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Switch Tests

Civilization VI für Nintendo Switch im Test

Eine eher unerwartete Umsetzung für eine Konsole ist mit Civilization VI für die Nintendo Switch erschienen. Unerwartet deshalb, weil es abgesehen vom nun auch schon einige Jahre alten Spin-Off Civilization Revolution für die Xbox 360 seit Civilization 2 keinen Serienableger mehr auf Konsolen gab. Das man sich nun entschied Civilization 6 ausgerechnet für die Nintendo Switch exklusiv zu veröffentlichen erschließt sich in der Tat nicht ganz und dürfte so manchen Strategen auf anderen Systemen das erste Mal abseits der Nintendo-Marken neidisch zur Switch blicken lassen. Dieser Neid hat durchaus eine Berechtigung, wie der nachfolgende Test zeigen wird.Civilization VI


Civilization VI zeigt die Stärken der Diplomatie

Wie in der Reihe üblich, dürft ihr auch in Civilization 6 ein Weltreich gründen. Hierfür wählt ihr einen von 24 historischen Anführern und strebt künftig danach euer Volk zufrieden zu halten, eure Macht zu demonstrieren, was beispielsweise durch den Bau von Weltwundern vorzüglich funktioniert, euer Reich immer weiter auszudehnen und Beziehungen zu den Nachbarn zu pflegen. Für letzteres können friedliche Diplomatie und Handel ein Werkzeug sein, wenn es nicht anders geht darf aber auch gerne zum diplomatischen Mittel des Krieges gegriffen werden.

Es stehen euch für das Lenken eurer Gesellschaft die verschiedensten Mittel zur Verfügung. So könnt ihr euch beispielsweise euren Politikstil aus einer Art Kartensammlung individuell zusammenstellen. Herrschaftsformen wie Demokratie oder Monarchie müssen natürlich erstmal erforscht werden. Runde um Runde legt ihr eure Aktionen fest. Ihr erforscht Technologien, was eine bestimmte Anzahl von Runden in Anspruch nimmt, erbaut neue Gebäude, erlasst Beschlüsse und handelt mit euren Nachbarn. Oder aber ihr befehlt Truppenbewegungen, wenn Handel und Diplomatie nicht gefruchtet hatten.

Alles im Bestreben das Weltreich überhaupt zu werden, während ihr durch die Epochen voranschreitet und euch aus der Steinzeit bis ins Informationszeitalter immer weiter entwickelt und neue Technologien erforscht. Wer Civilization VI nicht das erste Mal spielt, der weiß von was hier die Rede ist. Wer in Civilization VI seinen Premierenkontakt zur Serie hat, der wird schnell merken welch großartige Reihe er bislang verpasst hatte. Kurz: Das Gameplay eines Civilization ist grundsätzlich zu tiefgreifend und zu detailreich, vor allem in den möglichen Entscheidungen, als dass man es in wenigen Worten einfach zusammenfassen könnte.

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Gegner entscheiden wie ein Spieler

Auch die Gegner, beziehungsweise die KI-Mittspieler, welche als mögliche Handelspartner ja nun nicht nur Gegner sind, treffen diese Entscheidungen. Diese treffen sie wie ein Spieler. Teils undurchschaubar, teils unlogisch, in vielen Fällen aber durchaus nachvollziehbar. So gab es einerseits Fälle von KI-Widersachern die aus einem funktionierenden Handelsvertrag ohne erkennbaren Grund ausgestiegen waren, uns im Test den Krieg erklärten, sich dabei aber so unbeholfen anstellten, dass sie wenige Zeit später selbst um Frieden ersuchten und dafür auch noch bezahlten. Probleme, die in Civilization VI nicht das erste Mal in der Seriengeschichte auftreten.

Andere Schachzüge sind hingegen nicht nur nachvollziehbar, sondern werden einem trotz KI-Mitspielern auch recht menschlich nahegebracht. Errichtet der Spieler mehr Weltwunder als der chinesische Herrscher, so ist dieser beispielsweise etwas verschnupft. Dies ist historisch nachvollziehbar und wird einem in einer der zahlreichen kleinen Animationen für solche Ereignisse emotional verständlich, irgendwie aber auch drollig, dargestellt.


Neuerungen in Civilization VI

Wer Civilization VI zuvor noch nicht am PC spielen konnte, mit der Serie aber durchaus vertraut ist, dem werden die Bezirke die wichtigste Neuerung sein. Hatten in den Vorgängerteilen noch alle Gebäude einer Stadt innerhalb dieser Stadt Platz, so breiten sich Städte nun im Umland in Bezirken aus. Damit wird Bauplatz ein wichtiger Faktor, den es so zuvor nicht gab. Dies gilt auch für Weltwunder. Die, wie auch die Bezirke, warten in der Regel noch mit eigenen Sonderanforderungen auf. Stonehenge stand auf einer Wiese und irgendwo mussten die echten Erbauer auch Steine herbekommen? Also ist es ja nur logisch, dass dieses Weltwunder auf einer Wiese errichtet werden muss, welche eine Rohstoffquelle für Steine in der Nähe hat, oder? Dies wird auch bei der Verteidigung und dem Angriff wichtig zu beachten. Denn diese ausgelagerten Bauten in Bezirken lassen sich plündern.

Eine florierende Küstenregion

Abstriche zur PC-Version

Auch Spieler, die Civ 6 schon am PC genossen haben und nun unterwegs herrschen wollen müssen sich umstellen. Während für die PC-Version bereits die zweite Erweiterung angekündigt ist und eine erste Erweiterung namens Rise and Fall das Gameplay um nochmals einige Facetten erweiterte kommt die Switch Version von Civilization 6 noch als nacktes Hauptspiel mit einigen wenigen Anpassungen, aber immerhin auch allen problembehebenden Patches, die es am PC gab, daher. Beispielsweise auf das Loyalitätssystem für Städte und Stadthalter muss man aber vorerst verzichten. Ob sich dies später per DLC auch auf der Switch ändert ist noch nicht bekannt. Für unwahrscheinlich halten wir dies nicht.


Civilization VI für Nintendo Switch – Technisch betrachtet

Die Pyramiden mit der Switch bereisen

Technisch betrachtet ist die Nintendo Switch Umsetzung von Civilization 6 ein solides Stück Programmierkunst. Abstriche hat man kaum in Kauf zu nehmen. Am Detailgrad wurde zwar etwas nach unten geschraubt, da das Spiel allerdings den Fokus ohnehin nie auf Grafik legt, sondern aufs Gameplay, nicht so sehr, wie man vielleicht befürchten mag.

Ungewohnt sind die etwas anders angeordneten, und vor allem größeren Bedienelemente. Diese sind allerdings durchaus praktisch. Denn das Spiel lässt sich komplett mit Touch-Steuerung bedienen, sofern man Controller nicht bevorzugt. Hier nutzten die Entwickler die Stärken der Switch bestens aus und vielleicht ist dies auch der Hauptgrund für die Konsolenwahl der Entwickler.

Auch der Sound ist in Ordnung. Lediglich die Ladezeiten, bis die KI ihre Entscheidungen durchdacht hat, fühlen sich im späteren Spiel etwas lange an. Vielleicht kommt hier die schwachbrüstige Hardware dann doch an ihre Grenzen. Der Sound ist insgesamt zwar ohnehin zweitrangig, bei diesem Spiel, aber durchaus in bester Ordnung.


Multiplayer – Falsche Strategie von Civilization VI auf der Nintendo Switch

Ein Tränchen müssen wir verdrücken, wenn es um den Multiplayer von Civilization 6 auf der Nintendo Switch geht. Es gibt nur wenige Spiele die sich so gut für ausgedehnte Sessions eignen. Und ausgerechnet hier versagt Civ 6 auf der Switch größtenteils. Online Multiplayer? Fehlanzeige. Multiplayer auf einer Konsole mit Controller-Weitergabe, auch Hot-Seat Modus genannt? Nein! Ihr dürft nur gegen bis zu drei weitere Spieler antreten, wenn ihr euch über den lokalen Netzwerk Modus der Switch verbindet. Es müssen beim solide funktionierenden Multiplayer also bestenfalls vier Nintendo Switch, jede mit Civ 6 ausgestattet, in einem Raum über Stunden zusammenkommen. Und wenn wir ehrlich sind wird dies in eher seltenen Fällen klappen.

Mit Civilization VI für Nintendo Switch haben, erstmals seit langem auch abseits von Nintendo-Franchises wie Zelda, Smash Bros oder Super Mario, andere Konsolen einen echten Grund neidisch herüber zu schielen.


Fazit

Mit Civilization VI für Nintendo Switch liefert 2K Games eines der wenigen Spiele, welches auch abseits von Nintendo-Franchises wie Zelda, Smash Bros oder Super Mario, andere Konsolenbesitzer neidisch herüber schielen lässt. Die Konsolenumsetzung ist richtig gut gelungen und wird aller Voraussicht nach die Genre-Herrschaft auf dieser Plattform so schnell nicht mehr aus den Händen geben müssen. Spielerisch wie technisch beeindruckend und mit überraschend wenig Abstrichen präsentiert sich die Nintendo-Version. Obendrein erwarten euch sinnvolle Neuerungen wie die Touch-Steuerung. Umsetzungen in diesem Stil möchten wir auf der Nintendo Switch öfter erleben.

Leider gibt es auch einen sehr dicken, beinahe unverzeihlichen Minuspunkt. Der Verzicht auf Online-Multiplayer oder wenigstens einen Hot-Seat Modus lässt uns vehement hoffen, dass später auch andere Plattformen in das Vergnügen einer Umsetzung kommen und einen Online-Multiplayer dann mitbringen. Richtig empfehlenswert ist das Spiel daher vor allem für Solisten.

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