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3DS Reviews

Testbericht: Ever Oasis

Man bekommt im Leben nicht immer das, was man erwartet. So auch im Fall von Ever Oasis, von dem ich im Vorfeld dachte, es handele sich um Animal Crossing in der Wüste. Doch trotz einiger Parallelen hätte ich falscher kaum liegen können. Und mal ganz abgesehen davon, dass ich die konsequente Versorgung des 3DS mit Spielen sowieso sehr schätze, freue ich mich insbesondere darüber, wenn es sich dabei um solche unerwarteten Hochkaräter wie Ever Oasis handelt.

Ever Oasis
Ever Oasis ist tendenziell bunt und niedlich in Szene gesetzt.

Another One Bites The Dust

Die Story dreht sich dabei um die letzte verbliebene Oase in der Wüste, die von euch verwaltet und aufgebaut wird. Alle anderen Oasen (auch die, in der ihr aufgewachsen seid) sind bereits dem Chaos anheim gefallen und ihr seid effektiv die letzte Chance für die Wüste und ihre Bewohner. So weit, so bekannt? Zugegeben, die Story reißt zu keinem Zeitpunkt Bäume aus, bleibt aber stets unterhaltsam und rückt insbesondere gegen Spielende wieder stärker in der Vordergrund. Der erste Teil des Gameplays, den ihr kennenlernt, sind die City-Builder-Elemente, sprich die Erweiterung eures kleinen Paradieses und das Erledigen von kleineren Quests für eure Bewohner. Auch die Vorräte eurer Läden müsst ihr mithilfe von gesammelten Rohstoffen selbst wieder aufstocken, wenn ihr was zu kaufen haben wollt. Selbst ist der Oasenchef!

Den weitaus größeren Teil der Spielzeit nimmt jedoch, zumindest ab einem gewissen Punkt im Spiel, der Action-RPG-Part ein. Ihr erkundet das weite Wüstenland außerhalb eurer kleinen Heimat, bekämpft Gegner, werbt neue Bewohner an und plündert diverse Dungeons. Entwicklerstudio Grezzo haben bereits mit dem 3DS-Remake von Ocarina of Time einige Erfahrungen sammeln können, was sich hier merkbar niederschlägt – auf positive Art und Weise. Kämpfe sind meist recht simpel, aber dank Team-Koordination und Ausweichrolle angenehm flott und die generelle Struktur der Dungeons wird jedem Zelda-Connoisseur ein Lächeln ins Gesicht zaubern.

Ever Oasis
Die offen gehaltene Spielwelt hält eine Vielzahl von Herausforderungen bereit.

Under Pressure

Ever Oasis regt dabei bereits durch seine grundsätzliche Struktur dazu an, sich gut um die Oase zu kümmern. Denn Storyfortschritt ist an das Wachstum eurer neuen Heimat gebunden, was sich zunächst anstrengend anhört, in der Praxis jedoch wie von selbst vonstatten geht. Unterschiedliche Bewohner bringen nicht nur unterschiedliche Fähigkeiten im Kampf mit, sondern auch eigene Wünsche und Stärken. Und damit wären wir auch schon beim zentralen Element des Spiels, nämlich der Unterstützung eurer Bewohner in ihrem Alltag, damit sie im Umkehrschluss euch helfen.

Wie bereits angedeutet, hängt es stark von euren Handlungen ab, wie gut oder schlecht die Oase läuft. Vergesst ihr etwa, eure Läden mit Rohstoffen zu versorgen, die ihr entweder erbeutet oder selbst angebaut habt, werdet ihr es deutlich schwerer haben, zufällig vorbeikommende Besucher dafür zu begeistern, länger zu verweilen oder sich gar voll und ganz bei euch niederzulassen. Daher solltet ihr jede Stunde des Tages sinnvoll nutzen, um eure Ressourcen zusammen zu halten – und auch jede Stunde der Nacht, sofern ihr euch traut. Denn nach Sonnenuntergang werden die in der Wüste herumstreunenden Gegner deutlich stärker und gefährlicher, weshalb man es sich im Zweifelsfall zweimal überlegen sollte, ob es das Risiko wert ist. Gutes Zeitmanagement ist hier das Zauberwort.

Ever Oasis
Das Kampfsystem ist simpel gehalten, macht aber nicht zuletzt dank guter KI-Partner wirklich Spaß.

I Want To Break Free

Der größte Stolperstein, mit dem sich Ever Oasis herumschlagen muss, sind seine ersten vier bis fünf Spielstunden. Innerhalb dieser Zeit lernt ihr die verschiedenen Elemente des Spiels kennen und befindet euch somit effektiv noch im Tutorial. Da das Spiel euch alles extrem kleinschrittig beibringt, können eher ungeduldige Zeitgenossen (oder jeder, der mit gewissen Genrekonventionen bereits vertraut ist) hier schnell einen schlechten ersten Eindruck bekommen. Im Gegensatz zu anderen Nintendo-Titeln, wie zum Beispiel Skyward Sword, hört das Tutorial hier aber wenigstens irgendwann auf und man lässt den Spieler einfach machen – und dann macht es richtig Bock.

Andere Punkte sind eher kleinere Beschwerden als echte Dealbreaker: So ist etwa die Notwendigkeit, häufig seine Teammitglieder zu wechseln, da sie alle über individuelle Fähigkeiten verfügen, die in der Spielwelt gebraucht werden, an sich erstmal ein nettes Feature. Warum aber man diesen Wechsel allerdings ausschließlich in der Oase selbst durchführen kann, was teils zu einem umständlichen Hin und Her führt (trotz Schnellreiseoption), bleibt wohl jedem außer den Entwicklern selbst verborgen. Doch trotz einiger archaischer Designentscheidungen kann man Ever Oasis nicht lange böse sein, denn es macht mit seinem motivierenden und erfrischenden Genre-Mischmasch einfach zu vieles richtig.


Fazit:

AwardNicht schlecht, Herr Specht! Ever Oasis überstieg meine Erwartungen um ein ganzes Stück und präsentiert mit seiner charmanten Mischung aus Action-RPG und City Building eine ziemlich süchtig machende Formel. Nicht zuletzt an der aus jeder Pore triefenden Liebe zum Detail wird deutlich, dass man es hier effektiv mit einem First-Party-Titel von Nintendo zu tun hat.

Den genauen Reiz von Ever Oasis zu erklären, ist dabei abgesehen vom Cute-Faktor gar nicht so einfach. Die einzelnen Teile des Spiels sind okay, reißen aber für sich genommen keine Bäume aus. Doch als Gesamtpaket entsteht ein deutlich runderer Eindruck, als es zunächst den Anschein hat und so konnte mich dieser späte 3DS-Titel überraschend lange an den Handheld fesseln. Für ein mögliches Sequel ließe sich im Bereich kleinerer Quality of Life Improvements noch was reißen, aber ein mehr als nur solider Grundstein wurde hier auf jeden Fall schon mal gelegt. Kurz gesagt: Gerne mehr davon!


Das Testmuster wurde uns freundlicherweise von Nintendo zur Verfügung gestellt.

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