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PS4 Tests Xbox One

FAR: Lone Sails im Test

Postapokalyptische Spiele müssen nicht immer actionreich sein und euch zig Gegner an den Kopf werfen, wie das Indie-Game FAR: Lone Sails von Entwickler Okomotive beweist. Nach gut einem Jahr schafft es das mit Preisen überschüttete Spiel vom PC auf PlayStation 4 und Xbox One. Unser Test klärt, warum ihr euch das melancholische Adventure nicht entgehen lassen solltet.

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Endzeit-Idylle

Gemächlich schippern wir auf unserem Kahn über den ausgetrockneten Ozean. Grau und trist ist die Umgebung, die ab und zu von Relikten einer längst vergessenen Zivilisation zeugt. Kein Mensch weit und breit, wir sind alleine. Es dauert keine fünf Minuten, bis uns das Indie-Adventure FAR: Lone Sails mit einer einzigartigen, schon fast magischen Atmosphäre in seinen Bann zieht.

Bereits die vor knapp einem Jahr erschienene PC-Version konnte bei Fans und Kritikern punkten und etliche Preise einheimsen. Dabei ist es nur schwer in Worte zu fassen, worin die Faszination des Spiels eigentlich liegt.

Ist es der künstlerische Grafikstil im Aquarell-Look? Ist es das einzigartige Gefährt, das den Kern der Spielerfahrung ausmacht? Wir wissen es nicht. Doch was wir wissen ist, dass ihr euch FAR: Lone Sails auf keinen Fall entgehen lassen solltet.

Wir schlüpfen in die Haut einer stummen Figur, die mit ihrem roten Regenmantel entfernt an einen amerikanischen Feuerwehrmann erinnert, doch über die Motivation des Protagonisten lässt uns das Spiel im Unklaren. Auch eine Handlung erzählt FAR: Lone Sails nicht und liefert damit eine Menge Spielraum für Interpretationen. Was mit der Welt geschehen ist und warum wir uns auf diese gefährliche Reise geben? Dafür findet vermutlich jeder Spieler seine eigenen Gründe.

FAR: Lone Sails
FAR: Lone Sails entfaltet eine ganz besondere Atmosphäre

FAR: Lone Sails: Die Reise beginnt

Sind wir anfangs noch zu Fuß unterwegs, stoßen wir kurz darauf auf ein seltsam anmutendes Fahrzeug mit der Größe eines Hauses. Dieses Gefährt, das wie eine Mischung aus Lokomotive und Schiff aussieht, ist zentrales Spielelement von FAR: Lone Sails.

Nähern wir uns der gewaltigen Maschine, öffnet sich auch schon die Ladeluke. Neugierig, wie wir sind, betreten wir das Ungetüm. Dabei zoomt das Bild hinein und gibt uns die Technik preis, mit der unser Gefährt betrieben wird. Überall sind rote Knöpfe: Ein Knopf für den Dampf, einer für die Geschwindigkeit. Und was macht man mit roten Knöpfen? Na klar: Drauf drücken!

Rote Knöpfe sind zum drücken da. Logisch, oder?

Mit einem lauten Knall setzt sich der alte Motor in Gang, unsere Reise beginnt. Ein Tank zeigt uns an, wie viel Sprit noch in der alten Rostmühle vorhanden ist. In FAR: Lone Sails ist der Weg das Ziel. Es gibt keine klar definierte Aufgabe, keine Missionen und keine Einblendungen. Wir müssen uns alles selbst zusammenreimen, also ist munteres Knöpfchendrücken angesagt.

So finden wir schnell heraus, dass wir herumliegenden Schrott über die Vorrichtung auf der linken Seite unseres Gefährts verheizen müssen, um unseren Tank wieder aufzufüllen. Eher zufällig stoßen wir dabei nach gut einer Stunde auf die Bremse, mit der das Monstrum in Sekundenbruchteilen anhält.

Dann können wir unser Fahrzeug auf der Vorder- oder Rückseite verlassen, um neues Brennmaterial einzusammeln, das wir bequem auf dafür vorgesehenen Haken platzieren und bei Bedarf verheizen.

FAR: Lone Sails
Wer gerne Knöpfe drückt, kommt in FAR: Lone Sails voll auf seine Kosten.

Es gibt immer was zu tun

Zum Selbstläufer wird FAR: Lone Sails dabei aber nie. Regelmäßig müssen wir den Gas-Knopf betätigen, um die Okomotive (so der offizielle Name) in Gang zu halten. Dabei gilt es allerdings, immer wieder Dampf abzulassen, damit der Motor nicht überhitzt. Das artet schnell in Arbeit aus, da wir regelmäßig den Tank befüllen, Dampf ablassen und neuen Schrott einsammeln müssen, um in Bewegung zu bleiben.

Immer wieder zwingt uns das Spiel, die Sicherheit unseres lieb gewonnenen Gefährts zu verlassen, um in der trostlosen Welt kleinere Rätsel und Aufgaben zu lösen. Wirklich fordernd wird FAR: Lone Sails dabei allerdings zu keinem Zeitpunkt, auch Gegner oder echte Gefahren suchen wir dabei vergebens.

Das Gameplay wird gekonnt durch kurze Zwangspausen aufgelockert

Vielmehr bekommen wir es mit einem malerischen, ja geradezu idyllischen Adventure zu tun, das uns auf eine Reise entführt. Eine wunderschöne und entspannte Reise, die eine schöne Abwechslung zu vielen anderen aktuellen Spielen darstellt.

In diesen Zwangsunterbrechungen flechtet FAR: Lone Sails auf gekonnte Art und Weise kleinere Rätsel und Wechsel der Szenerie ein. So steigen wir mal in den Untergrund einer verlassenen Fabrik herab, um ein Schleusentor zu öffnen oder erklimmen einen Turm, um unser Gefährt mit einem Segel auszustatten.

FAR: Lone Sails
Regelmäßig finden wir neue Teile für unser Vehikel.

Segel setzen, Kapitän!

Während sich das Adventure in diesen Abschnitte fast schon wie ein 2D-Plattformer spielt, steht dabei immer unser Fahrzeug im Mittelpunkt und markiert den eigenen Helden des Spiels. Immer wieder stoßen wir auf neue Teile, mit denen wir unsere Maschine erweitern können.

Grafik und Vertonung sorgen für eine unglaublich intensive Atmosphäre.

Dank erwähntem Segel können wir uns beispielsweise den Wind zunutze machen und ganz ohne Zuhilfenahme des Verbrennungsmotors vorankommen – zumindest, wenn der Wind von hinten bläst. Später finden wir sogar Vorrichtungen, mit denen wir Feuer löschen oder unsere Maschinen reparieren können.

Das ist auch dringend nötig, denn während es sich bei FAR: Lone Sails um ein sehr einfaches Spiel handelt, wird unsere Reise regelmäßig durch Naturgefahren unterbrochen. Ein Hagelsturm zerstört unsere Maschinen und passen wir mal kurz nicht auf, greifen die Flammen des überhitzenden Motors um sich.

Die Lösungen der Rätsel sind meist offensichtlich.

Nach und nach eröffnen sich so neue Möglichkeiten, während die Spielmechaniken immer komplexer werden. Wirklich fordernd wird das Spiel aber zu keinem Zeitpunkt. Das muss und will es aber auch gar nicht sein. Trotzdem hätten ein paar knackigere Rätsel dem Spiel gut getan. Auch die eigentliche Spielzeit fällt mit knapp drei bis vier Stunden äußerst überschaubar aus. Immerhin erhöhen verschiedene Lösungswege und versteckte Geheimnisse den Wiederspielwert.

FAR: Lone Sails
Immer wieder flechten die Entwickler kleinere Aufgaben und Rätsel ein.

Die Kunst des Einfachen

Das klingt jetzt aus spielerischer Sicht nicht wirklich spannend, doch was FAR: Lone Sails so besonders macht, ist seine einzigartige Atmosphäre. Besonders der zweidimensionale Aquarell-Grafikstil steht dem Spiel hervorragend zu Gesicht. In Kombination mit dem wuchtigen Fahrzeug und der melancholischen Grundstimmung entfaltet das Spiel eine ganz besondere Atmosphäre.

Vor allem dann, wenn die Entwickler mit verschiedenen Lichtstimmungen oder Wetterbedingungen spielen. Dazu trägt auch die herausragende Vertonung bei, die mit mysteriösen Synthesizer-Klängen, Ambient-Geräuschen und wunderschönen Musikstücken ihren ganz eigenen Charme entfaltet.

Wer beim Spielen genau hinschaut wird merken, dass FAR: Lone Sails seine Geschichte durch die Umgebung und Präsentation erzählt. Die Umgebungen zeugen von dem, was einstmals war, während die Optik im Schwarz-Weiß-Look die melancholische Grundstimmung hervorragend unterstreicht. Nur, damit perfekt gesetzte Farbakzente der Darstellung zusätzliche Kraft verleihen.

FAR: Lone Sails
Die Umgebung erzählt ihre eigene Geschichte.

Fazit:

AwardEs dauerte nur wenige Minuten, bis mich FAR: Lone Sails mit seiner einzigartigen Atmosphäre und der wunderschönen Technik magisch in seinen Bann gezogen hat. Da lässt es sich für mich verkraften, dass es in diesem Adventure weder knifflige Aufgaben, noch Gegner gibt.

Vielmehr handelt es sich um eine gleichermaßen melancholische, wie romantische Reise durch eine lebensfeindliche Umgebungen, in der ich wirklich das Gefühl habe, der letzte Mensch auf Erden zu sein.

Das entspannte Gameplay steht dabei in nahezu perfektem Kontrast zum Großteil aktueller Spiele. Nur ich und mein Gefährt. Regelmäßig lassen die Entwickler kurze Zwangspausen einfließen, um für spielerische Abwechslung zu sorgen. Dabei ist es besonders schön, wenn mich meine Ausflüge mit neuen Fahrzeugteilen belohnen.

Etwas mehr Varianz, knackigere Rätsel und mehr Umfang hätten dem Spiel allerdings nicht geschadet. Trotzdem sollt ihr euch FAR: Lone Sails nicht entgehen lassen, wenn ihr euch darauf einlasst und wisst, was euch erwartet.


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