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PS4 Reviews

Testbericht: J-Stars Victory Vs + (PS4)

Man nehme Smash Bros. und mische es mit einer Priese Naruto Ultimate Ninja Storm: Heraus kommt J-Stars Victory Vs. + für Sonys Playstation 4. Jeder von uns, der in der Vergangenheit bereits Erfahrungen mit Genrevertretern wie Naruto Shippuuden, Dragonball Z oder auch den One-Piece-Spielen gesammelt hat, muss wohl bei der Ankündigung eines gemeinsamen Prügelspiels eine Menge Lobgesänge gen Himmel gesandt haben. Entsprechend groß dürfte sich also die Erwartungshaltung entwickelt haben. Die meisten von uns sich mit Son-Goku und seinen Freunden aufgewachsen, haben stundenlang vor dem Fernseher mitgefiebert als Naruto verzweifelt versuchte seinen besten Freund Sasuke vor den Fängen Orochimarus zu retten und haben Ruffy und seine Crew auf der Suche nach dem One Piece begleitet. Jede einzelne dieser Reisen hat ihre eigenen, sehr intensiven und emotionalen Erinnerungswerte in uns hinterlassen. Und wie wir alle wissen ist die Macht der Nostalgie stärker als das tatsächliche Produkt. In unserer Erinnerung verknüpfen wir viele Lebenssituationen mit dem eigentlichen Erlebnis, dem Schauen der Serie. Und so erhalten wir ein verwaschenes, aber auch schönes Bild. Ein Bild, welches sich mit zunehmendem Alter immer mehr verschönert und uns das Gefühl gibt, damals war alles besser.

Und jetzt nehme man alle diese Erlebnisse mit ihrer emotionalen Tragweite in in unseren Köpfen, verrühre sie mit einer großen Portion Liebe und herauskommt… leider nicht J-Stars Victory! Ich nehme bereits vorweg, dass J-Stars keine der Erwartungen erfüllen können wird, welche wir uns ausmalten. Den Weg bis zum Release des Titels habe ich als eine Wanderung über einen bunten Regenbogen, gefüllt mit meinen Kindheitserinnerungen, empfunden. Stets mit der Hoffnung am Ende den berühmten Topf voller Gold entgegennehmen zu können und bis ans Ende meiner Tage glücklich zu leben. Ihr fragt euch weshalb ich einen Videospieltest derart gefühlvoll gestalte? Nun ja, es liegt am Produkt. Für mich sind Anime mehr als nur bunte Figuren, die in einer fiktiven Welt herumlaufen und aller Art skurrile und groteske Geschichten erleben. Für mich sind Anime-Figuren lebendig. Viele von ihnen mögen auf stereotypisierten Vorstellungen basieren, sind zugeschnitten auf die Seherwartungen des Zuschauers und sollten bestimmte Reaktionen in unseren köpfen bewirken.

Sie sind ebenso real wie meine Schulfreunde aus Kindheitstagen. Und wenn mir jetzt jemand sagt, dass all meine Freunde sich zu einem gemeinsamen Comeback treffen… das hört sich nach einem gigantischen Klassentreffen an. Da kann ja nicht mehr viel schief gehen. Zu besagtem Treffen erscheinen über 50 Charaktere aus über 30 unterschiedlichen Lizenzen. Abseits der bekannten Mainstream Figuren überraschen uns auch diverse Figuren, welche nur eingefleischten Anime und Manga Fans ein begriff sein dürften. Zu Beginn des Kampfgeschehens wählt sich jeder Spieler eine Hauptfigur und eine weitere Figur zur Unterstützung aus – ähnlich wie in Naruto Shippuuden: Ultimate Ninja Storm. Doch bereits hier offenbaren sich die ersten… nennen wir sie Herausforderungen, um ein Reizwort zu vermeiden. Es ist nicht möglich einfach per Auswahlmenü seinen favorisierten Helden auszuwählen, stattdessen muss ich jedes mal die Auswahl meines Kämpfers der lieben Stochastik überlassen. Diesen Prozess wiederhole ich sooft, bis ich den gewünschten Charakter habe. Komfort geht anders. Um genauer zu sein wirkte diese Form der Charakter „Auswahl“ sogar so unwirklich schlecht, dass ich erst dachte, es handele sich dabei sicher lediglich um einen Anwenderfehler. Zu unvorstellbar ist der Gedanke, dass sich J-Stars bereits bei der Charakterauswahl als Reinfall entpuppen könnte.

Doch auch einige Minuten und die Hilfe meiner Freunde später immer noch die gleiche Situation. Frustriert stiegen wir dann mit Zufallsfiguren in das erste Kampfgeschehen ein. Und auch hier bereits die nächste große Enttäuschung! Der Spielbildschirm ist im Splitscreen-Modus sehr unvorteilhaft sortiert, gar eingeschränkt. Wir haben das Spiel auf einem 60-Hertz-Fernseher gespielt und hatten das Gefühl, zurück in den guten alten Zeiten der Röhrenfernseher angekommen zu sein. Das ist 2015 absolut unmöglich. Zumindest sollte es das sein. Das Spiel machte es uns schon aufgrund der technischen Infrastruktur nicht wirklich leicht von unseren negativen Assoziationen abzusehen, die sich direkt im Startmenü abzeichneten. Das gesamte Menü wirkt vom Design bis hin zur Bedienung lieblos und schnell zusammengewürfelt. Hier fühlt sich nichts homogen an, nichts gibt einem bereits beim Starten des Spiels dieses tolle „Ich bin Zuhause“-Gefühl, wie wir es sonst von anderen Medien kennen. Allerdings muss ich auch anmerken das J-Stars sowohl für PS4, PS3 und auch die PS Vita erschienen ist. So mussten nunmal Kompromisse eingegangen werden und darunter hat die PS4 Version sichtlich zu leiden. Insgesamt erinnerte uns die Präsentation an ein Spiel der Playstation 2 Ära.

Abseits des normalen Duellmodus bietet J-Stars uns auch einen Story-Modus. Dieser verläuft in vier Etappen und ist rund um die bekanntesten Animes strukturiert. Doch dieser ist über die Gesamte länge zu monoton, bietet also wenig bis keine Abwechslung und motiviert nicht zum länger spielen. Ich verzichte hier an dieser Stelle auch bewusst auf Details, die sind ohnehin nicht von epische Tragweite. Insgesamt erwartet uns mit J-Stars Victory vs + der Versuch und ich nenne es bewusst „Versuch“, das beste aus allen Anime zu vereinen. Wenn es funktioniert hätte dem Spiel wenigstens ein angenehmes Kampfsystem zu verpassen, hätte man vielleicht noch über die gravierenden technischen Mängel hinwegsehen können. Doch das wichtigste, die Quintessenz des Spiels macht keinen Spaß. Das Kampfsystem wirkt statisch, steril und absolut chaotisch. Chaos muss nichts Schlechtes sein, wird es für Nintendos Prügelreihe Smash Bros. doch seit Jahr als beliebteste Zutat immer weiter verfeinert integriert. Aber in J-Stars macht einfach überhaupt nichts Spaß. Von der Charakterauswahl bis hin zum Kampfgeschehen. Bereits nach wenigen Runden verlieren ich und meine Freunde die Lust am Spiel. Frustriert spielen wir Naruto Ultimate Ninja Storm und Dragon Ball Z: Budokai 3 auf der Playstation 2. So müssen Anime-Beat“em-Ups sein.

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