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Dishonored 2 Review

Als vor knapp vier Jahren Dishonored das Licht der Videospielewelt erblickte, nahm den Titel gefühlt fast niemand wahr. Sehr schade, denn bereits der Erstling punktete durch sein wahnsinnig stimmiges Artdesign und die verschiedenen Herangehensweisen beim Lösen der Aufgaben.
Trotzdem war der Hype um den Nachfolger riesig. Nun steht Dishonored 2: Das Vermächtnis der Maske endlich in den Läden. Doch hat sich das Warten überhaupt gelohnt?

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Das hatte man sich anders vorgestellt

Dishonored 2 spielt 15 Jahre nach den Geschehnissen des Vorgängers. Emily Kaldwin, die Tochter des einstigen Protagonisten und Meuchelmörders Corvo Attano ist mittlerweile zur Kaiserin aufgestiegen.

Nach einem optionalen Tutorial, welches uns mit den grundlegenden Mechaniken des Schleichspiels vertraut macht, wohnen wir den Feierlichkeiten zum 15. Todestag unserer Mutter bei. Schnell entwickelt sich die Andachtsfeier für Emily und Corvo zum Albtraum, als urplötzlich eine vermeintliche Tante auftaucht und die Regentschaft über das Kaiserreich für sich beansprucht.

Die Feier wird von einem düsteren Ereignis überschattet
Die Feier wird von einem düsteren Ereignis überschattet

Als wäre dies nicht schon genug, werden wir auch noch des Mordes beschuldigt und festgenommen, denn ein Assassine namens Kronmeuchler macht Jagd auf unsere Feinde.

Was folgt ist eine Entscheidung mit weitreichenden Konsequenzen, denn bereits zu Beginn lässt uns Dishonored 2 die Wahl, ob wir das rund 15-stündige Abenteuer aus der Sicht von Emily oder Corvo bestreiten möchten.


Dishonored 2 mit Disney-Story

Die zwar hervorragend präsentierte, aber nicht sonderlich komplexe Rahmenhandlung des Titels würde auch hervorragend in einen Disney-Film passen. Alles ist gut, böses Familienmitglied taucht aus dem Nichts auf, nichts ist mehr gut. Sonderlich viel mehr gibt es zur Story dann auch fast schon nicht zu sagen. Schade, denn hier verschenkt Dishonored 2 eine Menge Potential.

Dishonored 2 verschenkt bei der Story leider einiges an Potential.
Dishonored 2 verschenkt bei der Story leider einiges an Potential.

Was folgt ist ein Rachefeldzug, bei dem unsere Hauptfigur einen Untergebenen der selbsternannten neuen Kaiserin Delilah nach dem anderen zur Strecke bringen muss, um den Thron zurückzuerobern.

Aus spielerischer Sicht sieht das dann aber schon besser aus. Je nachdem, ob wir uns für Emily oder Corvo entscheiden, spielt sich Dishonored 2 nämlich spürbar anders. Auswirkungen auf die Geschichte hat die Wahl des Protagonisten dabei aber kaum.


Eine lebendige Welt

Wie bereits der Vorgänger setzt auch Dishonored 2 auf spielerische Freiheit und besticht vor allem durch hervorragendes Leveldesign. Die insgesamt 10 Kapitel des Spieles kommen enorm abwechslungsreich daher.

Mit dem Boot schippern wir in Dishonored 2 zu den verschiedenen Leveln.
Mit dem Boot schippern wir in Dishonored 2 zu den verschiedenen Leveln.

Zu Beginn sind wir beispielsweise in den engen Gassen der Hafenstadt Karnaca unterwegs. An den Docks gehen Hafenarbeiter und Ladenbesitzer ihrem Handwerk nach, Fischer sezieren einen Wal. Ganz allgemein wirkt die Welt deutlich lebendiger, als noch im Vorgänger. Überall tummeln sich Menschen, die beim Belauschen mitunter sogar hilfreiche Informationen für uns bereithalten können.

Außerdem warten die verschiedenen Areale mit unzähligen Geheimnissen und Sammelgegenständen auf. Seien es nur Münzen, die wir beim örtlichen Schwarzmarkt in neue Ausrüstung oder Verbesserungen invertieren dürfen. Das macht es zu einer wahren Freude, jeden Winkel der herrlich gestalteten Welt zu erforschen.

Auffällig ist, dass das Spiel deutlich an Vertikalität zugelegt hat. Überall dürfen wir auf Gebäude oder Gerüste klettern oder Mauern erklimmen, um so vielleicht einen geheimen Hintereingang oder ein interessantes Haus erreichen zu können.

Das Leveldesign überzeugt.
Das Leveldesign überzeugt.

Grundsätzlich durchqueren wir innerhalb der einzelnen Kapitel zumeist ein eher unbewachtes Gebiet auf dem Weg in das Areal, in dem sich unser Ziel aufhält. Dort wimmelt es entsprechend nur so vor Wachen und Schutzmaßnahmen. Doch auch hier lässt uns Dishonored 2 stets die Wahl, wie wir denn vorgehen wollen.


Neue Schwächen und alte Stärken

Erneut liegt es ganz bei uns, ob wir eher leise und vorsichtig oder aggressiv vorgehen möchten. Auch diesmal dürfen wir zudem entscheiden, ob wir die Gegner töten oder nur betäuben wollen.

Diese Entscheidungen haben mitunter spürbare Auswirkungen auf den weiteren Spielverlauf und sogar das Ende des Spiels. Pflastern wir die Straßen des Kaiserreichs nämlich mit Leichen, fällt das Finale deutlich düsterer aus, als wenn wir die Leben unserer Widersacher verschonen – was das eigentliche Spiel dafür aber deutlich schwieriger macht.

Schleichen oder meucheln? Wir haben stets die Wahl.
Schleichen oder meucheln? Wir haben stets die Wahl.

Schade nur, dass das eigentliche Missionsdesign von Dishonored 2 gegenüber dem Vorgänger etwas an Komplexität verloren hat. Zumeist ist man nämlich nur damit beschäftigt, ein hochrangiges Ziel zu eliminieren. Dabei bieten sich uns zwar zahlreiche Möglichkeiten, auf die coolen und hervorragend inszenierten „Unfälle“ des Vorgängers verzichtet das Spiel aber leider völlig.

Das ist besonders ärgerlich, denn genau diese Optionen haben den vier Jahre alten Erstling zu einem ganz besonderen Spiel gemacht. Gerne erinnert man sich an das Sauna-Level zurück, in dem man die verschiedenen Ziele durch Manipulation der Rohre ins Jenseits schicken konnte, ohne sich selbst die Finger dreckig zu machen.

Trotzdem macht das Sondieren der Lage und Finden der bestmöglichen Herangehensweise erneut den Reiz des Spieles aus. Und genau hier punktet Dishonored 2.

Wenn wir vorsichtig eine prachtvolle Villa durchforsten und dabei auf Geheiminformationen stoßen, wann unser Ziel eine mögliche Essenslieferung erwartet, ergeben sich mitunter ganz neue Möglichkeiten, als wenn wir einfach die offene Konfrontation gesucht hätten.


Die Unterstützung ist uns gewiss

Je nach bevorzugter Spielweise kann die Spielzeit von Dishonored 2 deutlich variieren. Lassen wir beispielsweise einige Nebenaufgaben außer Acht und kümmern uns nicht darum, unser Ziel lebend zu fassen, können einzelne Missionen mitunter in nur wenigen Minuten beendet werden.

Nicht nur durch die unterschiedlichen Fähigkeiten ergeben sich viele Möglichkeiten.
Nicht nur durch die unterschiedlichen Fähigkeiten ergeben sich viele Möglichkeiten.

In einem Level war ich beispielsweise verdutzt, als mir mein Kontrahent bereits zu Beginn in die Augen blickte. Ein Schuss aus Pistole oder Armbrust hätte zum erfolgreichen Abschluss der Mission geführt, allerdings wollte ich ihn unbedingt lebend fangen. Dies gestaltete sich dann deutlich komplexer als eigentlich angedacht, da ich zunächst mehrere Gegenstände sammeln, miteinander kombinieren und meinem Ziel dann unbemerkt unterjubeln musste.

Auch die unterschiedlichen, freischaltbaren Fähigkeiten haben Auswirkungen auf das eigentliche Spiel. Innerhalb der Level sammeln wir Runen, die wir entweder in neue Talente oder Verbesserungen wie beispielsweise mehr Lebensenergie oder erhöhten Schaden unserer Waffen investieren dürfen.

Dazu gesellen sich zudem Knochenartefakte, die uns ebenfalls kleinere Aufwertungen spendieren und sich zudem miteinander kombinieren lassen.
Das alles führt dazu, dass sich Dishonored 2 bei jedem Spieldurchgang komplett anders anfühlen kann, sofern man dies denn wünscht. Der Variantenreichtum, den das Spiel bietet ist schier beeindruckend.


Da wäre mehr drin gewesen

Aus technischer Sicht ist Dishonored 2 ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite überzeugt das Spiel mit einem stimmigen Artdesign und einer hervorragenden, wahnsinnig dichten Atmosphäre.
Auf der anderen Seite fallen aber viele matschige und detailarme Texturen negativ auf, die noch dazu nicht immer sofort geladen sind. So dauert es manchmal ein paar Sekunden, bis die Umgebung scharf wird.

Design und Atmosphäre stimmen. Leider sind die Texturen eher detailarm ausgefallen.
Design und Atmosphäre stimmen. Leider sind die Texturen eher detailarm ausgefallen.

Gerade die Charaktermodelle hätten aber noch Feinschliff vertragen können. Besonders die Gesichter und Animationen gefallen nicht wirklich. Bei der Vertonung gibt es nur wenig Anlass zur Kritik. Der stimmige und enorm atmosphärische Soundtrack überzeugt auf ganzer Linie. Zudem punktet die deutsche Synchronisation mit hervorragenden Sprechern.

Doch dann sind da leider noch einige technische Aussetzer, die den Spielspaß ein wenig trüben. Gleich mehrmals wurden unsere Spieldurchgänge von nervigen Abstürzen unterbrochen. Außerdem kam es vor, dass das Bild während der Ingame-Zwischensequenzen einfach schwarz blieb.

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Fazit:

awardTrotz aller Kritik: Dishonored 2 ist ein hervorragendes Spiel geworden. So punktet das Schleichspiel vor allem durch sein cleveres Leveldesign und die unzähligen Möglichkeiten. Durch die zwei Hauptfiguren und die verschiedenen Herangehensweisen kann sich das Spiel in jedem Durchgang komplett anders anfühlen. Da haben die Entwickler ganze Arbeit geleistet. 

Zudem stimmt der Umfang und Dishonored 2 überzeugt dank einer stimmigen und atmosphärischen Welt, die es wirklich in sich hat. Schade nur, dass die Story und das eigentliche Missionsdesign hinter ihren Möglichkeiten zurück bleiben. 

Ich persönlich vermisse die Missionen aus dem Vorgänger, der mir persönlich eine Spur besser gefallen hat. Auch bei der Technik wäre sicherlich noch einiges drin gewesen, gerade die langsam nachladenden und trotzdem matschigen Texturen gefallen nicht wirklich.

Doch das alles ist Meckern auf hohem Niveau. Dishonored 2 gehört zweifelsohne zu den besten Spielen des Jahres. Diesen Titel sollte sich wirklich niemand entgehen lassen. 


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