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Testbericht: The Banner Saga 2

Wer mich ein wenig kennt weiß, dass ich mich sehr für die nordische Mythologie und die Wikinger-Thematik allgemein interessiere. In den vergangenen Jahren erfreute sich dieses Thema auch medial steigender Beliebtheit, was nicht zuletzt an der hervorragenden Fernsehserie des History Channels liegt. Videospiele mit nordischem Hintergrund sind allerdings leider noch immer eher rar gesät: Nach dem bereits 2008 veröffentlichten und eher durchwachsenen Hack ‘n Slay Viking: Battle for Asgard dauerte es ganze sechs Jahre, bis drei findige Entwickler bei Stoic mit dem Taktik-Rollenspiel The Banner Saga die Wikinger erneut zum Leben erweckten und dem zumindest auf PC und Heimkonsolen etwas angestaubten Genre der Taktik-Rollenspiele neues Leben einhauchte.
Nach dem Erfolg des hochgelobten Erstlings steht nun, zwei Jahre später, bereits der Nachfolger in den Startlöchern, welcher den Serienauftakt qualitativ nochmals übertrifft und ein wahres Fest für Genre- und Normannen-Fans darstellt.

Der Sieg im Vorgänger hatte für unseren Helden schwerwiegende Konsequenzen
Der Sieg im Vorgänger hatte für unseren Helden schwerwiegende Konsequenzen

Ein Taktik-Fest

Nachdem das Genre der Taktik-Rollenspiel in den vergangenen Jahren mit beliebten Serien wie Fire Emblem oder Final Fantasy Tactics fast ausschließlich auf Handhelds vertreten war, sprießen ebensolche Genrevertreter für die stationäre Hardware aktuell gefühlt wie Pilze aus dem Boden.

Auch The Banner Saga 2 setzt auf das bekannte Spielprinzip aus fordernden, rundenbasierten Kämpfen und fesselnden Dialogen, welche zwar über keinerlei Sprachausgabe verfügen und ausschließlich in Englisch vorliegen, sich allerdings zu einer spannenden und emotionalen Hintergrundgeschichte verknüpfen, welche sehr gut gefällt.
Die Geschehnisse knüpfen dabei direkt an die Handlung des Vorgängers an: Jäger Rook avancierte seinerzeit zum Anführer eines Clans und musste sein Volk gegen die scheinbar übermächtigen Dredge samt ihrem Anführer Sundr verteidigen. Doch der am Ende errungene Sieg über den Feind hatte für unseren Helden einen hohen Preis in Form des Verlustes seiner Tochter Alette. In Teil Zwei nun steht der spürbar gealterte und von den Grausamkeiten des Krieges gezeichnete Jäger einem erneuten, scheinbar aussichtslosen Gegenangriff des Feindes gegenüber. Die verbleibenden Anhänger müssen in die Sicherheit der Menschenhauptstadt Aberrang gebracht werden und unser Ziel liegt darin, mit strategischer Stärke dafür zu sorgen dass auch alle die uneinnehmbare Festung erreichen – das entpuppt sich aber binnen kürzester Zeit als sehr kniffliges Unterfangen.

Die Karawane zieht weiter. Unterwegs rekrutieren wir neue Verbündete... oder könne diese sogar verlieren
Die Karawane zieht weiter. Unterwegs rekrutieren wir neue Verbündete… oder könne diese sogar verlieren

Vor allem der Fakt, dass wir die Konsequenzen unserer Entscheidungen im Verlaufe des Spiels nicht absehen können, macht The Banner Saga 2 so interessant: Es gibt eben nicht nur schwarz und weiß, richtig oder falsch. Verschonen wir bei einem Angriff auf ein Dorf die Zivilisten oder plündern wir ihre Vorräte, wissentlich dass das ihren Tod zur Folge hat? Keine leichte Entscheidung, besonders da bei der vorherrschenden Nahrungsknappheit unser Gefolge womöglich nur noch wenige Tage überleben wird – Der Titel lebt von solchen und noch weitaus schwierigeren Entscheidungen, deren Ausmaß uns möglicherweise erst viele Spielstunden später bewusst wird.

Knackige Kämpfe

Fans des Erstlings freuen sich über die Möglichkeit, den Speicherstand in The Banner Saga 2 übertragen zu können. Wer sich dafür entscheidet, übernimmt nicht nur jegliche Storyentscheidungen und Levelaufstiege, sondern auch gesammelte Ressourcen und Anzahl der Clanmitglieder. Neueinsteiger erhalten zudem in einem kurzen Video eine grobe Zusammenfassung der Geschehnisse, aufgrund ihrer Komplexität und der Beziehung die man zu seinen Verbündeten aufbaut empfiehlt es sich aber auf jeden Fall, den ersten Teil nachzuholen.

Allerdings macht einem The Banner Saga 2 den Einstieg nicht wirklich leicht. Viel zu lange hält sich der Titel mit relativ dröge präsentierten Dialogen auf, welche zudem ohne Sprachausgabe oder deutsche Texte daherkommen. Das ist sicherlich nicht jedermanns Geschmack und kann mitunter zu Langeweile führen, bis wir endlich ins spannende Kampfgeschehen eingreifen dürfen.

Das taktische Kampfsystem überzeugt auf ganzer Linie
Das taktische Kampfsystem überzeugt auf ganzer Linie

Apropos Kämpfe: Auch diese orientieren sich – wie der Rest des Spieles – sehr stark am Vorgänger und kommen mit einer enormen taktischen Tiefe daher. Vor dem Gefecht entscheiden wir uns für insgesamt fünf tapfere Recken, welche allesamt mit unterschiedlichen Klassen und Fähigkeiten daherkommen. Ob wir nun eher auf mit Axt und Schild bewaffnete Defensivstrategen und Bogenschützen setzen oder versuchen, die feindliche Übermacht mit Bersekern zu dezimieren, hängt von unserer Entscheidung ab – dabei entscheidet die richtige Teamzusammenstellung oftmals über Sieg und Niederlage. Alle Figuren verfügen über einen Rüstungs- und einen Stärkewert, wobei letzterer sowohl die Lebensenergie, als auch die Stärke ihres Angriffs wiederspiegelt. Zerstören wir also zunächst die Rüstung unseres Gegners, um ihn für normale
Angriffe anfälliger zu machen oder riskieren wir, dass ein Großteil unseres Schadens absorbiert wird und versuchen, dem Widersacher schneller den Garaus zu machen?
Dieses System, welches allerdings nur unzureichend in einem kurzen Tutorial erklärt wird, wirkt hervorragend durchdacht und sorgt für mitunter unglaublich spannende Schlachten.

Abgesehen von den häufigen, aber nicht übermäßig langen Ladepausen und den vereinzelten Rucklern in den Menüs und Kämpfen hinterlässt The Banner Saga 2 auch technisch einen sehr guten Eindruck.
Vor allem die von Hand gezeichneten, sehr detailreichen Umgebungen und Charaktere wissen auf ganzer Linie zu überzeugen. In Kombination mit dem herausragenden und enorm atmosphärischen Soundtrack entfaltete der Titel eine ganz besondere, rundum stimmige Atmosphäre.


Fazit:

The Banner Saga 2 hält gegenüber dem Vorgänger nur wenige Neuerungen bereit. gzg-medailleDas ist allerdings auch gar nicht nötig, war dieser seinerzeit doch bereits ein wirklich gelungenes Spiel. Ebenso verhält es sich also auch mit dem Nachfolger, welcher vor allem durch seine atemberaubende Atmosphäre und die hervorragenden, taktischen Kämpfe punkten kann. Auch die spannende, wendungsreiche Hintergrundgeschichte gefällt – leider vermag es das Spiel aber nicht, diese interessant zu präsentieren. Nicht vorhandene Sprachausgabe und ausschließlich englische Texte sorgen zu Spielbeginn erst einmal für Langeweile. Wer sich daran aber nicht stört merkt schnell, welch interessante Story The Banner Saga 2 zu erzählen vermag und wird wie magisch von der Atmosphäre in ihren Bann gezogen.
Ansonsten bietet der Titel bis auf leichte technische Ungereimtheiten, zu wenige Nebenaufgaben und ein zu kurzes Tutorial aber nur wenig Anlass zur Kritik. Ein wahres Fest für Taktiker und Freunde der behornten nordischen Krieger des Frühmittelalters.


Vielen Dank an Plan of Attack für die freundliche Bereitstellung des Testmusters!

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