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Last Day of June Review (Nintendo Switch)

Was würdest Du tun, um die Liebe deines Lebens zu retten? Das Adventure Last Day of June der italienischen Entwickler Ovosonico konfrontiert euch auf unnachahmliche Weise mit dieser schwierigen Frage und wird euch emotional berühren. Doch ist die Umsetzung für Nintendo Switch gelungen?

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Last Day of June – In tiefer Trauer

Eigentlich hätte alles so schön sein können: Carl und June sind das perfekte Paar. Die Wohnung der beiden Turteltauben ist voller Bilder und kleiner Details die zeigen, wie sehr sie sich lieben. 

Als die beiden für ein Picknick zum idyllischen See aufbrechen, scheint alles in bester Ordnung zu sein. June geht ihrem Hobby als Malerin nach, als ein Gewitter dem Ausflug an den See ein jähes Ende bereitet. Als Kavalier der alten Schule eilt ihr in der Haut von Carl zu eurem Auto, um eurer Holden eine wärmende Jacke zu bringen und gemeinsam die Heimreise anzutreten.

Last Day of June
Die Handlung von Last Day of June wird euch emotional berühren.

June hat ein ganz besonderes Geschenk für euch, welches ihr allerdings nicht mehr öffnen könnt. Denn was als glücklicher Ausflug beginnt, endet in einer Katastrophe: Ein schrecklicher Autounfall soll euer Leben in seinen Grundfesten erschüttern. Bereits in den ersten Spielminuten überzeugt das Adventure Last Day of June mit einer enorm dichten Atmosphäre, die euch spätestens mit der Katastrophe tief berühren wird.

Zurück in den eigenen vier Wänden ist jegliche Farbe aus dem Leben des Protagonisten verschwunden. Kahle Wände zieren die einstmals farbenfrohen Gemäuer eurer Behausung, denn der Sessel neben euch bleibt leer – Einsamkeit und tiefe Trauer schaffen eine bedrückende Atmosphäre, die euch wirklich mit dem armen Carl fühlen lässt.

Seit dem schrecklichen Autounfall, der eurer Frau das Leben gekostet hat, ist Carl an den Rollstuhl gefesselt. Doch es besteht Hoffnung! Hoffnung, dem Schicksal zu entkommen und den schlimmsten Tag in eurem Leben ungeschehen zu machen: Mithilfe der Bilder im Atelier von June habt ihr die Möglichkeit, in die Vergangenheit zurückzureisen. Ob es euch gelingt, die Tragödie ungeschehen zu machen?


Alles hängt zusammen

Über die Bilder kehrt ihr zu dem Tag zurück, an dem die Tragödie ihren Lauf nahm. Der Clou ist allerdings, dass ihr in der Vergangenheit nicht in die Haut von Carl schlüpft, sondern die Rolle verschiedener anderer Figuren übernehmt. Schnell stellt ihr fest, dass der kleine Junge, der Jäger, die blonde Dame oder der alte Mann mit ihren Entscheidungen zu den Ereignissen des verhängnisvollen Tages beigetragen haben.

Last Day of June
Gelingt es euch, die Tragödie ungeschehen zu machen?

Die Schicksale der einzelnen Charaktere in Last Day of June sind eng miteinander verknüpft und obwohl ihr nur wenig mit den anderen Charakteren interagieren könnt merkt ihr, welche winzigen Änderungen mitunter enorme Folgen für den Ausgang der Geschichte haben können.

Doch greift ihr in die Geschichte ein, um das Unheil zu verhindern, ergeben sich schnell neue Probleme. Entscheidet ihr euch beispielsweise, das Kind mit einem anderen Gegenstand spielen zu lassen, löst das eine ganz andere Kette an Ereignissen aus, die ihr so nicht vorhergesehen habt. In Last Day of June müsst ihr ausprobieren und herum experimentieren, doch dabei ist es extrem spannend zu sehen, welche Konsequenzen aus euren Entscheidungen resultieren.

Zudem öffnet ihr in den Erinnerungen Tore, die ihr dann wiederum mit Carl erreichen könnt. In diesen Bereichen erfahrt ihr mehr über die Hintergrundgeschichte um das einstmals so glückliche Paar. Schnell merkt ihr, dass auch bei den beiden nicht alles so perfekt war, wie es auf den ersten Blick scheint. 

Last Day of June
Atmosphärisch gibt es am Spiel Nichts auszusetzen.

Beeindruckend ist dabei, mit welch simplen Mitteln es dem Spiel gelingt, Emotionen in euch zu wecken. Denn eine Sprachausgabe oder Texte gibt es in Last Day of June nicht. Stattdessen trägt das Spiel seine dichte Atmosphäre ausschließlich über unverständliche Laute, Lichtstimmungen, sowie die Mimik und Gestik der einzelnen Figuren. Und das gelingt dem Spiel hervorragend


Spielerische Makel

Last Day of June lebt von seiner emotionalen Handlung, das wird vor allem aus spielerischer Sicht ziemlich deutlich, denn wenn es ums Eingemachte geht, offenbart das Adventure leider einige Macken.

Da ihr immer wieder in denselben kleinen, relativ detailarmen Bereichen unterwegs seid, wisst ihr spätestens beim dritten Besuch genau, mit welchen Objekten ihr interagieren könnt und welche Auswirkungen das hat. Im Verlauf des Spiels müsst ihr zudem regelmäßig zwischen den Figuren wechseln, um so beispielsweise einen neuen Weg für den alten Mann zu öffnen. Das repetitive Spielgeschehen gestaltet sich leider ziemlich zäh und nutzt sich relativ schnell ab. Besonders, wenn ihr aufgrund des fehlenden Hinweissystems den selben Bereich drei Mal mit einer Figur besuchen müsst, bis ihr die Erinnerung so verändert habt, wie es von euch gewollt war.

Ärgerlich auch, dass die Szenenwechsel auf der Nintendo Switch teilweise minutenlange Ladezeiten nach sich ziehen. Außerdem stoßen auf der Nintendo Konsole regelmäßige Ruckler und Slowdowns sauer auf, wenngleich sie den Spielspaß nicht mindern. 

Last Day of June
Trotz technischer Makel ist Last Day of June eine wunderschöne Kurzgeschichte.

Dennoch punktet Last Day of June durch ein wunderschönes Artdesign, welches mit knalligen Pastellfarben und lustigen Charakteren (die keine Augen haben) fast wie ein lebendig gewordenes Gemälde wirkt. Besonders der gekonnte Wechsel zwischen bunten und kalten Farbtönen unterstreicht die dichte Atmosphäre erneut. Auch die verwaschene und unscharfe Umgebung funktioniert als Stilmittel ausgezeichnet. Ganz ähnlich verhält es sich mit den Soundeffekten und der sporadisch einsetzenden Musik: Atmosphärisch spielt Last Day of June ganz weit oben mit. Schade nur, dass bereits nach drei bis vier Stunden der Abspann über den Fernseher flimmert.

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Fazit: 

Last Day of June ist ein unglaublich atmosphärisches und packendes Abenteuer, bei dem ich die eine oder andere Träne verdrücken musste. Die Geschichte um Carl und June hat mich so tief bewegt, wie es nur wenige Spiele schaffen. Es macht unglaublich viel Spaß, die Vergangenheit zu beeinflussen und herauszufinden, welche Auswirkungen minimale Änderungen auf das katastrophale Ereignis haben. Auch der wundervolle Pastellfarben-Look des Spiels gefällt mir ausgesprochen gut. Trotz verwaschener Umgebungen.

Leider hat der Titel der dichten Atmosphäre spielerisch Nichts entgegenzusetzen. So lässt das Spiel nahezu jeglichen Anspruch vermissen und immer wieder dieselben winzigen Bereiche zu besuchen, nervt auf Dauer. Zudem leidet das Spiel unter einigen unschönen Rucklern und Slowdowns. Auch die Spielzeit mit gerade einmal knapp drei Stunden fällt äußerst dürftig auf.

Trotzdem ist Last Day of June eine unglaublich emotionale Kurzgeschichte geworden, die all diejenigen befriedigen dürfte, die Spaß an packenden Geschichten haben. 


 

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