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Ubisoft, Twitter und „zu aufwändige“ Frauen

Ubisoft waren gestern nicht zu beneiden. Journalisten fragten, wieso es in Assassin’s Creed Unity oder Far Cry 4 keine spielbaren weiblichen Charaktere gäbe und die Antwort „das verdoppele die Arbeit“ kam gar nicht gut an. Überhaupt nicht gut.

Die Reaktionen schankten zwischen Enttäuschung, Sarkasmus, aber auch konstruktiver Kritik – beispielsweise von Daniel Floyd, Stimme und „Gesicht“ von Extra Credits:

James Portnow, ebenfalls von Extra Credits, war nicht ganz so diplomatisch und antwortete, dass der E3-Messestand bereits mehr gekostet hätte als die Einbindung einer spielbaren Frau:

Andere bewarfen Ubisoft mit historischen Fakten, immerhin behauptet das Assassin’s-Creed-Team gerne, dass sie intensiv recherchieren würden. Wie ihnen da der Name Charlotte Corday durch die Lappen gehen konnte, ist allerdings sehr seltsam:

Jan David Hassel von Yager wies verschmitzt darauf hin, dass es in Dead Island 2 gleich zwei spielbare weibliche Figuren gäbe. Und seltsamerweise war es auch bei Insomniac nicht zu viel Arbeit, in Sunset Overdrive Frauen als spielbare Hauptcharaktere zu integrieren.

Natürlich gab es auch Kommentare, die den Shitstorm „halb so wild“ fanden, der Markt werde das ja schon regeln. Auf solche Aussagen reagierte insbesondere Games-Journalist Ian Miles Cheong sehr allergisch:

Und auch Gaming-Vlogger Chris Franklin, besser bekannt als Campster, fand die Ubisoft-Ausrede mehr als billig:

Watch_Dogs war vor Seitenhieben ebenfalls nicht sicher, weshalb dann spekuliert wurde, ob Aiden Pearce‘ Emotionslosigkeit ebenfalls der Tatsache geschuldet war, dass solche Animationen nunmal einfach zu aufwändig sind.

Mitleid oder Verständnis gab es keines – wieso auch, wenn die „Ausrede“ dermaßen peinlich ist. Ubisofts Beharren darauf, dass das nunmal eine „Realität“ der Videospielentwicklung sei wurde zum Bumerang, denn Ubisoft ist Teil dieser Realität und damit auch Teil des Problems.

Manche Antworten kamen auch gezeichnet daher:

Der Sarkasmus-Level war häufig weit über 9000:

Besonders bitter wurde es für Ubisoft dann, als sich Jemand in die Diskussion einschaltete, der wirklich Ahnung von der Materie hat: Jonathan Cooper, Animation Director bei Assassin’s Creed III, inzwischen für die Animationen bei Naughty Dog zuständig:

Ich persönlich hoffe, dass die Debatte, ob man sie jetzt für nötig hält oder nicht, dafür sorgt, dass sich in der Branche etwas ändert und dass spielbare Frauen nicht einfach nur als ein Feature, das man eventuell noch umsetzt, wenn man irgendwie Zeit und Geld erübrigen kann, begriffen werden, sondern als Normalität. Nintendo bietet in Super Smash Bros. Brawl sowohl bei der Wii-Fit-Trainerin wie auch dem Villager eine Version des jeweils anderen Geschlechts an. BioWare lässt den Spieler in Dragon Age: Inquisition aus zwei Geschlechtern und vier Rassen wählen. Saint’s Row 4 erlaubt beide Geschlechter und lässt dem Spieler dann sogar noch die Wahl zwischen verschiedenen Charakterstimmen. Zahlreiche kleinere und größere Videospielentwickler zeigen, dass es sehr wohl ohne größeren Mehraufwand möglich ist, beide Optionen anzubieten, gerade deshalb ist Ubisofts Ausrede so enttäuschend.

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