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Darksiders 3 im Test

Vor rund acht Jahren erschien mit Darksiders der erste Ableger der Spielereihe. Das Abenteuer um den apokalyptischen Reiter Krieg entpuppte sich zu seiner Zeit als echter Geheimtipp des Genres. Man ging sogar soweit und bezeichnete das Action-Adventure aus dem Hause THQ als potenziellen The Legend of Zelda-Killer oder aber auch „das Zelda für Erwachsene“. Umso weniger verwunderlich war es, dass mit Darksiders 2 und Kriegs Bruder Tod eine Fortsetzung ins Rennen geschickt wurde, welche zwar bei den Kritikern nicht mehr so begeistern konnte, sich aber immerhin noch als solides Spiel behauptete.

Gegen den Erwartungen der Fans, auch aufgrund der Schließung von THQ im Jahr 2014, nahm sich jetzt  THQ Nordic der Serie an und lieferte kürzlich mit Darksiders 3 schließlich den neueste Serienteil ab. Nicht nur, dass ihr mit dem dritten der vier Reiter loszieht, auch kämpft ihr euch in der Rolle der Fury erstmalig für die Reihe als weibliche Hauptfigur durch Horden von himmlischen, wie auch höllischen Gegnern. Warum sich Darksiders 3 im Vergleich zu seinen vorherigen Ablegern anders anfühlt und ob Fury in die Fußstapfen ihrer Brüder Krieg und Tod treten kann, klären wir im folgenden Test!


Offene Spielwelt zulasten der Story

Die Story von Darksiders 3 ist relativ schnell erklärt und fällt dementsprechend auch im Vergleich zu den Vorgängern ein wenig flacher aus. Grund dafür ist unter anderem, dass man dem Spieler viele Freiheiten gibt. Kurzum geht es darum im Auftrag des Feurigen Rats den sieben Todsünden den Garaus zu machen. Ab einem gewissen Punkt im Spiel seid ihr nämlich nicht mehr an einen bestimmten Weg gebunden. Keine  Lust auf eine bestimmte Todsünde? Dann könnt ihr euch einfach am oberen zentralen Kompass anders orientieren. Dieser zeigt euch mithilfe eines Totenkopfes an, wo sich der nächste Ganove versteckt hält. 

Im kampf gegen die sieben todsünden wird euch die reihenfolge nur bedingt vorgegeben.

Damit Fury nicht auf dumme Gedanken kommt, wird ihr ein Beobachter zur Seite gestellt. Neben unzähligen unnützen Kommentaren, weist der Plagegeist an eurer Seite euch zudem darauf hin, dass eine Todsünde in der Nähe ist. Erwähnenswert ist außerdem, dass das neueste Abenteuer zeitlich parallel zu Darksiders 2 und während der 100-jährigen Gefangenschaft von Krieg spielt. Obgleich jetzt nicht den gewünschten „Wow-Effekt“ hervorbringt, ist das Finale hingegen durchaus gelungen.

Darksiders 3
Den Knaben bekämpfen wir schon recht früh im Spiel.

Dungeondesign wie sich viele Zelda-Fans wünschen

Schon damals bestach Darksiders durch ein gut durchdachtes Leveldesign. Nicht umsonst wurde die Reihe schnell zum The Legend of Zelda für Erwachsene. Und auch der dritte Teil trumpft mit alldem, was sich eingefleischte Fans der Zelda-Reihe bei Breath of the Wild gewünscht hätten. Unzählige Rätsel und imposante Bosskämpfe, wie auch hervorragend umgesetzte Metroidvania-Elemente lassen an vergangene Abenteuer des Hylianers erinnern. So müsst ihr beispielsweise Spinnennetze mit erworbener Feuer-Fähigkeit in Brand setzen, betätigt mehrere Schalter in knappen Zeitfenstern oder sprengt zerstörbare Mauern mit explosiven Käfern auf.

Die einzelnen dungeons sind voller rätsel und geheimnissen.

Buchstäblich dezimierte man auch die Anzahl an Gegnern. Anders gesagt gehören große Scharen der Vergangenheit an, dafür haben die übrig gebliebenen Widersacher jetzt deutlich mehr auf dem Kasten. Während ihr in früheren Ablegern noch Reihen von Unterweltlern mit Großschwert oder Sense zersäbelt habt, teilen die Widersacher jetzt deutlich mehr Schaden aus und müssen mit Bedacht bekämpft werden. Folglich erinnert das Kampfsystem nicht mehr an das eines klassischen Hack and Slays, viel mehr begibt man sich auf die Pfade von Dark Souls und Konsorten.

Darksiders 3
Im Laufe eures Spieldurchgangs werdet ihr immer wieder mit neuen Fähigkeiten und Waffen belohnt.

Haltet eure Seelen beisammen

Das wiederum bedeutet, dass Fury nicht allzu viele Schläge verkraftet, wenn man sie Tod oder Krieg gegenüberstellt. Hinzukommt noch ein ähnliches Erfahrungs-System, wie man es aus den Souls-Spielen kennt. Demnach sammelt auch Fury Seelen, welche sie bei dem Dämonen Vulgrim gegen nützliche Gegenstände oder Stufenaufstiege eintauscht. Sterbt ihr, verliert ihr eure nicht eingelösten Punkte und müsst sie am Todesort neu einsammeln. Wohingegen diese bei Dark Souls oder Bloodborne verschwinden, wenn ihr auf dem Weg dahin erneut sterbt, sind sie bei Darksiders 3 glücklicherweise auch dann noch vorhanden und lassen sich einsammeln. Dadurch fühlt sich der Titel ein wenig wie ein Dark Souls-Lite an. Natürlich lassen sich eure Waffen zusätzlich auch noch verbessern und aufwerten.

Der freundliche Händler Vulgrim fungiert auch als Speicher- und Schnellreisepunkt.

Standardmäßig verlässt sich Fury im Kampfgetümmel auf die Reichweite ihrer Peitsche. Habt ihr im Spiel schon ein paar Dungeons abgeschlossen, dürft ihr zusätzlich auf weitere Waffen zurückgreifen. Auch was dieses Repertoire betrifft, gilt Qualität statt Quantität. Dazu gehört beispielsweise ein vor Elektrizität zuckender Speer oder zwei kurze, dafür flott geschwungene Feuerketten.

Darksiders 3
Dieser Geselle wird schon bald feststellen, dass er sich besser nicht mit Fury hätte anlegen sollen.

Ausweichen ist das A und O

Fury verfügt neben ihrem normalen Standardangriff, auch noch mit jeder Waffe einen Zornangriff, welchen ihr mit zwei der vier Schultertasten einsetzt, sobald die Zornleiste. Besagten Zorn erkennt ihr an der roten Leiste unter der Lebensanzeige.  Des weiteren dürft ihr wie schon in den Vorgängern in die Chaosgestalt wechseln, sofern ihr genug Chaosenergie gesammelt habt. Hier steht Fury ihren Brüdern in Nichts nach und richtet mit ihren Peitschen verheerenden Schaden an. 

Fury steht ihren Brüdern im Kampf in Nichts nach!

In der Defensive hingegen ist vor allem das Ausweichen wichtig. Wenig ästhetisch für eine weibliche apokalyptische Reiterin wäre es, wenn Fury sich anfängt wie wild über den Boden zu rollen. Stattdessen setzt die Frau mit der auffallenden Frisur auf elegante und leichtfüßige Sidesteps (Dashes). Im richtigen Moment ausgewichen, wird das Spielgeschehen für einen kurzen Moment in einen Zeitlupen-Zustand versetzt und Fury ist es möglich einen mächtigen Konter anzubringen. Vergleichbar ist das in etwa mit dem Kampfsystem von The Legend of Zelda: Breath of the Wild, wodurch wir auch hier wieder ein Spielelement aus dem beliebten Action-Adventure aus dem Hause Nintendo wiederfinden.

Darksiders 3
Im Kampf setzt die Reiterin unter anderem auf ihre Peitsche.

Weniger Gegner, höherer Schwierigkeitsgrad

Oben bereits einmal angeschnitten, setzt Darksiders 3 eher auf eine qualitativ hochwertigerer Auswahl von Gegnern, statt auf umgangssprachliches Kanonenfutter. Nicht nur die Todsünden selbst, sondern auch die „kleineren“ Feinde auf dem Weg zu den herausfordernden Bossen stellen schon eine Gefahr dar. Das echte Highlight, neben den Dungeonarchitektur, sind aber ganz klar die Bosskämpfe. THQ Nordic hat es demnach hervorragend geschafft die einzelnen Todsünden ihrer Bedeutung entsprechend abzubilden.

Die Gegner in Darksiders 3 können die apokalyptische Reiterin ziemlich schnell aus dem Sattel hauen.

Habgier ist dementsprechend ein gieriger Goblin, welcher wohl dem Messi-Syndrom zum Opfer gefallen ist und euch im Kampf mit all möglichen Schrott bewirft. Dementgegen tritt Trägheit als korpulenter Käfer in Erscheinung, der so faul ist, dass er sich von kleineren Insekten auf einem Podest herumtragen lässt. Jeder Boss hat dabei ein eigenes Angriffsmuster, welches es zu analysieren bedarf. Beispielsweise müsst ihr bei besagtem Faulpelz erst seine Untergebenen zerquetschen, damit der Boss sich von seinem Podest erheben muss und angreifbar ist. 

Darksiders 3
Ein dicker fauler Käfer stellt das Erscheinungsbild von Trägheit dar? Irgendwie passend!

Lockere Zunge trotz asynchroner Synchronisation

Technisch reißt Darksiders 3 keine Bäume aus, macht aber dennoch einen soliden Eindruck. Von den ganzen berichteten Bugs sind wir glücklicherweise in unserer (zugegeben) späten Testphase verschont geblieben. Lediglich ein paar Clippingfehler sind manchmal auffallend und die Bildrate ging selbst auf der leistungsstarken Xbox One X gelegentlich in die Knie. Dahingegen sind es aber vor allem die Charaktermodelle, welche überzeugend ausfallen. Fury strotzt nur so vor Details, was gerade dann hervorsticht, wenn ihr mit ihr eine der elementaren Fähigkeiten aktiviert.

die gröbsten Bugs und Fehler wurden scheinbar ausgemerzt.

Im Gegensatz dazu gibt es allerdings Punktabzug für die deutsche Synchronisation der Charaktere. Zwar passen die Stimmen gut zu den einzelnen Charakten, sind oftmals allerdings asynchron zu den Mundbewegungen. Unabhängig davon wird das düstere Action-Adventure aber von einem stimmigen Soundtrack begleitet.

Darksiders 3
Innerhalb der Dungeons warten verschiedene Rätsel darauf, dass ihr sie löst.

Fazit:

Award

Mit Darksiders führt THQ Nordic die Serie um die vier apokalyptischen Reiter also weiter und bereitet dabei den einen oder anderen neuen Pfad. Auffallend ist vor allem das veränderte Kampfsystem und die geringere Anzahl der Gegner. Auf der anderen Seite hält der Titel aber an seinem grandiosen Dungeondesign und den gelungenen Metroidvania-Elementen fest. Immer wieder müsst ihr verschiedene Schalter finden, Rätsel lösen oder eine erbeutete Fertigkeit zum Weiterkommen nutzen. Ebenfalls überragend fallen die sieben Todsünden aus.

Im Gegensatz dazu muss sich Darksiders 3 aber Minuspunkte im Storytelling gefallen lessen. Im Vergleich zu Darksiders und Darksiders 2 wirkt die Handlung ein wenig flach. Außerdem schmälern Probleme in der Bildrate, diverse Clippingfehler und Patzer in der Synchronisation das Spielerlebnis ein wenig. 

Alles in Allem kann man aber durchaus behaupten, dass Darksiders 3 die Reihe würdig fortsetzt, ihr euch einen Kauf aber besser zweimal überlegt, falls euch die Neuerungen nicht ansprechen. Wer hingegen eine wirkliche Alternative zu The Legend of Zelda braucht, die zudem noch durch das Gameplay von Dark Souls garniert wurde, sollte beherzt zugreifen!


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