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Jump Force im Test

Mit Jump Force möchte Bandai Namco Entertainment zur Feier des 50-jährigen Jubiläums des Weekly Shōnen Jump-Magazin viele verschiedene Animes in Form eines actionreichen Brawlers miteinander verknüpfen. Nicht umsonst handelt die Handlung unter anderem also davon, dass ein unbekannter Bösewicht das Gleichgewicht der realen Welt durcheinander bringt, wodurch plötzliche verschiedene Schauplätze und Figuren aus dem beliebten Shōnen Jump-Universum auftauchen. Was passiert also, wenn sich Charaktere von One Piece, Naruto und Dragon Ball Z die Klinke in die Hand geben, um den Kampf gegen den geheimnisvollen Feind aufzunehmen? Das alles und was euch sonst noch erwartet, verraten wir in unserem Test!

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Jump Force: Ein Würfel um sie alle zu knechten!

Wie schon in der Einleitung kurz angeschnitten, geht es in den neun Kapiteln der Kampagne darum, dass Anime- und reale Welt miteinander verschmolzen sind. Schuld daran ist eine unbekannte Macht. Diese geht von dem geheimnisvollen Umbra-Kubus aus und bekehrt bekannte Serienhelden zu der dunklen Seite, woraufhin sie als willenlose Sklaven die Erde und ihre Bewohner angreifen. Ebenfalls mit von der Partie sind die sogenannten Venoms. Oberflächlich bezeichnet lassen sich diese am besten mit Fußsoldaten vergleichen. Spieler von Dragon Ball FighterZ werden jetzt sicher aufhorchen, denn eine ähnliche Handlung, sowie die Erscheinungsbilder der vom Kubus kontrollierten Gegner, gab es dort ebenfalls. 

Die story hat man irgendwo schon mal gesehen.

Doch das ist noch nicht das einzige Mysterium, welches es zu klären gilt. Dank Light Yagami und seinem Shinigami Ryuk aus dem Anime Death Note, versucht Jump Force nämlich die generische Story doch noch zu retten. Das rätselhafte Duo taucht nämlich immer wieder auf und zeigt sich sehr interessiert an der Macht der sieben Dragon Balls. Und tatsächlich schaffen es besagte Abschnitte den Spieler zumindest kurzweilig von spartanischen Handlung abzulenken und bei Laune zu halten. 

Jump Force
Die Story ähnelt der aus Dragon Ball FighterZ.

Neue Helden müssen her!

Die Handlung selbst beginnt allerdings damit, dass ihr ungewollt Zeuge von einem Kampf verschiedener Anime-Helden gegen den Kult-Bösewicht Freezer aus Dragon Ball Z werdet. Im laufenden Gefecht werdet ihr schwer verwundet und niemand geringeres als Trunks Briefs, seines Zeichens Zeitreisender und Saiyajin im DBZ-Universum, holt euch ebenfalls mithilfe eines Kubus zurück. Dieser macht euch allerdings nicht zu einer Gefahr, sondern lässt euch zum Helden werden.

Mit einem umfangreichen Charakter-Editor erstellt ihr euren eigenen Helden.

Daraufhin geht das Spiel auch direkt in einen umfangreichen Charakter-Editor über. Vom Geschlecht, über die Kopfform, bis zu verschiedenen Haut- und Haarfarben lässt sich hier alles bearbeiten. Auch einen gewünschten und individuellen Kampfstil mit verschiedenen Vor- und Nachteilen, eingeteilt in Pirat, Krieger und Ninja, dürft ihr bestimmt.

Jump Force
Auch Boruto ist mit von der Partie.

Anschließend verdünnisiert sich der Bösewicht und Trunks, wie auch die anderen Mitstreiter, führen euch in eine Art Hub-Welt, wie man sie beispielsweise schon aus Dragon Ball Xenoverse kennt. Hier werdet ihr kurzerhand für die namensgebende Jump Force rekrutiert und müsst euch für einen Lehrmeister – Naruto, Monkey D. Ruffy oder Son Goku – entscheiden. Je nachdem, welchen Sensei ihr ausgesucht habt, werdet ihr mit einem Anime-Attacken-Starterpaket ausgestattet. Wählt ihr also beispielsweise Naruto, greift auf sein obligatorisches Rasengan zurück, wohingegen Son Goku euch in der Kunst des Kame-Hame-Ha! einweiht.


Unübersichtliche Hub-Welt

Diese Welt ist quasi die Basis der Jump Force. Neben verschiedenen Läden, wo ihr unter anderem Ausrüstung und verschiedene Fähigkeiten erwerben könnt, nehmt ihr hier auch verschiedene Nebenmissionen an, geht in die Online-Kämpfe über oder folgt, wenn möglich, der Story des Spiels. Dabei bestimmt eine Statistik am Ende eines Kampfes, wie gut ihr abgeschnitten habt. Umso besser das Resultat ist, desto mehr Belohnungen, wie Kleidung oder Fähigkeiten, schaltet ihr frei. Auch andere Spieler lassen sich hier gegebenenfalls antreffen, sofern eine stabile Internetverbindung besteht.

Die Hub-welt fungiert als Basis der Jump Force.

Leider fällt die Hub-Welt alles in allem zu groß und unübersichtlich aus. Nicht immer ist es daher eindeutig, wo ihr als nächstes hinmüsst und auch Schnellreisepunkte sucht man vergebens. Anders gesagt, wird viel Zeit damit verschleudert, dass ihr einfach von A nach B lauft. Ein wenig kompakter wäre hier angebrachter gewesen.

Jump Force
Die Signature-Moves der einzelnen Helden dürfen natürlich nicht fehlen.

Jump Force zeigt seine Stärke im Kampf

Doch der Fokus des Spiels liegt natürlich ganz klar auf den effektreichen Kämpfen. Und tatsächlich macht Jump Force hier auch eine ganz anständige Figur. Zwar passiert es häufig, dass sich die KI-Gegner selbst auf dem einfachsten Schwierigkeitsgrad feige hinter ihrer Deckung verstecken, dafür läuft der Kampf alles in allem aber sehr flüssig ab. Die Kämpfe finden im Drei gegen Drei-Format ab. Das heißt, dass ihr neben eurem Hauptkämpfer, auch immer noch zwei Unterstützer dabei habt. Zwischen diesen könnt ihr wahlweise per Knopfdruck hin und her wechseln oder könnt sie für eine Attacke zur Hilfe holen.

das dreiköpfige Team teilt sich eine Lebensleiste.

Obwohl ihr die Story-Missionen oberflächlich betrachtet durch das stumpfe Button mashing der X-Taste (Xbox Controller) bewältigen könnt, müsst ihr innerhalb der Side-Quests und vor allem in den Online-Kämpfen weitaus öfter auf das eigentlich so facettenreiche Kampfsystem zurückgreifen. So ist es neben dem Verketten von den obligatorischen leichten und schweren Schlägen auch noch möglich Würfe anzusetzen oder euren Gegner mit blitzenden und wuchtigen Spezialangriffen anzugreifen. Für letztere benötigt ihr allerdings Energie. Diese Energie/Chakra/KI oder wie man es auch immer bezeichnen mag, lädt ihr durch das Halten der rechten Schultertaste auf. Genügend davon gesammelt, dürft ihr in Kombination mit der linken Schultertasten und einem der vier Hauptknöpfe (X, A, B, Y) auf die besagten Charakter-spezifischen Angriffe zurückgreifen.

In der Defensive hingegen greift ihr natürlich auf das simple und bereits erwähnte Blocken zurück. Doch auch Konter und Sidesteps zum Ausweichen stehen euch zur Verfügung. Einige Charakter sind außerdem imstande in einen Erwachen-Modus zu wechseln. Naruto bedient sich dabei beispielsweise am Chakra des neunschwänzigen Fuchses, Kakashi nutzt sein Sharingan und die Saiyajins werden ohne große Umschweife zum Super Saiyajin. Erwachen könnt ihr allerdings erst, wenn ihr einige Treffer eingesteckt habt. Gleiches gilt auch für die optisch hochwertigen Super-Angriffe. Wenn Son Goku zur riesigen Genkidama ausholt, sieht nicht nur hervorragend aus, sondern richtet auch unglaublich viel Schaden an.

Jump Force
Die Kämpfe strotzen nur so vor Effekten.

Ein wenig Schade ist es allerdings, dass ihr die Umgebung nicht aktiv nutzen könnt. Lediglich Gebietswechsel lassen sich an bestimmten Stellen triggern.


Stummfilm mit vereinzelten Rucklern

So gut das Kampfsystem aber auch funktioniert, müssen wir schon wieder den einen oder anderen Negativpunkt ausrollen. Beispielsweise sind die Gespräche innerhalb der Sequenzen selten bis gar nicht vertont, sondern werden lediglich durch langweilige Textfenster erzählt. Obendrein ist die Mimik eures Charakters emotionslos und außer verschiedenen Kampflauten, fällt der Held alles in allem sehr anteilnahmslos aus.

Mehr emotionen und gesprochene Dialoge hätten dem erstellten Charakter gut getan.

Über den Grafikstil an sich kann man streiten. Wir finden, dass er aufgrund der Tatsache, dass Anime-Helden in der realen Welt auftauchen, ganz gut passt. Gleiches gilt auch für den stimmigen Soundtrack. Weniger gut sind allerdings die vereinzelten Ruckler, welche immer mal wieder auftauchen, sobald viele Aktionen aufeinander prallen. Ebenfalls fallen die Ladezeiten sehr lang aus, sodass man teilweise den Anschein hat, dass man weniger Zeit im Kampf verbringt, als schlussendlich im Ladebildschirm.

Jump Force
Als Super Saiyajin haut ihr ordentlich rein.

Zahlreiche Charaktere, aber nur eine Hand voll Animes

Das Charakterfeld ist mit über 40 Figuren natürlich im ersten Gedankengang ziemlich üppig. Dennoch hätten wir uns gewünscht, dass man nicht nur die „Mainstream-Animes“ aus dem Jump-Universum einbindet. So gibt es zum Beispiel schon alleine jeweils sechs Charaktere aus One Piece und Naruto. Doch was ist beispielsweise mit einem Koro-Sensei aus Assassination Classroom?

Auch die Frauenquote lässt stark zu wünschen übrig. Insgesamt haben es nämlich mit der Piratenkaiserin Boa HancockShinigami Rukia Kuchiki und Chakra-Mutter Kaguya Ootsutsuki lediglich drei Frauen in den Kader geschafft. Hier hätte man beispielsweise mit Sakura Haruno oder Nami noch deutlich mehr Spielraum gehabt.

Jump Force
Auch Gon aus Hunter x Hunter kämpft freudig mit.

Fazit:

Jump Force besticht vor allem durch sein actionreiches, wie auch facettenreiches Kampfsystem. Die Kämpfe strotzen nur so vor blitzenden Effekten und auch das Trefferfeedback der einzelnen Schläge fühlt sich äußerst wuchtig an. Neben einem üppigen Charakterfeld und dem umfangreichen Charaktereditor, war es das aber auch fast schon an positiven Punkten. Stattdessen muss sich der Brawler Abstriche aufgrund einer spartanischen Handlung, Problemen in der Bildrate und einer nicht Vertonung von Dialogen gefallen lassen. Auch die Animationen des eigenst erstellten Charakters lassen außerhalb des Kampfes zu wünschen übrig. Größter Kritikpunkt ist aber definitiv die Hub-Welt und das Liegen gelassene Potenzial, was die mögliche Vielfalt von (weiblichen) Charakteren angeht.

Kommen wir dennoch zu der abschließenden Frage: Wer hat mit Jump Force seinen Spaß? Ganz kurz gesagt: vermutlich nur vollblütige Anime-Fans. Für alle anderen dürfte es ansprechendere Alternativen geben, obwohl das Hauptaugenmerk von Jump Force – das Kampfsystem – eigentlich gut funktioniert. Viel mehr sind es alle anderen Aspekte, welche dem Spiel einfach nicht gut zu Gesicht stehen und den Spielspaß deutlich eindämpfen. Schade!


 

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