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Inside Review (Nintendo Switch)

Zeitgleich mit Limbo (unser Review) erscheint auch der geistige Nachfolger Inside der dänischen Entwickler Playdead für Nintendo Switch. Nach der Ankündigung auf der E3 2014 erschien der Puzzle-Plattformer vor nunmehr zwei Jahren für die Xbox One, später auch für die PlayStation 4 und iOS. In unserem Review verraten wir euch, warum ihr euch das Indie-Spiel keinesfalls entgehen lassen solltet.


Inside: Auf den Spuren von Limbo

Ein namenloser Junger, ganz alleine im düsteren Wald. Inside, der geistige Nachfolger zum Erstlingswerk der Entwickler beginnt fast genauso, wie seinerzeit Limbo. Gerade mit der zeitgleichen Umsetzung beider Spiele für Nintendo Switch werden die Parallelen zu Beginn noch deutlicher. Doch davon solltet ihr euch keinesfalls abschrecken lassen. So dauert es nicht lange, bis der Titel sich von seinem Vorgänger abwendet und eine ganz eigene Route einschlägt. Und diese, das dürfen wir schon einmal verraten, toppt das ohnehin gelungene Limbo nochmal, wenngleich das Indie-Spiel mit denselben Problemen zu kämpfen hat.

Zunächst einmal die schlechten Nachrichten: Inside fällt mir vier bis fünf Stunden Spielzeit relativ kurz aus. Auch die nervigen Trial-and-Error-Passagen aus dem Vorgänger wurden übernommen, treten allerdings viel seltener auf. Doch abgesehen von den zwei Schwächen leistet sich der Titel keine Fehler und stellt einen fesselnden, mysteriösen und rundum gelungenen Puzzle-Plattformer dar. 

Inside
Inside ist ein brutales und düsteres Meisterwerk.

Spielerisch werden zahlreiche Parallelen zum Vorbild deutlich. Abermals bewegt ihr den Jungen von links nach rechts durch düstere Level, während eine Taste zum Springen und eine für jegliche Aktionen verwendet wird. Auch der Anfang präsentiert sich ähnlich mysteriös: Der kleine Junge wird durch den Wald gejagt, bald stoßt ihr in einer Fabrik auf leblos herumstehende Menschen. Alles sehr merkwürdig und nicht minder verstörend. Und so freut ihr euch regelrecht auf den nächsten Spielabschnitt und die damit verbundene Ungewissheit – Was ist hier überhaupt los? Werden meine Fragen geklärt? Was hat es mit den maskierten Männern auf sich?


Emotional genial

Auch die Story lässt Platz für Interpretationen, doch wo Limbo noch zu einem zwar gelungenen, aber wenig spannenden Abschluss kam, erwartet euch in Inside ein unglaublich packendes Finale. Gepaart mit der enorm dichten Atmosphäre, die einzig und alleine durch die Umgebungen und das Gameplay getragen wird, ergibt sich ein intensives Spielgefühl, in dem der Tod hinter jeder Ecke lauert. Alles und jeder will euch ans Leder.

Inside ist ein knallharter Überlebenskampf. Im Gegensatz zum Erstlingswerk der Entwickler täuscht euch der Titel gar nicht erst Hoffnung vor. Vielmehr verschlägt es den armen Jungen von einer aussichtslosen Situation in die nächste. Und wenn doch einmal für einen kurzen Moment Hoffnung aufkommt, zerstört das Spiel diese gnadenlos wieder. Das sorgt bei euch dafür, dass ihr mit dem Protagonisten wirklich mitfühlt, mitleidet. 

Inside
Die hoffnungslose Welt sorgt für ein mulmiges Gefühl.

Diese Brutalität stellt Inside diesmal allerdings auch optisch dar und ist stellenweise wirklich harter Tobak. Schnappt euch ein Verfolger, hält er euch mal eben den Mund zu, um euch zu ersticken, ein Hund beißt euch im Nu die Kehle durch. Brutal und konstant deprimierend, aber auf der anderen Seite durch seine mysteriöse Welt und das herausragende Gameplay so unglaublich faszinierend und packend. 


Spielerisch deutlich besser

Von seinem Vorbild hat Inside das herausragende Rätseldesign geerbt. Auch wenn sich die Interaktionsmöglichkeiten in Grenzen halten: Mit einigen der Kopfnüsse, vor die euch die Entwickler stellen, habt ihr ganz schön zu kämpfen. Relativ zu Beginn stoßt ihr auf ein herunterbaumelndes Seil, welches bei näherer Betrachtung allerdings gar kein Strick ist. Vielmehr erlaubt es euch, die leblosen Zombies in einer Lagerhalle zu kontrollieren, um mit ihnen Schalter zu betätigen und die Tür zum nächsten Abschnitt zu öffnen.

Was Inside im direkten Vergleich ebenfalls zum besseren Spiel macht, sind die gelungenen Tempowechsel im Gameplay.

Im Vergleich zu Limbo werdet ihr ziemlich schnell feststellen, dass die Rätsel deutlich abwechslungsreicher ausgefallen sind und von euch fordern, auch mal um die Ecke zu denken. Das sorgt im Umkehrschluss für noch mehr Spielspaß. Was Inside im direkten Vergleich ebenfalls zum besseren Spiel macht, sind die gelungenen Tempowechsel im Gameplay. Wart ihr eben noch damit beschäftigt, um euer Leben zu rennen oder unentdeckt an Wachen vorbei zu schleichen, folgt meist ein ruhiger Abschnitt, indem ihr die neue Szenerie erkundet.

Inside
Spielerisch gibt sich Inside rundum gelungen und abwechslungsreicher, als das Vorbild.

Die mit unter herausragenden Rätsel würzt das Game mit spannenden Geschicklichkeitspassagen und faszinierenden Schwimm- und Tauchabschnitten. Später seid ihr sogar in einem Mini-Uboot unterwegs. So gibt sich Inside spielerisch deutlich abwechslungsreicher, als sein Vorgänger. 


Herausragende Technik

Inside
Das Spiel punktet mitexzellentem Artdesign und atmosphärischer Vertonung.

Aus technischer Sicht überzeugt Inside durch sein düsteres, malerisches Artdesign. Das Schwarz-Weiß des Vorgängers ist einem hoffnungslosen grau gewichen, doch ab und zu gesellen sich ein paar Farbakzente hinzu. In Kombination mit den exzellenten Licht- und Schatteneffekten trägt die Technik so ihren Teil zur erstklassigen Atmosphäre bei. Auch die Animationen des Jungen liegen auf höchstem Niveau und fördern den Beschützerinstinkt in euch. 

Ein hervorragendes Artdesign ist mindestens genauso gut, wie eine hochauflösende Polygongrafik

In Kombination mit den wunderschönen Details und der gelungenen Physikengine beweist Inside eindrucksvoll, dass ein stimmiges Design es problemlos mit hochauflösenden Polygonen aufnehmen kann. Auch die Vertonung des Spiels rangiert auf erstklassigem Niveau. Abermals verzichten die Entwickler größtenteils auf den Einsatz von Musik. Dafür tragen die gelungenen Umgebungsgeräusche hervorragend zur dichten Atmosphäre des Spiels bei.


Fazit:

AwardIch habe Limbo bereits geliebt, doch der geistige Nachfolger Inside toppt das düstere Abenteuer mit Leichtigkeit. Der Puzzle-Plattformer punktet vor allem mit seiner wahnsinnig intensiven Atmosphäre und dem Gefühl des Unbehagens. Jedes Detail der Welt ist tödlich und gefährlich, was mich mit dem namenlosen Jungen mitfühlen lässt.

Zudem freue ich mich, dass das Design der Rätsel noch abwechslungsreicher ausgefallen ist. Besonders aber darüber, dass der Indie-Titel gekonnt das Tempo nach einer kniffligen Situation raus nimmt und mir Luft zum Atmen lässt, sodass ich in Ruhe die Umgebung erkunden kann. Noch dazu sieht das Game hervorragend aus. Gerade das einzigartige Artdesign in Kombination mit der atmosphärischen Vertonung macht einen großen Reiz des Spiels aus. Inside ist ein rundum gelungenes Downloadspiel, welches sich niemand entgehen lassen sollte. Ein echtes Meisterwerk.


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