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Reviews Wii U

Testbericht: Never Alone (Wii U)

Never Alone (Kisima Inŋitchuŋa) ist ein linearer Puzzle-Platformer, der Ende 2014 veröffentlicht wurde. Einerseits. Es ist aber auch ein Culture Game, das dem Spieler die Kultur der Iñupiat näher bringen soll und das von den Entwicklern in enger Zusammenarbeit mit Angehörigen des in Alaksa verwurzelten Inuit-Stammes konzipiert wurde. Die kulturkritische Brancheninstanz GamezGeneration berichtete. Nun hat es das Indie-Spiel auch auf die Wii U verschlagen und ich habe die lächerlich hohen Temperaturen genutzt, um mich auf einen Titel einzulassen, der im tiefsten Schnee spielt. Da es sich um einen Zweittest handelt und die wichtigsten Aspekte ja bereits zum Release von Philipp abgedeckt wurden, werde ich hauptsächlich über Versionsunterschiede sprechen und ein paar persönliche Eindrücke schildern.

Kleine und große Rätsel wollen zu zweit gelöst werden.
Kleine und große Rätsel wollen zu zweit gelöst werden.

Der Fuchs im Eis

Never Alone erzählt die Geschichte von Nuna, einem kleinen Mädchen, das eines Tages in einer gefährlichen Situation (Stichwort Eisbär) von einem mysteriösen Fuchs gerettet wird. Selbiger erweist sich als ein ihr freundlich gesinnter Schutzgeist, der sie von diesem Moment an begleitet. Bald darauf muss sie feststellen, dass ihr Dorf von einem zwielichtigen Mann angezündet und von den Behausungen nur noch verkohltes Holz übrig ist. Warum das passiert und was sie auf ihrem Weg durch die Kälte noch erlebt, möchte ich gar nicht weiter ausführen, da Never Alone eine absolut narrative Erfahrung ist, bei der das Gameplay eher unterstützende Elemente einnimmt. Was jedoch nicht heißen soll, dass es nicht gelungen ist, oh nein. Im Gegenteil. Abgesehen von der gelegentlich etwas hakeligen Sprungsteuerung spielt es sich, nicht zuletzt dank der wunderschönen Optik und der dichten Atmosphäre, wie ein Traum. Ein sehr kalter Traum.

Mechanisch beginnt Never Alone dabei auf vertrautem Terrain: es wird gelaufen, gesprungen, es wird an Seilen geschwungen, es werden Kisten geschoben, es wird auch mal geschwommen und gelegentlich darf die Protagonistin Nuna auch ihre Bola (eine Art Schleuder) einsetzen, um Puzzles zu lösen oder Gegner abzulenken. Es darf zudem jederzeit zwischen den beiden Figuren gewechselt werden, was angesichts der mannigfaltigen Herausforderungen auch bitter nötig ist. Später gibt es dann noch weitere Gameplay-Elemente, deren Einführung lobenswerterweise direkt mit dem Verlauf der Story zu tun haben. Das macht die Puzzles nach hinten raus komplexer und kostete mich auch den einen oder anderen „Aha!“-Moment. Das Leveldesign ist stark und intuitiv, auch in größeren Abschnitten mit vielen kleinen Elementen, die der Spieler beachten muss, wenn er weiterkommen möchte. Besonders viel Spaß macht es, wenn man das Spiel zu zweit im Koop-Modus erlebt, da die zu lösenden Situationen sich dadurch noch organischer anfühlen.

Kultur und Mythologie der Iñupiat spielen eine zentrale Rolle.
Kultur und Mythologie der Iñupiat spielen eine zentrale Rolle.

Ein Sieg der kleinen Geste

Never Alone lebt von der Digitalisierung einer Kultur, einer unwirklichen Sagenwelt, und die gestaltet es wirklich, wirklich gut. Das hat zu einem guten Teil wohl auch damit zu tun, dass das Spiel nicht von Leuten entwickelt wurde, die sich ihr Wissen über die Kultur der Iñupiat per Wikipedia angelesen haben, sondern in enger Zusammenarbeit mit über vierzig Stammesmitgliedern, die ihr kulturelles Wissen in den Entwicklungsprozess injiziert haben. Dieser Aspekt wurde bei Release (sowie darüber hinaus) stets besonders betont und ich kann’s absolut verstehen. Es ist das, was Never Alone besonders macht. Man fühlt, dass hieran Menschen gearbeitet haben, die sich mit dem Stoff auskennen und sich für die Geschichte, die sie erzählen wollen, auch interessieren. Allein die gebrechliche Erzählstimme, die authentischen untertitelten Dialekt spricht, sagt viel aus über die Liebe zum Detail und den Willen zur Authentizität.

Silber-AwardDas schlägt sich auch in der Präsentation und Erzählweise nieder: Never Alone verzichtet im Gegensatz zu Genre-Kollegen darauf, sich selbst zu wichtig zu nehmen und präsentiert seine kleine Geschichte mit größtmöglicher Demut. Der dokumentarische Aspekt ist behutsam in die Geschichte eingewoben und drängt sich nicht auf, sodass man sich nach einer kurzen Session gern noch hinsetzt und ein bisschen freiwilligen Zusatz-Geschichtsunterricht nimmt. Der findet statt in Form von kleinen Doku-Videos mit Making-Of-Charakter und, für die WiiU-Version implementiert, kurzen Textbeschreibungen zu verschiedenen Aspekten der Iñupiat-Kultur, seien es nun Werkzeuge, Traditionen oder Mythologie. Never Alone ist kein langes oder besonders kompliziertes Spiel, aber es ist ein behutsam designtes Erlebnis, das man so schnell nicht mehr vergisst.


Vielen Dank an Nintendo für die freundliche Bereitstellung des Testmusters!

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