Mit Battlefield 6 schickt DICE die traditionsreiche Shooter-Reihe in die nächste Runde. Nach einer kleinen Schwächephase mit Battlefield 2042 verspricht der neue Teil eine Rückbesinnung auf die Wurzeln der Reihe: groß angelegte Schlachten, zerstörbare Umgebungen und klassenbasiertes Teamplay. Ob das ambitionierte Vorhaben gelingt, oder ob die Serie erneut ins Stolpern gerät, klären wir in unserem Test der PlayStation 5-Version.

Allgemeiner Eindruck: Willkommen auf dem Battlefield
Battlefield 6 kommt mit drei bekannten Spielmodi daher. Eine klassische Einzelspieler Kampagne, dem Multiplayer-Modus, dem Herzstück des Spieles, und den Portal Modus. Letzterer wird erst in den kommenden Wochen zeigen, was er zu bieten hat, da hier durch die Community erstellte Inhalte in das Spiel Einzug finden werden und für Abwechslung sorgen sollen.
Bereits beim ersten Start fällt allerdings auf: Die Menüführung ist etwas unübersichtlich geraten. Zwar bietet Battlefield 6 eine beeindruckende Fülle an Einstellungsmöglichkeiten, doch fehlen häufig erklärende Hinweise – gerade Einsteiger dürften hier schnell überfordert sein. Die diversen Einstellmöglichkeiten für Gameplay, Barrierefreiheit und auch Steuerung sind durchaus nützlich, allerdings gehört hier auch viel Trial end Error zum Erlebnis mit dazu.
Eine zusätzliche Hürde: Das Spiel übernimmt die Systemsprache der Konsole und lässt sich nicht auf Englisch umstellen – schade, denn die deutsche Synchronisation fällt eher durchwachsen aus und wird gerade in der Kampagne noch zum Thema.
Die Kampagne – große Namen, kleine Wirkung
Nach Jahren des reinen Multiplayer-Fokus wagt DICE mit Battlefield 6 wieder eine klassische Einzelspielerkampagne. Diese führt uns in neun Missionen rund um den Globus – von Kairo über New York bis nach Georgien. Rund fünf Stunden dauert das Spektakel, das sich in vier Schwierigkeitsgraden erleben lässt, wobei eine echte Herausforderung keiner der Schwierigkeitsgerade bietet. Möglich macht dies die teilweise überforderte KI, die anstelle einer Deckung, einen Platz mitten auf dem Schlachtfeld bevorzugt. Und dadurch zur einfachen Zielscheibe wird.
Inhaltlich bleibt die Story allerdings weit hinter ihren Möglichkeiten zurück. Die Prämisse: Im Jahr 2028 bedroht eine private europäische Armee namens Pax Armata den Weltfrieden, während die NATO den Heldenpart übernimmt. Klingt bekannt? Naja, bis auf den Namen der gegnerischen Fraktion, ist es das auch. Die Handlung wirkt wie ein Sammelsurium aus Kriegsfilm-Klischees, patriotischen Floskeln und austauschbaren Charakteren. Dabei erlebt man die Geschichte aus der Perspektive unterschiedlicher Helden, die aber keinen bleibenden Eindruck hinterlassen und wie Abziehbilder aus einer x-beliebigen Kampagne von Shooter-Games wirken. Die Motivation der Antagonisten bleibt unklar, die Erzählweise durch Rückblenden verwirrend, und viele Figuren werden genannt, bevor man sie überhaupt kennengelernt hat. Vor allem transportiert sich die angebliche Bedrohung der Privatarmee überhaupt nicht. Diese wird in Zwischensequenzen zwar immer wieder behauptet, aber wenn wir im vierer Squad hunderte der angeblich bestens ausgebildeten und ausgerüsteten Feinde spielend leicht und ohne eigene Verluste den Gar ausmachen können, wirkt die Ernsthaftigkeit der Bedrohung doch ziemlich konstruiert. Die bereits erwähnte deutsche Synchronisation, kann leider nicht ganz überzeugen und wirkt teilweise wenig atmosphärisch.
Auch spielerisch ist die Kampagne eher Standardkost. Zwar wechseln die Missionen zwischen Infiltration, Fahrzeugsequenzen und offenen Gefechten, doch echte Highlights sind rar. Nur eine Schleichmission, die allerdings viel Potenzial auf der Strecke lässt, und eine offene Operation stechen positiv hervor und zeigen, was möglich gewesen wäre. Technisch überzeugen stellenweise Beleuchtung und Kulisse – etwa beim Fallschirmsprung über einem brennenden Schlachtfeld – doch matschige Texturen, Framerate-Einbrüche und leblose Gesichter trüben das Bild. Die Explosionen wirken zudem überraschend kraftlos.
Immerhin: Der Soundtrack und die Effektkulisse sind erstklassig, und die geskriptete Zerstörung sorgt an den richtigen Stellen für spürbare Wucht. Dennoch bleibt die Kampagne am Ende belanglos – ein nettes Beiwerk, aber kein Grund, Battlefield 6 zu kaufen.
Und noch ein kleiner Tipp: Für ein immersiveres Erlebnis sollte für die Kampagne HUD-Elemente, Hitboxen und das Fadenkreuz in den Optionen deaktiviert werden. So überträgt sich die Atmosphäre deutlich besser.

© Electronic Arts | Dice
Multiplayer – das Herz schlägt wieder im Takt
Zum Glück gibt es aber noch den Multiplayer. Hier zeigt Battlefield 6, was es wirklich kann. Acht Spielmodi und neun Karten bieten die gewohnt groß angelegten Schlachten, die Fans lieben. Neben Klassikern wie Eroberung und Durchbruch gibt es auch neue Modi wie Eskalation.
Gerade Eskalation überzeugt mit einer spannenden Mechanik: Je mehr Gebiete erobert werden, desto kleiner wird die Kampfzone – was zu intensiven Endphasen führt. Durchbruch und Rush bringen die bekannte Dynamik von Angreifern und Verteidigern zurück, während kleinere Modi für reine Infanterie-Action sorgen.
Die Karten selbst sind kompakter als in früheren Teilen, was für ein deutlich höheres Tempo sorgt. Manche Spieler vermissen zwar den Leerlauf zwischen den Gefechten, doch insgesamt wirkt das neue Design fokussierter und dynamischer. Mit dem klassischen Klassensystem feiert Battlefield endlich ein gelungenes Comeback: Sturmsoldat, Pionier, Versorger und Aufklärer bieten jeweils eigene Gadgets und Boni, ohne die Waffenwahl einzuschränken. Die ungeliebten Spezialisten aus Battlefield 2042 sind Geschichte – und das ist gut so!
Das Gunplay fühlt sich wuchtig und präzise an, das Balancing überzeugt, und Fahrzeuge sorgen wie gewohnt für spektakuläre Momente, wenn sie richtig eingesetzt werden. Zwar lassen sich nicht alle Gebäude zerstören, doch die Inszenierung bleibt eindrucksvoll.
Ein großes Plus: Die personalisierte Serversuche erlaubt es, gezielt Modi und Karten auszuwählen – ein Komfortfeature, das viele Shooter bis heute vermissen lassen. Wer will kann also einen ganzen Abend Eroberung auf einer Karte in Endlosschleife spielen und jeden Winkel der Karte erkunden. Lediglich die Herausforderungen fallen teils übertrieben schwer aus („30 Headshots in einer Runde“) und dürften wohl noch nachgepatcht werden.
Kritik verdient auch das fehlende Tutorial: Weder für Spielmodi noch für Klassen oder Fahrzeuge gibt es brauchbare Erklärungen. Das „Übungsgelände“ entpuppt sich als reine Textwand – verschenktes Potenzial, vor allem für Neulinge.

Technik und Präsentation
Optisch präsentiert sich Battlefield 6 beeindruckend. Vor allem die Lichteffekte und Wetterwechsel sind hervorragend gelungen. Die Schauplätze sind abwechslungsreich und euch erwartet immer wieder ein wahres Effektfeuerwerk. Dennoch ist in Battlefield 6 nicht alles gold was glänzt. Immer wieder fallen Texturen und Gesichtsanimationen ins Auge, die nicht immer den erhofften Next-Gen-Glanz bieten. Auch kleinere Bugs und Scriptfehler trüben zunächst den sonst positiven Gesamteindruck.
Soundtechnisch hingegen ist das Spiel über jeden Zweifel erhaben: Explosionen, Schusswechsel und Funkverkehr klingen authentisch und wuchtig – hier liefert DICE wie gewohnt ab.
Fazit: Battlefield 6
Battlefield 6 ist kein perfektes Comeback, aber ein verdammt gutes. Die Kampagne enttäuscht zwar auf ganzer Linie, doch der Multiplayer liefert genau das, was Fans erwartet haben: großes Chaos, taktisches Teamplay und herrlich intensives Gunplay.
Mit ein wenig Feinschliff – etwa bei der Einsteigerfreundlichkeit, beim Balancing und bei kleineren technischen Schwächen – könnte Battlefield 6 die Reihe endgültig wieder auf Kurs bringen. Nach dem Fehltritt von 2042 ist das ein starkes Lebenszeichen.

