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Landwirtschafts-Simulator 19 im Test

Ende letzten Jahres erschien der Landwirtschafts-Simulator 19 und läutete damit eine neue Ära für Simulationsfreunde ein. Denn an dieser Reihe kommt wohl kaum ein Simulationsspieler langfristig vorbei. Nun stellt sich natürlich die Frage aller Fragen: Bietet der Landwirtschafts-Simulator 19 auch echte Neuerungen und Verbesserungen im Vergleich mit den Vorgängern oder erklärt sich der enorme Erfolg der LWS-Reihe eher dadurch, dass eben die dümmsten Bauern die dicksten Kartoffeln haben? In einem ausführlichen Test sind wir der Sache bis heute nachgegangen und verraten euch unseren Eindruck natürlich gerne im Folgenden.

Landwirtschafts-Simulator 19


Zwischen Bauernhofromantik und industrialisierter Landwirtschaft

Wie schon die Vorgänger bewegt sich auch der Landwirtschafts-Simulator 19 spielerisch irgendwo zwischen Bauernhofidyll und industrialisierter Landwirtschaft. Welchen Weg der Spieler wählt bleibt vor allem ihm überlassen. Die komplette Wahlfreiheit fängt schon dabei an, dass ihr in LWS 19 auf jeder der beiden Karten frei entscheiden könnt in welches Stück Land ihr euer Startkapital investiert. Die nächste Hauptentscheidung dürfte man dann mit der Wahl des eigenen Schwerpunkts treffen. Diesen muss man in der Regel einige Spielstunden treu bleiben. Denn für Tierzucht, Ackerbau und Forstwirtschaft gleichzeitig wird das Kapital in den meisten Fällen erstmal nicht ausreichen.

Später wird man sich dann für eine Ausweitung der Geschäfte im eigenen Feld, oder einem anderen entscheiden dürfen. Man darf das Wachstum und die Expansion auf die Spitze treiben, dabei auf große Maschinen und viele Helfer setzen, oder man farmt friedlich und familiär über Tage, Wochen und Monate einfach vor sich hin. Immer im Bestreben das Beste aus der eigenen kleinen Startfarm heraus zu holen. Denkbar ist sogar eine ganz private Bio-Hof Simulation. Düngemittel und Unkrautvernichter werden dann eben freiwillig keine eingesetzt. Der Landwirtschafts-Simulator 19 bietet dass, was auch die Vorgänger schon lieferten und wertet selbiges nochmal gehörig auf.


Die Neuerungen – Von Pferden, Hunden und Arbeitskräften

Das beworbene Gimmik der Pferde und der eigene Hofhund sind die vielleicht populärsten Neuerungen, auf die Spieler älterer Teile treffen. Spielerischen Einfluss haben diese allerdings kaum. Ein nettes Gimmik eben, aber kein Must-Have. Deutlich mehr ins Gewicht, als beispielsweise beim vier Jahre alten LWS 15, fällt das Missionssystem. So kann man nun auch als Auftragsbauer anheuern und für die ganzen Großgrundbesitzer auf der Karte Feldarbeiten und mehr erledigen. Auch hier kann man gut und gerne das ganze Spiel darauf setzen. Wer im Arbeitsalltag schon selbstständig ist und in der Simulation als Ausgleich einfach mal stumpf die Arbeit anderer verrichten will findet im Landwirtschafts-Simulator 19 so ebenfalls sein Plätzchen. So dürft ihr für einige wenige tausend Euro Belohnung beispielsweise fremde Felder düngen und mehr. Gut, so richtig angestellt seid ihr nicht. Denn auch hier arbeitet ihr auf eigene Rechnung.

Landwirtschafts-Simulator 19
Offiziell beworben wurde immer das Vorhandensein von Pferden als große Neuerung. Wir finden anderes wichtiger.

Unrealistisch ist dieses Missionsdesign im Übrigen nicht. Es ist durchaus nicht unüblich, dass ein Landwirt keinen eigenen Mähdrescher besitzt, sondern einen Fahrer und sein Gerät anmietet. Die Art, wie dieses Feature implementiert wurde, gefällt durchaus. Vor allem kommen so auch jene Spieler zum Zug, die einfach nur in die großen Maschinen wollen, und sich nicht darum kümmern die eigene Farm am Leben zu halten.


Die Schwierigkeit mit den Schwierigkeitsstufen des Landwirtschafts-Simulator 19

Zum Start ins Spiel gibt es drei Schwierigkeitsstufen, die noch erwähnt werden müssen. Die Anfängerstufe ist zwingend, wenn man einen Hof bekommen will, den man nicht erst kaufen und errichten muss. Dies ist schade. Denn hier sind die Wirtschaft viel zu einfach, und das Verrotten der Pflanzen ausgestellt. Letztendlich lässt sich der Schwierigkeitsgrad bei jeder Stufe aber auch nachträglich in vielen Faktoren nach oben und unten regulieren.

Wer die, unserer Ansicht nach insgesamt vernünftigste, mittlere Stufe wählt oder in der schwierigsten eine fast ernstzunehmende Wirtschaftssimulation genießen will wird hingegen ohne alles, ohne Land und Farm nämlich, ins Spiel gesetzt. Leider auch ohne Hinweis wie dieses zu erwerben ist. Bevor wir Google befragten versuchten wir es ernsthaft selbst. Die Schaltflächen sind über die Karte ohne Glück oder Anleitung kaum zu finden und obendrein auch noch schlecht betitelt. Ein wirklich unnötig schwerer Einstieg ins Spiel.


Landmassen bewegen – Das Terraforming Update sprengte den Test

Kaum hatten wir uns im Test auf unserer Farm eingelebt kam auch das erste Update schon dazwischen. Normal ist solch ein Update keine große Erwähnung wert. Man schaut ob Bugs behoben wurden und ob das Spiel nun vielleicht schon runder läuft. Beim Landwirtschafts-Simulator 19 hatte dieses Update es aber durchaus in sich. Fans wünschten sich schon lange ein Feature, welches das Verändern der Landschaft ermöglicht. Dieses lieferte man nun nach. Mit etwas Einarbeitungszeit lässt sich die gesamte Map ändern. Gräben, Berge und Strassen lassen sich einarbeiten. Gerade dem Spielertyp, der gerne etwas erschafft kommt dies sicher sehr entgegen. Endlich darf der eigene Hof auch landschaftsgärtnerisch gestaltet werden. So wird das Geschäft auch zum Zuhause. So, wie es die Bauernhofromantik befiehlt.

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Abseits des bereits erwähnten lassen sich in Sachen Gameplay die Vorgängerteile gewissermaßen als Blaupause über den Landwirtschafts-Simulator 19 legen. Einige Stellschrauben wurden leicht gedreht, sonst aber alles beim Alten. Ihr baut an, hegt, pflegt und düngt. Sodann wird geerntet und entweder verkauft oder für die eigenen Tiere als Futter eingelagert. Auch eine Einlagerung zum Verkauf bei besserer Preislage im übersichtlichen Wirtschaftssystem ist eine Option. Der Gewinn wird in neue Maschinen, Felder und einige kleine Deko-Elemente umgesetzt.


Grafik und Sound aus biologischem Anbau?

Der Sound im Landwirtschafts-Simulator 19 weiß durchaus zu gefallen. Etwas eintönige Fahrgeräusche gehören zu landwirtschaftlichen Maschinen irgendwie tatsächlich dazu. Fernab davon hört ihr Hühner, all eure anderen Tiere und sogar die Natur um euch wirkt immer belebt.

Etwas gemischtere Gefühle weckt die Grafik. Ein wenig geprotzt, wenn auch nicht immer ganz ernst gemeint, hatte man ja schon vor Release. Und was man säht, dies weiß jeder Landwirt, erntet man. In diesem Falle erntete man Erwartungen. Und die kann der Landwirtschafts-Simulator 19 nur teilweise erfüllen. Natürlich ist die Kerndisziplin noch immer das akkurate Darstellen originaler Gerätschaften. Und hier glänzt der LS 19. Überraschend ist dies nicht. Immerhin traf dies auch auf die Vorgänger zu.

So hgut wie im offiziellen Werbematerial sieht der Landwirtschafts-Simulator 19 leider auf Konsole nur selten aus.

Enttäuschend war vor allem auf der Xbox One X, welche zweifelsohne mehr könnte, der Rest der Grafik. Einerseits laden die grundsätzlich ansehnlichen Details erst viel zu nah vor dem Spielerfahrzeug. Alles, was etwas weiter weg ist sieht aus als wäre es vor fünf Jahren grafisch angepflanzt worden. Dies ist für das Genre allerdings nicht so tragisch, wie man es in anderen Spielen werten müsste. An anderer Stelle glänzt der Landwirtschafts-Simulator 19 umso mehr. Die Krähen beispielsweise, die man in der Vorbeifahrt regelmäßig aus frisch besähten Feldern aufscheucht, sprechen eine ganz andere Sprache und zeugen von echter Liebe zum Detail.

Solch tollen atmosphärisch stimmigen Erlebnissen stehen dann allerdings wieder serientypischen Schwächen gegenüber. Der gehäckselte Auswurf des Mähdreschers beispielsweise fällt noch immer nicht exakt in der Fahrspur als eine Linie aus dem Fahrzeug, sondern in kleinen Streifen, die deutlich anzeigen in welche Richtung das Spiel einen gerne hätte fahren sehen. Einen stimmigen Eindruck hinterlässt der LS 19 in solchen Dingen nur dann, wenn man eben zufällig in die Richtung fährt, die das Spiel vorgesehen hätte. Nach so vielen Jahren und mit so viel Erfolg, wie ihn die LWS-Reihe bereits hatte, darf man da langsam doch mehr erwarten.


Zu wenig Neues am Bauernhof?

So gut uns manche Feinjustierungen und Gimmiks gefallen, was vor allem für das Terraforming Feature gilt, so wenig verändert das Kerngameplay sich seit Jahren. Nun darf man dies bei einer Bauernhofsimulation aber nicht überbewerten. Denn immerhin ändert sich das Leben eines Farmers ja auch nicht von heute auf morgen. Die relativ geringen Fortschritte in allem, in Gameplay und Technik, rechtfertigen dennoch die Frage ob es die Vorgänger nicht auch noch tun. Und tatsächlich lautet die Antwort “Eigentlich ja schon, aber…”. Die Fortschritte sind zwar oft nur marginal, wenn sich aber einer aus dem Freundeskreis den neuen Serienableger kauft hängt man wegen des tollen Online Coop ohnehin irgendwie mit drin. Außerdem erscheint die Reihe im Zweijahres-Turnus und kostet lediglich etwa 50 Euro für die Standard- Version. Wir finden die umgerechnet lediglich 25 Euro pro Jahr darf man für dieses Spiel auch ohne die ganz großen Entwicklungssprünge gern ausgeben.


Wir haben da noch einige Fragen an die Entwickler

Simulationstypisch haben wir aber auch einige Fragen im Spiel aufgetan. Beispielsweise: Was macht ausgerechnet ein Caffè mit den Tonnen an nicht gemahlenem Weizen, den wir dort hin liefern sollten? Hat es mit diesen merkwürdigen Kaffee-Vorlieben zu tun, dass die Bewohner alle recht verschlafen Auto fahren und sich auf der Hauptstraße von unserem Anfänger-Traktor mit 40 Km/h locker überholen lassen statt im wütenden Hupkonzert hinter uns aufgestaut zu leiden?

Was macht ausgerechnet ein Caffè mit den Tonnen an nicht gemahlenem Weizen, den wir dort hin liefern sollten?

Von welchem Bauern habt ihr den Trick gelernt einen gekippten Traktor durch schnelle Lenkradbewegungen wieder aufzurichten? Solche Fragen sind es, die das gesamte Genre immer wieder aufwirft. Vom Landwirtschafts-Simulator 19 als Vorzeigespiel unter den Simulatoren hätten wir uns hier allerdings langsam etwas mehr Simulation gewünscht und etwas weniger Nonsens.


Multiplayer – Auf dem Land hilft man sich

Es ist auch noch immer möglich sich mit Freunden im Coop zusammen zu tun. Dies macht Spaß und funktioniert wirklich gut. Hier gibt es zwar ebenfalls kaum Neuerungen, dennoch liegt hier eine der größten Stärken des Spiels. Denn einfach im Voicechat zusammenkommen und gemeinsam ein wenig wirtschaften stellt eine entspannte Möglichkeit für einen Gamer-Stammtisch dar, die kein Call of Duty oder sonst ein klassischer Multiplayertitel bietet.

Braucht man den Landwirtschafts-Simulator 19 wirklich? Nein, aber man will ihn und wird Den Kauf auf keinen Fall bereuen!


Fazit

Insgesamt ist der Landwirtschafts-Simulator 19 eine erfreulich runde Sache. Genre- und Serienschwächen wurden jedoch nicht abgelegt. Dafür wurde an wichtigen anderen Stellschrauben mit Verstand gedreht. Die für uns größte Neuerung ist das Terraforming Feature, welches für Konsolen kurz nach Release via Update nachgereicht wurde. Die Kernfrage muss lauten: Braucht man den Landwirtschafts-Simulator 19 wirklich, wenn man die Vorgänger schon besitzt? Unsere Antwort: Nein, aber man will ihn und wird den Kauf trotz eher geringer Weiterentwicklungen auf keinen Fall bereuen. Insofern ist doch alles gut gewachsen, was da an Programmcode gepflanzt wurde. Und wir freuen uns wirklich die Ernte in Form des LWS 19 eingeholt zu haben.


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