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Testbericht: DiRT 4 – Ein holpriger Weg zum Rally-Thron?

Nach der fulminanten Rückkehr zu den Simulationswurzeln im vergangen Jahr greift Codemasters mit DiRT 4 erneut nach dem Rally-Thron. Diesmal will der Offroad-Racer der britischen Entwickler nicht nur Genre-Profis, sondern auch Neulinge ansprechen und mit abwechslungsreichen Spielmodi punkten. Eben so, wie zuletzt vor sechs Jahren im eigentlichen Vorgänger. Doch der Weg zum Rally-Thron ist lang und steinig, ob dem Spiel das gelingt?


DiRT 4 – Auch Anfänger sind willkommen 

Mit DiRT Rally im vergangenen Jahr kehrte die Serie zu ihren Wurzeln zurück. Ein Schritt, den sich viele Fans gewünscht hatten. Doch die beinharte Simulation kam nicht bei allen Rennfahrern positiv an, gerade Anfänger hatten aufgrund des knackigen Schwierigkeitsgrades und der realistischen Steuerung ihre Probleme. Erfreulicherweise wählten die Entwickler für DiRT 4 einen Mittelweg zwischen ebendieser Simulation und dem Arcade-Spielgefühl von DiRT 2 und 3.

Eine kluge Entscheidung, wie sich ziemlich schnell zeigt. Vor allem Anfänger werden in der DiRT Academy behutsam in die Grundlagen des Motorsports eingeführt. Zudem bietet der Racer die Wahl zwischen verschiedenen Steuerungsprofilen, um das Fahrverhalten der Boliden perfekt an die eigenen Vorlieben anzupassen. Selbstredend lassen sich für Profis auch alle Fahrhilfen deaktivieren. 

DiRT 4 bedient sowohl Anfänger, als auch Profis hervorragend

Egal für welche Variante ich mich auch entscheide, das Fahrverhalten der Karossen wurde hervorragend und äußerst präzise umgesetzt. Bereits nach kurzer Eingewöhnung drifte ich in Perfektion um die engen Haarnadelkurven. Besonders die verschiedenen Fahrbahnbeläge wie Eis, Schotter oder Asphalt haben die Entwickler erneut sehr gut umgesetzt.

Die Unterschiede zwischen den einzelnen Fahrzeugklassen sind gewaltig. Während ich mit Allrad-Karossen sicher über die Pisten fliege, reagieren die Landrush-Fahrzeuge äußerst giftig auf meine Lenkeingaben und sind weitaus schwieriger zu beherrschen. Das macht Laune.

Auf eine Rückspulfunktion, mit der ich Fahrfehler wieder ausbügeln kann, verzichtet das Spiel allerdings konsequent. Lediglich die Anzahl der Neustarts kann ich über den Schwierigkeitsgrad regeln. Zerlege ich also kurz vor dem Ziel meinen Rennwagen, muss ich entweder damit leben oder die komplette Wertungsprüfung von vorne beginnen. 


Mehr Abwechslung? Kannst du haben! 

Erfreulicherweise bietet DiRT 4 bei den Fahrzeugklassen mehr Abwechslung, als sein Vorgänger. Neben der normalen Rally von A nach B stehen verschiedene Rundkursrennen zur Auswahl. Im Landrush-Modus kämpfen so zum Beispiel Buggys, Karts oder mächtige Trucks um den Sieg auf kurzen Staubpisten. Zudem verfügt das Spiel über die offizielle Rallycross-Lizenz, daher stehen alle Fahrzeuge des FIA World Rallycross Championship zur Auswahl.

 

Der Landrush-Modus feiert ein fulminantes Comeback.

In diesem Modus kämpfen insgesamt sechs Fahrer um den Sieg. Der Clou: Einmal pro Rennen muss eine sogenannte Jokerrunde absolviert werden. Dabei handelt es sich um eine verlängerte Runde, welche mich je nach Strecke bis zu 10 Sekunden Zeit kostet. Begleitet von meinem Spotter, der mir während des Rennens die Position der Gegner ansagt, muss ich also taktieren. In welcher Runde nehme ich den Umweg in Kauf, um nicht im Getümmel wieder auf die Strecke einzubiegen? So entfalten sich äußerst spannende Rennen, bei denen Gerangel und kleinere Blechschäden an der Tagesordnung sind.

Prunkstück von DiRT 4 sind aber zweifelsohne die Rally-Etappen, die im Sekundentakt mit Haarnadelkurven, Sprüngen und engen Kurven aufwarten und für einen unvergleichlichen Adrenalinrausch sorgen. Genau so, wie man es seit den Anfängen der Reihe vor knapp 20 Jahren gewohnt ist.

Mit dem Ford Fiesta durch Australien! DiRT is back.

Für etwas Entspannung im knallharten Rally-Alltag sorgen zusätzlich die Spielspaß-Modi, die man bereits aus den Vorgängern DiRT 2 und 3 kennt. Darin gilt es beispielsweise, innerhalb eines Zeitlimits eine bestimmte Anzahl an Pappaufstellern zu zerstören. Das ist auf Dauer zwar nicht wahnsinnig spannend, funktioniert als Entspannung und kurzer Spaß zwischendurch allerdings sehr gut.


DiRT 4: Mit dem eigenen Team zum Sieg

Kernstück des Spiels ist natürlich der Karrieremodus. Nachdem ich zu Beginn die Rally-Lizenz freigespielt habe, darf ich in den Offroad-Meisterschaften an den Start gehen. Für absolvierte Veranstaltungen erhalte ich Erfahrungspunkte und steige so im Level auf. Dadurch schalte ich nach und nach die anderen Fahrzeugklassen frei.

Um an einem Event an den Start gehen zu können, darf ich mir entweder einen fahrbaren Untersatz ausleihen oder einen Neu-, beziehungsweise Gebrauchtwagen kaufen. Trete ich mit einem eigenen Team an, muss ich zwar die Reparaturen selbst bezahlen, erhalte aber auch mehr Geld aus den Veranstaltungen und darf meine Sponsoren selbst wählen.

Außerdem kümmere ich mich um bessere Techniker oder ein stärkeres PR-Team, welches neue Sponsoren an Land zieht. Wahnsinnig innovativ ist der Karrieremodus von DiRT 4 zwar nicht ausgefallen und wirklich neue Ideen sucht man vergeblich, allerdings motiviert er mit seinen abwechslungsreichen Events und den vielen Freischaltungen hervorragend und macht eine Menge Spaß.

Rally, Landrush und Rallycross machen Laune. Mehr gibt’s jedoch nicht.

Schade nur, dass die Auswahl an Umgebungen leider sehr überschaubar ausgefallen ist. Bekannte Rally-Locations in Deutschland, Finnland oder Monaco glänzen durch Abwesenheit. Auch im Rallycross-Modus ändert sich daran nur wenig, gerade einmal vier Länder stehen zur Auswahl. Hier hatten die Vorgänger deutlich mehr zu bieten. 

Für Multiplayer-Freunde bieten sich zudem umfangreiche Mehrspieler-Optionen. Online dürfen bis zu acht Fahrer gleichzeitig in den verschiedenen Modi an den Start gehen, auch ganze Meisterschaften können absolviert werden. Dazu gesellen sich wie bereits in den Vorgängern abwechslungsreiche tägliche oder wöchentliche Events, in denen ich unter festgelegten Bedingungen bestimmte Aufgaben erfüllen muss. In den Bestenlisten darf ich zudem meine Zeiten mit Fahrern aus der ganzen Welt vergleichen und das auf Wunsch sogar plattformübergreifend.


Die Revolution bleibt aus

Auch der als Revolution angekündigte YourStage-Streckeneditor kann leider nicht vollends überzeugen, wenngleich die Idee gut ist. Mittels weniger Parameter bastelt mir das Spiel in Sekundenschnelle Rally-Etappen, die ich dann befahren und sogar mit Freunden teilen darf. So sind im Prinzip unendlich viele Streckenvarianten möglich. Das funktioniert auch tadellos, beschränkt sich jedoch leider auf die eigentlichen Rallye-Etappen. Zudem könnten die dabei generierten Umgebungen etwas mehr optische Abwechslung vertragen.

Fahrzeuge und Effekte gefallen. Die Umgebungen sind jedoch etwas detailarm.

Ähnlich verhält es sich mit der Grafik von DiRT 4, die grundsätzlich auf sehr gutem Niveau rangiert. Vor allem die Effekte und Fahrzeugmodelle sehen hervorragend aus. Besonders, wenn die untergehende Sonne durch die schneebedeckten Baumwipfel Schwedens scheint. Zudem gibt es regelmäßig schicke Details zu bestaunen. Beispielsweise überqueren plötzlich direkt vor meinem Wagen Tiere die Fahrbahn oder ein Hubschrauber raubt mir durch den aufgewirbelten Staub im australischen Outback kurzzeitig die Sicht.

Bei den Umgebungsgrafiken muss sich das Spiel allerdings der Konkurrenz geschlagen geben. Die Bäume, Büsche oder Steine am Streckenrand sind jedenfalls nicht sonderlich detailreich ausgefallen. Zudem wirken manche Bereiche leider ziemlich leblos. Selbst für ein Offroad-Rennspiel. Dafür läuft DiRT 4 aber jederzeit wunderbar flüssig. 

DiRT 4 ist nicht perfekt, dennoch das beste Rally-Spiel seit Jahren!

Keinen Anlass zur Kritik liefert sich die Vertonung. Die Motorengeräusche sind über jeden Zweifel erhaben und auch die Soundeffekte klingen hervorragend, zum Beispiel wenn kleine Steine in meinem Radkasten klappern oder ich mir den Weg durch den frischen Schnee bahne. Abgerundet wird die hervorragende Akustik von einem erstklassigen Soundtrack, der mit bekannten Künstlern wie Queens of the Stone Age oder The Chemical Brothers für Stimmung sorgt. 


Fazit:

AwardMit DiRT 4 liefern die Rally-Profis von Codemasters ein hervorragendes Rennspiel und eine konsequente Weiterentwicklung von DiRT Rally aus dem vergangenen Jahr ab. Man hat die Stärken der Vorjahresversion genommen und um deutlich mehr Abwechslung erweitert. Außerdem wurde der fast schon unfaire Schwierigkeitsgrad heruntergeschraubt, ohne dabei etwas von dem hervorragenden Spielgefühl einzubüßen.

Dank umfangreicher Einstellungsmöglichkeiten werden hier sowohl blutige Anfänger, als auch angehende Profi-Rennfahrer erstklassig bedient. Die Spielmodi sind erfreulich abwechslungsreich ausgefallen und der Karrieremodus motiviert durch den Aufbau des eigenen Teams auch auf längere Sicht. Abgerundet wird das hervorragende Gesamtpaket durch umfangreiche Mehrspieleroptionen und eine gelungene Technik.

Ärgerlich jedoch, dass nur wenige Rennorte den Weg in das Spiel gefunden haben. Auch der YourStage-Editor wirkt noch nicht ganz ausgereift und die Umgebungsgrafik könnte etwas mehr Feinschliff vertragen. Doch das stört den Spielspaß nur wenig. Wer Rennspiele mag, wird mit DiRT 4 viel Freude haben. Für Offroad-Fans führt sowieso kein Weg an dem Spiel vorbei.


Vielen Dank an Koch Media für die Bereitstellung des Testmusters!

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Tim Rozenski