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PS4 Tests Xbox One

Testbericht: XCOM 2 – Widerstandskampf in Perfektion

Nachdem die PC-Version des Runden-Strategiespieles XCOM 2 auf dem PC bereits seit Februar für Begeisterung sorgt, schlägt der Titel rund um die Alieninvasion nun endlich auch auf PlayStation 4 und Xbox One auf.

Mit Maus und Tastatur konnte der Nachfolger des hochgelobten XCOM: Enemy Unknown aus dem Jahr 2012 bereits hervorragende Kritiken einheimsen. Firaxis und 2K Games zeigen mit XCOM 2 allerdings eindrucksvoll, dass ein Strategiespiel auch auf Konsolen hervorragend funktionieren kann.

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XCOM 2 – Ein Fest für Hobby-Strategen

Alles läuft nach Plan. Vorsichtig arbeitet sich mein vierköpfiges Team in der sengenden Hitze Westafrikas von Deckung zu Deckung vor. Während Rangerin Jackson und Grenadier Peter Silie sich ihren Weg vorbei an brennenden Autowracks über die Hauptstraße bahnen, bezieht Scharfschütze O’Really auf einem Gebäude Stellung, um dem Duo Feuerschutz zu gewähren.

Dieser enorm wichtige Auftrag könnte die Wende in dem fortdauernden Widerstandskampf gegen die Invasoren bedeuten. Daher habe ich nur meine besten Männer und Frauen in den afrikanischen Glutofen geschickt.

XCOM 2 bietet Strategie in Perfektion. Das ideale Setup ist unabdingbar
XCOM 2 bietet Strategie in Perfektion. Das ideale Setup ist unabdingbar

Nun ja, zumindest fast. Denn meine beste Unterstützer-Einheit wurde in der vorangegangenen Mission leider schwer verletzt. Ihren Platz nimmt nun ein Neuling ein, der frisch von der Soldatenakademie kommt. Wird schon schief gehen, denke ich und ziehe mit meinem Trupp vorsichtig weiter.

„Es ist ruhig… Zu ruhig,“ bemerkt Silie. Und er hat Recht. Dafür, dass sich eines der Hauptquartiere der Aliens irgendwo hier befinden soll, ist es in der Tat sehr ruhig. Plötzlich erspäht ausgerechnet der Neuling vereinzelte Alienaktivitäten in einem kleinen Gebäude zu unserer Linken. Also schicke ich Jackson vor, den Außerirdischen möglichst lautlos den Garaus zu machen.


Neue Klassen und mehr Abwechslung

Wer bereits den Vorgänger gespielt hat, wird sich in XCOM 2 sofort heimisch fühlen. Das grundsätzliche Spielprinzip entfaltet noch immer Suchtpotential und die hervorragende Controller-Steuerung ist im neuesten Serienableger weitestgehend gleich geblieben. Allerdings wurde das komplette Gerüst detailverbessert. Zusätzlich dazu noch um einige interessante Nuancen erweitert.

Das Spiel wurde gegenüber dem Vorgänger in fast allen Bereichen verbessert
Das Spiel wurde gegenüber dem Vorgänger in fast allen Bereichen verbessert

Die einzelnen Soldaten steigen durch ihre Erfahrungen im Kampfeinsatz dabei nach und nach im Level auf. Dadurch schalten wir zunächst eine Spezialisierung und dann neue Fähigkeiten frei. Pro Levelaufstieg müssen wir uns für eine von zwei Optionen entscheiden. Beispielsweise ob unsere Rüstung mehr Schaden absorbieren soll oder ob wir Deckungen der Gegner einfach zerstören können.

Ranger sind dabei vor allem auf lautloses Vorgehen bedacht. Sie verfügen neben einer Schrotflinte auch über eine Nahkampfwaffe, um die Widersacher heimlich ausschalten zu können. Das ist mitunter überlebenswichtig, denn wenn wir noch nicht entdeckt wurden, haben wir aus strategischer Sicht die Zügel in der Hand. Zudem können wir auf Schadensboni zurückgreifen, wenn wir den Angriff beginnen.

Die Ranger-Klasse setzt auf lautlose Angriffe aus dem Verborgenen
Die Ranger-Klasse setzt auf lautlose Angriffe aus dem Verborgenen

Dazu gesellen sich Grenadiere für besondere Feuerkraft, Scharfschützen und Unterstützer. Die Klassen in XCOM 2 sind aus spielerischer Sicht sehr abwechslungsreich ausgefallen.
Zudem ist das perfekte Zusammenspiel aller Beteiligten unabdingbar, um als Sieger aus den mitunter enorm knackigen Missionen hervor zu gehen.

Ein Moment der Unachtsamkeit kann dabei jederzeit den Tod bedeuten. Und wie bereits im Vorgänger ist dieser permanent. Gefallene Einheiten sind für immer tot und können entsprechend nicht mehr in neue Einsätze geschickt werden. Das ist natürlich besonders tragisch, wenn man aufgrund eines dummen Fehlers seinen besten Mann verloren hat. Möge mein guter Freund Thor Odinsson an dieser Stelle in Frieden ruhen. Du wirst für immer bei uns sein!


Ganz schön knackig

Vielleicht noch kurz ein Wort zur Story. Nachdem wir zum Ende des Vorgängers noch dachten, die Menschheit gerettet und die Aliens besiegt zu haben, stellen wir zu Beginn von XCOM 2 fest, dass dem gar nicht so ist.

Die Invasoren unterdrücken die Menschheit als gnadenloses ADVENT-Regime mit eiserner Hand. Dementsprechend führen wir als Commander den Widerstand an und müssen im Verlaufe des Spieles versuchen, die Erde zurückzuerobern.
Dafür bereisen wir Ziele rund um den Globus und bauen neue Zentralen für den Widerstand auf, rekrutieren Verbündete und erweitern unsere Militärmacht, um den Außerirdischen Einhalt zu gebieten.

Von der Heimatbasis aus leiten wir neue Entwicklungen ein und starten zu Einsätzen rund um den Globus
Von der Heimatbasis aus leiten wir neue Entwicklungen ein und starten zu Einsätzen rund um den Globus

Das alles koordinieren wir von unserer mobilen Basis aus, in der wir auch neue Technologien erforschen und mächtige Waffen oder Rüstungen herstellen können. Sofern wir in den einzelnen Missionen entsprechende Gegenstände dafür gefunden haben.
Im Vergleich zum Vorgänger hat sich die Planungskomponente nicht verkompliziert und geht noch immer hervorragend von der Hand, bietet allerdings einige interessante neue Möglichkeiten und Verbesserungen.


Hervorragende Aufgaben

Apropos Missionen: Diese haben es in XCOM 2 mitunter ganz schön in sich. Der Schwierigkeitsgrad ist selbst auf der niedrigsten Stufe noch immer ziemlich knackig und bestraft eigene Fehler absolut gnadenlos.

An einigen Stellen ist das Strategiespiel allerdings regelrecht unfair und rafft mit unvorhersehbaren Wendungen unsere Soldaten reihenweise dahin. Da hilft nur das erneute Laden des letzten Speicherstandes. Regelmäßige Sicherungen sind also absolut unabdingbar.

Das Missionsdesign von XCOM 2 kommt enorm abwechslungsreich daher
Das Missionsdesign von XCOM 2 kommt enorm abwechslungsreich daher

Dafür punktet der Titel mit abwechslungsreichen Aufgaben und Umgebungen. Mal gilt es, eine Alienbasis zu infiltrieren, mal mehrere VIPs zu befreien und in Sicherheit zu bringen. Oder mal, einen wichtigen Ort zu sichern bis Verstärkung eintrifft.

Oftmals können wir uns von der Karte aus zudem zwischen mehreren Aufträgen entscheiden. Beispielsweise um zunächst einmal neuen Rekruten etwas Praxis bieten zu können und diese im Level aufsteigen zu lassen.


Rundentaktik par excellence

XCOM 2 überzeugt mit demselben anspruchsvollen und herausragenden Spielprinzip, wie sein gefeierter Vorgänger. Noch immer stehen jeder Einheit auf dem Schlachtfeld pro Runde zwei Aktionspunkte zur Verfügung. Wir müssen uns also stets entscheiden, ob wir beispielsweise einen sehr weiten Sprint hinlegen oder möglicherweise auf halben Weg in Deckung gehen und zusätzlich dazu noch unseren Kameraden Feuerschutz gewähren.

Auf der Seite der Gegner sieht das genauso aus, wenngleich diese sich mitunter nicht immer an die vom Spiel gesteckten Vorgaben halten. Denn es kann vorkommen dass sich die Aliens, sofern wir entdeckt werden, in Deckung bringen, zum nächsten Schutz rennen und gleichzeitig noch das Feuer auf uns eröffnen. Diese Möglichkeit haben wir nicht, was ein wenig nerven kann.

In Kämpfen schaltet XCOM 2 immer wieder in eine Action-Perspektive. Die Inszenierung ist gelungen
In Kämpfen schaltet XCOM 2 immer wieder in eine Action-Perspektive. Die Inszenierung ist gelungen

Die Kämpfe sind allerdings wahnsinnig taktisch ausgefallen und werden vom Spiel hervorragend inszeniert. Immer wieder schaltet die in Stufen drehbare, isometrische Ansicht dabei in einen Actionmodus und präsentiert uns filmreife Feuergefechte oder Sprints über das Schlachtfeld. Das lockert die hervorragende, aber sehr routinierte Aufmachung spürbar auf.

Zudem überzeugt XCOM 2 mit hervorragenden Effekten. Explosionen und Lichteffekte sind eine wahre Augenweide. Besonders, wenn erstere dank zerstörbarer Umgebungen eine halbe Fabrik zum Einsturz bringen. Natürlich lässt sich diese Zerstörung auch als taktischer Vorteil nutzen, da man in Windeseile dem sicher geglaubten Kontrahenten die Deckung wegbomben kann.


In XCOM 2 ist die Zeit euer größter Feind

Ja tatsächlich. Die Zeit ist der größte Feind in XCOM 2. Denn wenn es rund um den Erdball zu erbitterten Kämpfen kommt und die Aliens gleichzeitig an mehreren Orten den Gegenangriff starten, muss man sich entscheiden.
Da man natürlich nicht gleichzeitig an jedem Ort sein kann, muss man oftmals genau abwägen, welche Opfer man bereit ist zu bringen.

So sorgt der Titel dafür, dass die enorme Bedrohung, die von den Invasoren ausgeht, zu jedem Zeitpunkt spürbar ist. Und weitreichende Konsequenzen mit sich zieht. Es ist nämlich überhaupt nicht möglich, allen Gegenangriffen Einhalt zu gebieten. Besonders, wenn sich dann die wichtige Rüstung, die wir dringend zum Schutz gegen die Giftangriffe benötigen, noch immer in Entwicklung befindet.

In den teils frustrierend schweren Missionen ist die perfekte Planung überlebenswichtig
In den teils frustrierend schweren Missionen ist die perfekte Planung überlebenswichtig

XCOM 2 setzt uns also konstant unter Zeitdruck und erfordert hervorragendes Ressourcen-Management, um nicht irgendwann der Übermacht zum Opfer zu fallen. Seine Dramaturgie bezieht der Titel allerdings ausschließlich aus dem eigentlichen Spielgeschehen. Die Hintergrundgeschichte samt wichtiger Hauptfiguren bleibt nämlich leider erstaunlich blass.


Technische Mängel und der Mehrspielermodus

Wirkliche Neuerungen bietet die Portierung auf die heimischen Konsolen allerdings nicht. Die technischen Probleme der PC-Fassung konnten darüber hinaus ebenfalls nicht ausgemerzt werden.
So kommt es im Eifer des Gefechts, vor allem aber in den Zwischensequenzen immer wieder zu hässlichen Einbrüchen der Bildrate. Glücklicherweise stört dies den hervorragenden Spielfluss allerdings nur wenig.

Dennoch unverständlich, da die bunte Grafik im Comic-Look nicht allzu detailliert daher kommt. Die Unreal Engine 3 zaubert zwar hervorragende Effekte auf den Fernseher und überzeugt mit detailreichen und abwechslungsreichen Umgebungen, gerade die Charaktermodelle sehen allerdings aus wie Plastiksoldaten ohne Mimik.
Ebenfalls nervig, dass die eigenen Einheiten des Öfteren bis zu zehn Sekunden benötigen, um ihre Befehle auszuführen.

Die Umgebungen sind abwechslungsreich, aber nicht wahnsinnig detailliert ausgefallen
Die Umgebungen sind abwechslungsreich, aber nicht wahnsinnig detailliert ausgefallen

Die Vertonung von XCOM 2 liegt grundsätzlich auf einem sehr guten Niveau. Besonders der gelungene Soundtrack feuert das Spielgeschehen ordentlich an und unterstützt die hervorragende Atmosphäre des Spiels. Zudem sind die Soundeffekte rundum gelungen. Was man von den mittelmäßigen und emotionslosen deutschen Sprechern leider nicht behaupten kann.

Aufgrund der hervorragenden Einzelspieler-Komponente fällt der Mehrspielermodus des Titels nicht weiter ins Gewicht. Dieser funktioniert zwar ebenfalls sehr gut, bietet allerdings ausschließlich einzelne Partien gegen einen menschlichen Gegner. Durch das Fehlen jeglicher Storyelemente und der spannenden Management-Optionen ist dieser allerdings lediglich nettes Beiwerk.


Fazit:

awardMit XCOM 2 gelingt den Entwicklern von Firaxis Games auch auf den Konsolen der
große Hit. Prinzipiell handelt es sich allerdings nur um eine inhaltsgleiche Portierung der PC-Version. Das ist allerdings nicht tragisch, denn man erhält hier einen wahnsinnig taktischen und enorm spannenden Genrevertreter.

Da Strategiespiele auf Konsolen spärlich gesät sind ist es natürlich umso erfreulicher, dass der hervorragende Vorgänger noch einmal in allen Belangen übertroffen werden konnte.

Das Management der eigenen Basis funktioniert einwandfrei und wurde sehr motivierend gestaltet. Besonders die abwechslungsreichen Missionen sind allerdings das Aushängeschild von XCOM 2 und an Spannung kaum zu überbieten.
Vor allem die Identifikation mit den eigenen Soldaten gelingt dem Spiel hervorragend, da kann man auch über die etwas schwache Story samt blasser Hauptfiguren hinweg sehen. Spielerisch gibt es nämlich kaum etwas auszusetzen.

Lediglich der knackige Schwierigkeitsgrad führt zu einigen mitunter unfairen Frustmomenten. Zudem stoßen einige technische Ungereimtheiten trotz nur ordentlicher Grafik und schwache deutsche Sprecher sauer auf.

Da XCOM 2 als Spiel allerdings hervorragend funktioniert, lässt sich der Titel frustresistenten Taktikern bedingungslos empfehlen. Ein Meilenstein des Genres, gerade auf den Heimkonsolen, den sich niemand entgehen lassen sollte.


Vielen Dank an 2K Games für die freundliche Bereitstellung des Testmusters!

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