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Testbericht: Gears of War 4

Mit Gears of War 4 steht vier Jahre nach dem Erscheinen von Gears of War: Judgement endlich der langersehnte neueste Ableger der beliebten Reihe in den Läden. Doch fühlt sich der Titel des neuen Entwicklers The Coalition überhaupt noch wie ein echtes Gears-Spiel an? Immerhin sind die Locust besiegt. Unser Test klärt, warum Gears of War 4 auf der Xbox One ein wahres Action-Feuerwerk entfacht.


Rock ‘n Roll

Zunächst einmal die gute Nachricht. Fans der Serie dürfen sich freuen, denn Gears of War 4 spielt sich exakt so wie seine Vorgänger. Die Steuerung und das Kerngameplay sind dabei weitestgehend gleich geblieben, weswegen sich Gears-Veteranen direkt heimisch fühlen dürften.

Gears of War 4 setzt die Serie hervorragend fort.
Gears of War 4 setzt die Serie hervorragend fort.

Die Handlung spielt dabei 25 Jahre nach den Ereignissen des Vorgängers, welche die Locust und Lambert vollständig vernichtet haben. Zu Beginn des Spiels macht Gears of War 4 in einigen Rückblenden unmissverständlich klar, wie grausam der Krieg war und wieviele tapfere Soldaten ihm zum Opfer gefallen sind.
In diesen Tutorial-Abschnitten macht euch das Spiel mit der grundlegenden Steuerung vertraut. Ihr absolviert nacheinander mehrere Episoden, welche sich zeitgleich mit den Geschehnissen auf dem Planeten Sera ereignet haben.

Nach dem düsteren und bedrückenden Prolog springt der Third-Person-Shooter zu einem jungen Mann in Begleitung seiner Freunde Delmont „Del“ Walker und Kait Diaz in eine farbenfrohe, lebendige Welt, die man so im Gears-Universum noch nie gesehen hat.

Das neue Team funktioniert hervorragend und überzeugt mit viel Humor
Das neue Team funktioniert hervorragend und überzeugt mit viel Humor

J.D. Fenix, Sohn des Ex-Serienhelden Marcus und seine Freunde verstehen sich als Widerstandskämpfer in einer Welt, in der das COG-Regime die letzten Überlebenden auf dem Planeten in vermeintlich sicheren Siedlungen unterdrückt. Die „Outsiders“ sammeln im COG-Territorium Ressourcen, um das eigene Überleben in ländlichen Kommunen zu sichern. Doch das gestaltet sich als äußerst schwierig, wie wir bald merken.


Oscarreife Inszenierung

Obwohl die Story von Gears of War 4 nicht sonderlich facettenreich daher kommt, bietet die Einzelspielerkampagne einige interessante Wendungen. Daher wollen wir an dieser Stelle nicht weiter darauf eingehen. Nur so viel: Fans der Serie dürfen sich auf einige interessante Hintergrundinformationen und ein Wiedersehen mit bekannten Figuren freuen.

Eine sonderlich abwechslungsreiche und tiefgründige Geschichte darf man von dem Titel allerdings nicht erwarten, Gears of War 4 hat andere Qualitäten.  Und diese liegen in der Präsentation und unglaublich dichten Atmosphäre des Deckungsshooters, welche in der Form auch auf der Kinoleinwand hervorragend funktionieren würde.

In Sachen Technik und Inszenierung überzeugt Gears of War 4 auf ganzer Linie
In Sachen Technik und Inszenierung überzeugt Gears of War 4 auf ganzer Linie

So feuert der Titel ab der ersten Spielminute ein derart unglaubliches Actionfeuerwerk ab, welches – in Kombination mit der wunderschönen Grafik – fast schon im Minutentakt für offene Münder sorgt. Beispielsweise, wenn ihr auf dem Weg durch eine riesige Villa von einem Kampfhubschrauber angegriffen werdet.
Dieser zerstört dann einfach mal das halbe Haus, sodass ihr euch euren Weg in den sicheren Keller über brennende Holzbalken und einstürzende Decken bahnen müsst.

Oder wenn ihr auf einem Motorrad sitzend bei der Fahrt durch einen brennenden Wald ein Transportflugzeug zerstören müsst. Das fällt zwar spielerisch sehr simpel aus und setzt zu Beginn lediglich das rechtzeitige Ausweichen von Hindernissen voraus, macht aber trotzdem eine ganze Menge Spaß.

Von der Inszenierung her spielt Gears of War 4 in der obersten Liga mit, dabei reiht sich ein Bombast-Moment an den Nächsten. Da ist man geradezu dankbar dafür, dass das Spiel immer mal wieder das Tempo herausnimmt und Verschnaufpausen bietet.


Gears of War 4 – same old, same old

Leider kann der Titel dabei aus spielerischer Sicht nicht so ganz mithalten, denn Gears of War 4 mangelt es an Abwechslung. Zumeist betretet ihr ein bestimmtes Areal und müsst euch dann aller dort befindlicher Gegner erwehren. Ein akustisches Signal gibt an, wenn ihr in Sicherheit seid und weiterreisen könnt. Nach dem Öffnen eines Tores beginnt das Spiel dann im nächsten Bereich erneut.

Nur vereinzelt sorgen Fahrzeugpassagen oder Erkundungs-Abschnitte für ein wenig Abwechslung.
Trotzdem macht Gears of War 4 aber eine ganze Menge Spaß. Das liegt vor allem an den coolen Waffen, vielfältigen Umgebungen und den spannenden Kämpfen.

Es spielt sich wie ein typisches Gears-Spiel. Im Positiven, wie auch im Negativen.
Es spielt sich wie ein typisches Gears-Spiel. Im Positiven, wie auch im Negativen.

Dank kluger Gegner-KI haben es die Feuergefechte nämlich ganz schön in sich. Zumeist sieht sich das vierköpfige Team einer Übermacht aus Feinden gegenüber, die euch gerne flankieren oder mit unvorhersehbaren Angriffsmustern zu überraschen versuchen.
Ein Glück, dass auch die eigenen Kollegen hervorragend agieren und sich gegenseitig Feuerschutz geben oder wiederbeleben. Viel mehr Spaß macht das allerdings im Koop mit einem menschlichen Mitspieler.


Der Wind als Gameplay-Element

Besonders spannend wird Gears of War 4 allerdings in den Abschnitten, in denen der allgegenwärtige Wind in einen heftigen Sturm umschlägt. Dieses Feature ist nämlich viel mehr als eine nette Grafikspielerei, bei der euch Autos, Heuballen oder andere Gegenstände um die Ohren fliegen und die eigenen Bewegungen spürbar verlangsamt werden. Von dem Einsatz von Granaten solltet ihr Abstand nehmen, da euch diese in Sekunden nämlich direkt in das eigene Gesicht fliegen. Darüber hinaus können an verschiedenen Stellen Absperrungen zerschossen werden, um so schwere Objekte aus der Verankerung zu lösen.

Die Sturmfronten sind mehr als nur eine nette Grafikspielerei
Die Sturmfronten sind mehr als nur eine nette Grafikspielerei

Diese können dann dazu genutzt werden, den Gegnern den Garaus zu machen. Gerade das Experimentieren mit der Umgebung sorgt dabei für eine ganze Menge Spaß.

Meist werden diese Windabschnitte von heftigen Sonnenstürmen gefolgt, bei denen ihr mehreren gebündelten Strahlen ausweichen müsst, um nicht zu Asche verbrannt zu werden. Das gestaltet sich allerdings mitunter als durchaus kniffliges Unterfangen und sieht darüber hinaus noch absolut bombastisch aus.


Gears of War 4 – Ein technisches Meisterwerk

Aus technischer Sicht setzt Gears of War 4 neue Maßstäbe. Besonders die Grafik überzeugt mit wunderschönen, stimmungsvollen Lichteffekten auf ganzer Linie. Was die neue Unreal Engine 4 hier auf den Bildschirm zaubert, ist schlicht unglaublich. Die Umgebungen strotzen nur so vor wunderschönen Details, von vereinzelten, matschigen Texturen einmal abgesehen.

Gears of War 4 ist ein audiovisuelles Meisterwerk
Gears of War 4 ist ein audiovisuelles Meisterwerk

So erblickt ihr am Wegesrand Krähen, die wegfliegen sobald ihr euch ihnen nähert, bestaunt wunderschöne Brunnen voller Seerosen und erfreut euch an atemberaubend schönen, altertümlichen Bauten.
Auch die Charaktermodelle stehen dem in Nichts nach und überzeugen durch einen enormen Detailgrad und hervorragende, jederzeit passende Mimik.

Gerade das Zusammenspiel aus diesen schicken Details, den wunderschönen Licht- und Feuereffekten und den herrlichen Umgebungen sorgt dafür, dass Gears of War 4 die rundum stimmige und enorm dichte Atmosphäre hervorragend transportiert.

Dazu trägt allerdings auch die herausragende Vertonung des Deckungsshooters bei. Angefangen bei der stimmigen und treibenden Musikuntermalung, für die sich der Game-of-Thrones-Komponist verantwortlich zeigt, über die bombastischen und druckvollen Soundeffekte. Die deutsche Synchronisation überzeugt ebenfalls auf ganzer Linie. Alle Sprecher sind hervorragend gewählt und reagieren hervorragend auf die aktuelle Stimmung.

Besonders die Effekte überzeugen vollends
Besonders die Effekte überzeugen vollends

Besonders die Gespräche der Teammitglieder während der Feuergefechte oder Erkundungstouren punkten dabei durch eine ordentliche Prise Humor. Beispielsweise wenn sich die Freunde immer wieder gegenseitig aufziehen.

Dieses hervorragende Zusammenspiel aus bombastischer Grafik, rundum stimmiger Vertonung und wahnsinnig dichter Atmosphäre sorgt dafür, dass Gears of War 4 ein audiovisuelles Meisterwerk markiert. In Kombination mit der kinoreifen Inszenierung fühlt sich das Spiel an, wie ein großer Action-Blockbuster. Immer wieder erwischt man sich beim Spielen dabei, vielleicht doch noch schnell ein bis zwei Kapitel zu absolvieren. Nur weil man sehen will, welche coolen Ideen sich die Entwickler diesmal aufgefahren haben.


Mehr Spieler, mehr Spaß

Für Solisten und Koop-Freunde bietet Gears of War 4 also eine ganze Menge Futter. Dennoch liegt der Fokus des Spiels ganz klar auf dem Mehrspielermodus. Dabei stehen sowohl kompetitive Modi, wie auch der verbesserte Horde Modus zur Wahl.
Letzterer ist im Vergleich zu den Vorgängern vom Grundprinzip her gleich geblieben. Noch immer gilt es, mit bis zu fünf Spielern ein bestimmtes Areals gegen immer stärker werdende Gegnerwellen zu verteidigen.

Der Hordemodus wurde unter anderem um neue Klassen erweitert. Wie der Sniper
Der Hordemodus wurde unter anderem um neue Klassen erweitert. Wie der Sniper

Um das eher eintönige Konzept über die insgesamt 50 Runden auf Dauer interessant zu halten, kann man sich nun für eine von fünf vorgefertigten Klassen entscheiden. Nach und nach steigt man so im Level auf und schaltet man neue Fähigkeiten frei.
Natürlich können erneut Verteidigungsanlagen errichtet und verbessert werden. Allerdings spielt auch hier das dynamische Wettersystem eine nicht unwichtige Rolle.

Im Verlaufe der Partien kann es so nämlich passieren, dass der aufkommende Sturm eure Stachaldrahtzäune einfach wegweht. Oder aber schwere Gegenstände aus den Verankerungen löst, welche dann als Deckungsmöglichkeiten missbraucht werden können.
Durch diese neu gewonnene Dynamik profitiert der Horde Modus von Gears of War 4 ungemein, da sich unter Umständen keine Runde anfühlt, wie die andere.

Im Mehrspielermodus entfaltet der Titel sein volles Potential
Im Mehrspielermodus entfaltet der Titel sein volles Potential

Nur wenig getan hat sich im kompetitiven Multiplayer, bei dem bis zu 10 Spieler in zwei Teams gegeneinander antreten. Das macht allerdings gar nichts, denn das Aushängeschild der Serie überzeugt dank abwechslungsreicher Karten, hervorragender Spielbarkeit und spaßigen Modi auf ganzer Linie.
Dank konstanter 60 fps und dedizierter Server läuft der Mehrspielermodus besser, als jemals zuvor. Zudem motivieren unzählige freischaltbare Extras wie Waffen- und Charakterskins.


Fazit:

awardGears of War 4 überzeugt als audiovisuelles Meisterwerk, welches dank
hervorragender Atmosphäre und bombastischer Inszenierung auch auf der Kinoleinwand perfekt funktionieren würde. Im Singleplayer reiht sich eine coole Actionsequenz an die Nächste, was dank der Unreal Engine 4 wahnsinnig gut aussieht. Besonders wenn dann auch noch der Sturm einsetzt und Teile der Architektur einfach mit sich reißt.

Auf spielerischer Ebene offenbart der Shooter allerdings ein paar Schwächen. Vor allem das repetitive Gameplay und die wenigen Gegnertypen stoßen sauer auf. Im Prinzip sind die Aufgaben vom Beginn, bis hin zum großen Finale nämlich immer dieselben. Der gelungenen Inszenierung und der spannenden Kämpfe ist es allerdings zu verdanken, dass dies selbst auf Dauer eine ganze Menge Spaß macht.

Besonders der gelungene Mehrspielerpart wird allerdings mit abwechslungsreichen Modi und Karten, sowie unzähligen Extras auf Dauer für Motivation sorgen. Ein Fest volljährige Actionfans und ein würdiger Generationswechsel im Gears-Universum.


Vielen Dank an Microsoft für die freundliche Bereitstellung des Testmusters!

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