Image default
PS4 Tests

Gran Turismo Sport im Test

Für Fans exklusiver Rennspiele sah es auf der PlayStation 4 bislang eher mau aus. Mal abgesehen von dem Arcade-Rennspiel Driveclub herrscht auf der aktuellen Sony Konsole in diesem Genre gähnende Leere. Vier Jahre nach dem letzten Serienteil wollen Kazunori Yamauchi und sein Team nun mit Gran Turismo Sport endlich Abhilfe schaffen. Doch wie viel Gran Turismo steckt überhaupt noch im dem Racer? 

Dieses Video ansehen auf YouTube.

Gran Turismo Sport – Ein großer Name

Gran Turismo. Ein großer, ein klangvoller Name. Ein Name, der Konsolenspielern seit nunmehr 20 Jahren ein Begriff ist und seit jeher für eine waschechte Rennsimulation steht. Auch Gran Turismo Sport schlägt in die selbe Kerbe der Serie, die seit ihrem Auftakt mit dem Untertitel „The real driving simulator“ wirbt. 

Der Weg, den der neueste Ableger geht, unterscheidet sich dabei aber grundsätzlich von dem seiner Vorgänger. Bislang tummelten sich in der Garage der Vorgänger ein buntes Potpourri an fahrbaren Untersätzen – Vom Kleinwagen über die Nobelkarosse, bis hin zu hochgezüchteten Rennwagen. All das bietet Gran Turismo Sport nicht. 

Gran Turismo Sport
In Gran Turismo Sport dreht sich alles um hochgezüchtete Rennwagen.

Wartete der Vorgänger noch mit über 1.000 Fahrzeugen auf, sind es im neuesten Ableger gerade einmal noch knapp 160 Boliden. Diese stammen zudem größtenteils aus dem Rennsport-Bereich und werden durch einige Vision-Konzeptfahrzeuge und Rallyeautos ergänzt – Echte Straßenautos sucht ihr fast vergebens. Ähnlich entschlackt präsentiert sich die Auswahl an Rennstrecken. Gerade einmal 17 Rennorte mit verschiedenen Streckenvarianten haben es in das Spiel geschafft. Erfreulicherweise fallen diese jedoch sehr abwechslungsreich aus. 

Neben drei Offroad-Pisten besteht die Kursauswahl aus einem Mix an echten Rennstrecken wie dem Nürburgring oder Suzuka und einigen fiktiven Kursen, welche das optische und spielerische Highlight des Titels darstellen. So abwechslungsreich die Auswahl auch ausgefallen ist: Für eine Rennsimulation im Jahr 2017 fällt diese doch äußerst mager aus.

Gran Turismo Sport
Offroad-Strecken sorgen für Abwechslung bei der überschaubaren Kurs-Auswahl.

Keine echte Karriere

Viel besser sieht es da bei der Auswahl der Spielmodi leider auch nicht aus. Einen Karrieremodus in der Tradition der Serie sucht ihr in Gran Turismo Sport leider vergebens. 

Kernstück für Solisten ist diesmal die Kampagne. Darin absolviert ihr die serientypischen Lizenz-Prüfungen und insgesamt 64 Missionen, in denen ihr bestimmte Szenarien absolvieren müsst. Komplettiert werden die Kampagnen-Aufgaben durch den Spielmodus „Streckenerfahrung“, in dem ihr auf bestimmten Abschnitten eines Kurses gegen die Uhr antretet. 

Darin könnt ihr zwar abermals Bronze-, Silber- und Goldmedaillen erfahren, an die Langzeitmotivation der Vorgänger reicht die Kampagne aber leider nicht heran. Eine echte und motivierende Karriere glänzt leider durch Abwesenheit. Zudem herrscht sogar im Einzelspielermodus von Gran Turismo Sport strikter Onlinezwang. Seid ihr nicht mit dem Internet verbunden, steht euch lediglich der Arcade-Modus zur Verfügung, in dem ihr zwischen Einzelrennen und Zeitfahren wählen könnt. Doch die Inhalte dafür müsst ihr erst in der lahmen Kampagne freispielen.

Gran Turismo Sport
Einen Karrieremodus gibt es leider nicht. Sehr schade.

Der Fokus des Spiels liegt ganz klar auf dem Online-Mehrspielermodus „Sport“, mit dem Entwickler Polyphony Digital abermals seine Rennsport-Ambitionen untermauert. Mit offizieller FIA Lizenz sollen sich im Laufe der Zeit in umfangreichen Online-Turnierserien sogar echte Rennsport-Zertifikate erfahren lassen. Allerdings lassen diese Veranstaltungen zum Release noch auf sich warten. Der Onlinemodus besteht aktuell lediglich aus wechselnden täglichen Veranstaltungen und den typischen Mehrspieler-Rennen für bis zu 20 Spieler. Die Verbindungsqualität ist in den meisten Fällen hervorragend, wirkliche Innovationen oder Langzeitmotivation lässt aktuell allerdings leider auch der Multiplayer vermissen.


Es fährt sich hervorragend

Bei all der Kritik, die sich Gran Turismo Sport gefallen lassen muss, ist es aber umso erfreulicher, dass der Edelraser auf der Strecke seine Muskeln spielen lässt. Das Fahrverhalten ist den Entwicklern zumindest abermals hervorragend gelungen. Alle Boliden steuern sich enorm realistisch über die verschiedenen Kurse. Besonders bei den Rallye-Events wird zudem deutlich, wie sehr die verschiedenen Fahrbahnbeläge Auswirkungen auf das Fahrverhalten haben.

Mit unzähligen optionalen Fahrhilfen lässt sich das Fahrverhalten zudem hervorragend an euer Können anpassen. Schaltet ihr alle Hilfen aus, wird Gran Turismo Sport zu einer beinharten Simulation.

Gran Turismo Sport
Auf der Strecke entfaltet das Spiel seine Stärken. Gran Turismo Sport spielt sich hervorragend.

Zudem agiert die KI endlich auf einem glaubwürdigen Niveau und klebt nicht länger steif auf der Ideallinie, sondern begeht auch mal Fahrfehler oder liefert sich hitzige Duelle. Dadurch wirken die Rennen deutlich realistischer, an die Drivatare eines Forza Motorsport reicht die künstliche Intelligenz jedoch noch immer nicht heran. Unverständlich ist hingegen, dass es erneut kein Schadensmodell gibt.

Kollisionen mit anderen Fahrzeugen oder den Streckenbegrenzungen hinterlassen nämlich weder optische, noch spürbare Schäden an eurem fahrbaren Untersatz. Sehr schade. Auch auf dynamisches Wetter verzichten die Entwickler konsequent und müssen sich daher die Frage gefallen lassen, ob so etwas überhaupt noch zeitgemäß ist.

Immerhin gibt es aus technischer Sicht fast Nichts zu beanstanden. Gerade auf der PS4 Pro sieht Gran Turismo Sport stellenweise atemberaubend aus. Die Fahrzeugmodelle stellen sogar die eines Forza Motorsport 7 in den Schatten. Auch die Spiegelungen und Lichteffekte sehen hervorragend aus und das Geschwindigkeitsgefühl ist über jeden Zweifel erhaben. Allerdings sind die Umgebungen etwas detailarm und leblos ausgefallen.

Dieses Video ansehen auf YouTube.

Die Motorengeräusche liegen ebenfalls auf erstklassigem Niveau und können auf ganzer Linie überzeugen. Anders als das serientypische Gedudel, welches man beim besten Willen nicht als Musik klassifizieren kann. Eben typisch Gran Turismo. 


Fazit:

Ich verbinde viele schöne Kindheitserinnerungen mit der Rennspiel-Serie von Polyphony Digital. Mit dem großen Namen hat Gran Turismo Sport allerdings nicht mehr viel zu tun und ein wirkliches Gran Turismo ist der Racer leider nicht geworden. Gerade ein motivierender Karrieremodus fehlt schmerzlich, zudem ist der Umfang ziemlich mager ausgefallen. Wirkliche Innovationen lässt der Titel ebenso vermissen.

Auf der Strecke macht Gran Turismo Sport seine Sache allerdings hervorragend, zumindest sofern ich mal ein richtiges Rennen fahren darf. Das Fahrverhalten ist erstklassig und die KI agiert endlich glaubwürdig. Auch die Onlinerennen laufen sauber und machen eine Menge Spaß. Der Verzicht auf ein Schadensmodell und dynamisches Wetter ist in meinen Augen allerdings unverständlich.

Was bleibt ist ein durchaus gelungenes PlayStation-4-Rennspiel, welches vor allem Genrefreunden eine Menge Spaß bereiten dürfte, dem im Vergleich mit der Konkurrenz jedoch wahnsinnig schnell die Puste ausgeht. 


verwandte Beiträge

Spintires: MudRunner – American Wilds Edition im Test

Michael Höfler

Ghost Recon Wildlands Update erscheint heute – Inklusive Lootboxen

Christian Ibe

News: Cloud9 gewinnt Rocket League Season 6 Championship

Dennis Wagner