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Switch Tests

ChromaGun Review

Och nöööö,  nicht schon wieder. Warum muss ich eigentlich immer als Testsubjekt für irgendwelche dubiosen Hightech-Waffen herhalten? Können die das nicht mit Laborratten oder so machen? Erfreulicherweise nicht, denn sonst käme ich nicht in den Genuss des First-Person-Puzzlespieles ChromaGun, welches am 22. Januar 2018 endlich auch für die Nintendo Switch erschienen ist. Unser Review zum Denkspiel klärt, ob die Investition der knapp 20 Euro gerechtfertigt ist.

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This was a triumph…

Dup, dup, dupdiduuu… Gerade noch wippt euer Fuß im Takt der wohligen Fahrstuhlmusik mit, als der Lift in der Eingangshalle der Firma ChromaTec zum Stehen kommt. Nach einem innigen Flirt mit der Empfangsdame (zumindest eurerseits, die Gute verzieht nämlich keine Miene) begebt ihr euch weiter in die sterile Anlage, um als freiwillige Testperson die namensgebende ChromaGun auszuprobieren.

Testperson? Sterile Forschungseinrichtung? Rätseln mit einer Waffe in der Hand? Da werden Erinnerungen an Portal oder The Turing Test wach. Gerade das First-Person-Puzzle von Valve diente offensichtlich als Inspiration für das Abenteuer vom in Nürnberg beheimateten Entwickler Pixel Maniacs.

Doch in ChromaGun erschafft die Kanone keine bunten Portale, sondern färbt die sterilen, weißen Wände in Farben ein. Zu Beginn des Spiels verschießt ihr lediglich gelbe Farbkugeln, wenig später gesellen sich mit blau und rot zwei weitere Farben hinzu, zwischen denen ihr per Knopfdruck wechseln könnt. 

ChromaGun
In ChromaGun ballert ihr Farbkugeln aus euer Kanone.

Was also in den ersten Leveln noch simpel anmutet, nimmt relativ schnell an Komplexität zu, da ihr nicht nur mit den drei Primärfarben arbeitet, sondern diese auch miteinander kombinieren müsst. Wer in der Farblehre aufgepasst hat weiß, dass die Mischung aus blau und rot lila ergibt, oder aus rot und gelb orange wird. 


ChromaGun – In Farbe und bunt!

ChromaGun macht euch in den ersten Leveln noch sanft mit der Spielmechanik vertraut. Objekte der gleichen Farbe ziehen sich an: Schießt ihr also mit der gelben Farbe auf eine Wand, färbt sich diese ein und zieht die gleichfarbige Kugel (die sogenannten WorkerDroids) an, die euch zuvor noch den Weg zum Ausgang versperrt hat.

So arbeitet ihr euch nach und nach durch die relativ kurzen Levelabschnitte. Doch das Abenteuer nimmt schnell an Fahrt auf. Besonders, wenn ihr die drei Farben miteinander kombinieren und sogar Schalter aktivieren müsst. Hinzu kommt, dass einige der WorkerDroids nicht gerade wohlwollend auf euren Beschuss reagieren und euch nach dem Leben trachten. Spätestens dann ist Eile geboten.

ChromaGun
Besonders, wenn mehrere Farben kombiniert werden müssen, wird es knifflig.

Das Leveldesign ist den Entwicklern jedenfalls hervorragend gelungen. Alle Rätsel sind mit logischem Denken lösbar, wenn auch erst nach einigen Versuchen. Die Qualität eines Portal erreichen die einzelnen Abschnitte dabei aber nicht ganz. Besonders knifflig wird es, wenn ihr im späteren Spielverlauf die Farben mit elektrischen Bodenplatten und undurchdringlichen Barrieren kombinieren und dabei gleichzeitig auch noch auf das Timing achten müsst. Da tropft einem schon mal der Schweiß von der Stirn.

Wen wundert es da, wann man im Eifer des Gefechts eine Wand falsch eingefärbt oder sich in eine Sackgasse manövriert hat? Doch keine Sorge: Fehler sind ein Teil des Spielprinzips. Doch anders, als bei den Konkurrenten lassen sich diese in ChromaGun nicht einfach so ausbügeln, was stellenweise in einem nervigen Trial & Error-Prinzip gipfelt. Da hilft nur der Neustart des Levels, wirklich störend ist dies allerdings nicht. Dafür machen die klugen Kopfnüsse der Entwickler einfach zu viel Spaß.


Stetige Lernkurve

Trotzdem sind die Aufgaben, vor die euch ChromaGun im Laufe des knapp 10-stündigen Tests stellt, jederzeit fair. Besonders schön ist, dass sich nach und nach  immer neue Spielmechaniken hinzugesellen – darunter Wände, die nach kurzer Zeit wieder ihre weiße Grundfarbe annehmen oder Bodenplatten, die sich ebenfalls einfärben lassen.

Während die Steuerung ihre Sache grundsätzlich gut macht, merkt ihr in hektischen Situationen leider relativ schnell, dass das Zielen mit Joy-Cons ein wenig unpräzise ausgefallen ist. Nicht selten kommt es vor, dass ihr bei drohender Gefahr eines herannahenden WorkerDroids nicht genau die Wand trefft, die euer Leben retten würde. Erstaunlicherweise funktioniert die Steuerung mit dem Pro Controller deutlich besser!

ChromaGun
Das Spiel punktet mit immer neuen Spielelementen.

Besonderes Lob gilt hingegen wieder den zynischen und sarkastischen Kommentaren des Sprechers, welcher euch in ChromaGun begleitet. Ähnlich wie eine gewisse GlaDOS erklärt euch nämlich auch hier eine Stimme die neuen Spielmechaniken und versucht euch regelmäßig aufs Glatteis zu führen. Jaaa doch, ich habe in der Farblehre aufgepasst! Und neeeein, ich bin nicht so doof und trete auf die Elektrofelder, nur weil du es mir sagst! 

Auch wenn sich einige der Kommentare relativ schnell wiederholen, lockert der Sprecher mit einer gehörigen Portion Humor das Spielgeschehen wunderbar auf. Aus grafischer Sicht reißt ChromaGun sicherlich keine Bäume aus. Die Grafik ist eher zweckmäßig, was das Spiel aber durch das gelungene Gameplay wieder wett macht. Leider kommt es aber ab und zu zu ärgerlichen Slowdowns, welche den Spielfluss aber glücklicherweise nicht stören.

ChromaGun
Die Grafik ist zweckmäßig. Sprecher und Gameplay überzeugen jedoch.

Fazit:

AwardAuch wenn sich ChromaGun auf den ersten (und zweiten) Blick am Genreklassiker Portal orientiert, liefert das Puzzlespiel aus deutschen Landen genug eigene Ideen ab, die überzeugen. Die relativ kurzen Testkammern sind jedenfalls allesamt gelungen. Nach einem simplen Einstieg lassen sich die Entwickler immer wieder neue Spielelemente einfallen, die letztlich zu einigen knackigen Kopfnüssen führen.
Unfair wird das Spiel dabei aber zu keinem Zeitpunkt.

Leider manövriert ihr euch ab und zu in Sackgassen, aus denen ihr nur mittels Neustart wieder herauskommt. Auch die Zielsteuerung agiert einen Tick zu ungenau, zudem kommt es ganz selten zu Slowdowns.

Die Kombination aus packenden Rätseln, gelungenem Sprecher und tadelloser Spielbarkeit macht ChromaGun jedoch auch auf der Nintendo Switch zu einem absoluten Pflichtkauf für all diejenigen, die ihre grauen Zellen mal wieder anstrengen wollen.

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