beginn werdet ihr von zahlreichen Menüs erschlagen.

Immerhin müsst ihr in Metal Gear Survive nicht nur eure Gesundheit und Ausdauer im Blick behalten, sondern auch dafür sorgen, dass ihr bei Kräften bleibt. Das tut ihr, indem ihr erlegte Tiere esst und durch frisches Wasser für eine funktionierende Hydration sorgt. Ein Unterfangen, dass im dichten Nebel und mit einer Horde Wanderern im Schlepptau einfacher klingt, als es tatsächlich ist. Genau das sind die Momente, in denen Metal Gear Survive glänzt. Wenngleich diese Momente viel zu selten vorkommen. 

Zudem nimmt der Aufbau eurer eigenen Basis einen wichtigen Stellenwert ein. Nach und nach errichtet ihr durch gesammelte Materialien und Baupläne, sowie durch abgeschlossene Story-Missionen ein Basis-Camp, welches ihr mit neuen Gebäuden und damit verbundenen Möglichkeiten ausstattet. Dort könnt ihr eure Ausrüstung reparieren, die Munition auffüllen oder neues Essen kochen, um für die weiteren Aufträge in der gefährlichen Welt bestens gewappnet zu sein. Außerdem könnt ihr Regenwasser auffangen und abkochen, damit es für euch genießbar ist. Das Überleben in Metal Gear Survive ist eben doch nicht so einfach, wie ihr es euch vorgestellt habt. Dabei greifen die verschiedenen Spielmechaniken gut ineinander, das Überlebenssystem weiß durchaus zu gefallen.

Metal Gear Survive
Eure Basis wachsen zu sehen, macht durchaus Spaß.

Habt ihr die zahllosen Menüs und Spielmechaniken erst einmal verinnerlicht, geht der Basenbau sehr gut von der Hand. Besonders, wenn ihr auf euren Reisen andere Überlebende rettet, die sich bei euch niederlassen. Diesen dürft ihr nämlich verschiedene Aufgaben zuweisen und könnt so auf Sanitäter oder Köche zurückgreifen, wenn ihr mal wieder Zuhause seid. Das sorgt dafür, dass ihr euch in eurer Basis irgendwann tatsächlich heimisch fühlt. 

Grundsätzlich besteht Metal Gear Survive also aus drei Kernelementen: Sammeln, bauen und kämpfen, die auch alle für sich gut von der Hand gehen, ohne dabei aber besonders herauszustechen. Es handelt sich um einen waschechten Survival-Titel, der euch konstant unter Druck setzt. Ständig müsst ihr auf eure Energie achten oder sehen, wie ihr an neue Nahrungs- und Wasserquellen kommt. Oder ihr flieht vor den fiesen Gegnern, die gerade in großen Gruppen nahezu unbesiegbar werden. Das muss man mögen und ist im Kern ein grundsolider Genrevertreter. Mehr aber eben auch nicht.


Friss Staub, Bösewicht!

Spannend wird es in Metal Gear Survive vor allem dann, wenn ihr euch in die Staubgebiete aufmacht. Hierfür benötigt ihr eine Sauerstoffmaske, um in der lebensfeindlichen Umgebung überhaupt bestehen zu können. 

Die düsteren Gebiete erinnern dabei an die Spielabschnitte aus The Phantom Pain, in denen die Skulls aufgetaucht sind. Nur dass hier eure Sichtweite dauerhaft eingeschränkt ist. Zudem warten diese Gebiete mit zahlreichen Feinden auf, wobei die bekannten Wanderer noch das geringste Übel sind. 

Metal Gear Survive
Stop, Hammer time!

Da ihr gerade einmal ein paar Meter weit sehen könnt, bieten diese Gebiete allerdings auch enormes Frustpotential. In einer kargen und leblosen Umgebung, in der Orientierungspunkte Mangelware sind kommt es nicht selten vor, dass ihr euch hoffnungslos verirrt und irgendwo landet, wo ihr eigentlich gar nicht hin wolltet.

Jeder Außenposten und jede Hütte stellt darin eine willkommene Abwechslung dar und wartet nahezu immer mit nützlichen Materialien und Gegenständen auf. In einer Storymission schickt euch Metal Gear Survive in einen düsteren Keller, in dem ihr wichtige Daten sammeln müsst. Hier versprüht der Titel zum ersten Mal eine dichte, verstörende Atmosphäre.

Sonderlich variantenreich fallen die Kämpfe darin allerdings auch nicht aus. So seid ihr größtenteils mit abwechslungsreichen Nahkampfwaffen wie Rohrspeer, Machete oder Vorschlaghammer zugange. Schusswaffen kommen hingegen nur selten zum Einsatz, was vor allem am konstanten Munitionsmangel liegt. Habt ihr dann doch mal blaue Bohnen zur Hand, solltet ihr trotzdem nur selten auf Pistole und Co zurückgreifen, da die Schüsse logischerweise Gegner anlocken.

Metal Gear Survive
Mit dem Bogen schaltet ihr die Gegner lautlos aus.

Wirklich sinnvoll sind die Schusswaffen vor allem in den langweiligen Verteidigungsmissionen, in denen ihr eure Basis oder ein bestimmtes Gebiet gegen zahlreiche Wellen von Gegnern verteidigen müsst. Deutlich sinnvoller ist da schon der lautlose Bogen, mit dem ihr eure Widersacher aus der Ferne auf die Bretter schickt. Zumindest in der Theorie, denn gegen die späteren Gegnertypen fällt dieser relativ schwach aus und eignet sich vornehmlich für die Wanderer.

Erlegte Gegner liefern euch Kubon Energie, mit der ihr aufleveln und so neue Fähigkeiten freischalten könnt. Diese machen euch beispielsweise auch gegen ganze Gegnergruppen deutlich stärker und erweisen sich als äußerst nützlich.


Der Koop-Modus

Der kooperative Mehrspielermodus für maximal vier Spieler macht seine Sache nicht unbedingt besser. Hier absolviert ihr spezielle Missionen, in denen ihr zahllose Wellen von Gegnern bekämpft. Die Story von Metal Gear Survive lässt sich also nicht kooperativ angehen. Vielmehr handelt es sich hier um eine Variante des allseits bekannten Horde-Modus, ohne eigene Ideen.

Das funktioniert an sich zwar gut, motiviert auf Dauer allerdings auch nicht wirklich. Zumal die ersten Missionen viel zu einfach ausgefallen sind. In den höheren Schwierigkeitsgraden stellen euch die Missionen hingegen schon vor eine Herausforderung, wirklich spannend sind diese auf Dauer allerdings auch nicht. Vielmehr dienen sie als Möglichkeit, euch neue Vorräte für den Storymodus zu liefern. Immerhin: Gesammelte Materialien und Ausrüstungsgegenstände dürft ihr auch im Solo-Modus verwenden. Hier verschenkt Metal Gear Survive leider einiges an Potential.


Technisch nur Mittelmaß 

Metal Gear Survive greift auf dieselbe Grafik-Engine zurück, wie Metal Gear Solid V. Trotzdem kann der Titel aus technischer Sicht nicht wirklich überzeugen. Die leblosen Gebiete fallen viel zu detailarm aus. Außerdem präsentiert sich die Spielewelt farblos und eintönig. Spannende Details in der Welt sind Mangelware, nur ab und zu wird die staubige Landschaft mal durch ein Gebäude oder einen Container unterbrochen. 

Metal Gear Survive
Trist, grau und braun. Technisch reißt Metal Gear Survive keine Bäume aus.

Zudem verzichtet das Spiel nach dem Intro fast vollständig auf Zwischensequenzen. Gespräche mit euren Kollegen führt ihr fast ausschließlich über das Funkgerät, in dem ihr in einem Menü langatmige Textblöcke weiterklickt. 


Fazit:

Metal Gear Survive ist aus spielerischer Sicht leider viel zu repetitiv ausgefallen. Sowohl im Singleplayer, als auch im Koop-Modus seid ihr ständig damit beschäftigt, die immer gleichen, langweiligen Aufgaben wieder und wieder zu erledigen. Auch der Einstieg in das Spiel fällt äußerst zäh aus. Bis sich so etwas wie Spielspaß überhaupt einstellt, vergehen unzählige Stunden. Eines ist jedoch klar: Fans der Metal Gear-Spiele wird die hanebüchene Geschichte mit zahlreichen Logikfehlern und blassen Charakteren nicht überzeugen.

Denkt man sich den großen Namen aber einmal weg, entwickelt sich Metal Gear Survive spätestens nach 15 Stunden zu einem soliden Survival-Titel, bei dem ihr tatsächlich um das nackte Überleben kämpfen müsst. Der Basen-Bau weiß durchaus zu gefallen und in den düsteren Staub-Abschnitten kommt eine relativ dichte Atmosphäre auf. Trotzdem fehlen dem Spiel wichtige Alleinstellungsmerkmale, die dem Titel eine besondere Note verleihen würden.


 

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