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Testbericht: Mirror’s Edge Catalyst

Ungefähr acht Jahre ist es nun auch schon wieder her, dass EA und DICE Spieler in bester Parcours-Manier durch eine minimalistische, dystopische Großstadt gejagt hat. Gerade das butterweiche Gameplay mit einem Mix aus Action-Adventure- und Jump ‘n Run-Elementen kam seinerzeit bei Fans und Kritikern erstaunlich gut an, trotzdem blieb der Marke der finanzielle Erfolg verwehrt. Nun schicken die Entwickler Protagonistin Faith erneut in den Kampf gegen ein skrupelloses Konglomerat in der futuristischen Stadt Glass. Ob Catalyst die Qualität des Erstlings nochmal übertreffen kann oder ob dem Titel in die Schlucht der Vergessenheit abstürzt, versuchen wir in unserem Test zu klären.

Die Runners Vision zeigt euch stets den Weg zum nächsten Ziel
Die Runners Vision zeigt euch stets den Weg zum nächsten Ziel

 

Eine düstere Zukunft präsentiert sich farbenfroh

Die Zukunft in Mirror’s Edge Catalyst sieht düster aus: Die fiktive Metropole Glass wird von einem Konglomerat aus 13 mächtigen Firmen regiert, welche mit einer verheerenden Mischung aus Angst und Neid die Bürger der einstmals strahlenden Stadt in willenlose Sklaven verwandelt hat. Kruger Holdings und seine Tochterfirmen halten dabei das Monopol in den Bereichen Sicherheit, Waffenherstellung und Bergbau. Unterstützt wird die Firma von Everdyne Energy, welche die Stadt auf Kosten der Umwelt und Ressourcen mit Energie versorgen, sowie der Pirandello Group, die den Mode-, Schönheits- und Hygienemarkt kontrollieren und damit die Einteilung der Bürger in die verschiedenen Gesellschaftsschichten forciert.

Wie bereits erwähnt, schlüpfen wir abermals in die Haut von Protagonistin Faith Connors. Diesmal hinterleuchtet das Spiel dabei allerdings ihre Vergangenheit und klärt, warum die junge Heldin überhaupt gegen ihren Willen in den Kampf gegen das Konglomerat hineingezogen wurde.  Wirklich spannend oder wendungsreich ist die Hintergrundgeschichte aber leider zu keinem Zeitpunkt ausgefallen, sehr schade denn die Story birgt eigentlich durchaus Potential.

Schöner Grafikstil, aber leider absolut leblose und langweilige Welt
Schöner Grafikstil, aber leider absolut leblose und langweilige Welt

Spielerisch präsentiert sich der Titel relativ identisch zum Vorgänger, mit einem großen und wichtigen Unterschied: So bietet das Spiele eine komplett offene und frei begehbare Welt, in der wir unseren Weg zum nächsten Missionsziel jederzeit selbst bestimmen können. Abseits der Hauptmissionen finden sich zudem unzählige Nebenaufgaben, klassische Time Trials samt Bestenlisten und die sogenannten Beat Location Ermitter. Dabei handelt es sich um eine Art Geo Tag, welches wir beispielsweise an schwer erreichbaren Stellen für Freunde platzieren dürfen und so quasi individuelle Umgebungspuzzle kreieren. Sonderlich innovativ oder motivierend sind diese Nebenmissionen allerdings leider nicht ausgefallen.
Allgemein klingen die Neuerungen und Verbesserungen auf dem Papier hervorragend, spielerisch zeigt sich diesbezüglich aber eine klare Differenz, denn in wirklich hohe Spielspaßgefilde dringt Mirror’s Edge Catalyst leider zu keinem Zeitpunkt vor.

Springe, liefere, springe, rutsche, liefere

Das liegt vor allem an der leblosen und steril wirkenden Spielewelt: Nur vereinzelt finden sich Figuren, mit denen man interagieren kann. Viel zu viele Bereiche des Titels sind einfach komplett menschenleer.
Da auch das Missionsdesign nicht wirklich überzeugen kann und zu wenig Abwechslung bietet (hole einen Datenchip hier, liefere ihn dort ab beziehungsweise hole eine Ampulle und liefere sie unter Zeitdruck an Punkt B ab), hetzt man letztlich nur von Mission zu Mission und das, ohne den unmotivierten und vom Schwierigkeitsgrad her sehr unausgewogenen Nebenaufgaben wirklich Beachtung zu schenken, was sehr schade ist.
Mirror’s Edge Catalyst fehlt einfach eine Welt, in der man sich wohl fühlt. In der man sich gerne bewegt und gerne Geheimnisse entdecken möchte. Spielerisch ist das alles zwar mehr als ordentlich und aufgrund des flüssigen Gameplays und einigen sehr cool inszenierten Bombastmomenten – mit Ausnahme der etwas zu unpräzisen Steuerung,  den nicht wirklich spannenden Kämpfen und der dämlichen KI – kommt auch Spielspaß auf, zu einem wirklichen Toptitel fehlt dem Spiel aber leider einiges.

Schusswaffen haben wir nicht, trotzdem sind die Kämpfe simpel. Und die KI dumm
Schusswaffen haben wir nicht, trotzdem sind die Kämpfe simpel. Und die KI dumm

Technisch präsentiert sich das Spiel zudem relativ durchwachsen: Zwar überzeugen die Charaktere zum Teil mit wirklich butterweichen Animationen und die Spielewelt gefällt mit ihrem futuristischen Setting und dem beschränkten Farbspektrum, was für einen ganz besonderen Look sorgt. Allerdings hat die Grafik trotz sehr weniger Details und lebloser Umgebungen mit einigen Slowdowns und Rucklern zu kämpfen. Auch ein hässliches Kantenflimmern fällt leider negativ ins Gewicht. Trotz nicht vorhandener Lippensynchronität hinterlässt die Vertonung da schon einen besseren Eindruck. Die Sprecher(innen) sind allesamt sehr passend und liefern einen guten Job ab, die Musik ist stimmig und treibt das Spielgeschehen mehr als gut an, wirkliche Highlights vermag diese aber leider nicht zu setzen.


Fazit:

Mirror’s Edge Catalyst enttäuscht auf durchaus gutem Niveau. Zwar punktet die Neuauflage mit dem unvergleichlichen Grafikstil und dem flüssigen und sehr coolen Parcours-Gameplay, dem interessanten Setting und den durchaus interessanten Charakteren, allerdings leistet sich das Spiel gerade bei den Kernelementen zu viele Fehler. Die Steuerung ist zu unpräzise und die Kämpfe wirken nicht nur aufgrund der dämlichen Gegner-KI zu statisch. Auch die leblose Spielewelt und das uninspirierte Missionsdesign können so gar nicht überzeugen, zudem ist der Schwierigkeitsgrad zu unausgewogen, auch wenn die Rücksetzpunkte fair verteilt sind. Auch die technischen Mängel verwehren dem ambitionierten Spiel eine höhere Wertung. Hier wäre definitiv mehr drin gewesen.


Vielen Dank an Electronic Arts für die freundliche Bereitstellung des Testmusters!

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Christian Ibe