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Tests Wii U

Testbericht: Mario Kart 8

Wenn man an unvergessliche Videospielabende, spannende Duelle mit Freunden und einfach ganz viel Spaß und zugleich Frust beim Zocken denkt, dann kommt einem eine Spielreihe sofort in den Sinn.
Wer nun noch grübelt, dem geben wir noch ein paar Hinweise.

Es geht um einen pummeligen Klempner und seine Freunde, die in witzigen Go-Karts auf abgedrehten Pisten um den Sieg kämpfen. Nun sollte es auch bei dem Letzten „Klick“ gemacht haben.

Wir reden von der allseits beliebten Mario Kart-Serie. Die Reihe, welche vor fast 20 Jahren ihren Anfang auf dem Super Nintendo nahm und mittlerweile eine feste Größe auf jeder seither erschienenen Nintendo-Konsole geworden ist. Nachdem Mario Kart 7 auf dem Nintendo 3DS unglaubliche Verkaufserfolge erzielen konnte, laufen nun die Motoren für Mario Kart 8 warm.

Einem Titel, der für Nintendo und vor allem aber für die Wii U ein ganz entscheidender sein wird. Bleibt der Erfolg der aktuellen Nintendo-Konsole doch langsam aber sicher aus und nun liegt es am König der Funracer den schleppenden Verkaufszahlen der Konsole auf die Sprünge zu helfen. Mit HD-Optik, Online-Turnieren, einem riesigen Fahrerfeld samt neuen Gesichtern, 16 neuen Pisten und einigen weiteren Ideen soll die Truppe rund um Mario, Yoshi und Co. auftrumpfen. Ob das Vorhaben gelingt oder ob auf der Zielgeraden doch noch einmal der „Blaue-Stachi-Panzer“ zuschlägt, das haben wir für euch herausgefunden.

Abgedreht! Diesmal geht es auch Kopfüber durchs Pilzkönigreich!
Abgedreht! Diesmal geht es auch Kopfüber durchs Pilzkönigreich!

Gestochen scharfe Raserei

Mario Kart 8 stellt den ersten Ableger der beliebten Fun-Racer-Reihe in HD-Optik dar. Diesen Sprung in ein neues Zeitalter der Auflösung merkt man der farbenfrohen Optik auch sofort an.

Noch nie sah ein Mario Kart so wunderschön aus wie Mario Kart 8. Die Pisten inmitten des Pilzkönigreichs bestechen mit abwechslungsreichen Schauplätzen, liebevollen Details, schicken Texturen und toll animierten Charakteren in den auf Hochglanz polierten Karts. Doch dass Grafik bei einem Fun-Racer nicht alles ist, wissen wir schon längst, weshalb wir uns nun den wichtigen „Innereien“ der Raserei widmen.

Einmal mehr und fast schon serientypisch werden die irrwitzigen Rennen der Bewohner des Pilzkönigreichs auf insgesamt 32 Rundkursen ausgetragen. Dabei stehen jeweils 16 „neue“ und 16 „alte“ Pisten in insgesamt acht Cups zur Auswahl.

Die Strecken verteilen sich dabei jeweils zu viert auf die Meisterschaften, die in drei Geschwindigkeitsklassen (50 ccm, 100 cm und 150 ccm) ausgetragen werden. Später gesellt sich dann auch noch ein Spiegelmodus hinzu, bei dem ihr alle 32 Pisten auch noch spiegelverkehrt meistern müsst.

Grundsätzlich also nichts Neues im Grand Prix Modus, aber das hatten wir auch gar nicht erwartet. Auf Wunsch könnt ihr die Meisterschaften auch zu viert spielen, um euch so gemeinsam gegen die K.I. durchzusetzen und am Ende den großen Pokal mit nach Hause zu nehmen.

Mario_kart_8_8

Um allerdings erst einmal an den wilden Rennen teilzunehmen benötigt ihr euren Fahrer und ein passendes Kart. Dabei baut Mario Kart 8 auf dem Vorgänger auf. Über dreißig Fahrer(-Innen) stehen euch zur Auswahl. Mit dabei altbekannte Stars wie Super Mario, sein Bruder Luigi, Yoshi, Toad oder auch Bowser.

Neu dabei sind hingegen die sechs Koopalinge wie beispielsweise der abgedrehte Lemmy, den Nintendo-Fans bereits aus den New Super Mario Bros. Spielen kennen. Die Charaktere gehören dabei einer von drei Gewichtsklassen an, die gefühlt aber weniger Einfluss auf die Leistung des Karts haben als früher.

Grundsätzlich gilt aber die Faustregel, dass Fliegengewichte wie Toad toll beschleunigen und leicht zu kontrollieren sind, dafür aber eine geringere Endgeschwindigkeit erreichen. Allrounder wie Mario oder Yoshi sind in allen Bereichen gut, während schwere Charaktere wie Donkey Kong und Bowser nur schwer in Tritt kommen, dann aber auch eine hohe Geschwindigkeit erreichen können.

Viel wichtiger ist wie schon in Mario Kart 7 allerdings die Wahl bzw. Zusammenstellung eures Karts. Diesmal habt ihr grundsätzlich die Wahl zwischen Kart, Bike und den neuen Quads, die in vielen Varianten verfügbar sind.

Neben dem Chassis gilt es noch den Reifentyp und Gleiter auszuwählen, um so die Fahreigenschaften wie Tempo, Haftung, Gewicht oder auch Handling zu beeinflussen. Nach und nach schaltet ihr auch neue Fahrzeugteile frei, sodass es sich immer wieder lohnt, neue Kombinationen der Fahrzeugkomponenten auszuprobieren. Die neuen Parts schaltet ihr im übrigen mit gesammelten Münzen auf den Pisten frei, von denen ihr pro Rennen bis zu zehn einsammeln könnt.

Abgehoben! Mario gleitet durch die Lüfte.
Abgehoben! Mario gleitet durch die Lüfte.

Fliegen, gleiten, tauchen, rasen!

Etwas mehr hat sich da schon auf den Pisten geändert. Man könnte gar das Gefühl bekommen, dass Mario Kart 8 einige Einflüsse aus der F-Zero Reihe erhalten hat.

Nicht weil die Karts nun im Überschall über die Pisten fegen, sondern weil Nintendo ein neues Gameplay-Element eingeführt hat. Neben dem Gleiten durch die Lüfte und den Unterwasserabschnitten aus Mario Kart 7 stellen diesmal die Antigravitationsabschnitte eine der Neuheiten dar.

Die Strecken weisen diesmal nämlich auch mal Schrauben oder extrem steile Abschnitte auf, an denen euer Kart sich transformiert und mit Düsenantrieb den Gravitationskräften trotzt. Das ist am Anfang etwas ungewohnt, geht mit der Zeit aber schnell in Fleisch und Blut über und eröffnet zahlreiche alternative Wege auf den Rennstrecken.

Ebenso dürfen sich Zweiradfans über die Rückkehr der Motorräder aus Mario Kart Wii freuen. Wer es zudem liebt, goldene Münzchen einzusammeln, der wird sich freuen, dass auch in dem achten Ableger der Reihe zahlreiche Münzen auf den Pisten verteilt liegen, die euer Kart schneller machen. Maximal könnt ihr bis zu zehn Münzen einsammeln, werdet ihr allerdings getroffen oder segelt neben die Rennstrecke, so verliert ihr einiges von dem kostbaren Gold.

Mit Vollgas voraus! Peach nutzt das Antigravitationsfeature!
Mit Vollgas voraus! Peach nutzt das Antigravitationsfeature!

Das Salz in der Suppe

Den besonderen Reiz der Mario Kart Reihe machen insbesondere auch die Items aus, die für Freude, aber auch für Verzweiflung sorgen. Wie oft haben wir geflucht, wenn wir kurz vor dem Ziel von einem blauen Panzer abgeschossen wurden und so der sicher geglaubte Sieg an uns vorbeizog.

Mit Mario Kart 8 finden einige neue Items ihren Weg in das Spiel. Mit der Piranha-Pflanze habt ihr einen persönlichen Bodyguard bei euch, der euch vor anderen Karts abschirmt, Hindernisse wie Bananen verspeist und auch noch fleißig Münzen einsammelt. Auch der Bumerang ist neu an Bord und wartet nur darauf, auf Feinde geworfen zu werden.

Ein interessantes Item ist zudem der Lautsprecher. Mit diesem ist es doch tatsächlich möglich, einen blauen Panzer abzuwehren! Im Getümmel mit Gegnern erweist sich die Soundbox allerdings auch nützlich, da die Soundwelle Gegner ins Taumeln bringt. Ansonsten erwarten euch viele Klassiker-Items wie die roten Panzer, die Bananen, Power-Pilze und natürlich der Blitz.

Eine etwas überraschende Neuerung bietet Mario Kart 8 allerdings auch. So ist es nicht mehr möglich, zwei Items zugleich zu besitzen. Konnte man in den Vorgängern noch ein Item wie die Bananenschale zum Schutz hinter sich halten und zusätzlich noch ein Item auf Reserve bunkern, so kann man diesmal erst nach kompletten Abwurf des Items wieder ein Neues erhalten.

Eines der neuen Items - Die Piranha
Eines der neuen Items – Die Piranha

Dauermotivator?

Mario Kart war nie ein Spiel, welches Solisten wirklich lange bei Laune halten konnte. Zwar kommt die K.I. diesmal etwas cleverer rüber, allerdings wird sich die Dauermotivation für Einzelspieler nach dem erfolgreichen Absolvieren des Grand Prix Modus und dem Freischalten aller Charaktere und Karts schnell in Grenzen halten. Neue Fahrer erhaltet ihr übrigens für Siege in den Cups.

Die fahrbaren Untersätze lassen sich mit gesammelten Münzen freischalten. Zudem gibt es 90 Stempel, wovon ihr knapp 60 freischalten müsst, um anschließend eure Posts im Miiverse verschönern zu können.

Doch gerade im Punkt Einzelspielermodus verschenkt Nintendo mit Mario Kart 8 wieder unnötig Potenzial. Warum schafft es Nintendo nicht, dem Titel eine Art Karriere- oder Missionsmodus zu spendieren? SEGA hat eindrucksvoll mit Sonic & All-Stars Racing Transformed bewiesen, wie ein solcher aussehen kann. Wir müssen nicht unbedingt einen Storymodus á la Diddy Kong Racing haben, aber etwas mehr Umfang für nicht so gesellige Zocker wäre schon schön gewesen.

Neben dem Grand Prix Modus warten nämlich nur das Zeitfahren (mit Geistdaten & weltweiten Ranglisten), die anpassbaren Versus-Rennen und der Schlachtmodus darauf von euch ausprobiert zu werden.

Im letzteren Spielmodus gibt es einige Neuerungen. So gibt es diesmal nur noch die Ballon-Schlacht, welche aber auch nur noch auf „echten“ Pisten stattfindet. So entsteht ein wenig ein Katz und Maus-Gefühl, da die Maps dadurch natürlich viel weitläufiger sind als die ursprünglichen Arenen. Leider fehlen diesmal aber die Insignen-Battle oder die Münz-Wettkämpfe.

Besser zu zweit! Mario Kart 8 entfaltet im Mehrspielermodus sein wahres Potenzial!
Besser zu zweit! Mario Kart 8 entfaltet im Mehrspielermodus sein wahres Potenzial!

Dauermotivator!

Okay, halten wir fest: allein kann Mario Kart 8 zwar gewohnt gut unterhalten, kann aber auf Dauer nicht lange motivieren. Zum Glück gibt es da aber noch den Onlinemodus für bis zu zwölf Spieler. Glücklicherweise durften wir den Online-Part bereits ausführlich anspielen und garantieren euch butterweiche Rennen, die unter keinen technischen Einschränkungen leiden.

Egal ob japanische, amerikanische oder europäische Mitstreiter, das Spiel lief online jederzeit flüssig und wir hatten keinerlei Verbindungsprobleme.

Online dürft ihr zudem wie schon in Mario Kart Wii zusammen mit einem Freund an einer Konsole antreten und so gemeinsam in der spaßigen Online-Welt von Mario Kart 8 versinken. Diesmal dürft ihr online sogar mit „Fremden“ mit vorgefertigten Textbausteinen chatten, was die ganze Sache etwas offener gestaltet. Dafür dürft ihr allerdings nicht mehr unter allen Strecken vor einem jeden Rennen euren Favoriten auswählen, sondern habt die Auswahl zwischen drei Vorschlägen und einer Zufallsstrecke.

Online gibt es zudem die Möglichkeit, Punkte zu sammeln, die eure Stärke im Spiel repräsentieren sollen. Für Siege gibt es Punkte aufs Konto, für Niederlagen werden welche abgezogen.

Neu im Onlinepart ist der Turniermodus; hier könnt ihr mit anderen Spielern Wettkämpfe gestalten, in dem ihr die Regeln wie Items, Kubik-Klasse, Steuerungsart etc. anpasst und anschließend an einer Reihe von Rennen teilnehmt – eine sehr sinnvolle und gute Neuerung, die auch einen Liga-Betrieb in Mario Kart 8 erleichtern wird.

Spielt ihr offline gegen Freunde, so fällt die Gummiband-K.I. etwas negativ auf. Prescht ein menschlicher Spieler vorn weg, so orientiert sich ein Großteil der K.I.-Fahrer am Tempo des vorn liegenden menschlichen Spielers, was es vor allem anderen Mitspielern erschwert zu folgen, wenn diese ein paar mal von Items aus dem Konzept gebracht wurden und so ein Einholen der anderen Karts fast unöglich macht.

Leider bietet Mario Kart 8 allerdings nicht die tolle 5-Spieler-Funktion wie sein Kontrahent Sonic & All-Stars Racing Transformed. Im Mario Funracer treten „nur“ vier Teilnehmer an einer Konsole gegeneinandern an. Zudem wird auf dem GamePad des ersten Spielers auch der Splitscreen gestreamt, was bei vier Teilnehmern dann doch etwas witzlos ist.


Unsere Video-Vorschau:


Weitere Änderungen

Natürlich ist in Mario Kart 8 nicht alles Gold was glänzt und so gibt es auch einige „merkwürdige“ Neuerungen. So gibt es im HUD keine Minikarte mehr und auch die Reihenfolge der Fahrer wird nur noch auf dem GamePad angezeigt. Eine sehr merkwürdige Entscheidung, da man nicht immer auf das GamePad umschauen möchte, um die Abstände auf den Strecken zu sehen und dies zudem bei einem so flotten Spiel wie Mario Kart 8 auch schnell zu Fahrfehlern führen kann.

Wer allerdings nicht mit dem GamePad spielt, der hat es noch schlimmer: denn dadurch, dass die Minikarte auf dem TV-Bildschirm gänzlich fehlt, bekommt der jeweilige Spieler keinen Überblick zu den derzeitigen Abständen und Verteilungen im Fahrerfeld. Durch den Wegfall der Positionsverteilung und Mini-Karte wirkt das HUD zwar deutlich aufgeräumter und man kann die tolle Optik besser genießen, optional hätte man die Anzeigen aber dennoch integrieren sollen.

Neu dabei ist die Videofunktion namens Mario Kart TV. Hier werden eure „spielerischen“ Highlights in Videoform aufbereitet und können bearbeitet und anschließend mit der Gamerwelt via Miiverse und Youtube geteilt werden. Zudem dürft ihr nach jedem Rennen ein Highlightvideo ansehen, welches ebenfalls angepasst werden kann, um es anschließend zu veröffentlichen. Die Youtube-Upload-Funktion ist aktuell noch nicht verfügbar, soll aber direkt ab dem Launch des Titels möglich sein.


Grafik- & Soundfest

gold-9Wie bereits angedeutet ist Mario Kart 8 eines der bislang schönsten Wii U-Spiele überhaupt. Die Rennstrecken sehen einfach toll aus und bestechen mit erstklassigen Details. Mal jubeln euch zahlreiche Yoshis vom Pistenrand zu, dann wieder entdeckt ihr das Kamerateam von Mario Kart TV, welches die besten Aufnahmen der Rennen aufnehmen will. Besonders die Retrostrecken haben einen unglaublichen Sprung dank der Hardwarepower der Wii U gemacht und sind fast nicht wiederzuerkennen. Besonders mit den beiden N64 Strecken Regenbogen-Boulevard und Yoshi’s Tal haben sich die Entwickler viel Mühe gegeben und werden bei alteingessessenen Fans nostalgische Gefühle hervorrufen.

Aber auch die Soundkulisse von Mario Kart 8 kann sich hören lassen. Der Soundtrack ist von den Melodien zwar zum Großteil altbekannt, dafür wurden die Ohrwürmer aber diesmal von echten Instrumenten eingespielt, was die Atmosphäre nochmals auf ein gänzlich neues Niveau hebt. Technisch kann man Mario Kart 8 absolut keine Vorwürfe machen. Es sieht einfach toll aus und zeigt, zu welcher Grafikpracht die Nintendo-Konsole fähig ist, wenn es die Entwickler nur wollen.

Noch ein paar Worte zur Nutzung des Wii U GamePads. Grundsätzlich könnt ihr selbiges als TV-Ersatz nutzen. Auf Wunsch lässt sich auf dem Pad aber auch die Streckenkarte und die Platzierungen anzeigen. Wer zudem echtes „Rennfeeling“ wünscht, der kann die Steuerung auch mittels Bewegungen mit dem GamePad einstellen. Wer es traditioneller mag, der kann auch auf den Wii U Pro Controller, die Wii Mote und die Wii Mote-Nunchuk-Variante zurückgreifen.


Vielen Dank an Nintendo für die freundliche Bereitstellung des Testmusters!

 

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