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Switch Tests

Chocobo GP im Test

Mit Chocobo GP erhält die Nintendo Switch ihren nächsten exklusiven Funracer. Ein Genre, das auf Nintendo-Konsolen immer hart umkämpft ist. Denn obwohl der Platzhirsch Mario Kart 8 Deluxe von einem Verkaufserfolg zum nächsten eilt und kürzlich dank des Strecken-Boosters noch einmal ins Rampenlicht gerückt wurde, wollen auch andere Marken eine Scheibe vom Erfolg abbekommen. Somit ist es nicht verwunderlich, dass Square-Enix die 1999 eingeführte IP Chocobo Racing nun entstaubt und mit ChocoboGP quasi einen Mario Kart-Klon mit Final Fanatasy-Charakteren auf den Markt bringt. Wie sich der Funracer in der Praxis schlägt, verraten wir euch in folgendem Testbericht.

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Mehr als ein einfacher Klon?

Chocobo GP als einfachen Klon von Mario Kart zu bezeichnen wäre vermutlich fies und übertrieben oder etwa doch nicht? Das Spielprinzip ähnelt natürlich dem, des großen Vorbildes. Auf kunterbunten Pisten flitzen diverse Charaktere des Final Fantasy-Franchises mit ihren Vehikeln um die Wette, schleudern sich Magie-Items entgegen und driften eng um die Kurven, um am Ende als Sieger über den Zielstrich zu rasen.

In Sachen Spielmodi hat Chocobo GP auf den ersten Blick einiges zu bieten. Hinter dem Grand Prix-Modus versteckt sich kurioserweise kein Einzelspielermodus sondern der Online-Modus. Hier tretet ihr im Turnier gegen 64 Mitspieler auf der gesamten Welt an, um euch bis ins Finale der besten acht zu kämpfen. Die Rennen laufen dabei zumeist flüssig ab, wir hatten allerdings auch zwei Disconnects jeweils vom Wechsel des Halbfinales in das Finale. Für Einzelspieler wartet ein Storymodus. Dieser nervt aber zu Beginn mit einem recht ermüdenden Tutorial, welches teilweise einiges an Nerven kosten kann. Im Storymode könnt ihr neue Strecken und Charaktere freischalten. Als Aufhänger dient dabei eine recht seichte Story mit skurrilen Wendungen, die quasi nur als Mittel zum Zweck dient. Im Time Trial gebt ihr hingegen gegen die Uhr Vollgas und könnt so an euren Bestzeiten feilen. Einen lokalen Mehrspielermodus gibt es in dem Sinne nicht so richtig. Kurioserweise kann man nur zu zweit an einer Konsole und dann nur mit dem quergehaltenen Joy-Con-Controllern gegeneinander antreten, was die Steuerung auf Dauer etwas anstrengend macht. Warum sich Square-Enix zu dieser Entscheidung durchgerungen hat, ist uns nicht so ganz schlüssig, da man als Solist auch ganz normal mit beiden Joy-Con-Hälften zocken kann, was deutlich komfortabler ist. Für mehr Spieler könnt ihr euch im lokalen Drahtlos-Spiel verbinden oder eben auf den Online-Modus zurückgreifen. In Sachen Mehrspieler-Komponente lässt Chocobo GP wortwörtlich unnötig Federn.

Weiterhin stehen dann noch ein „Rennserie-Modus“ sowie die „Angepassten Rennen“ zur Auswahl. An Umfang mangelt es Chocobo GP sicherlich nicht, zudem man sich im Shop auch mit allerhand weiteren Inhalten eindecken kann, die von optischer Natur über neue Vehikel bis hin zu Charakteren reichen. Square-Enix vertraut bei dem Switch-Racer auf ein Season-Konzept. Das heißt, dass euch zeitlich befristete Challenges, Charaktere und Inhalte erwarten. Die erste Season ist dabei für alle kostenfrei – für die folgenden wird man dann nochmals zur Kasse gebeten.

Niedlich wie eh und je: Der kleine Chocobo.
© Square-Enix

Eine schwammige Angelegenheit

Arcade-Rennspiele und vor allem Fun-Racer sollen meist intuitiv und gut zu bedienen sein sowie ein stimmiges Fahrgefühl bieten. Diese Kriterien erfüllt der Square-Enix Racer jedoch nur teilweise.  Die Steuerung wirkt insgesamt nicht ganz so eingängig wie man sich das eventuell wünscht. Das Driftverhalten in den Kurven ist ziemlich schwammig und gerade die Kollisionsabfrage sorgt doch hin und wieder für Stirnrunzeln. Trotz Tricks, die ihr während der Sprünge vollführen dürft, und actionreichen Rennen kommt nie so richtig Dynamik auf. Ein weiteres Problem stellt das Streckendesign dar. Viele Rundkurse wirken einfach zu gewöhnlich und bieten keine nennenswerten Besonderheiten. Erschreckend kommt hinzu, dass Chocobo GP aktuell „nur“ acht Strecken bietet, die aber in mehreren Variationen im Spiel vertreten sind. Sicherlich sind die Schauplätze in ihrer bunten Optik ganz nett anzusehen, an  die Vielfalt und Abwechslung anderer Racer wie beispielsweise Mario Kart 8 Deluxe kommen die Pisten aber bei weitem nicht heran. Vieles wirkt einfach wenig originell und man bekommt dann doch immer wieder den Eindruck ein etwas schlechteres Abziehbildchen des Originals zu spielen.

Das klingt vermutlich ziemlich hart, aber man muss wirklich sagen, dass BesitzerInnen von Mario Kart 8 Deluxe nur wenige Gründe geboten werden, sich Chocobo GP für die Nintendo Switch zu kaufen (außer sie sind Hardcore-Final Fantasy-Fans). Es gibt nichts was der Funracer besser macht als die Vorlage und selbst beim Frustpotenzial legen die Final Fantasy-Helden noch einmal eine Schippe drauf. So ist es keine Seltenheit, dass einen die KI förmlich auf dem Kieker hat und man am laufenden Band Item-Treffer (oder Magie-Treffer) kassiert und so auch mal ganz gern vom Anfang bis ans Ende des Fahrerfeldes durchgereicht wird. Die Magie befindet sich in Chocobo GP im Übrigen in Eiern überall auf den Rundkursen verteilt. Dabei bestimmt die Farbe des Ei’s um welche Art von Zauber es handelt. Ähnlich wie bei Diddy Kong Racing könnt ihr die Zauber sogar aufleveln und somit dem Maginit mehr Kraft verleihen. Neben dem Tubo-Boost warten zudem zielsuchende Geschosse, Wirbelwinde, Portal-Tore und vieles mehr auf euren Einsatz.

Werden hier Erinnerungen an den Regenbogen-Boulevard wach?
© Square-Enix

Dennoch irgendwie motivierend

Trotz all der aufgezählten Negativpunkte hat es Chocobo GP immer wieder geschafft uns für eine kurze Partie an die Nintendo Switch zu locken. Dies liegt vermutlich auch etwas an den chaotischen Rennen, die schon teilweise an Glücksspiel erinnern. Selbst wenn ihr kurz vor dem Ziel den sichergeglaubten Sieg durch fiese Treffer noch verliert, steigert dies teilweise nur noch mehr den Anreiz noch einen Versuch zu starten, auch wenn man ganz genau weiß, dass diese Niederlage nichts mit dem eigenen Können zu tun hatte. Technisch ist der Titel durchaus gelungen. Die Charaktere und Strecken sind hübsch anzusehen und der Soundtrack punktet mit Final Fantasy-Klängen und einem eingängigen Introsong. Mit etwas mehr Liebe zum Detail und einem umfangreichen (lokalen) Mehrspielermodus wäre aber durchaus viel mehr möglich gewesen.


Fazit: Chocobo GP

Chocobo GP erweist sich als solider Funracer, dem es allerdings an eigenen Ideen mangelt. Zudem verschenkt das Rennspiel unglaublich viel Potenzial in Sachen Mehrspielermodus und Streckenvielfalt. Auch die KI kann durchaus für Frust sorgen, sodass der Titel keine ernstzunehmende Konkurrenz für den Platzhirsch Mario Kart 8 Deluxe darstellen kann. Wenn ihr das PlayStation-Original mochtet und eine hohe Affinität zur Final Fantasy-Reihe besitzt kann sich dennoch ein Blick auf den Racer lohnen. Somit bleibt unterm Strich ein netter Funracer, der nicht aus dem Windschatten des großen Vorbildes hinausragen kann.


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