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Biomutant im Test

Lange, lange ist es her, da wurde mit Biomutant von THQ Nordic und Experiment 101 ein neues Spiel angekündigt. Nach unzähligen Verschiebungen über Jahre hinweg ist es jetzt schließlich so weit und das Open-World-Action-Adventure erschien vor kurzem schließlich für die Xbox One, PlayStation 4 und den PC. Eine optimierte Fassung für die Xbox Series Familie und PlayStation 5 soll ebenfalls noch folgen.

Kurz überschlagen beschreibt das Spiel ein Szenario, bei welchem die Welt wie wir sie kennen aufgrund von Auswirkungen von Klimawandel, (radioaktiver) Umweltverschmutzung und Industrie zu Grunde gegangen ist. Der Mensch, der natürlich auch dafür verantwortlich war, hat dies alles nicht überlebt. Stattdessen sind es nur noch die Tiere, welche jetzt teils genmanipuliert die Erde bewohnen. Auf dem Portfolio klingt das eigentlich ganz spannend, oder? Immerhin greifen die Entwickler Probleme auf, mit welchen sich die Spieler in der heutigen Zeit irgendwie identifizieren können. Denn auch im echten Leben werden Dinge wie Umweltverschmutzung und Klimawandel immer greifbarer und wichtiger.

Ob man das ansprechende post-apokalyptische Szenario anständig verpackt hat, was euch sonst noch so erwartet bei Biomutant und inwieweit sich das Warten gelohnt hat, verraten wir in unserem Test!

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Ich bin ein Waschbär… Fuchs… Wiesel…Dings

Zu Beginn des Spiels müsst ihr euch erst mal einen putzigen Hauptcharakter zusammenbasteln. In Biomutant übernehmt ihr die Rolle eines Waschbär/Fuchs/Dachs/Whatever. Der Charaktereditor lässt euch einige Freiheiten, um euren Widerstandskämpfer nach Belieben zu gestalten. Auch Rasse und Klasse müssen für euch bestimmt werden. und eine Rasse auszuwählen. Je nach Rasse erhaltet ihr dann einen kleinen Bonus auf bestimmte Statuswerte. Die Klassen hingegen unterschieden sich vor allem an ihrer Art zu kämpfen. Ist der Revolverheld zum Beispiel ausgeglichen im Hantieren mit Fern- und Nahkampfwaffen, setzt der Psi-Freak voll auf Psi-Kräfte, um seinen Gegner unter Anderem aufgeladene Blitzkugeln um die Ohren zu schmeißen. Der Saboteur hingegen ist in der Lage zwei Nahkampfwaffen gleichzeitig zu führen, während der Wächter besonders viel einstecken kann und der Kommando einen Schadensbonus im Fernkampf mit sich bringt.

Dabei solltet ihr jedoch immer im Hinterkopf behalten, dass die von euch ausgewählten körperlichen Merkmale wie Körpergröße oder Körperbau Auswirkungen auf eure Statuswerte haben.

Biomutant
Mit einem Hamsterball seid ihr etwas schneller unterwegs.
© Biomutant

Entscheidet ihr euch zum Beispiel dazu euren alter Ego mit breiten Schultern und groß gewachsen zu bauen, bekommt ihr Startup-Boni auf eure Nahkampfstärke. Macht ihr euch hingegen eher schlank und agil, wird eure Agilität etwas geboostet. Sogar Charisma oder Glück werden angehoben, wenn ihr den Charakter beispielsweise besonders klein oder gerissen darstellt. Um das Brain unter den Fuchsdachsbären zu sein, solltet ihr den Kopf hingegen besonders groß machen. War dies doch schon bei den machthungrigen Labor-Mäusen Pinky und der Brain das ausschlaggebende Merkmal für Brains überaus hohen Intellekt. Schon hier macht das Ausprobieren und Beobachten eine ganze Menge Spaß und hebt sich in dieser Form von anderen Charakter-Editoren ab. Abschließend dürft ihr noch die Farben und elementare Richtung eures Wesens bestimmen.


Ritter des Rechts oder Henker der Dunkelheit

Die gut 12 bis 15 stündige Handlung haben wir bereits in der Einleitung einmal grob umschrieben. Wie also schon erwähnt ist die Menschheit durch ihr eigenes Versagen ausgestorben und Tiere sind jetzt die einzigen Bewohner. Aufgrund radioaktiver Strahlung haben diese jedoch mit der einen oder anderen Genmanipulation zu kämpfen und sehen demnach anders aus, als man es gewohnt ist. 

Im Zentrum der Handlung steht der Baum des Lebens, welcher die momentane Welt von Biomutant quasi am Leben erhält. Doof dabei nur, dass sich bereits vier sogenannte Weltenfresser an den Wurzeln des Baumes zu schaffen machen und drohen ihn zu zerstören. Jetzt denkt ihr wahrscheinlich, dass es eure Aufgabe ist, den Baum zu beschützen. Ja, zum Teil stimmt das auch. Biomutant lässt euch ähnlich wie in Fable die Wahl, ob ihr Held oder Zerstörer sein wollt. Nicht selten haben eure Taten oder Dialoge demnach Folgen auf eure Persönlichkeit. Hierbei schwingt die Waage immer wieder zwischen hell und dunkel, je nachdem wie ihr euch eben entscheidet. So nimmt die Story einen anderen Verlauf, wenn ihr also nicht der nette Waschbär von nebenan seid.

Biomutant
Im Laufe eures Abenteuers bewegt ihr euch durch verschiedene Gefilde.
© Biomutant

Das Moralsystem ist bei genauerer Betrachtung zwar recht seicht, sorgt aber dennoch für ausreichend Wiederspielwert. Immerhin möchte man, wenn man den ersten Durchgang auf der hellen Seite der Macht abgeschlossen hat, auch mal sehen, wie sich das Leben denn als Bösewicht so spielen lässt. 

Neben den Weltenfressern wird die Welt aber noch von sechs verschiedenen Stämmen besiedelt. Auch hier sind nicht alle für das Wohl des Baum des Lebens. Im Laufe eures Spieldurchgangs ist es möglich, sich den einzelnen Stämmen anzuschließen, damit ihr euer persönliches Ziel, die Rettung bzw. Zerstörung des Baumes, erreicht. 


Lineare Open-World

Es ist längst kein Geheimnis mehr, dass Experiment 101 große Fans von The Legend of Zelda: Breath of the Wild sind. Vereinzelt wird dies auch dann deutlich, wenn man den Prolog abgeschlossen hat und in die weite große Welt entlassen wird. Die kleine aber dicht gefüllte Open-World kann sich absolut sehen lassen, verliert aber durch die sehr lineare Spielführung den Anreiz, sie wirklich erkunden zu wollen.

Anders gesagt sind die vier großen Weltenfresser zwar alle von Beginn an auf der Weltkarte markiert. Trotzdem schickt euch das Spiel immer wieder von Wegpunkt zu Wegpunkt. Leider habt ihr also nicht diese Freiheit, wie man sie von einem BotW kennt, wo ihr ganz nach eurem Belieben bestimmen könnt, welchen und wie viele der Titanen ihr zu welchem Zeitpunkt ansteuert. Spielern wie mir, die ohnehin ein Problem mit zu großen Open-World-Spielen haben, kommt dies natürlich ganz gelegen. Anderen wiederum, gerade denen unter euch, die schier grenzenlosen Freiheiten einer Open-World zu schätzen wissen, dürfte dies jedoch etwas aufstoßen. 

Biomutant
Unterschiedliche Vehikel stehen euch immer wieder zur Verfügung.
© Biomutant

Abseits der Hauptstory erwarten euch zudem immer wieder Nebenquests. Manchmal sind diese notwendig. Allem voran dann, wenn Freunde und Bekannte selber erst hilfreich aktiv werden, wenn ihr etwas für sie erledigt habt. Es kann nämlich im Spiel vorkommen, dass ihr auf die Hilfe eurer Vertrauten angewiesen seid. Dass diese euch natürlich nicht einfach so helfen, dürfte klar sein. Der Aufbau der Nebenquests und die daraus entstehenden Bosskämpfe wiederholen sich jedoch regelmäßig, weswegen sie nicht wirklich nennenswert sind. 


Actionreiches Kampfsystem verschenkt viel Potenzial

Bei so einem Action-Adventure kommt man natürlich nicht um das Kämpfen drum herum. Auf dem Papier bietet Biomutant auch mehr als genug, um ein ausgereiftes, hervorragendes Gameplay im Kampf zu bieten. Unzählige freischaltbare Kombos, Konterattacken wie man sie aus Batman: Arkham Knight kennt, der schnelle Waffenwechsel zwischen scharfer Klinge und wuchtvoller Wumme oder der Einsatz von elementaren Psi- und Magie-Attacken sorgen eigentlich für ausreichend Abwechslung im Kampf.

Aber eben leider auch nur eigentlich. Sicher ist es cool, wenn ihr den Gegner per Fernkampf beharkt, dann heran sprintet, eine Schlag-Combo durchbringt, um euren Gegner daraufhin aus der Luft zu greifen und seinen Kopf im rotierenden Fall kopfüber in den Boden zu rammen … aber es ist einfach nicht nötig. Denn egal wie schwer der Gegner ist und egal ob Endboss oder kleiner Popel-Minion, es reicht vollkommen aus, diesen auf Distanz zu halten und einfach nur den Abzug so lange durchzudrücken, bis euer Widersacher ins Gras beißt. Das ist schade, denn wie bei so vielen Sachen in Biomutant wird auch hier einfach viel zu viel Potenzial verschwendet.

Biomutant
Vor solchen Bestien solltet ihr euch in Acht nehmen.
© Biomutant

Der Grund dafür ist unter anderem aber auch der viel zu leichte Schwierigkeitsgrad. Nicht selten hatten wir das Gefühl, dass Biomutant ein Spiel ist, welches für heranwachsende Spieler gedacht ist. Das ist per se auch gar nicht schlimm, wenn man denn die Möglichkeit hätte den Schwierigkeitsgrad zu erhöhen. Ein weiteres Manko im Kampf ist die Zielerfassung und das Treffer-Feedback. Fairerweise müssen wir aber auch erwähnen, dass Experiment 101 hier bereits Besserung in Form eines Updates versprochen hat. Zu unserem Teststand war es jedoch so, dass die Zielerfassung willkürlich immer den nächsten Gegner anvisiert hat und von uns ausgeführte Nahkampfangriffe haben viele Gegner augenscheinlich, abgesehen von dem Lebensbalken, nicht wirklich beeinträchtigt. 


Nennt mich MacGyver

Der angesprochene leichte Schwierigkeitsgrad hat auch seine guten Seiten. In der Welt von Biomutant finden wir unzählig viel Crafting-Material und Ausrüstungsgegenstände. Überschüssige Ausrüstung lässt sich natürlich zerlegen, woraufhin wir noch mehr Material zum Verarbeiten erhalten. Warum soll uns dabei nun der einfache Schwierigkeitsgrad helfen? Ihr könnt per Crafting verschiedene Waffenteile herstellen. Alleine für Schusswaffen stehen euch schon alleine zweihundert Millionen mögliche Kombinationen zur Verfügung. Gerade die Verrücktesten davon sind aber mitunter die Modifikationen mit den schlechtesten Werten. Da ihr jeden Gegner in Biomutant selbst mit einem Toaster bekämpfen könntet, dürft ihr diese Sachen dennoch spielen. Und mal Hand aufs Herz: Wie cool ist es denn bitte, eine Bo(a)nane als Schwertgriff oder einen Toilettenpümpel zu verbauen?

Ansonsten wirkt das Crafting insgesamt ein wenig zu unübersichtlich. Nicht so schlimm, dass es eine riesige Katastrophe ist, aber ein paar Sortierungsmöglichkeiten nach Wert oder Stufe hätten wir uns dann doch gewünscht. Demzufolge müsst ihr immer wieder durch endlose Listen scrollen. Das ist gewöhnungsbedürftig, geht aber dennoch mit zunehmendem Spielverlauf akzeptabel von der Hand. 

Gelegentlich schlagt ihr euch mit mehreren Feinden herum.
© Biomutant

Ausrüstung lässt sich übrigens ebenso herstellen. Neue Waffen und Rüstungen mit verschiedenen Resistenzen stehen hier auf dem Programm. Ein wenig schade ist es jedoch, dass man gerade letztere kaum bis gar nicht braucht. Man merkt also, dass der leichte Schwierigkeitsgrad als Kritikpunkt wie ein Bumerang ist und demnach immer wieder eine Rolle spielt. Gefahrenzonen geben Grund dafür, sich eine entsprechende Rüstung zu bauen. Diese warten übrigens mit „besonders starken“ einfachen Gegnern auf euch und lassen etwas mehr Loot fallen.


Technisch noch nicht Next-Gen

Okay, diese Unterüberschrift ist etwas hochgegriffen. Immerhin sind die Next-Gen-Versionen von Biomutant auch noch nicht auf dem Markt. Wie wir finden, sieht das Action-Adventure aber für Old-Gen-Verhältnisse durchaus ganz nett aus. Die Bildrate ist flüssig, Waffenmodelle detailverliebt und die Charaktermodelle sind so detailliert, dass man bei unserem Fuchswieselling sogar die einzelnen Härchen seines Fells im Wind bewegen sieht. Anders fällt es bei den Umgebungsdetails aus. Zwar ist die Welt an und für sich ganz hübsch anzusehen und bietet auch schon mal tolle Panoramen, doch gerade bei genauerem Hinsehen stechen einem die altbackenen und verwaschenen Bodentexturen immer wieder ins Auge.

Anders als beim Spielen mit Maus und Tastatur, hier soll die Steuerung ja sehr fummelig sein, geht diese mit dem Controller doch recht flüssig von der Hand. Mit den Schultertasten beschießt ihr eure Gegner, während ihr mit dem linken Bumper ein kleines Schnellzugriff-Menü öffnet, um eine Spezialattacke auszuführen. Wie erwähnt, lediglich eine etwas manuellere Zielerfassung hätten wir uns gewünscht.

Erst mal eine Pause einlegen und die Aussicht genießen.
© Biomutant

Abschließend kommen wir zum Sound. Gerade, kurz bevor ich diesen Absatz verfasst habe, musste ich einmal auffällig seufzen. Ich bin einfach kein Fan von Fantasie-Babbel-Stimmen. Um es mal in meinen Worten zu umschreiben: Sie erinnern immer so an Nintendos Jump ’n‘ Runs, bei welchen die Charaktere mit Öh uh ah öh ah uh? Ah uh! auf euch reagiert haben. So ist es auch in Biomutant. Das schmälert den Spielspaß in Kombination mit den deutschen Textboxen nicht und passt sicherlich irgendwie zur „niedlichen“ Präsentation. Nichtsdestotrotz wäre uns eine eingesprochene anständige Synchronisation aber definitiv um einiges lieber gewesen.


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