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Testbericht: Styx: Shards of Darkness

Drei Jahre nach seinem ersten eigenen Abenteuer taucht der namensgebende Goblin-Assassine in Styx: Shards of Darkness erneut in die Schatten der düsteren Fantasy-Welt ab. Nach zwei durchaus gelungenen Auftritten will Entwickler Cyanide Studios mit dem Schleichspiel endlich in die obersten Spielspaßregionen vordringen. Und das gelingt den Machern auch fast, wie unser Testbericht zeigen wird.


Verschwörung im Fanatsyreich

Styx: Shards of Darkness beginnt mit einer actionreichen Zwischensequenz, in der wir dem Meisterdieb bei seiner Arbeit beiwohnen. Die Grünhaut dringt in ein schwer bewachtes Areal ein, krallt sich die wertvolle Beute und verschwindet auf nicht ganz so leisen Sohlen aus dem Gebiet.

Leider ist die Rahmenhandlung des Schleichspiels relativ überschaubar ausgefallen. Nach dem Prolog, welcher uns als Tutorialabschnitt mit der Steuerung und den grundlegenden Spielmechaniken vertraut macht, wird unser Protagonist von der Anführerin des Carnage Squad angeheuert. Einer Gruppe von menschlichen Elitesoldaten, die den garstigen Goblins eigentlich alles andere als wohlgesonnen ist.

Styx bietet eine stimmige und humoristische Welt.

In den kommenden knapp 15-20 Stunden Spielzeit sind wir damit beschäftigt, eine große Verschwörung in Korrangar, der Stadt der Dunkelelfen, aufzudecken. Mit den verschiedenen Fraktionen wie Goblins, Menschen, Elfen und Zwergen bietet Styx: Shards of Darkness eigentlich jede Menge Stoff für eine spannende Geschichte. Doch leider gelingt es der Story zu keinem Zeitpunkt, uns wirklich zu fesseln. Relativ schnell gehen wir dazu über, einfach die Missionsziele zu absolvieren, ohne über die Gründe unseres Handelns nachzudenken.


Schleich dich, Styx!

Im Gegensatz zu seinen Genrekollegen ist Styx ein Schleichspiel durch und durch. Vorsichtiges und taktisches Vorgehen ist nämlich nicht optional, sondern unabdingbar, da der Assassine im offenen Kampf ohne Chance ist. Das müssen wir bereits im Tutorial schmerzhaft am eigenen Leib erfahren, in dem der Game Over-Bildschirm unser bester Freund ist.

Selbst auf dem normalen der vier Schwierigkeitsgrade ist das Schleichabenteuer bockschwer. Werden wir entdeckt, hat das fast zwangsläufig unseren Tod zur Folge. Das sorgt entsprechend vor allem zu Beginn für einige Frustmomente. Hat man sich aber einmal mit der durchaus präzisen Steuerung und den Aktionsmöglichkeiten vertraut gemacht, entwickelt der Titel eine Menge Spielspaß. Zudem dürfen wir die Missionen online kooperativ mit einem weiteren Spieler absolvieren, der jederzeit in unser Spiel ein- oder aussteigen kann.

Das Schleich-Gameplay wurde hervorragend umgesetzt.

Vorsichtig schleichen wir uns über den Dachboden einer Taverne und lösen die Verankerung des Kronleuchters, der unter lautem Getöse auf die darunter stehenden Wachen fällt. Mit ein Handvoll Sand löschen wir die Fackeln, um im Dunkeln agieren zu können und die ahnungslosen Wachen von hinten auszuschalten.

Erfreulicherweise sind die einzelnen Spielabschnitte enorm weitläufig ausgefallen und warten mit vielen alternativen Wegen und Herangehensweisen auf. Trotzdem haben vorsichtiges Vorgehen und taktische Planung jederzeit oberste Priorität, denn jeder Schritt kann unser letzter sein.


Hervorragende Stealth-Mechaniken

Dass Styx: Shards of Darkness  trotz knackigem Schwierigkeitsgrad eine ganze Menge Spaß macht, verdankt das Spiel vor allem den ausgeklügelten Spielmechaniken. Gegner lassen sich beispielsweise mit geworfenen Gegenständen ablenken oder durch einen kurzen Pfiff anlocken. So können wir ihnen im Nahkampf den Garaus machen. Zudem greifen wir auf Wurfpfeile oder Giftbomben zurück, um die Areale zu säubern.

Überall in den Leveln gibt es Versteckmöglichkeiten. Darunter Truhen, Schränke oder Tische, um den aufmerksamen Blicken der Wachen entgehen zu können. Natürlich eignen sich diese auch dazu, eliminierte Gegner aus dem Weg zu räumen. Auch wenn Styx: Shards of Darkness sich an den üblichen Genrestandards orientiert, funktioniert das Zusammenspiel der einzelnen Möglichkeiten hervorragend.

Dank unzähliger Möglichkeiten schleichen wir uns unentdeckt an die Gegner heran.

Zumal uns das Spiel sogar die Möglichkeit bietet, einzelne Missionen ohne Blutvergießen zu absolvieren. Dafür belohnt uns der Titel mit einer Medaille und einem saftigen Bonus auf die Erfahrungspunkte. Auch für möglichst schnelles Abschließen und Anzahl der ausgelösten Alarme erhalten wir Medaillen, wodurch ein spannendes Arcade-Spielgefühl entsteht.

Hinzu gesellen sich die einzigartigen Fähigkeiten des Goblins, mit denen wir beispielsweise einen unbeweglichen Klon zur Ablenkung erschaffen oder für kurze Zeit unsichtbar werden. All diese Aktionen leeren unsere Goldharz-Anzeige, die wir mithilfe von Tränken allerdings wieder auffüllen können. Außerdem wartet Styx mit einem umfangreichen Talentsystem auf.


Talentierter Goblin… mit Schwächen

Für nahezu alle Aktionen schalten wir Erfahrungspunkte frei, die wir in neue Fähigkeiten in den insgesamt fünf Talentbäumen investieren dürfen. Dadurch können wir unter anderem Leichen sofort verschwinden lassen, Säurefallen basteln oder unsere Klone mit tödlichen Fähigkeiten versehen.

Apropos basteln: Innerhalb der Areale finden sich unzählige Materialien und Sammelgegenstände, die wir an Werkbänken dann zu Wurfwaffen oder Tränken weiterverarbeiten können. Außerdem sammeln wir wertvolle Schätze und verschiedene Gegenstände ein, die uns in Form von Nebenmissionen Bonus-Erfahrung gewähren. Meist müssen wir dafür allerdings nur eine bestimmte Anzahl an Plakaten abreißen oder Dokumente sammeln. Sonderlich abwechslungsreich ist das Missionsdesign leider nicht ausgefallen. Auch die Hauptmissionen laufen meist nach demselben Schema ab und kommen nicht wirklich spannend daher.

Die KI der Gegner ist in Styx: Shards of Darkness leider sehr durchwachsen ausgefallen.

Neben mangelnder spielerischer Abwechslung offenbart der Beutezug noch eine weitere Schwäche. Die KI der Gegner rangiert auf überschaubarem Niveau und agiert des Öfteren nicht nachvollziehbar. In einem Moment sehen uns die Wachen bereits aus großer Entfernung und lösen den Alarm aus, der unsere Mission zum scheitern verurteilt. Dann wiederum brechen sie bereits nach zwei Sekunden die Verfolgung ab und kehren zu ihrer Ausgangsposition zurück.

Während unseres Tests kam es zudem zu einigen herben KI-Aussetzern, in denen sich ganze Gegnergruppen in einem kleinen Raum verkeilt haben und nicht mehr bewegen konnten. Auch die hakeligen Animationen stoßen sauer auf.


Düster, dreckig und gemein

Aus technischer Sicht hinterlässt Styx: Shards of Darkness einen durchaus guten Eindruck. Vor allem die Schatten und Lichteffekte sehen dank der Unreal Engine 4 hervorragend aus. Die düstere und dreckige Fantasy-Welt wurde sehr atmosphärisch gestaltet. Leider fallen da die etwas detailarmen Charaktermodelle mitsamt ihrer hakeligen Animationen etwas ab. Zumal die Figuren viel zu stark glänzen und mit einer starren Mimik aufwarten. 

Auch vereinzelte Texturen und Umgebungsdetails wirken etwas altbacken. Grundsätzlich überzeugt der Look des Spiels aber und unterstreicht die düstere Atmosphäre hervorragend. 

Aus technischer Sicht kann sich der Titel durchaus sehen (und hören) lassen.

Selbst die Vertonung steht dem in Nichts nach. Einziges Manko sind die sich zu oft wiederholenden Sprüche der Gegner, die das Spiel allerdings schnell durch seinen grandiosen Humor wieder wett macht. Besonders der grimmige Protagonist kommt mit einigen coolen Sprüchen daher und hat zudem eine ganze Menge Kraftausdrücke in seinem Repertoire. 

Nach einem Ableben zitiert unser Goblin beispielsweise Arnold Schwarzenegger („I’ll be back“) oder regt sich darüber auf dass wir schon wieder gestorben sind und fragt, ob er nicht lieber aus dem Bildschirm klettern soll, um den Abschnitt selbst anzugehen. Die coolen Sprüche und Anspielungen auf Genrekollegen (Dishonored, Thief und viele mehr) des Anti-Helden sorgen zumindest für einige Schmunzler und unterstreichen die düstere Atmosphäre perfekt. Genauso wie der stimmige, fernöstlich angehauchte Soundtrack der das Spielgeschehen jederzeit passend untermalt und nie zu aufdringlich wird.


Fazit:

Styx: Shards of Darkness ist eine routinierte Weiterentwicklung des Vorgängers. Leider ist es den Entwicklern nicht vollends gelungen, die Kritikpunkte an diesem auszumerzen. Im Kern haben wir es hier also mit einem wirklich guten, aber knüppelharten Schleichspiel zu tun, welches allerdings einige Schwächen in Sachen KI offenbart.

Unsere Gegner agieren nämlich nicht sonderlich klug und stellenweise nicht nachvollziehbar. Haben sie uns dann einmal entdeckt, hat das fast sicher unseren Tod zur Folge. Dank umfangreicher und gut durchdachter Schleichmechaniken und erweitertem Talent- und Klettersystem macht das Abenteuer allerdings eine ganze Menge Spaß. Zumal die Aktionsmöglichkeiten enorm abwechslungsreich ausgefallen sind und die Spielwelt sehr atmosphärisch präsentiert wird. Auch der Humor des Spiels ist äußerst gelungen. 

Wer mal wieder Lust auf ein Schleichspiel hat und eine magere Story verkraften kann wird mit Styx: Shards of Darkness also definitiv seine Freude haben.


Vielen Dank an Deep Silver für die Bereitstellung des Testmusters!

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