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Switch Tests

Typoman Review

Mit dem düsteren Jump ’n‘ Run Typoman der deutschen Indie-Entwickler von Brainseed Factory hüpft ihr mit einem Buchstabenmännchen durch eine finstere Welt. Ob der geniale Mix aus Plattformer und Scrabble auch auf der Nintendo Switch aufgeht?

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Typoman – Eine geniale Idee

Wer innovative Spielideen sucht, muss heutzutage fast ausschließlich auf kleinere Indie-Spiele zurückgreifen. Während die Giganten der Branche oftmals funktionierende Konzepte weiterentwickeln, sind es besonders die kleinen Studios, die euch frische Ideen liefern.

Eine dieser frischen Ideen ist Typoman, welches mit einem gleichermaßen einzigartigen, wie auch genialen Spielkonzept aufwartet. Als Buchstabenmännchen müsst ihr in dem Plattformer nämlich Buchstaben und Wörter neu zusammensetzen, um in einer düsteren, bedrückenden Fantasywelt überleben zu können. Die Idee ist dabei so genial, dass ihr euch unweigerlich fragt, warum ihr erst jetzt in den Genuss solch eines Titels kommt. So oder so: Typoman ist zweifelsohne einer der kreativsten Titel, die sich aktuell im eShop der Nintendo Switch finden lassen.

Typoman
Was es mit den mysteriösen Wesen auf sich hat, erklärt Typoman zu wenig.

Doch leider offenbaren sich hinter dem gelungenen Spielkonzept auch einige Problemchen. Eines davon ist, dass Typoman nahezu keine Geschichte erzählt. Das Spiel beginnt, indem ein LKW einen Haufen Buchstaben ablädt. Als kleines „o“ rollt ihr durch die bedrohliche Umgebung, bis aus der Kugel auf einmal ein echtes Männchen wird. Warum das so ist und was es mit der finsteren, scheinbar von einem Krieg zerrütteten Welt auf sich hat, erklärt Typoman nicht. Auch die wenigen Storyfetzen, die ihr im Verlauf des Abenteuers findet, helfen da nur wenig. Wirklich vermissen werdet ihr die Rahmenhandlung allerdings nicht, denn Typoman macht aus spielerischer Sicht eine Menge richtig.


Switch it on

Spielerisch versteht sich Typoman als Plattformer mit zahlreichen Rätseleinlagen. Besonders die Art der Rätsel ist es, die den Downloadtitel zu einem besonderen Erlebnis machen. Denn um in der düsteren Welt zu überleben, müsst ihr in bester Scrabble-Manier Buchstaben miteinander kombinieren oder ganz Wörter kurzerhand so umordnen, dass sie neue Begriffe ergeben.

Relativ zu Beginn des Spiels ist dieses Unterfangen noch sehr einfach: Aus einem „N“ und einem „O“ macht ihr kurzerhand ein „ON“, um einen Schalter zu aktivieren, der euch die Tür zum nächsten Bereich öffnet. Doch spätestens, wenn ihr Wörter aus vier oder mehr Buchstaben bilden müsst, wird das mitunter ganz schön knackig.

Typoman
Die kniffligen Rätsel machen das Spiel zu einem besonderen Erlebnis

Das liegt vor allem aber auch daran, dass Typoman sehr gute Englischkenntnisse voraussetzt. Während die Menüs noch in deutscher Sprache vorliegen, bestehen alle Wort-Rätsel im Spiel ausschließlich aus englischen Wörter. Wer keine Ahnung hat, was „GASP“ oder „DRAIN“ bedeuten, für den ist bereits im Laufe des ersten Kapitels Schluss. Besonders knifflig wird es, wenn ein Rätsels euch acht Buchstaben an die Hand gibt, ihr für die Lösung allerdings lediglich vier benötigt.

Das mag im englischsprachigen Raum hervorragend funktionieren, bringt hierzulande jedoch einige Probleme mit sich, da ihr die Wörter im Spiel nicht nur verstehen, sondern auch wissen müsst, welche neuen Wörter ihr daraus bauen könnt.


Packendes Abenteuer

Nehmen wir einmal als gegeben hin, dass ihr englisch sprecht und auch in der Lage seid, die knackigen Rätsel zu lösen. Dann nämlich, macht Typoman eine Menge Spaß.

Aus spielerischer Sicht markiert Typoman nämlich einen gelungenen Genrevertreter, der vor allem durch seine stimmige Lernkurve gefällt. Anfangs stellen euch die Sprungpassagen nur selten vor eine Herausforderung und es ist motivierend zu sehen, wie eure Lösungen den Weg in neue Spielbereiche freischalten. Das grundsätzlich eher gemächliche Spieltempo zieht zudem in den packenden Verfolgungsabschnitten deutlich an, beispielsweise wenn ein fieser Käfer-Dämon nach eurem Leben trachtet. 

Typoman
Die Verfolgungen sind ziemlich knackig ausgefallen.

Allerdings fallen diese Szenen mitunter auch ziemlich frustrierend aus, wenn auch nicht so schlimm, wie bei manchem Konkurrenten. Ganz allgemein bietet Typoman leider zu viel Trial & Error. Viel zu oft seht ihr im Eifer des Gefechts erst auf den zweiten Blick, wo die Gefahren lauern und wann ihr idealerweise abspringen müsst.

Und trotzdem kann der Mix aus Rätseln, Sprungpassagen und ruhigen Abschnitten überzeugen. Wenngleich der Umfang viel zu gering ausfällt, bereits nach wenigen Stunden flimmert der Abspann über den Bildschirm. Sammelgegenstände oder versteckte Geheimnisse sucht ihr zudem vergebens. 


Detailverbesserte Neuauflage

Als Neuauflage der Wii-U-Fassung wurde das Leveldesign optimiert und die fiesen Bugs des Originals gehören endlich der Vergangenheit an. Auch die Steuerung zeigt sich generalüberholt und reagiert nun deutlich präziser auf eure Eingaben. Gestrichen wurden hingegen die Tipps, die ihr euch auf der Vorgängerkonsole noch auf dem Gamepad anzeigen lassen konntet. Das macht die Switch-Fassung zum besseren, aber auch deutlich schwereren Spiel. 

Typoman
Das einzigartige Rätseldesign funktioniert hervorragend.

Außerdem spendieren euch die Entwickler zwei brandneue Minispiele, die euch nach dem Absolvieren der Story zur Verfügung stehen. Darin gilt es, aus einer Vorgabe neue Wörter zu basteln oder innerhalb einer gewissen Zeit so viele Worte wie möglich zu erschaffen. Für ein paar nette Runden zwischendurch eignen sich beide Optionen.

Aus technischer Sicht macht Typoman eine sehr gute Figur. Vor allem der düstere Grafikstil weiß zu gefallen und schafft in Kombination mit dem minimalistischen Ambient-Soundtrack eine unglaublich dichte und bedrohliche Atmosphäre. Ein Großteil der Welt besteht aus Buchstaben und es ist im Verlauf des Abenteuers immer wieder schön zu sehen, wie die Entwickler simple Buchstaben als Spielelement nutzen.

Typoman
Das düstere Artdesign entfaltet eine unglaublich dichte Atmosphäre

Fazit:

Auch wenn Typoman nicht frei von Fehlern ist, hat sich der Rätsel-Plattformer mit seiner frischen Spielidee sofort in mein Herz gespielt. Der kluge Mix aus Jump ’n‘ Run und Worträtseln funktioniert hervorragend. Zumindest, wenn ihr der englischen Sprache mächtig seid. 

Ab der ersten Spielminute zieht euch die düstere Atmosphäre magisch in ihren Bann und es macht eine Menge Spaß, mit den vorgegebenen Buchstaben zu interagieren. Blöd nur, dass es in der Neuauflage keinerlei Tipps gibt. So wird das Finden des richtigen Wortes oftmals durch den Zufall bestimmt. Auch das Fehlen einer Geschichte stößt sauer auf, zudem fällt der Wiederspielwert äußerst gering aus. 

Jump’n’Run-Fans mit guten Englischkenntnissen sollten allerdings unbedingt zugreifen und erhalten mit Typoman ein packendes und kreatives Abenteuer!


 

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