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PS4 Reviews Xbox One

Testbericht: DiRT Rally (PS4)

Es begab sich im Dezember des vergangenen Jahres, dass Entwickler Codemasters PC-exklusiv einen riskanten Versuch wagte und einen neuen Ableger seiner beliebten Rally-Rennspielreihe im Early-Access-Programm von Steam veröffentlichte. Knallhart, schnörkellos und ohne Rücksicht auf Verluste – genau so, wie in den guten alten Tagen. Nicht wissend, ob ein solches Spiel auch heutzutage noch Anklang finden würde, wurde der Mut der findigen Briten belohnt: DiRT Rally schlug ein wie eine Bombe.
Nicht einmal ein halbes Jahr später driftet die Rennsimulation auch um die Kurven auf Xbox One und PlayStation 4. Grund genug für uns, den Motor erneut zu starten und den Schotter-, Asphalt- und Schneepisten dieser Welt abermals einen Besuch abzustatten.

Im neuen Rallycross-Modus treten wir gegen andere Fahrer auf der Strecke an
Im neuen Rallycross-Modus treten wir gegen andere Fahrer auf der Strecke an

Dark Souls mit Rädern

„Fünf links in zwei rechts, über Kuppe, macht zu in drei rechts, in offene Kehre links“ Schmerzerfüllt heult der Motor meines Subarus unter der nicht enden wollenden Belastung der anspruchsvollen Buckelpiste auf.

Emsig versucht mein Fahrwerk, den losen Steinen und herumliegenden Ästen der griechischen Bergstraße Herr zu werden, während die Sonne langsam am Horizont versinkt. Schweiß perlt von meiner Stirn: Noch liege ich in Führung. Noch, denn ich weiß dass auch nur eine Millisekunde Unachtsamkeit das vorzeitige Ende bedeuten kann.

Nur noch ein Sektor bis zum Ziel, vorsichtig bediene ich die Pedalerie meines 300-PS-Boliden, ziehe die Handbremse und gleite anmutig um die Haarnadelkurve. „Nur noch wenige Kurven und ich bin in Sicherheit“ denke ich mir.

Und dann kommt, was kommen musste: Unter törichter Ignoranz der Warnungen meines Beifahrers schneide ich eine Kurve. Sekundenbruchteile später finde ich meinen Wagen auf dem Dach liegend am Fuße des Berges wieder.

Auch auf den Konsolen wird klar: DiRT Rally ist nicht die Art Spiel, die mich mit Samthandschuhen anfasst. Der Titel wickelt sich genüsslich Tape um die Faust und schlägt mir direkt mitten ins Gesicht. Eine sichtbare Ideallinie und Bremspunkte? Kindergarten! Eine Rückspulfunktion? Lächerlich!


Die Lust am Frust

Ein derartiges Spielgefühl ist man selbst als eingefleischter Rennspielfan seit Jahren nicht mehr gewohnt, entsprechend schwierig gestaltet sich der Einstieg in das Spiel. Viele Testfahrten und Unfälle sind von Nöten, bis man das herrlich präzise und extrem realistische Fahrverhalten verinnerlicht hat, trotz dem Frust zu Spielbeginn erzeugt der Titel eine unglaubliche Suchtspirale, welche letztlich dafür sorgt, dass DiRT Rally eines der besten Rennspiele der letzten Jahre geworden ist.

Das Spiel hat es in sich: Ein Moment der Unachtsamkeit kann das Aus bedeuten.
Das Spiel hat es in sich: Ein Moment der Unachtsamkeit kann das Aus bedeuten.

Für grundlegende Dinge zum Spiel empfehle ich nochmals meinen Test der PC-Version, in dem ich auf die wesentlichen Kernaspekte eingehe, der weitere Verlauf des Tests bezieht sich zunehmen auf die Unterschiede der Konsolenfassungen.


DiRT Rally: Größer, besser, abwechslungsreicher

Gegenüber dem relativ überschaubaren Umfang der Early-Access-Fassung hat sich mittlerweile einiges getan: Insgesamt sieben neue Fahrzeuge haben den Weg ins Spiel gefunden, zudem gibt es mit Classic-Mini und Super-1600 zwei komplett neue Rennklassen.

Außerdem gesellen sich zu den klassischen Rallyepisten die spannenden Rallycross-Rennen, in denen mehrere Fahrzeuge gleichzeitig auf Rundkursen um den Sieg kämpfen. Wahre PS-Monster beherbergen die Pikes-Peak-Hillclimb Events, welche es wirklich in sich haben.
Insgesamt haben die Entwickler den Umfang deutlich spürbar nach oben geschraubt, was dem Spielspaß entsprechend zugutekommt und für Abwechslung sorgt. Tägliche, wöchentliche und monatliche Onlineevents sorgen zudem für Spannung, heiß her geht es besonders in den Onlinerennen, welche zu Beginn ebenfalls noch nicht verfügbar waren.

Spielerisch und technisch rangiert der Titel auf ganz hohem Niveau
Spielerisch und technisch rangiert der Titel auf ganz hohem Niveau

Anfänger freuen sich zudem über 22 recht detaillierte Tutorial-Videos, welche die Grundlagen des Rally Sports hervorragend vermitteln.
Die Gamepadsteuerung wurde zudem hervorragend umgesetzt, selten hatte man eine solche Kontrolle über sein Fahrzeug. Je nachdem, auf welchem Untergrund wir unterwegs sind, steuern sich die Karossen mitunter enorm unterschiedlich, was gerade bei wechselnden Fahrbahnbelegen zu einer Herausforderung werden kann.


Wahnsinnig schick

Auch technisch hinterlässt die Konsolenfassung von DiRT Rally einen hervorragenden Eindruck. So flimmert die PS4-Fassung in voller 1080p-Auflösung mit konstanten 60 Bildern pro Sekunde über den Bildschirm.

Um die flüssige Bildrate gewährleisten zu können, wurde die Auflösung auf der Xbox One ein wenig dynamisch heruntergeschraubt. Im Spielgeschehen merkt man davon allerdings nichts. Insgesamt sehen beide Konsolenversionen wirklich hervorragend aus, wenngleich die Texturen nicht den vollen Detailgrad des PC-Pendants erreichen.

Besonderes Lob gebührt jedoch abermals der erstklassigen Vertonung, welche in diesem Genre ihresgleichen sucht. Nie klangen Motoren besser, nie war es ein größerer Genuss, Kieselsteinen beim fröhlichen Rotieren in der Karosserie zuzuhören. Auch musikalisch hat der Titel gegenüber der PC-Version nochmals eine Schippe draufgelegt.


Fazit:

awardDiRT Rally kann als Paradebeispiel für das Early-Access-Programm bezeichnet
werden: Man liefert ein gelungenes Grundgerüst, erweitert es nach und nach um sinnvolle Neuerungen und verbessert es kontinuierlich. Heraus kommt eines der besten Rennspiele der letzten Jahre.

Brutal schwer und doch unglaublich motivierend. Daher aber vermutlich nicht jedermanns Geschmack. Wer sich darauf einlässt, erhält aber ein enorm stimmiges Gesamtpaket, welches nur noch wenig Anlass zur Kritik bietet.

Ein wenig mehr spielerische Abwechslung hätte dem Titel sicherlich nicht geschadet. Einen Anfängermodus mit ein paar Hilfestellungen hätten Fans dem Spiel sicherlich nicht übel genommen. Aber sei es drum: DiRT Rally rockt und gehört in das Regal eines jeden Rennspielfans.

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