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PS4 Reviews

Testbericht: Super Meat Boy Retail

2010 erschien Super Meat Boy auf Xbox Live Arcade und Pc. In der Gunst von Kritikern und Fans, stieg es schnell zu einem der Top-Titel des Jahres auf. Heute gilt das Spiel als ein Vorreiter der anhaltenden Indie Welle und im Jump’n Run Sektor kommt keiner daran vorbei.
Seit letztem Jahr, ist Super Meat Boy auf Ps4 erhältlich und nun erscheint eine passende Retail Fassung, die ich mir hier genauer ansehe.


Auf’s wesentliche konzentriert

Im Indie Bereich sind Budgets normalerweise deutlich kleiner als man es von AAA-Spielen gewohnt ist. In Super Meat Boy wurde das vorhandene Geld gezielt in starkes Gameplay investiert. Das äußert sich auch in der Wahl einer minimalistischen Ästhetik, die trotzdem überraschend gut ausgeführt ist.

Die Geschichte beschränkt sich darauf Meat Boys Freundin Bandage Girl vor Dr. Fetus zu retten. Das ganze wird in ein paar unterhaltsamen Filmsequenzen gezeigt, erzählerische Tiefe sucht man vergeblich. Der Aufbau erinnert mich, durch seine schlichte humorvolle Art, an ein Comic-Strip.

Mit klaren Kontrasten und hoher Farbvielfalt, sieht die Grafik des Games keineswegs schlecht aus, für meinen Geschmack fehlt es aber an Details. Dafür wurde mit vielen verschiedenen Stilen experimentiert. So gibt es zum Beispiel mehrere Level, in der Optik verschiedener Retro Hardware.

In Sachen Soundtrack, fällt der Indie Hintergrund auch schon gar nicht mehr auf. Zwar konnte mich nicht jeder Song überzeugen, aber Grund den Ton auszuschalten hatte ich nicht.
Nebenbei: der Soundtrack der Playstation Version weist einige Änderungen gegenüber der Pc Version auf, da der ursprüngliche Komponist abgesprungen ist. Mir gefallen beide Versionen gleich gut.

Simple Grafiken, die trotzdem effektiv sind
Simple Grafiken, die trotzdem effektiv sind

So viel aus so wenig

Dass Super Meat Boy ästhetisch nicht in der Oberliga mitspielen kann, tut den spielerischen Aspekten zum Glück keinen Abbruch.
Auf den ersten Blick sind zwar auch die Spielmechaniken eher minimalistisch — der Spieler kann lediglich spurten, springen und Wall-Jumps ausführen, — aber, dank eines starken Beschleunigungs-Modells und präziser Analog-Stick Abfrage, tun sich letztlich zahlreiche verschiedene Optionen auf, Meat Boys Bewegung zu beeinflussen.

Und diese Optionen werden in ganzer Fülle ausgekostet.
Über 300 Level bietet das Spiel; da ist wirklich alles dabei. Von Leveln die mit zwei (verdammt schwierigen) Sprüngen gelöst werden bis zu Minuten dauernden Marathons; von vertikal bis horizontal; von linear bis labyrinthartig. Super Meat Boy nimmt jede Form an, die man sich nur vorstellen kann.

Dabei werden die unterschiedlichsten Level-Elemente verbaut. Klassiker, wie bewegliche oder verschwindende Plattformen, als auch außergewöhnlichere Elemente, wie Portale oder dämonische Geschütze, gibt es. Jedes Element wird — in löblicher Gamedesign Manier — erst in einfacher Variante vorgestellt, und dann in zunehmend komplexeren Situationen immer mehr ausgereizt.

Weniger ist manchmal mehr
Weniger ist manchmal mehr

Was jedoch alle Level gemeinsam haben — oder eher nicht haben — ist das Fehlen von Checkpoints. Mehrere Treffer hält man natürlich auch nicht aus; ein einziger Fehler führt zum Neustart des Levels.
Dabei macht Team Meat nicht den Fehler, neue Versuche mit einer Ladezeit zu verknüpfen. Paradoxer weise stört Trial and Error deshalb den Flow des Spiels überhaupt nicht. Die kurzen Pausen stacheln mich eher an, es sofort weiter zu probieren.

Durch all die Abwechslung und kurze Downtimes hat Super Meat Boy ein hohes Suchtpotenzial. Obwohl ich es schon seit Jahren immer wieder spiele, wurde aus einer geplanten halbstündigen Session schnell eine Zweistündige.
Nicht zuletzt deshalb, gehört Super Meat Boy für mich zu den absoluten Top Platformern.


Die Retail Version

Die brandneue Ps4 Retail Version hat leider nichts interessantes zu bieten. In der Packung steckt lediglich die Disk. Ein Wendecover — um das USK Siegel loszuwerden — gibt es auch nicht.
Wer sein Spiel gerne im Regal stehen hat, kann das mit dieser Version tun, bekommt aber auch nicht mehr. Wer darauf verzichten kann, ist mit der digital Version genau so gut bedient.

Gähnende Leere in der Verpackung
Gähnende Leere in der Verpackung

Fazit:award

Jump’n Run Fans werden Super Meat Boy schon längst gespielt haben (falls nicht, es wird Zeit), deshalb richtet sich dieses Review vor allem an Genre Skeptiker. Diesen kann ich das Spiel als Einstiegsdroge nur empfehlen. Kaum ein Titel hat eine derart gute Lernkurve, einen unerschöpflichen Umfang und bietet dabei so viel Spieltiefe. Das einzige Manko, ist die für meinen Geschmack zu detailarme Optik. Sonst spricht wirklich alles für Super Meat Boy.


Vielen Dank an Headup Games für das bereitgestellte Testmuster.

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