Image default
PS4 Tests Xbox One

GRID im Test

Mit GRID Autosport veröffentlichte Codemasters vor über fünf Jahren den letzten Serienableger der beliebten Rennspielreihe für PlayStation 3 und Xbox 360. Nun wagen die Rennspielexperten einen Reboot der Marke und wollen mit dem schlichten Namen „GRID“ an den Erfolg alter Serienableger anknüpfen und dabei sowohl Arcade- als auch Simulationsfans ansprechen. Ob das Vorhaben gelingt, haben wir für euch in unserem Testbericht herausgefunden.

Dieses Video ansehen auf YouTube.

Auf der Karriereleiter nach oben

Dreh- und Angelpunkt des Geschehens in GRID ist einmal mehr der Karrieremodus. Hier dürfen sich Solisten in zahlreichen Rennserien austoben, um sich vom Newcomer empor zu arbeiten und die Startberechtigung für die prestigeträchtige GRID World Series zu erlangen. Bevor wir uns allerdings der Karriere widmen, erwartet uns noch ein Einführungsevent, bei dem wir von einem Boliden in den nächsten verfrachtet werden, um die Vehikel-Vielfalt von GRID kennenzulernen. Hier wird auch noch einmal deutlich, dass sich GRID an Motorsportfans aller Couleur widmet, da die vielfältigen Events zahlreiche Geschmäcker abdecken und obendrein einen guten Spagat zwischen einsteigerfreundlichem Fahrverhalten und leichten Aspekten einer Simulation bietet.

104 Events haben die Entwickler in das Rennspiel integriert, die ihr nach und nach absolvieren könnt. Wie in GRID Autosport lässt euch das Spiel dabei weitgehend freie Hand, ob ihr zunächst in der Open-Wheel-Series, in einem Tourenwagen oder doch eher in einem Muscle-Car euer Können beweisen wollt. So abwechslungsreich sich das Ganze anhört, fällt das Endergebnis leider nicht aus. Die Karriere ist ziemlich dröge und eintönig aufgebaut. Storysequenzen oder abwechslungsreiche Aufgaben sucht ihr hier vergeblich. So arbeitet ihr ein Rennevent nach dem nächsten ab, streicht Belohnungen für gute Ergebnisse ein und steigt Ränge auf. Die erarbeiteten Credits könnt ihr dann wiederum in neue Boliden investieren. Leider fallen alle Rennveranstaltungen relativ kurz aus. Pro Rennen erwarten euch meist nur kurze Sprint-Events mit zwei bis drei Runden. Dadurch wird die Teilnahme am Qualifying fast schon obligatorisch, da es in den kurzen Rennen nur selten möglich ist von ganz hinten bis an die Spitze des Feldes voran zu preschen.

Dementsprechend actionlastig fallen die Rennen in GRID auch aus. Ohne Lackaustausch und kleineren Feindkontakt laufen die Events meist nicht ab. Die K.I. reagiert teilweise sehr clever im Zweikampf und versucht Angriffe zu kontern. Neu in GRID ist das Nemesis-System. Eckt ihr zu oft mit einem Kollegen an, wird dieser zu eurem Erzrivalen und schreckt auch vor brachialen Angriffen, die im Reifenstapel enden können, nicht zurück. Dennoch ist das System nicht ganz so weitreichend durchdacht wie man es sich wünschen würde. So gelten die einzelnen Rivalitäten nur für die jeweiligen Rennevents und haben keine nachhaltige Konsequenz für eure Karriere.

Mit Vollgas bei Wind und Wetter – GRID ist zurück.

Verschenktes Potenzial & gutes Rennfeeling

Nachdem Codemasters zuletzt mit F1 2019 versucht hatte erste Story-Elemente in den Karrieremodus zu implementieren, kann man durchaus verwundert sein, dass GRID auf diese nicht zurückgreift und dadurch etwas bieder wirkt. Sicherlich ist die große Varianz der Vehikel und Events ein klarer Pluspunkt, doch letztlich reiht sich hier ein Event an das nächste und aufgrund mangelnder (sinnvoller) Belohnungen geht auch etwas die Langzeitmotivation verloren. Neben alternativen Farbdesigns und Individualisierungsmöglichkeiten für eure Profilkarte, gibt es leider kaum freispielbare Extras. Hier wäre einfach deutlich mehr möglich gewesen, um die Spieler auch langfristig bei Laune zu halten und die Abwechslung zu steigern.

Deutlich erfreulicher fällt hingegen das Feeling auf den Rennpisten aus. Serientypisch erwartet euch hier ein Mittelweg aus Arcade und Simulation, wobei das Pendel deutlich mehr in Richtung zugänglichem Arcade-Spaß ausschlägt. Die Vehikel fühlen sich alle unterschiedlich an, lassen sich jedoch zumeist sehr intuitiv über die Pisten manövrieren. Eine beinharte Simulation dürft ihr aber selbst mit ausgeschalteten Fahrhilfen nicht erwarten, dafür neigen die Fahrzeuge zumeist zu einem viel zu starken Übersteuern, was in sehenswerten Drift-Einlagen endet. Gerade bei den flinken und wendigen Formel-1000 Boliden wirkt dies allerdings auch unrealistisch, wenn ihr mit so einem filigranen Rennwagen im Powerslide um die Kurven flitzt, ohne einen Dreher zu fabrizieren.

Nichtsdestotrotz machen die Rennen in GRID eine Menge Spaß und das liegt an den intensiven Zweikämpfen mit der K.I.: Immer wieder sehen wir eine differenzierte Linienwahl unserer Widersacher und ein aktives Angriffsverhalten. Die unterhaltsamen Rennen sind wie im „alten“ GRID die ganz große Stärke des Spieles. Kaum ein anderes Rennspiel schafft estso realistische Zweikämpfe auf den Bildschirm zu zaubern wie Codemasters mit seiner GRID-Reihe. Selbst Fehler fabrizieren eure Gegner hin und wieder, wobei einige Zwischenfälle zum Teil auch geskriptet wirken, doch darüber kann man aufgrund der wirklich schicken Inszenierung hinwegsehen.

Die Zweikämpfe mit der K.I. sind mitunter richtig packend.

Dellen, Kratzer wenig Tuning-Freuden

Beim Schadensmodell geht Codemasters Kompromisse ein. Optisch macht selbiges einiges her, wirkt sich spielerisch aber nur bei starken Zusammenstößen merklich auf das Fahrverhalten aus. Totalschäden treten vom subjektiven Empfinden nun auch deutlich seltener auf und erfordern meist das „aktive“ Mitwirken eurerseits oder grobe Fahrfehler. Apropos Fahrfehler: Diese könnt ihr auf Wunsch mit der altbekannten Rückspulfunktion ungeschehen machen

Bei GRID stellt Codemasters ganz offensichtlich den Spielspaß in den Vordergrund und möchte die einzelnen Rennwagen gar nicht so authentisch wie nur irgendwie möglich nachstellen. Wer also ein etwas driftlastigeres Fahrverhalten mag, wird sich in GRID schnell wohlfühlen.

Tüftler die gern am Set-Up ihres Rennwagens schrauben werden aufgrund der stark limitierten Einstellungsmöglichkeiten allerdings etwas enttäuscht werden. Gerade mal eine Handvoll Parameter stehen euch zur Verfügung, um euer Gefährt euren Bedürfnissen anzupassen. Doch letztlich ist dies von dem Spiel auch nicht gewollt, da es bei GRID mehr um den flotten Arcade-Rennspaß geht. Die Rennen in GRID finden im Übrigen serientypisch sowohl auf Originalstrecken und Fantasiestrecken inmitten von Metropolen statt. Mit dabei sind Grand Prix-Kurse von Silverstone oder auch Brands Hatch und enge Straßenkurse in Shanghai, Havanna, Barcelona und San Francisco. Leider fällt die Gesamtzahl der Austragungsorte etwas geringer aus als noch in GRID Autosport. Immerhin gibt es allerdings flexible Streckenlayouts der einzelnen Rundkurse, sodass dadurch für Abwechslung gesorgt wird.

Neben dem Karrieremodus stellt der Online-Mehrspielermodus für bis zu 16 Teilnehmer das zweite Kernstück von GRID dar. Hier könnt ihr euch in „Schnellen Rennen“ oder „Privaten Lobbys“ mit anderen Rennfahrern auf dem gesamten Globus in den einzelnen Rennvariationen messen und euer Können zur Schau stellen. Die Verbindungsqualität machte dabei bisher einen guten Eindruck und wir hatten auch mit keinen Disconnects zu kämpfen, wodurch zuverlässige, flüssige Rennen gewährleistet werden können. Über die Qualität der Mitspieler muss man allerdings wie in so vielen anderen Rennspielen wieder den Kopf schütteln, da die erste Kurve zumeist zu einem kleinen Trümmerfeld aufgrund provozierter Unfälle mutiert.

Fernando Alonsos Weltmeister-Bolide ist auch mit von der Partie.

Pfeilschnell, flüssig und einfach nur schick

Technisch wusste Codemasters seit jeher wie der Hase in Rennspielen läuft und zeigt auch mit GRID wie schön ein Rennspiel auszusehen hat. Besonders die Licht- und Schatteneffekte sind sehr schick anzusehen und dank zahlreicher Kameraperspektiven könnt ihr den Titel sowohl aus einer gelungenen Cockpit- als auch einer Verfolger-Perspektive genießen.

Besonders hervorzuheben sind zudem die sehenswerten Partikeleffekte, wenn es zu Kollisionen kommt. So fliegt euch immer mal ein kleines Leitblech entgegen, wenn sich eure Widersacher vor euch beharken. Neben den genannten Pluspunkten kann auch die flüssige Optik überzeugen, die konstant bei sechzig Bildern pro Sekunde über den Bildschirm flimmert und viele schicke Details auch neben den Streckenrand bereithält. Dank jubelnder Fans, Blitzlichtgewitter und Helikoptern am Himmel wirkt das Gesamtbild auch sehr lebendig und authentisch.

Auf Regenrennen müsst ihr trotz fehlendem dynamischen Wettersystem nicht verzichten. Diese sehen nicht nur sehr toll aus, sondern wirken sich auch auf das Fahrverhalten aus, auch wenn sie nicht ganz so spektakulär umgesetzt sind wie beispielsweise in F1 2019.

Eine kleine Enttäuschung stellt hingegen die deutsche Vertonung von GRID dar. Diese könnte teilweise unpassender kaum sein. Die Streckensprecher wiederholen sich am laufenden Band und erzählen Zusammenhangslose Phrasen, die die Atmosphäre eher zerstören als diese zu verstärken. Auch euer Renningenieur kann wenig glänzen, sodass wir schnell lieber die Motorensounds hochregeln und uns auf das Wesentliche nämlich Gas geben konzentrieren.

Die Rennstrecke von Sepang im Abendlicht: Einfach nur schick!

Fazit:

Mit GRID kehrt Codemasters mehr oder minder zu den Wurzeln der Reihe zurück, verliert dabei aber auch einige wichtige Faktoren aus dem Fokus. Das Rennspiel meistert den Spagat zwischen Arcade- und Simulationsfeeling, neigt allerdings merklich zum actionlastigen Arcade-Racing. Die Karriere ist umfangreich und bietet abwechslungsreiche Boliden, verschenkt aufgrund der biederen Präsentation und mangels Langzeitmotivation allerdings einiges an Potenzial. Die große Stärke von GRID ist weiterhin das authentische Rennfeeling gegen eine menschlich agierende K.I. mit packenden Zweikämpfen. Dank des zugänglichen Gameplays dürfen somit auch Nachwuchs-Rennfahrer schnell erste Erfolge feiern, während sich Profis mit ausgeschalteten Fahrhilfen auf den höheren Schwierigkeitsstufen austoben können. Leider vermissen wir die Möglichkeit auch längere Rennevents zu bestreiten und auch eine Story hätte dem Spiel mit Sicherheit gut zu Gesicht gestanden. So etabliert sich GRID als Rennspiel für flotten Rennspaß zwischendurch, dem es allerdings an Langzeitmotivation mangelt und altbekannte Features vermissen lässt. Hier waren GRID Autosport als auch der Erstling von 2008 einfach deutlich stärker aufgestellt, sodass einige Kratzer im sonst so schönen Lack des Reboots bleiben.


Vielen Dank an Koch Media für die Bereitstellung des Testmusters für die Erstellung des Testberichtes.

Related posts

Assassins Creed Origins – Der erste DLC steht in den Startlöchern

Nature225

Call of Duty WWII Pre-Load auf Xbox One möglich, Größe bekannt

Christian Ibe

Razer Raiju und Razer Tresher – Razer stellt auf der Gamescom 2018 neue PS4-Peripherie vor

GZG Redaktion