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Mafia III im Test

Das hatte sich Lincoln Clay, Protagonist von Mafia III, ganz anders vorgestellt. Als der afroamerikanische Vietnam-Veteran nach dem Krieg in seine Heimatstadt New Bordeaux zurückkehrt, ist nichts mehr wie es war.
Statt Ruhe und Frieden erwartet den jungen Mann nämlich direkt der nächste Krieg. Seine einstigen Freunde und Verwandten kämpfen nämlich als „Black Mob“ um die Herrschaft über das fiktive New Orleans.

Da uns die Testversion zum Gangster-Epos erst am Erscheinungstag erreicht hat, wollen wir euch Mafia III anhand eines Testtagebuches näher bringen. Dieses wird in regelmäßigen Abständen aktualisiert werden.

Mafia III präsentiert seine spanende Story hervorragend
Mafia III präsentiert seine spanende Story hervorragend

Mafia III – Der Prolog überzeugt

Bereits in den ersten Spielstunden beweist das Open-World-Actionspiel eindrucksvoll, dass eine stimmige Atmosphäre und facettenreiche Geschichte auch über einige herbe technische Fehler hinwegsehen lassen.

Im Prolog zu Mafia III zeigen die Entwickler von Hangar 13 nämlich mit einigen gekonnten Zeitsprüngen und interessanten Wendungen, dass uns hier eine packend inszenierte Geschichte erwarten wird. Diese wird vor allem in den coolen Zwischensequenzen im Stile von 70er-Jahre-Filmen vorangetrieben. In diesen kurzen Filmchen erzählen uns einige wichtige Personen mehr über die Geschichte des jungen Antihelden.

Bereits der Prolog besticht durch eine gelungene Inszenierung
Bereits der Prolog besticht durch eine gelungene Inszenierung

Zu Beginn macht uns das Spiel erst einmal mit der grundlegenden Steuerung vertraut, als wir zusammen mit einem Freund eine Bank ausrauben sollen. Immer wieder springt Mafia III dabei in der Zeit und verleiht den verschiedenen Charakteren so mehr Tiefe.


Da läuft etwas gewaltig schief

Obwohl der Spielbeginn äußerst linear verläuft und die eigentlich offene Welt noch nicht preisgibt, fällt der Prolog des Titels enorm abwechslungsreich aus. Von der Fahrt zur Bank, über den eigenen Raub. Von der Flucht in einem Boot, bis hin zu einem Besuch des weltberühmten Mardi Gras.

Mardi Gras darf in New Orleans natürlich nicht fehlen
Mardi Gras darf in New Orleans natürlich nicht fehlen

Schon nach kurzer Zeit wird deutlich, dass die Welt von Mafia III wahnsinnig lebendig und abwechslungsreich daher kommt. Doch auch das Gameplay bietet eine Vielzahl von Möglichkeiten.

Neu ist das Deckungssystem, welches hervorragend funktioniert und sich in der Form nicht hinter Titeln wie beispielsweise Gears of War 4 verstecken muss. Per Knopfdruck sucht Lincoln hinter den unterschiedlichsten Objekten Schutz und wechselt ebenso schnell zur nächsten Deckung.

Ein kurzer Pfiff reicht, um Feinde anzulocken und diese dann in Sicherheit lautlos auszuschalten. Allgemein bietet das Spiel einen gelungenen Schleichansatz. Das leise Vorgehen ist dabei äußerst empfehlenswert, denn unser Held segnet bereits nach wenigen Treffern das Zeitliche.

Das Deckungssystem von Mafia III funktioniert sehr gut
Das Deckungssystem von Mafia III funktioniert sehr gut

Schleichspiel oder Rambo-Methode? Ihr habt die Wahl

Während die gamescom-Demo zu Mafia III noch zweifeln ließ, ob sich das Schleich-Gameplay wirklich konsequent durchziehen lässt, zeigt das finale Spiel hervorragend, dass ruhiges und taktisches Vorgehen exzellent funktioniert.

Dabei lässt euch das Spiel allerdings jederzeit die Wahl. Auch die Brechstangenmethode kann letztlich zum Erfolg führen und funktioniert dank herrlich präziser Steuerung und astreinem Deckungssystem hervorragend. Allerdings ist der Action-Ansatz natürlich auch weitaus knackiger.

Die Kämpfe sind sehr spannend und enorm brutal ausgefallen. Nichts für Kinder und Jugendliche
Die Kämpfe sind sehr spannend und enorm brutal ausgefallen. Nichts für Kinder und Jugendliche

Fliegt die Tarnung dann doch einmal auf, greifen wir auf ein umfangreiches Waffenarsenal zurück. Egal ob Pistole, Schrotflinte, Molotov-Cocktail oder Maschinengewehr – Mafia III lässt bei der Waffenauswahl keine Wünsche offen.

Leider agiert die KI der Gegner aber eher auf mittelmäßigem Niveau. Oftmals verlieren uns die Widersacher bereits nach wenigen Sekunden aus den Augen. Zudem bleiben sie gerne mal an Objekten hängen.Oder setzen sich in alle Ruhe neben uns, statt hinter einer Deckung Schutz zu suchen.

Dass sich das Actionspiel dabei ausschließlich an Erwachsene richtet, zeigt sich bereits in den ersten Spielstunden mehr als deutlich. Egal ob es die Dialoge sind, in denen mitunter ein Kraftausdruck den nächsten jagt oder die unglaublich brutalen Kämpfe.

Erstaunlicherweise passt das aber hervorragend zu dem Rachefeldzug-Szenario des Titels und gerade die Kraftausdrücke tragen spürbar zur wahnsinnig dichten Atmosphäre des Spieles bei.


Mafia III – Technische Schwächen

Gerade aus technischer Sicht ist Mafia III allerdings weit davon entfernt, ein perfektes Spiel zu sein. Grafisch stoßen vor allem einige herbe Mikroruckler und deutliche Framerateeinbrüche sauer auf.

Die Grafik hat leider mit einigen Problemen zu kämpfen
Die Grafik hat leider mit einigen Problemen zu kämpfen

Zudem könnten die Figuren und Umgebungen detaillierter sein. Gerade das virtuelle New Orleans hinterlässt mit einigen matschigen Texturen und etwas detailarmen Bereichen einen eher durchwachsenen optischen Eindruck.

Die Animationen der Passanten sind darüber hinaus sehr hakelig ausgefallen und wirken dadurch fast schon witzig. Außerdem ist die Sichtweit enorm begrenzt. Gerade wenn man mit dem Auto unterwegs ist stören nervige Pop-Ups bereits auf kurzer Distanz ungemein.
Grundsätzlich geht der Titel aus grafischer Sicht aber in Ordnung. Vor allem die wunderschönen Lichteffekte und abwechslungsreichen Schauplätze wissen zu gefallen.


Stimmige Präsentation

Und dennoch zeigt bereits der Beginn des Spieles eindrucksvoll, dass es den Entwicklern von Hangar 13 hervorragend gelungen ist, das 60er-Jahre-Flair der Südstaaten-Metropole einzufangen.

Vor allem die deutsche Synchronisation und die Mimik der Hauptfiguren überzeugt fast vollends
Vor allem die deutsche Synchronisation und die Mimik der Hauptfiguren überzeugt fast vollends

Beispielsweise wenn man mit der Musik der Rolling Stones oder Johnny Cash im Radio durch die lebendigen Straßen fährt. Die etwas detailarmen Hauptfiguren überzeugen allerdings durch eine hervorragende Mimik. So entsteht eine rundum gelungene und enorm dichte Atmosphäre, welche Mafia III auch in seiner spannenden Story transportiert.

Bei der Vertonung sieht es dann schon deutlich besser aus. Die Soundeffekte sind eine Wucht, die Waffensounds bieten ordentlich Druck. Nur die Motorengeräusche könnten gerne etwas knackiger sein. Zudem wiederholen einige Gegner ihre Sätze wie „Ich finde dich, du Pisser“ im Sekundentakt. Und das fünf bis sechs mal hintereinander.

Die hervorragende deutsche Synchronisation im Zusammenspiel mit den filmreifen Zwischensequenzen setzt das Open-World-Spiel ausgezeichnet in Szene. Von der Aufmachung und Geschichte her spielt Mafia III also ganz weit oben mit.

Schlösser knacken wir in einem simplen Minispiel
Schlösser knacken wir in einem simplen Minispiel

Fazit nach den ersten Spielstunden

Mafia III überzeugt schon zu Beginn mit einer rundum gelungenen Inszenierung und wird seinem Anspruch als Gangster-Epos definitiv gerecht. Die Geschichte wird spannend und nicht zuletzt dank der Zeitsprünge sehr intelligent erzählt.

Die enorm brutalen Kämpfe machen dank präziser Steuerung und gelungenem Deckungssystem eine ganze Menge Spaß.
Allerdings hat der Titel mit einem durchwachsenen Grafikgerüst zu kämpfen. Vor allem die Pop-Ups und Ruckler nerven extrem. Detailarme und verwaschene Texturen gefallen ebenfalls nicht.

Bereits der Anfang kommt enorm variantenreich daher und bietet viele verschiedene Vorgehensweisen. Dadurch wird es spannend sein zu sehen, wie sich Mafia III weiter entwickelt, wenn sich die offene Spielewelt vor uns entfaltet. Doch selbst das simple Erforschen des Ortes auf der Suche nach den verschiedenen Sammelgegenständen macht bereits eine ganze Menge Spaß.

Hoffentlich kommen schon bald noch ein paar abwechslungsreiche Missionen und Nebenaufgaben dazu.


Die Welt entfaltet sich

Während wir weiter der anfänglich linearen Geschichte folgen, rekrutieren wir nach und nach weitere Verbündete, die sich Lincolns Rachefeldzug anschließen. Jeder unserer Partner wartet dabei zumeist mit einer Haupt- und einer Nebenmission auf.

Schade: Gerade diese Nebenaufgaben wiederholen sich leider sehr schnell und bieten keinerlei Abwechslung. So müssen wir für Cassandra an verschiedenen Orten ein Boot mit einer Cannabis-Lieferung klauen, die Ware auf einen Laster verfrachten und dann in Sicherheit bringen.

Die Missionen machen eine Menge Spaß, wiederholen sich aber leider sehr schnell
Die Missionen machen eine Menge Spaß, wiederholen sich aber leider sehr schnell

Haben wir das erledigt, erwartet uns daraufhin exakt dieselbe Mission noch einmal. Nur eben an einer anderen Stelle. Genau so verhält es sich auch mit den Nebenaufgaben für die anderen Verbündeten.

Darüber hinaus wartet New Bordeaux mit verschiedenen Sammelgegenständen auf, welche uns allerdings keinerlei Boni oder Verbesserungen bieten. Gesammelte Elektroteile nutzen wir zudem dafür, an Telefonkästen Abhörgeräte zu installieren und Gangster auszuhorchen.

Durch die Installation von Abhörgeräten kommen wir an viele Informationen
Durch die Installation von Abhörgeräten kommen wir an viele Informationen

Die dadurch gewonnen Informationen verraten uns meistens die Orte der versteckten Sammelitems, teilweise allerdings auch optionale Missionsziele für bestimmte Nebenmissionen.

Ansonsten gibt es in Mafia III abseits der Hauptmissionen leider relativ wenig zu tun. Minispiele oder Freizeitaktivitäten sucht man leider vergebens.


Mafia III offenbart Schwächen in Sachen Missionsdesign

Der anfängliche Eindruck abwechslungsreicher Missionen kann sich im weiteren Spielverlauf allerdings leider nicht bestätigen. Um in der Geschichte voran zu kommen, absolvieren wir nämlich größtenteils Aufgaben, die sich wahnsinnig schnell wiederholen.

Grundsätzlich kann das Missionsdesign von Mafia III dabei allerdings als durchaus gelungen bezeichnet werden. Nach und nach übernehmen wir die einzelnen Viertel der Stadt.
Damit uns dies gelingt, treffen wir uns zunächst einmal mit Informanten, die uns über die Geschehnisse des jeweiligen Stadtteiles aufklären und uns mit mehreren kleineren Aufträgen versorgen.

Informanten können wir töten. Das Anwerben macht aber auf Dauer mehr Sinn
Informanten können wir töten. Das Anwerben macht aber auf Dauer mehr Sinn

Mal müssen wir dabei selbstgebrannten Schnaps vernichten, mal kleinere Mafiosi verhören und mal bestimmte Zielpersonen töten. Bei den Verhören bietet sich uns bei entsprechend vorsichtigem Vorgehen zum Ende die Möglichkeit, unser Ziel für unsere Zwecks zu rekrutieren. Somit erhöht sich dauerhaft langsam unser Einkommen. Wahlweise können wir die Ganoven für einen schnellen Ertrag aber auch töten.

Haben wir alle Informanten-Aufträge in einem Viertel absolviert, lockt dies den örtlichen Unterboss aus seinem Versteck, welchen es dann zu töten gilt. Gelingt uns dies, können wir das Viertel übernehmen und unseren Verbündeten Haitianern, Italienern oder Iren zuweisen.

Leider wiederholt sich exakt dieses Spiel in jedem der insgesamt zehn Stadtteile. Auch wenn die Aufgaben allesamt ein unterschiedliches Ziel haben, bleibt der grundsätzliche Ablauf doch immer derselbe.


Die Vorteile der Freundschaft

Die drei Freunde, welche man im Verlaufe der Kampagne von Mafia III rekrutiert, bieten uns dabei unterschiedliche Vorteile. Je nachdem wieviele Stadtteile man ihnen zuweist, beziehungsweise wieviel Geld man sie verdienen lässt, steigen diese im Level auf und liefern neue Boni.

Cassandra beispielsweise lässt uns kostenlos einen Waffenhändler rufen, bei dem wir uns mit neuer Munition eindecken können. Bei Vito rufen wir einen Transportwagen, der unser hart verdientes Geld in den sicheren Safe bringt, bevor wir dieses verlieren. Dies passiert beispielsweise, wenn wir im Kampf das Zeitliche segnen.

Verbündete steigen nach und nach im Level auf und bieten verschiedene Boni
Verbündete steigen nach und nach im Level auf und bieten verschiedene Boni

Der dritte im Bunde ist der Ire Burke, bei dem wir uns durch einen kurzen Anruf ein Auto liefern lassen dürfen. Zusätzlich dazu schulden uns die Verbündeten für das Erledigen von Missionen einen einmaligen Gefallen.

Sollte es mal brenzlich werden dürfen wir so Unterstützung anfordern, das Telefonnetz lahmlegen und somit die Gegner daran hindern, Verstärkung zu rufen oder aber kurzzeitig dafür sorgen, dass die Polizei uns nicht weiter verfolgt. Wirklich benötigen tut man diese Unterstützung allerdings nicht, denn man kommt auch sehr gut alleine zurecht.


Mafia III lebt von der Geschichte

Dass Mafia III dabei trotz einiger Bugs, teils herber Grafikfehler und einiger Soundaussetzer eine ganze Menge Spaß macht, verdankt das Spiel vor allem der hervorragenden und packend inszenierten Hintergrundgeschichte.

Mit Cassandra legt man sich besser nicht an
Mit Cassandra legt man sich besser nicht an

Nach dem starken Start legt diese auch im weiteren Verlauf nochmals kräftig zu und vermag es, auf ganzer Linie zu überzeugen. Mit Themen wie Menschenhandel, Korruption, Auftragskillern oder Drogendeals im ganz großen Stile deckt die Story das komplette Spektrum ab, welches man von einem Plot rund um die Cosa Nostra erwarten könnte.

Gerade die Hauptfiguren überzeugen dabei zudem durch eine enorme Vielschichtigkeit. Schnell wird klar, dass nur ganz selten alles auch so ist, wie es vielleicht auf den ersten Blick erscheint. Spannende Wendungen im Verlaufe der Geschichte sorgen dafür, dass man seine gefestigte Meinung zu einigen Verbündeten vielleicht nochmal überdenkt.

Der verlassene Vergnügungspark ist nur ein Beispiel für die herausragende Atmosphäre in Mafia III
Der verlassene Vergnügungspark ist nur ein Beispiel für die herausragende Atmosphäre in Mafia III

Fazit:

Auch nach über 20 Spielstunden habe ich eine ganze Menge Spaß mit Mafia III und das, obwohl das Open-World-Spiel alles andere als perfekt ist. So offenbart der Titel einige Schwächen in Sachen Missionsdesign, denn die grundsätzlich spannenden Aufgaben wiederholen sich leider viel zu schnell. 

Zudem stoßen teils enorme technische Mängel sehr sauer auf. Vor allem die teils herben Mikroruckler, Pop-Ups und matschigen Texturen sorgen dafür, dass dem Spiel eine höhere Wertung verwehrt bleibt.

Auf der anderen Seite steht jedoch die wahnsinnig spannende Geschichte, die Mafia III herausragend erzählt. Lincolns Rachefeldzug ist nämlich weitaus facettenreicher ausgefallen, als man es anfangs vermuten würde. Zudem fängt das Spiel das 60er-Jahre-Flair absolut perfekt ein und überzeugt durch eine enorm dichte, rundum stimmige Atmosphäre. 

Fans von Mafia-Filmen und Open-World-Spielen werden mit Mafia III jedenfalls eine ganze Menge Spaß haben. Zumindest sofern sie über die technischen Ungereimtheiten und mehr oder weniger immergleichen Missionen hinwegsehen können.


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