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Testbericht: Geheimakte Tunguska (iOS)

Geheimakte Tunguska könnte man durchaus als „modernen Klassiker“ bezeichnen. Das von Animation Arts und Fusionsphere Systems entwickelte und von Deep Silver vertriebene Adventure erwies sich als sehr erfolgreich und fand bei seiner Veröffentlichung im September 2006 nicht nur in Deutschland großen Anklang. Darüber hinaus lieferte es zwei Fortsetzungen sowie mit Geheimakte: Sam Peter auch noch ein Spinoff. Das ist mehr als so manche namhaftere Marke für sich verbuchen kann. Jetzt ist es für iOS erschienen und als Eifon-Neuling ließ ich es mir nicht nehmen, mich endlich mal diesem Spiel zu widmen, das schon viel zu lange auf meiner Nachholliste stand.

Wie der Name es bereits verrät, beschäftigt sich das Spiel mit dem sogenannten Tunguska-Ereignis, einer gewaltigen Explosion, die sich am 30. Juni 1908 in der sibirischen Region Tunguska ereignete. Bis heute stellt die ungeklärte Katastrophe die Wissenschaftler vor ein Rätsel und fördert regelmäßig Verschwörungstheoretiker auf den Plan. Als wahrscheinlichste Erklärung gilt die Explosion eines Meteoriten, der beim Eintritt in die Atmosphäre vom Druck und der Hitze zerfetzt wurde, allerdings nicht in die Erde eindrang und somit auch keinen Krater hinterließ. Andere Wissenschaftler bevorzugen die Idee einer Vulkan- beziehungsweise Gasexplosion. Laut dieser hat sich unterhalb einer Basaltschicht ein enorm großer Druck aufgebaut, der sich 1908 in einer Explosion löste, ohne dass dabei jedoch Magma austrat. Ein UFO-Absturz, ein Atombombentest oder ein aus dem Ruder gelaufenes Experiment von Nikola Tesla sind durchaus fantasievollere, wenn auch sehr viel unwahrscheinlichere Erklärungsversuche. Geheimakte Tunguska liefert nun seine eigenen Theorien.

Nina Kalenkow wollte eigentlich nur ihren Vater in dessen Büro besuchen, findet dort jedoch nur ein heilloses Durcheinander vor. Ihr Vater scheint verschwunden zu sein, ohne konkrete Hinweise kann und will die Polizei jedoch nicht tätig werden. Relativ schnell stellt sich heraus, dass Ninas Vater offenbar in düstere Machenschaften hineingeraten ist, die sie und den Assistenten ihres Vaters, Max Gruber, ebenfalls in Lebensgefahr bringen. Ein Wettrennen um den halben Planeten beginnt, bei dem die beiden zahlreiche Rätsel lösen müssen, um ihrem Ziel näherzukommen.GAT_Screenshot_03_Museum

Deutsche Videospielsynchronisationen sind immer so eine Sache, insbesondere wenn Englisch die ursprüngliche Sprache ist. Hier war allerdings von Anfang an ein deutsches Team am Werk und mit Norbert „Homer Simpson“ Gastell, Donald „Kent Brockman“ Arthur oder Benedikt „Stan Marsh“ Weber finden sich in der Liste gleich mehrere Namen, deren Stimmen einem größeren Publikum bekannt sein sollten. Aber auch die „Darsteller“ der beiden Protagonisten sind zwei vielbeschäftigte Sprecher. Solveig Duda stammt aus einer Schauspielerfamilie und hat unter anderem Angelina Jolie in „Der Knochenjäger“ oder „Nur noch 60 Sekunden“ ihre Stimme geliehen. Oliver Mink ist seines Zeichens der deutsche Sprecher von Mark Wahlberg und Station Voice von ProSieben. Zwar hören sich die Dialoge manchmal doch ein wenig hölzern an, an der grundsätzlich hohen Qualität der Sprecher gibt es jedoch nichts zu bemängeln.

Ich kenne etliche Vielzocker, die Adventures meiden, weil sie zu oft und zu schnell steckenbleiben und mit den Rätseln nicht (mehr) zurechtkommen. Um das zu vermeiden, beinhaltet die iOS-Version von Geheimakte Tunguska auch eine Komplettlösung. Falls man also tatsächlich einmal partout nicht mehr weiterwissen sollte, kann man im Extremfall auch kurz dort reinschauen. Insbesondere für Adventure-Neulinge, die noch nicht auf die mitunter abstruse Logikverbiegung des Genres konditioniert sind, dürfte dadurch die Einstiegshürde deutlich niedriger ausfallen. Und wer das Spiel ganz aus eigenem Antrieb durchzocken möchte, der ignoriert diese Funktion einfach.GAT_Screenshot_01_TunguskaStation

Ich habe Geheimakte Tunguska auf meinem iPhone 4s getestet und fand es teilweise schwierig, alle Interaktionspunkte innerhalb des jeweiligen Bildschirmes zu finden, obwohl man sich alle Hotspots auch einblenden lassen kann. Vielleicht ist der kleinere Bildschirm kontraproduktiv, vielleicht war aber auch nur mein Tunnelblick schuld.

Sehr angenehm finde ich die Tatsache, dass Geheimakte Tunguska als Vollversion erscheint. Wenn man sich das für 4,49 im App Store kauft, bekommt man das komplette Spiel. Kein kapitelweises Dazukaufen oder andere Maschen, mit denen viele andere Publisher den Kunden das Geld aus der Tasche ziehen wollen. Im deflationären App-Store-Durchschnitt mag der Preis des Spieles dadurch als relativ hoch erscheinen, ohne es tatsächlich auch zu sein.


Vielen Dank an swordfish pr für die freundliche Bereitstellung des Testmusters!

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