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Testbericht: EA Sports UFC

Wenn sich zwei MMA-Fighter im UFC-Octagon gegenüberstehen, dann kann man die Spannung förmlich mit den Händen packen. Wochenlanges Training, jeden Tag an seine Grenzen gehen, für den Moment. Jetzt zählt es nur noch, alles im Training gelernte perfekt umzusetzen. Es kommt auf den richtigen Punch an, den richtigen Kick, den richtigen Griff zur richtigen Zeit. Der Ringsprecher kündigt die beiden Protagonisten an, das Publikum jubelt, doch beide Kämpfer sind mit ihren Gedanken nur noch bei sich und dem was sie können. Beide sind sich auch bewusst, dass jede richtige Aktion mit einem Sieg enden kann, einmal nicht aufgepasst und der Schlag trifft die Schläfe und man sackt zu Boden. Ein Kampf, der sich schneller drehen kann als man denken kann. Doch keine Zeit für solche Gedanken, die Ring-Glocke ertönt und der Kampf geht los, jetzt zählt nur noch wer der bessere ist! Genau dieses Gefühl versucht Electronic Arts mit EA Sports UFC zu vermitteln. Ob sie das hinbekommen haben, habe ich für euch herausgefunden. Also schmeißt euch Popcorn in den Mund, schlürft an eurer Cola und den genießt den Fight!

punchpunch

Das Drama des Octagons

Wer sich sofort ins Kampfgeschehen begeben will, kann dies gerne tun, müsste dafür aber das Tutorial zu Beginn überspringen. Und gerade bei der Komplexität der Steuerung, sollte man dies auf keinen Fall. Auch ich übte mich in Geduld und versuchte mir die Moves und Bewegungen zu merken, auch wenn der deutsche Sprecher hier alles daran setzt, dass man sich eher darüber aufregt, wie schlecht er da gerade Sätze abliest, als dass man sich wirklich alles einprägt. Während ich also Kicks, Punches und Griffe erlernte, hatte ich nur den Gedanken: „Gleich erst einmal auf Englisch stellen!“. Ich hätte viel besser aufpassen sollen, dann wäre mir die große Schmach sicher erspart geblieben.

Nach dem Tutorial steht auch direkt ein Kampf an. Die beiden Cover-Stars Jon Jones und Alexander Gustafsson treffen aufeinander. Schicke Videos stimmen auf den Kampf ein. Mein erster Kampf also, ich brenne darauf, den Gegner auf die Matte zu prügeln. Was kann schon schiefgehen, immerhin wurde mir gerade noch alles richtig erklärt. Aber zuvor schaue ich mir die Inszenierung an, beide Kämpfer laufen zum Ring, dazu dröhnt die Musik in der Halle, das Publikum jubelt. Erster Eindruck, die Kämpfer sehen sehr geil aus, das Publikum und die Halle hinken hinterher, schade. Egal, Bruce Buffer ist fertig mit seinem Ansager-Gedöns, der Kampf geht endlich los. Ich habe mir schon überlegt, wie ich vorgehe, erst leichte Schläge ins Gesicht, blocken, ausweichen und dann ein saftiger Kick gegen den Kopf!

Das waren meine Pläne…

Ich fühle mich leer und frustriert, was ist gerade passiert, ich schaue fassungslos auf den Bildschirm…

11 Sekunden, der Kampf ist vorbei, ich wurde ausgeknockt!

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Immer wieder auf den Boden

Immer noch fassungslos glotze ich auf den Bildschirm, während die Wiederholung meine Schmach zeigt. 11 Sekunden hat es gedauert, der erste Kick sorgt für den Knockout. So richtig glauben kann ich es nicht. Wie kann mir so etwas passieren? Ich bin mehrfacher Fußball-Weltmeister, habe mehr Rennen bei Mario Kart gewonnen als Sand am Meer liegt, selbst Schwergewichts-Champion im Boxen war ich schon, wie kann ich da nach 11 Sekunden verlieren?! Es kann nicht an mir gelegen haben, das Tutorial hat mir doch alles erklärt, da kann ich keinen Fehler gemacht haben! Er hatte Glück! Mehr nicht, dummes Glück! Also sofort in den Auswahlbildschirm. Aber welchen Kämpfer nehme ich? Alle Gewichtsklassen sind vertreten, auch die Frauen. Ich klicke mich durch die Riege, bis ich ihn finde: Anderson Silva! Der große Star, wie kann ich mit ihm an meiner Seite verlieren? Es wird noch irgendein Gegner ausgesucht, aber für solch eine Rache muss natürlich auch ein geeigneter Schauplatz her. Was passt da besser als Madison Square Garden in New York? Also auch das passt und der Kampf kann beginnen!

Ich bin heiß drauf, Einmarsch und Vorstellung werden direkt übersprungen. Keine Zeit für das Ganze, ich will kämpfen. Der Kampf ist freigegeben, alles nur nicht wieder nach 11 Sekunden auf die Fresse bekommen. Aber der Gegner legt los wie ein Berserker, nur mit Mühe kann ich mich der Schläge und Tritte erwehren. Aber dann erstes Erfolgserlebnis, die 11 Sekunden-Grenze ist überschritten, die Zuversicht kehrt zurück und die ersten Angriffe werden gekontert. Mit intelligent getimten Blocks und Ausweich-Schritten lasse ich die Angriffe verpuffen und decke ihn mit saftigen Schlägen und Tritten ein. Saftig fühlt sich aber anders an, manche Kicks, die viel heftiger wirken sollten kommen rüber wie ein Stupser. Gefällt gar nicht, so verpufft der Impact eines saftigen Kicks oder einer harten Rechten. Aber egal, der Gegner taumelt, aber geht noch nicht zu Boden, Zeit ihm ein Ende zu bereiten!

Doch ich werde zu überheblich, selbst wenn ich ihn zu Boden bringe, lasse ich ihn wieder aufstehen. Ich will ihn ausknocken und nicht am Boden prügeln, dass wäre mir nicht gut genug. Doch auch ein Fehler, denn wieder einmal nicht aufgepasst und schon liege ich am Boden. Er hat mich zu Boden gerissen, mich fest im Griff, nur schwer kann ich seinen donnernden Schlägen ausweichen. Steht mir etwa erneut eine Niederlage bevor? Nicht schon wieder. Aber jetzt wäre es mein Fehler. Der Bodenkampf wirkt behäbig, die Spannung zieht davon, nein sie rennt förmlich weg. Mein Gegner sammelt seine Ausdauer, es passiert nichts, ich versuche mich zu befreien und es klappt. Ich lasse von ihm ab, lasse ihn erneut aufstehen, weiche seiner rechten Faust aus und setze zu einem Sprung-Kick an, er sitzt perfekt. Er zuckt und fällt wie eine Bahnschranke zu Boden. Steif wie ein Brett bleibt er auf der Seite liegen, zusätzlich läuft noch Blut über sein Gesicht, dies setzt der Dramaturgie die Krone auf, aber ich werde mir bewusst, dass ich gewonnen habe! Ich habe im Octagon gesiegt!

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Viele kleine Negativ-Punkte

Mein Ziel ist erreicht, ich habe einen glorreichen Sieg errungen, meine Niederlage schon fast vergessen. Zeit, mir endlich mal alles genau anzuschauen. Neben dem „Schnellen Kampf“ gibt es noch den obligatorischen Karriere-Modus, der als nächstes auf meinem Zettel steht. Ein Challenge-Modus. In kleinen Mini-„Spielen“ kann man seine Fähigkeiten testen, ganz nett, aber brauche ich nicht. Wie sich rausstellt, sind die kleinen Mini-Spielchen das Training in der Karriere, also komme ich damit sowieso in Berührung. Dann natürlich noch der Online-Modus. Ich erinnere mich zu meinem Bedauern wieder an meine lächerliche Niederlage und vermeide es, mich mit Gegnern aus aller Welt zu messen. Die prügeln mich eh durch den ganzen Ring. Also steht jetzt die Karriere an.

Standesgemäß baue ich mir zuerst meinen eigenen UFC-Recken, bevor die Karriere starten kann. Und dann zeigt EA Sports UFC eine tolle Inszenierung. Es gibt tolle Videos, Video-Botschaften von Trainern, anderen UFC-Kämpfern und sogar UFC-Chef Dana White lässt von sich hören und ermutigt mich, mein Bestes zu geben. Auch startet die Karriere wie in der echten Welt mit der Teilnahme an der TV-Show „The Ultimate Fighter“. Woche für Wochen treten die Kandidaten gegeneinander an. Der Schwächere verliert und ist raus aus der Show und am Ende kämpfen die beiden Übriggebliebenen um einen Vertrag bei der UFC. Schön inszeniert, toll umgesetzt, so sollte ein Karriere-Modus starten. Leider war es das dann auch mit der tollen Inszenierung, ab jetzt gilt Monotonie. Gegner auswählen, trainieren, kämpfen. Diese drei Schritte wiederholen sich immer und immer wieder. Hier wäre eine größere Abwechslung oder Ereignisse, die  zwischendurch passieren, eine willkommene Abwechslung.

Auch andere Kleinigkeiten fallen zwar nicht alleine ins Gewicht, aber zusammen sind sie dann schon ärgerlich. Ich kann verstehen, durch die kleine Riege an Frauen kann man diese eben nicht in der Karriere spielen, aber wieso kann ich mir auch keine im Editor erstellen? Wieso habe ich in jedem Kampf immer wieder Clipping-Fehler? Warum ist der Boden-Kampf so schädigend für den Kampf-Flow? Wieso fehlt die Wucht hinter den Angriffen? Alles Punkte, an denen EA unbedingt arbeiten muss. Und wenn man schon daran sitzt, Dinge zu verbessern, dann kann man auch den deutschen Sprecher mal einen Schlag in den Nacken geben für seine wirklich schlechte Art zu kommentieren!

Trotzdem macht EA Sports UFC Spaß. Die Kämpfe, wenn sie sich nicht am Boden abspielen, sind spannend und sorgen für Nervenkitzel, die Inszenierung ist auf weiter Strecke gelungen, hat aber noch Nachholbedarf. Dafür überzeugen die UFC-Stars, die super aussehen. Wenn die Halle und das Publikum auch noch diese Qualität vorweisen könnten, dann gäbe es hier nichts mehr zu meckern. Es gibt genügend Punkte an denen man sich stören könnte oder man schaut drüber hinweg und hat Spaß mit ein paar Runden im Octagon, dafür ist der Titel nämlich perfekt.


Vielen Dank an Electronic Arts für die freundliche Bereitstellung des Testmusters.

 

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