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PS4 Tests

Testbericht: Watch Dogs

In Sachen PR hat Watch Dogs eine absolute Berg- und Talfahrt hinter sich. Erst der große Hype zur Ankündigung, später die große Flaute als es verschoben wurde, jetzt diverse pikante PR-Aktionen von Ubisoft inklusive Bombenalarm und Soft-Porno-Anklängen. Ob das Spiel selbst uns ebenfalls auf so eine Fahrt mitnehmen konnte, das erfahrt ihr in unserem Testbericht.

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„Ich bin drin! Das is ja einfach..“

Die Geschichte von Watch Dogs dreht sich um den Hacker Aiden Pearce. Zusammen mit einem Komplizen räumt er diverse Bankkonten ab, alles per Hack über sein Smartphone. Doch der Coup geht schief, die beiden fliegen auf. Um Aiden loszuwerden, hetzt man ihm Leute auf den Hals, die einen Autounfall mit ihm inszenieren sollen. Doch wer dabei ums Leben kommt, ist nicht Aiden, sondern seine kleine Nichte Lena. Fortan von Schuldgefühlen und Rachegelüsten geplagt, macht sich der Hacker auf, die Schuldigen dafür zu finden und zur Rechenschaft zu ziehen.

WDCLetztlich ist der Plot insgesamt leider ziemlich zusammengewürfelt aus diversen bekannten Tropes, was schade ist. Dennoch wollen wir euch an dieser Stelle nicht zuviel verraten und uns lieber aufs Gameplay konzentrieren.

Watch Dogs fühlt sich vertraut an, gerade für diejenigen, die Assassins Creed gespielt haben (surprise!); sehr schnell hat man die Steuerbefehle verinnerlicht und bewegt sich geschickt überall durch Chicago. Durch großflächige Überwachung und großzügiges Datensammeln der Firma Blume kann Aiden probemlos überall Unmengen an Informationen sammeln. Dabei ist sein Smartphone sein digitales Schweizer Taschenmesser, mit dem ihr euch beispielsweise in Überwachungskameras einklinken könnt, Blackouts verursacht, Poller aktiviert, Ampeln schaltet, Türen entriegelt und über jeden Passanten auf der Straße Informationen bekommt, wenn ihr wollt. Einige Personen, bzw ihre Handys lassen sich auch hacken, sodass ihr Anrufe abhören, Nachrichten abfangen oder Kontodaten abgreifen könnt.

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Mit der Stadt auf Tuchfühlung

Die anonyme Masse bekommt also ganz anders als in beispielsweise GTA durchaus ein Gesicht und der ein oder andere wird sich vermutlich dabei erwischen, wie er sich fragt, ob man dem Mann mit Krebs im Endstadium nun wirklich sein Konto leerräumen will.

Überhaupt ist Chicago eine sehr lebendige und dynamische Stadt. Leute stellen sich bei Regen unter, packen Regenschirme aus, Passanten warten auf den Bus, stehen am Schaufenster, es wird Rasen gemäht, sich auf der Liege gesonnt oder im Hinterhof Basketball gespielt. Und dabei sieht die Grafik auch noch ziemlich gut aus. Auch der Soundtrack von Brian Reitzell geht gut ins Ohr und fügt sich wunderbar ins das Spiel ein.

Während der Story bewegt ihr euch durch die verschiedenen Stadtteile Chicagos und bedient euch dabei gern an den Vehikeln, die ihr auf dem Weg so findet. Einzig die Fahrphysik mutet angesichts von so viel Authentizität und Realismus etwas komisch an. Selbst mit dem Motorrad knickt ihr Ampeln um wie Streichhölzer und auch das Schadensmodell ist ziemlich fragwürdig. Wobei man schon zugeben muss, dass die Verfolgungsjagden und generelle Fahrten wohl ziemlich frustrierend wären, wenn uns jeder Mülleimer aus der Bahn bringen und jedes Bushäuschen für Totalschaden sorgen würde.

Auch wenn die Story nicht vom Hocker haut, so kann doch das ganze Drumherum wirklich begeistern und beschäftigen. Während des Spiels könnt ihr immer wieder sogenannte Fixer-Aufträge annehmen. Diese bestehen mal darin, ein Auto von A nach B zu bringen, die Polizei abzulenken oder ein heißes Auto beiseite zu schaffen. Außerdem könnt ihr Banden aufzumischen oder Verbrecher-Konvois stoppen. Zudem passieren überall in der Stadt Verbrechen, über die ihr informiert werdet, sodass ich die Möglichkeit habt, den potentiellen Tatort zu beschatten und die Kriminellen auszuschalten (Minority Report lässt grüßen).

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Die Stadt ist dein Spielplatz

Neben den Nebenquests und der Hauptstory gibt es noch eine gefühlte Million anderer Beschäftigungsmöglichkeiten. So könnt ihr online in Minispielen gegen andere Spielerinnen und Spieler antreten in kleinen Hack-Herausforderungen, wie zum Beispiel einer Beschattung. Dabei muss ein Spieler den anderen verfolgen und ein Profil anlegen. Der andere versucht derweil, den Hackenden zu erwischen und seinerseits ein Profil anzulegen. Außerdem könnt ihr auf digitale Trips gehen, in denen ihr beispielsweise in rauschenden Farben mit schräger Musik über gigantische Blumen springt und dabei Punkte sammelt. Hinzu kommen noch diverse kleinere Spielereien wie AR-Spiele in denen ihr in der Stadt Münzen in einer bestimmten Zeit einsammeln müsst, Besichtigungen von Sehenswürdigkeiten, silber-großSchachspiele oder – für voyeuristisch Veranlagte – ihr spioniert fremde Wohnungen aus und schaut, was die Bewohner so für merkwürdiges Zeug treiben. Wer will, kann sich also durchaus langfristig mit dem Titel beschäftigen.

Alles in allem ist Watch Dogs ein wirklich cooler Titel mit einer Prise GTA. Chicago ist euer Spielplatz und mit eurem allmächtig anmutenden Handy könnt ihr jede Menge Chaos stiften oder als Rächer den Kriminellen der Stadt zu Leibe rücken. Oder beides auf einmal. Der Titel sieht gut aus, klingt gut, spielt sich gut und über vier Millionen Verkäufe in der ersten Woche sprechen vermutlich für sich. Einzig der Protagonist bleibt erstaunlich widerstandsfähig gegen Emotionen oder Identifizierung. Trotz der tragischen Umstände schafft er es einfach nicht, seine Rachegelüste zu vermitteln und bleibt ähnlich farb- und charakterlos wie Connor in Assassins Creed III. Auch die Story reißt niemanden um und gerade deshalb wird ihr die offene Spielwelt teilweise zum Verhängnis. Es gibt einfach so viel zu tun, dass zumindest ich ab und zu vergessen habe, worum es hier eigentlich ging, da der Fortschritt der Geschichte außerhalb der Missionen sofort in den Hintergrund tritt.

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