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Dirt Rally 2.0 im Test

Dirt Rally stellte sowohl für alteingesessene Fans als auch Kritiker eines der besten Rallye-Spiele der letzten Jahre dar. Nun folgt mit Dirt Rally 2.0 der nächste Streich, der dank neuer Ideen, Features und einem spürbaren Spagat zwischen Simulation und Zugänglichkeit begeistern soll. Ob das Vorhaben gelungen ist oder unser Bolide das Ende der Wertungsprüfung nicht erreichen konnte, verraten wir euch am Ende der nun folgenden Haarnadelkurven.

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Ein Paradies für Dreckspatzen

Mit Dirt Rally veröffentlichten die Rennspielexperten von Codemasters 2015 das wohl realistischste Rallye-Spiel der letzten Jahre, dass vor allem Hardcore-Fans ins Schwärmen brachte. Mit dem zweiten Ableger wollen die Entwickler nun etwas mehr Zugänglichkeit bieten, um so das Frustpotenzial zu senken. Nichtsdestotrotz vermittelt auch Dirt Rally 2.0 ein exzellentes Fahrgefühl, welches sich auch mit dem Controller zu jederzeit nachvollziehbar anfühlt.

So dürft ihr in Dirt Rally 2.0 sowohl über altbekannte Rallye-Etappen an sechs Austragungsorten donnern und  euer Geschick in der Rally-Cross-Meisterschaft beweisen. Selbige ist mit der offiziellen FIA-Lizenz an Bord, sodass ihr auf den originalgetreuen Pisten samt der offiziellen Fahrzeugen Vollgas geben dürft. An Abwechslung mangelt es Dirt Rally 2.0 keinesfalls, denn allein die „normalen“ Rallye-Etappen wissen durch ihre Varianz zu begeistern. Mal geht es durch die beschaulichen Landschaften Polens, während ihr in den USA durch die Indian Summer rast oder euer ganzes Können in den verwinkelten Wertungsprüfungen der argentinischen Anden unter Beweis stellen. Weitere Abwechslung findet sich in dem variablen Wetter- und Tageszeitensystem, sodass ihr zu fast jeder erdenklichen Tageszeit und sowohl bei nassen und trockenen Bedingungen an den Start gehen könnt. Ein wechselndes Wettersystem wie in der F1-Serie oder Dirt 4 gibt es hingegen nicht.

Einen Wehrmutstropfen gibt es dennoch. So fehlen im Moment Rennen im Schnee gänzlich und auch Klassiker wie die Rallye Monaco sind nicht wie im Vorgänger implementiert. Selbige lassen sich für Käufer der Standardversion kostenpflichtig digital herunterladen. Besitzer der teureren Deluxe-Variante erhalten logischerweise kostenfreien Zugang zu den Zusatzinhalten. In unseren Augen kein feiner Schachzug der Entwickler, da diese Inhalte beim Vorgänger noch alle direkt an Bord waren.

Klassiker wie die Rallye Monaco müssen als DLC erworben werden.

Mach groß Karriere

Das Hauptaugenmerk von Dirt Rally 2.0 liegt für Solisten logischerweise auf dem umfangreichen Karrieremodus „Mein Team„. Dieser Spielmodus erfordert kurioserweise eine Online-Anbindung, die sich aber auch relativ schnell erklären lässt. Denn Codemasters fordert euch hier neben den „normalen“ Karrieren im Rallye- und Rallycross-Bereich in immer neuen K.I.- und Community-Events, sodass einiges an Abwechslung geboten wird. Im Spielmodus arbeiten wir uns über die „Open-Cups“ als blutiger Einsteiger in der Reputation hinauf und können bis zur Königsklasse dem „Master-Cup“ aufsteigen. Mit sechs Austragungsorten warten im Rallye-Sektor in jedem Land zwölf Wertungsprüfungen, von denen sich einige aber nur in kleinen Feinheiten unterscheiden.

Richtig gut ist den Entwicklern hingegen die Simulation des befahrenen Untergrunds, im Spiel Oberflächenabnutzung genannt, gelungen. Spurrinnen und Unebenheiten auf den Strecken sind spürbar umgesetzt, sodass sich auch eure Startposition effektiv auswirken können, wenn ihr beispielsweise relativ spät an den Start geht und so über eine aufgewühlte Rennstrecke rast.  Ebenfalls wirken sich die Reifentypen im Spiel entscheidend auf eure Performance aus. Im Service-Bereich könnt ihr euch für eine von drei Reifenmischungen entscheiden. Während ihr aus der weichsten Mischung die beste Leistung herauskitzeln könnt, sind diese nur wenig strapazierfähig, während die härteste Mischung nicht ganz so gute Performance-Werte bietet, dafür aber länger hält. Ebenfalls im Servicebereich lassen sich vor und zwischen den Wertungsprüfungen eure fahrbaren Untersätze individuell einstellen und reparieren. Hier kommen Simulationsfans vollends auf ihre Kosten, da ihr so ziemlich jeden Parameter am Fahrwerk individuell einstellen dürft. 

Auch sonst gestaltet sich die Aufmachung des Karrieremodus sehr puristisch. So arbeitet ihr ein Rennevent nach dem anderen ab, verdient euch Ruhm und Ehre sowie wichtige Preisgelder, mit denen ihr neue Mitarbeiter einstellen könnt oder neue fahrbare Untersätze erwerbt. Cineastische Einspieler oder etwas mehr Abwechslung vom Rennalltag wie beispielsweise aus der F1-Reihe bekannt, sucht ihr hier leider vergebens. Hier geht dem Spiel einfach ein bisschen das „Mittendrin“-Gefühl verloren und verschenkt unnötig Potenzial, da sich die Karriere vom Gefühl her kaum weiterentwickelt hat zum Vorgänger.

Geniales Spielgefühl: Dirt Rally 2.0 kann spielerisch überzeugen.

Mittendrin statt nur dabei

Gameplaytechnisch lässt sich Dirt Rally 2.0 keine Blöße. Der Titel knüpft konsequent an dessen Vorgänger an und bietet ein intensives Rennerlebnis. Vor allem in der Cockpit-Perspektive kann euch der Titel in seinen Bann ziehen. Simulationsfans freuen sich über ein sehr authentisches Gameplay, dass keine Fehler zulässt. Auf helfende Optionen wie beispielsweise eine Rückspulfunktion wurde übrigens gänzlich verzichtet. Sicherlich kann diese Entscheidung durchaus für Frust sorgen, gerade wenn man viele „moderne“ Rennspiele gewohnt ist. Auf der anderen Seite ist es ein überaus befriedigendes Gefühl Wertungsprüfungen fehlerfrei zu meistern und sich gefühlt konsequent in seinen Leistungen zu verbessern und merkliche Fortschritte bei eigenen Können festzustellen. 

Dank der gelungenen Kommentare eurer deutschen Beifahrerin zirkelt ihr mit dem nötigen Training gekonnt durch die Serpentinen und Kurven der Wertungsprüfungen. Optisch weiß das Rennspiel mit richtig schicken Licht- und Partikeleffekten punkten. Umso enttäuschender ist da die sehr dröge Präsentation des Karrieremodus. 

Akustisch weiß Dirt Rally 2.0 mit knackigen Motorensounds und den bereits erwähnten deutschen Kommentaren zu gefallen. Einzig vor und nach der Etappe lässt unsere Beifahrerin etwas Herzblut vermissen und wirkt in ihren Kommentaren leicht motivationslos. 

Bei der Optik gibt es nicht viel zu meckern. Dafür ist die Präsentation der Karriere sehr bieder.

Abseits der Karriere 

Im „Freien Spiel“ könnt ihr euch hingegen nach Lust und Laune austoben und an diversen Events teilnehmen. Neben Wettbewerben der FIA Rallycross Weltmeisterschaft, erwarten euch hier auch Events mit historischen Rallye-Boliden, benutzerdefinierte Events und ein Zeitfahrmodus. 

Für viel Spielspaß sorgen vor allem die actiongeladenen Rallycross Events, die auf bekannten Pisten wie Silverstone oder auch dem Circuit de Catalunya ausgetragen werden. Anders als in den „normalen“ Rallyes geht ihr hier direkt mit euren Kontrahenten Seite an Seite auf die Piste und müsst hier und da auch mal den Ellenbogen ausfahren. Im Gegensatz zu Dirt Rally müssen die Rallycross Events im zweiten Ableger auch nicht erst freigespielt werden. Für uns auf alle Fälle eine tolle Abwechslung zum normalen Rallye-Alltag. 

Machen richtig Laune: Die Rallycross-Events.

Fazit: 

AwardMit Dirt Rally 2.0 liefern die Rennspielprofis von Codemasters einmal mehr ein richtig gutes Rally-Spiel ab, dass sich nach Dirt 4 allerdings wieder deutlicher an Simulationsfans richtet. Das Gameplay ist erstklassig und verzeiht kaum Fehler. Die Autos lassen sich authentisch manövrieren und sind physikalisch sehr gut umgesetzt, sodass ihr auch mit dem Controller annehmbare Zeiten in den Asphalt oder wahlweise Schlamm brennen könnt. Leider lässt das Spiel vor allem im Bereich der Präsentation einiges an Potenzial liegen. Die Karriere wirkt etwas seelenlos und bieder präsentiert. Hier wäre deutlich mehr möglich gewesen. Auch den Wegfall bekannter Etappen und Austragungsorte empfinden wir etwas ärgerlich, da diese nun zusätzlich als DLC erworben werden sollen. Nichtsdestotrotz ist Dirt Rally 2.0 das aktuell wohl beste Rallye-Spiel auf dem Markt mit einem überaus authentischen Spielgefühl und einer Menge Abwechslung. 


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