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Jagged Alliance: Rage! Konsolenfassung im Test

Jagged Alliance: Rage!? Was ist denn das? Für jüngere Leser mag hier schon ein kleiner Exkurs in die Geschichte der Videogames nötig sein. Jagged Alliance war schon vor vielen Jahren ein echter Hit, so galt Jagged Allance 2  in den ganz großen Zeiten für Strategiespiele für viele als König der Rundenstrategie und teilte sich die Strategieherrschaft insgesamt mit dem etwas anders gelagerten Commandos. Alle späteren Versuche die Marke zu nutzen brachten bestenfalls mittelmäßige Spielchen hervor und enttäuschten, verärgerten sogar, die Fans. Und nun haben wir hier Jagged Alliance: Rage!. Ein Test, welcher auch innerhalb der Redaktion Hoffnungen und Ängste zugleich schürte. Ob sich die Hoffnung auf ein würdiges Jagged Alliance oder die Angst vor einer weiteren Enttäuschung letztendlich durchsetzt, lest ihr hier im Test.

Jagged Alliance:Rage!


Jagged Alliance: Rage! – Rundenstrategie macht Geschichte, nur eben keine gute

Ihr findet euch zum Einstieg ins Spiel gefesselt wieder. Gedankenkontrolle durch einen gar fürchterlichen Schurken droht euch. Diese setzt der Despot eines fiktiven Bananenstaates auch bei seinen eigenen Söldnern teilweise ein. Ein Wissenschaftler erkennt das Falsche darin und hilft euch bei der Flucht. Zeit in ein paar Ärsche zu treten. Die alten Helden von früher sind auch mit von der Partie. Schlecht gealtert, mit Leiden wie Alkoholismus oder einem kaputten Knie, welches im Gameplay bei Sprüngen sogar Schaden verursachen kann. So oder ähnlich könnte man die Story um Jagged Alliance: Rage! zusammenfassen. Wie einen billigen Action-Streifen. Erzählt wird dies in kleinen Comic-Szenen und Textzeilen, die auch eingesprochen wurden. Dies klingt dann ebenfalls teils etwas nach B-Movie. Insgesamt ergibt sich ein merkwürdig stimmendes Bild, welches auf einer eher oberflächlichen Ebene insgesamt wieder Freude bereitet. Es ist ein wenig, als würde man The Expandables für Rundenstrategen spielen. Schwer zu sagen wie viel Absicht hier dahinter steckt, aber Minus und Minus ergeben manchmal eben tatsächlich Plus.

Jagged Alliance: Rage!
Früher echter Badass. Heute dicke Plauze und die Pulle in Griffweite.

Aus einer schlechten Story wird dadurch ein gutes Gerüst für das Gesamtpaket. Und dieses besteht aus Rundentaktik, die gefällt. Lediglich den Namen Jagged Alliance sollte man bei Jagged Alliance: Rage! nicht zu sehr in die Waagschale werfen. War der großartige Vorgänger für trainierte oder angemietete Söldner auf wirklich riesigen Karten bekannt, so ist bei Jagged Alliance: Rage! lange bei zwei, beziehungsweise später bei vier Kämpfern, auch schon Schluss. Die Maps sind sehr viel kompakter. Dies ist nicht nur schlecht. Man kann das Spiel deutlich besser in Stücken spielen. Die “schnelle Runde zwischendurch” ist möglich. Außerdem fällt die Orientierung an der Konsole auf kleineren Maps sicher leichter, mit einem Controller.


Taktisch einwandfreier Spielspaß

Bisher mussten alle stark sein, die ein echtes Jagged Alliance erhofften. Denn dies dürfte bereits an dieser Stelle für alte Hasen nicht mehr möglich sein. Ein kleines, wenn nicht sogar ein exzellentes, Trostpflaster, ist die nackte Taktik. Denn diese ist des Namens Jagged Alliance würdig. Knallhart wirkt das Spiel ab der ersten richtigen Mission nach dem Tutorial, wenn man dieses mit heute üblicherweise eher weich gespülten Anfangsmissionen anderer Titel vergleicht. Leben ist knapp. Verbände gegen Blutungen durch Treffer und Werkzeuge ebenfalls. Alles, selbst das manuelle Nachladen eurer leer geschossenen Waffe, kostet Aktionspunkte.

Gegner stehen zudem nicht nur ballernd auf freiem Feld. Zwar sind sie nicht hoch intelligent, suchen aber immerhin auch mal einfach Deckung und warten bis ihr herauskommt um euch dann im “Überwachen-Modus” noch während eures Zugs zu beschießen. Die KI ist deshalb so intelligent, weil sie es eben nicht ist. Glaubhaft gebildete Söldner in einer Bananenrepublik eben. Schwer wird das ganze deshalb, weil ihr stets in der Unterzahl seid. Und sogar Angst können sie bekommen. Erschießt ihr den einen, dann kann es sein, dass sein Freund daneben den Mut verliert und sich einfach ergibt. Ein schwacher Charakter, der ein echter Glücksfall für den Spieler sein kann.

In einer der früheren Missionen müsst ihr den Helikopter ausspähen um jemanden orten zu können. Rechts im Bild eine Zivilistin in einem Raum mit dem Feind. Hier sollte Feingefühl walten.

Zusätzlich hat jeder eurer eigenen Charaktere, die ihr teils direkt zum Start ins Spiel wählen könnt, eigene Stärken und Schwächen. Neben bereits erwähnter Wehwehchen, treten hier auch die namensgebenden Rage-Aktionen in den Vordergrund. Greift ihr an oder werdet ihr angegriffen, steigt die Wut in euren verbitterten Helden. Diese lässt sich auf spezielle Aktionen anwenden. Einer kann ungesehen durch feindliche Linien schleichen. Der andere kann einen Präzisionsschuss abgeben, der jede Gegnerpanzerung glatt ignoriert. Wieder ein anderer ist Herzkrank und muss sein Ultimate sogar unbedingt nutzen. Zu viel Wut löst einen sehr gesundheitsschädlichen Infarkt aus.


Noch mehr Taktik und ein Hauch Survival

Ihr findet Jagged Alliance: Rage! bietet hier noch nicht ausreichend Taktik? Fanden die Entwickler wohl auch. Deshalb fliegen die Fehlschüsse nicht ins Leere, sondern treffen irgendetwas im Hintergrund. Den nächsten Baum, den Boden oder einen anderen Gegner. Oder, besonders schlecht, ihr tötet versehentlich einen Zivilisten.

Außerdem müsst ihr neben den Wunden eurer Truppe auch deren Wasserhaushalt richten und bessere Ausrüstung besorgen. Besonders der Durst sorgt für Survival Feeling. Sauberes Wasser stillt ihn. Verseuchtes Wasser stillt ihn auch, bietet aber die Chance einer Infektion. Manche Dinge, Operationen zum Beispiel, lassen sich nur in der Übersichtskarte anwenden. Hier müsst ihr dann rasten. Müsst ihr ohnehin, um euch auszuruhen. Aber auch hier siegt das Rundenprinzip. Die Truppen des Feindes patrouillieren sichtbar auf der Karte und säubern Bereich für Bereich. Holen sie euch ein, müsst ihr einen extra Kampf bestreiten. Es gilt also immer abzuwägen, ob es gerade besser ist sich nicht erwischen zu lassen, oder zu regenerieren. Und selbst bis hier haben wir noch nicht alle taktischen Möglichkeiten erklärt. Stealth-Kills zählen ebenso hierzu, wie das Ausnutzen höher gelegener Stellungen, um zwei Beispiele zu nennen.

Die Übersichtskarte. Hier reist ihr in Gebiete und könnt auch Abzweigungen nehmen.

Gerne hätten die Entwickler gehabt, dass man mit wählbaren Dialogzeilen auch als Adventure durchgeht. Dies gelingt leider nicht. Die Wahl der Reihenfolge, in der Dialogschnipsel manuell gewählt werden, erschien uns komplett egal.


Jagged Alliance: Rage! – Technisch betrachtet

Der Sound zu Jagged Alliance: Rage! ist solide und fügt sich bereits ab der Titelmusik ins eingangs erwähnte Action-Film und B-Movie Setting ein. Auf seltsame Weise gefällt er somit, obwohl er sicherlich nicht erstklassig ist.

Etwas schwerer hat es das Auge. Die Grafik erinnert tatsächlich stark an Jagged Alliance 2. Es wurde allerdings nicht nur der Stil getroffen, abgesehen von der an comics angehauchten Präsentation, was eigentlich nicht Jagged Alliance ist. Auch die veraltet aussehende Grafik trägt zum Retro Gefühl bei. Heute können das selbst Rundentaktik-Spiele besser. Gestört wird hierdurch jedoch meist nicht das Spiel. Lediglich das Auge leidet. Ausnahme hiervon sind teils wirklich schwer zu entdeckende Beutekisten. Dabei sind gerade die mit ihrer Ausrüstung so unglaublich wichtig.

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Jagged Alliance: Rage! hadert mit der Controller Steuerung

Spielt ihr solch ein Spiel wie Jagged Alliance: Rage! ganz klassisch am PC, dann steuert ihr mit der Maus. Die Konsolenversion wurde natürlich für Controller angepasst. Und hier ist die größte Schwäche des Titels. So steuert ihr den Cursor und die Kamera einfach mit den Sticks. Dies ist zwar naturgemäß etwas umständlich, aber relativ intuitiv. Geht es in die Menüs oder Aktionen, müsst ihr allerdings auf Konsole alle Sticks, die vier L und R Tasten und das Steuerkreuz nutzen. Teils fragt man sich unweigerlich, weshalb man denn dafür jetzt so manche Taste benötigt. Die Intuition wurde auf der Konsole als erstes Opfer in Jagged Alliance: Rage! despotisch niedergestreckt. Zwar lässt sich das Spiel so steuern, dies basiert aber auf relativ anstrengendem Erlernen der Steuerung. Hinzu kommen Probleme. Tote Söldner etwa lassen sich zum Looten oft nur schwer ansteuern. Auch andere Dinge funktionierten im Test erst beim zweiten Anlauf. Es kam jedes Mal das Gefühl auf, dass diverse Vorhaben mit einer Maus nicht passiert wären.


Jagged Alliance: Rage! bietet Coop Gameplay

Ein echter Hammer ist der Online Coop Modus. Das durchaus gute Spiel macht zu zweit doppelt Spaß. Hier steuert dann jeder nur einen Charakter, ausgehend von den zweien, die man zum Spielstart nutzen kann. Der andere Spieler muss warten, man kann sich dabei aber bestens beraten. Hier hat JA Rage den vielen Konkurrenten, die diese einfache Möglichkeit einfach ignorieren, einiges voraus. Ohne große Änderung am Gameplay wurde der Spaß hier deutlich erhöht.


Fazit

Jagged Alliance: Rage! Ist insgesamt ein wirklich großartiges Spiel für Rundentaktiker. Und dennoch sehen wir das Spiel scheitern. Den alten Jagged Alliance Fans wird es vermutlich nicht Jagged Alliance genug sein. Dies ist ein Fehler. Denn das Gameplay ist, abgesehen von kleineren Fehlern, erstklassig. Eben dieses komplexe, erstklassige Gameplay dürfte aber manchen moderneren Spieler schon zu Beginn abschrecken. In der heutigen Zeit ist ein sanfterer Start ins Spiel die Regel. Die Spielerschaft ist, bitte verzeiht dies, für Jagged Alliance: Rage! vielleicht teilweise zu verweichlicht. Nicht das gesamte Spiel ist schwer. Die Lernkurve zu Beginn wirkt schlicht zu unangenehm. Technisch ist Jagged Alliance: Rage! zwar kein Glanzstück, genügt aber um einen größtenteils sauberen Spielablauf zu gewährleisten. Schön wären Patches für einzelne Probleme mit der Steuerung auf Konsolen und der Sichtbarkeit von Loot. Darüber hinaus lautet unser Appell, sowohl an JA-Fans, als auch an jüngere Strategen, schenkt Jagged Alliance: Rage! einige Stunden Vertrauensvorschuss. Dann wird es euch gefallen.


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