Image default
PS4 Reviews Xbox One

Testbericht: Hitman

Paris, die Stadt der Liebe. Und die Stadt der Haute Couture. Wir befinden uns im riesigen Vorgarten einer zeitgenössischen Villa, welche als Veranstaltungsort für eine Modenschau unseres Primärzieles dient. Mit Blick auf einen malerischen Springbrunnen versorgt uns unsere Kontaktperson mit wichtigen Informationen über unsere beiden Ziele – doch von nun an sind wir auf uns allein gestellt.
Hitman mitsamt dem markanten Glatzkopf Agent 47 ist wieder da und überlässt uns die Entscheidung, wie wir vorgehen möchten. Das Stealth-Action-Spiel setzt dabei auf große, frei begehbare Level, in denen vorsichtiges Auskundschaften und genaues Planen unabdingbar sind, um zum Erfolg zu kommen. Das funktioniert hervorragend und sorgt für eine Menge Spaß, doch der Titel hat auch mit einigen Problemen zu kämpfen, allen voran das fragwürdige Geschäftsmodell samt Episoden-Aufteilung.

Agent 47 ist zurück... Häppchenweise zumindest
Agent 47 ist mit Hitman zurück… Häppchenweise zumindest

Frühling in Paris

Schon die frühe Fassung von Hitman konnte auf der vergangenen gamescom in Köln einen sehr guten Eindruck hinterlassen, welchen das finale Produkt jetzt bestätigen kann. So überzeugt das Spiel mit spannenden Missionen voller Nervenkitzel, in denen wir es selbst in der Hand haben, wie wir unsere Ziele angehen wollen.

Zum Release steht der Prolog zur Verfügung, welcher uns mit drei Trainingsmissionen mit dem Spiel vertraut macht: In den ersten beiden davon befindet sich unsere Zielperson auf einem Boot, um dort ein geheimes Treffen abzuhalten. Die Neutralisierung dieser Person stellt dabei unser Hauptziel dar – wer möchte kann sich also auf schnellstem Wege dieser Aufgabe annehmen, doch Hitman bietet noch viel mehr.
So können wir beispielsweise Wachmänner belauschen, welche uns geheime Informationen und damit neue Optionen zum Abschließen des jeweiligen Abschnittes oder gar neue Fluchtmöglichkeiten liefern. Außerdem wartet das Spiel mit einer Fülle von Nebenaufgaben auf, die unsere Missionsbewertung verbessern und sogar neue Waffen und Gegenstände, sowie Startpunkte für die folgenden Aufträge bereithalten. Finden wir beispielsweise im Prolog das Scharfschützengewehr, lässt sich dieses im Paris-Level in einem Nebengebäude positionieren, um so aus sicherer Distanz agieren zu können.


Kleider machen Mörder

Wie schon in den Vorgängern wartet Hitman mit unzähligen Verkleidungen auf, die uns den Zugang zu bestimmten Bereiche in den Gebieten eröffnen. Mittels Handwerkeroutfit können wir so ungesehen durch den Service-Bereich besagtes Boot infiltrieren und uns relativ frei bewegen. Relativ, denn immer wieder finden sich hochrangige Crewmitglieder, welche unsere Tarnung durchschauen können und sofort Alarm schlagen – diese markiert der Titel freundlicherweise mit einem weißen Punkt über dem Kopf. Dank Adlerauge können wir die Laufwege des Wachpersonals sogar durch Wände beobachten, um nicht aus Versehen schnurstracks der nahenden Gefahr in die Arme zu rennen.


HITMAN und das Schleichen

Serientypisch ist dabei natürlich leises und vorsichtiges Vorgehen effektiver, als die Rambo-Methode. Wer will kann aber statt zu Klavierseiten, Gift oder Schraubenschlüssel auch zu überzeugenderen Argumenten wie Pistole oder Maschinengewehr greifen, um sich seinen Weg zum Ziel zu bahnen. Das funktioniert zwar auch, allerdings belohnt einen der Titel dabei mit weitaus weniger Belohnungen. Manche Herausforderungen liegen sogar darin, ausschließlich das Hauptziel zu eliminieren – zudem ist es aufgrund der rundum gelungenen künstlichen Intelligenz unserer Widersacher um ein Vielfaches schwerer, einfach schießwütig das jeweilige Areal zu stürmen.

Nach erfolgreichem Abschluss der Mission steht dann natürlich noch die Flucht auf dem Programm. Auch hierbei bietet das Spiel verschiedene Lösungswege: In einer Mission belauschen wir beispielsweise zwei Ingenieure, welche am Schleudersitz eines Kampfjets arbeiten. Folgen wir den optional hinzuschaltbaren Aufgaben für dieses Bonusziel, können wir auf eben diesem Weg das Gebiet sicher verlassen.
Gerade diese enorme Fülle an Möglichkeiten, welche uns Hitman in den frei begehbaren Arealen bietet, ist eine wahre Freude und sorgt dafür, dass wir bereits absolvierte Missionen immer wieder angehen, um einen noch besseren Weg zu finden oder einfach nur zu schauen, was die alternativen Lösungswege für uns bereit halten. Dieses frei planbare Vorgehen, aber auch die enorm präzise Steuerung und die glaubwürdigen Figuren machen den Titel zu einem gleichermaßen spannenden, wie auch spaßigen Schleichabenteuer und einem Fest für Genrefans. Wenn da nicht die Sache mit dem Umfang wäre…

Dieser Jet bietet eine Fluchtmöglichkeit, sofern wir den Schleudersitz aktivieren
Dieser Jet bietet eine Fluchtmöglichkeit, sofern wir den Schleudersitz aktivieren

Häppchenweise zum Erfolg?

Bereits nach der ersten Ankündigung sorgte das Veröffentlichungsmodell von Hitman für Ärger, denn so entschied man sich bei Publisher Square Enix dafür, das Spiel in mehreren Episoden (von denen voraussichtlich jeden Monat des Jahres 2016 eine neue erscheinen wird) zu veröffentlichen.

Gerade dieser Fakt macht eine objektive Bewertung relativ schwierig: Betrachtet man Hitman jetzt zunächst einmal lediglich als Intro-Pack, bestehend aus Prolog und Paris-Einsatz? Oder bewertet man doch das vollständige Spiel?

Entscheidet man sich für Ersteres, dann kann sich der Umfang zu einem Preis von ungefähr 15 Euro durchaus sehen lassen, denn neben den insgesamt vier normalen Aufträgen (inklusive Trainingsmission) wartet das Spiel mit zusätzlichen Auftragsmissionen und Sonderaufgaben auf. Hinzu kommen ein Missionseditor, mit dem wir eigene Aufträge basteln können, sowie besondere Missionen, für welche nur für eine begrenzte Zeit verfügbar sind und nach Ablauf des Countdowns scheinbar für immer beendet sind.
Grundsätzlich ist man mit allen Hauptaufträgen des Intro-Packs allerdings bereits in etwa drei Stunden durch. Zwar motivieren die Attentate aufgrund der offenen Levelstruktur stark zum mehrmaligen Durchspielen, allerdings erwarten uns dabei ja keinerlei neue Umgebungen und Ziele.

In den kommenden Monaten schicken uns die Entwickler von IO Interactive dann nach Italien, Marokko, Thailand, die USA und nach Japan. Außerdem soll es wöchentlich neue Events und weitere Inhalte geben, zu denen es bisher aber noch keine Informationen gibt. Alle weiteren Missionen schlagen mit jeweils zehn Euro zu Buche, sodass man im Endeffekt beim Wert eines Vollpreistitels landet.
Die Entwickler versprechen dabei ein einzigartiges, sich ständig weiterentwickelndes Hitman-Universum, welches regelmäßig mit Neuerungen und Verbesserungen aufwartet – darüber lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt also nur spekulieren. Letztlich muss also jeder selbst entscheiden, ob er sich mit diesem Modell anfreunden kann. Wenn die folgenden Episoden allerdings das Niveau des Auftaktes beibehalten, haben wir hier am Ende des Jahres ein hervorragendes Schleichspiel, welches trotz nebensächlicher Hintergrundgeschichte in enorm hohen Wertungsregionen mitmischen kann.

Gerade die Lichteffekte sorgen für eine enorm dichte Atmsophäre
Gerade die Lichteffekte sorgen für eine enorm dichte Atmsophäre

Technisch geht die Puste aus

Aus technischer Sicht hinterlässt Hitman einen guten, aber nicht überragenden Eindruck. Gerade die Vielzahl an Personen auf dem Bildschirm ist erstaunlich und sorgt für eine lebendige Spielewelt. Kombiniert mit dem glaubhaften Verhalten der Figuren sorgt das für eine enorme Atmosphäre. Gerade die Lichteffekte sehen fantastisch aus: Eine wahre Augenweide, wie das Wasser in den beleuchteten Springbrunnen plätschert oder wie die riesigen Scheinwerfer die laufende Modenschau bestrahlen.  Allerdings hat man sich bei einigen Objekten in Sachen Details nur wenig Mühe gegeben: Gerade herumstehende Fahrzeuge oder manche Pflanzen wirken teils sehr detailarm und kantig und wollen nicht so recht in die ansonsten tadellose Präsentation passen, welche allerdings auch mit butterweichen und lebensechten Animationen aufwartet. Hinzu kommen zudem einige Slowdowns und Einbrüche in der ansonsten wunderbar flüssigen Bildwiederholungsrate.

Die Vertonung hingegen setzt keine besonderen Ausrufezeichen: Zwar gefällt die Musik und die ausschließlich englischen Sprecher liefern einen tollen Job ab, wirklich heraus sticht in Sachen Vertonung leider nichts. Die Waffen- und Effektsounds sind in Ordnung und haben seit der Beta immerhin nochmal ordentlich zugelegt.


Fazit:

awardNachtrag nach 5 von 6 Episoden:

Mittlerweile kann sich der Umfang von HITMAN wirklich sehen lassen.
Die weiteren Episoden weisen eine noch höhere Qualität auf, als der Auftakt. Das belohnen wir mit unserem Award.

Gerade die 5. Episode in Colorado punktet mit einer spannenden Story und coolen Seitenhieben auf bekannte Politiker. Ein Fest!

Würde der Umfang einem Vollpreisspiel entsprechen, würde Hitman mit Leichtigkeit unseren Award einheimsen. So überzeugt das Spiel mit einem enorm spannenden Gameplay, welches das perfekte Planen und Sondieren der Lage in den Mittelpunkt stellt und dabei vollends zu motivieren vermag. Wenn ich mich langsam dem Ziel nähere und die Umgebung nach verschiedenen Lösungswegen und Fluchtmöglichkeiten durchsuche, zeigt das Spiel seine Stärken. Selten boten sich mir so viele unterschiedliche Herangehensweisen und es ist eine wahre Freude, die verschiedenen Möglichkeiten auszutesten und zu sehen, was passiert.  Die lebendig wirkenden Umgebungen sorgen in Kombination mit den herrlichen Lichtstimmungen für eine hervorragende und sehr dichte Atmosphäre.
Das große Problem des Spiels liegt allerdings im Umfang beziehungsweise dem Episodenformat – zu unklar ist noch, ob die Entwickler die hohe Qualität des Auftaktes beibehalten können. Für etwa 15 Euro erhalte ich hier knappe vier bis fünf Stunden Spielspaß und gerade einmal drei unterschiedliche Umgebungen. Die Zusatzmissionen sind eine nette Beigabe, allerdings auch relativ schnell absolviert. Auch in Sachen Technik wäre hier noch Luft nach oben gewesen.  Trotzdem ist Hitman gerade für Genrefans ein absoluter Genuss, dessen Preis für das Intro-Pack definitiv fair ist.


Vielen Dank an Square Enix für die freundliche Bereitstellung des Testmusters!

 

verwandte Beiträge

Die PES-League von Konami startet in ihre zweite Saison!

Nature225

Testbericht: Tales from the Borderlands, Episode 5: The Vault of the Traveler

God of War: Neues Video zeigt Bosskampf

Nature225