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Testbericht: Deus Ex: Mankind Divided

Zugegeben: Deus Ex: Mankind Divided hat als Fan des nunmehr fünf Jahre alten Vorgängers wahrlich keinen leichten Stand bei mir.
Ich habe mir sogar dessen Soundtrack und den dazugehörigen Roman gegönnt, um noch intensiver in die düstere Zukunftsvision von Detroit eintauchen zu können. Dementsprechend riesig waren meine Erwartungen an den Nachfolger, welchen Eidos Montreal nun endlich veröffentlicht hat. Der zweite Auftritt von Protagonist Adam Jensen musste also alles besser machen, als der Erstling. Das gelingt Mankind Divided sogar auch in vielen Belangen, bei einem ganz entscheidenden Detail scheitert das Action-Rollenspiel allerdings fast schon kläglich.

Deus Ex: Mankind Divided punktet mit rundum stimmiger Atmosphäre
Deus Ex: Mankind Divided punktet mit rundum stimmiger Atmosphäre

Zu viele Fragen bleiben offen

Nehmen wir es gleich vorweg. Deus Ex: Mankind Divided scheitert daran, was die Serie seit ihren Ursprüngen im Jahr 2000 auszeichnet. Nämlich dem erzählen einer packenden Hintergrundgeschichte.

Auf dem Papier zumindest bietet der neueste Ableger sogar alles, was einen guten Agententhriller ausmacht. Es gibt Verschwörungstheorien, Untergrundorganisationen und machthungrige Konzernchefs. Die moralischen Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen zunehmens.

Auch der Plot rund um die drohende Ghettoisierung der Augmentierten sollte eigentlich jede Menge Stoff für spannende Geschichten bieten. Eigentlich, denn Mankind Divided fühlt sich an wie ein knapp dreißigstündiger Prolog. Ja ich war regelrecht geschockt, als urplötzlich der Abspann über den Bildschirm zu flimmern begann. Gerade als ich dachte, dass die Handlung erst Fahrt aufnimmt.
Am Ende habe ich das unschöne Gefühl, gerade einmal die Weichen für das eigentliche Abenteuer gestellt zu haben, welches es aber gar nicht gibt.

Die Story um Unterdrückung bleibt leider sehr blass
Die Story um Unterdrückung bleibt leider sehr blass

Um die Story nur kurz anzureißen: Zwei Jahre nach den Geschehnissen des Vorgängers ist die Kluft zwischen den verbesserten Menschen und der normalen Bevölkerung angewachsen. Spätestens, als es zu dem Aug Incident kam, bei dem die Augmentierten die Kontrolle über ihre neuen Körperteile verloren und Amok liefen.

Die Optis genannten Optimierten stoßen im Jahr 2029 entsprechend auf Feindseligkeit. Welche bis hin zur systematischen Unterdrückung geht. In jeder Straße der tschechischen Hauptstadt Prag wird dies spürbar.
Beispielsweise wenn schwer gepanzerte Polizisten durch die Gassen patrouillieren, Drohnen die Bevölkerung scannen und ich beim Durchforsten der Umgebung immer wieder Zeuge der Polizeigewalt gegen die Optis werde.

Die absolut stimmige Atmosphäre von Deus Ex: Mankind Divided ist enorm bedrückend. Ja fast schon schockierend düster und weist mitunter Parallelen zu manch aktuellen Geschehnissen auf, welche tagtäglich unsere Medien dominieren.


Deus Ex: Mankind Divided lebt von seiner Welt

Auch die Hauptmissionen des größtenteils in Prag angelegten Abenteuers bleiben erstaunlich blass, viel interessanter sind da schon die Nebenaufgaben ausgefallen. Denn obwohl Jensen die gesamte Spielzeit über eher als unbeteiligter, stiller Beobachter agiert und nie wirklich tief in die Geschichten und Schicksale der Bewohner eindringt, sind es gerade die Nebenquests, welche die Welt von Deus Ex: Mankind Divided spürbar und lebendig machen.

Deus Ex: Mankind Divided sieht hervorragend aus. Leider stören Ruckler und Tearing
Deus Ex: Mankind Divided sieht hervorragend aus. Leider stören Ruckler und Tearing

Wenn ich beispielsweise zu Beginn des Spiels bei dem Versuch, einen kriminellen Fälscherring auszuhebeln feststelle, dass deren Motivationen weitaus edler sind, als zunächst vermutet.

Denn ich stelle fest, dass der Ring andere Augmentierte – also Menschen, die dank hochtechnologischer Prothesen und Verbesserungen fortschrittlicher und leistungsfähiger sind, als der gemeine Bürger – mit Papieren versorgt, um ein sicheres Verlassen der Stadt zu ermöglichen.
Die Entscheidung, wie ich die Angelegenheit regele und ob ich den Bürgern wirklich helfe, liegt dabei ganz alleine bei mir.

Das alles liest sich jetzt weitaus negativer, als es eigentlich ist. Denn Deus Ex: Mankind Divided macht, abgesehen von seiner Story, nahezu alles besser, als sein Vorgänger. Dabei markiert die spielerische Freiheit ebenfalls seit jeher ein Aushängeschild der Serie. Und selbst diesen Aspekt entwickelt Jensens zweites Abenteuer konsequent weiter, was sich nicht nur in der Spielweise bemerkbar macht.

Selbst die Nebenmissionen stehen dem Haupt-Plot in Sachen Freiheit in Nichts nach. Sogar in den Bosskämpfen lässt mir das Spiel die Wahl, wie ich vorgehen möchte. Ja selbst die Möglichkeit, das Spiel durchzuspielen, ohne auch nur einen einzigen Gegner zu töten ist vorhanden (inklusive Bosse).


Die Qual der Wahl

Ich als Spieler habe die Wahl und jederzeit volle Kontrolle über das Spiel. Und genau diesen Aspekt vermittelt Eidos‘ Abenteuer so dermaßen gut, wie es vielleicht noch keinem vor ihm gelang. Das beginnt bei der Auswahl meiner Missionen, denn ich kann mir jederzeit selbst aussuchen, welche Aufgabe ich zuerst angehen möchte.

Innerhalb der Quests habe ich allerdings nur ganz selten eine fest vorgegebene Aufgabe und selbst wenn dies doch einmal der Fall sein sollte, liegt es ganz alleine an mir, wie ich mich dem Ziel nähere.

Grundsätzlich kann ich mich zum Beispiel dafür entscheiden, einen drohenden Konflikt bereits im Keim zu ersticken und töte kurzerhand einfach die Drahtzieher. Aber ich habe auch die Möglichkeit, zunächst einmal in einen Deal einzuwilligen und mich einfach davon überraschen zu lassen, wie sich der Handlungsstrang möglicherweise weiter entwickelt.

Nur um irgendwann wieder an einen Punkt zu gelangen, bei dem meine Entscheidung bezüglich des weiteren Vorgehens den kompletten Verlauf der Mission kippen kann.

Das Spiel lässt mir jederzeit die Freiheit, welche Mission ich angehen will und wie.
Das Spiel lässt mir jederzeit die Freiheit, welche Mission ich angehen will und wie.

Beinahe grenzenlose Freiheit

Deus Ex: Mankind Divided bietet dabei in der Tat eine noch nie dagewesene und viel tiefschichtigere spielerische Freiheit, als seine Konkurrenz.

Ob dies nun die Missionen an sich betrifft, das clevere Lösen der Aufgaben oder mein Vorgehen innerhalb einer Mission: Seit Langem habe ich kein Spiel mehr gespielt, in dem ich zu jedem Zeitpunkt das Gefühl hatte, Herr meiner Taten zu sein. Ich und nur ich allein!

Wie bereits im Vorgänger lässt mir das Spiel also auch jederzeit die Wahl, ob ich in bester Rambo-Manier einen Gebäudekomplex stürme und die schwer bewaffneten und mitunter enorm klugen Gegner über den Haufen ballere oder ob ich vorsichtig von Schatten zu Schatten schleiche.
Entscheide ich mich für das vorsichtige Vorgehen, fühlt sich der Titel fast schon an wie die Splinter Cells und Metal Gear Solids dieser Welt.

Da ich auf eine Vielzahl hilfreicher Gadgets und Augmentierungen zurückgreifen kann, fühlt sich der Schleichweg wahnsinnig spannend, fordernd und deutlich interessanter an, als die Brechstangen-Methode. Das Ganze geht sogar so weit, dass ich mitunter gerne mal eine Mission erneut versuche. Nur um die anderen Möglichkeiten ebenfalls auszuprobieren.


Menschlichkeit 2.0

Action-Fans dürfen sich darüber freuen, dass sich Deus Ex: Mankind Divided auf Wunsch fast schon wie ein klassischer Ego-Shooter spielt. Die verschiedenen Schießprügel wie Pistole, Maschinengewehr oder Schrotflinte lassen sich mit allerlei Extras verbessern und mit anderen Munitionstypen ausstatten. Außerdem darf Jensen auf unterschiedliche Granatentypen – ob tödlich oder nicht tödlich – oder Minen zurückgreifen.

Die Kämpfe sind aufgrund der wuchtigen Waffen und der klugen künstlichen Intelligenz unserer Widersacher gleichermaßen spannend, als auch fordernd ausgefallen und machen eine ganze Menge Spaß.

Dank verbessertem Action-Gameplay spielt sich der Titel fast schon wie ein Shooter
Dank verbessertem Action-Gameplay spielt sich der Titel fast schon wie ein Shooter

Allerdings darf man dabei eines nicht außer Acht lassen: Mankind Divided ist und bleibt ein Rollenspiel. Dementsprechend haben die Erkundung der detailreich gestalteten und mitunter atemberaubend schönen Spielewelt, sowie die Interaktion mit deren Bewohnern, oberste Priorität.

Ein großer Teil des Spiels bietet also eher ein gemächliches, ja fast schon lahmes und stellenweise etwas zähes Tempo. Besonders teilweise hakelige und unschöne Animationen stören die Atmosphäre des Titels aber leider des Öfteren. Zudem kommt es leider immer wieder zu leichten Rucklern und mitunter heftigem Tearing.

Und auch, wenn die deutschen Sprecher meist einen ordentlichen Job abliefern, liegen diese doch auf einem ganz anderen Niveau, als ihre englischsprachigen Kollegen. Besonders da es ab und an zu bösen Übersetzungsfehlern kommt, welche den eigentlichen Kontext in einem ganz anderen Licht dastehen lassen. Weitaus besser gefällt da schon die atmosphärische und futuristische Musik, welche stark zur gelungenen Atmosphäre beiträgt.


Das Rollenspiel in Deus Ex: Mankind Divided

Der Rollenspiel-Aspekt wird in Deus Ex: Mankind Divided also groß geschrieben. Für erhaltene Erfahrungspunkte kaufe ich neue Fähigkeiten oder Upgrades, welche mir das weitere Vorgehen mitunter spürbar vereinfachen. Oder mir sogar ganz neue Wege eröffnen. Das fühlt sich hervorragend an und lädt zum freudigen Herumprobieren ein. Besonders da ich meine aktivierten Augmentierungen jederzeit anpassen kann.

Bei seinem Stealth-Anspruch punktet der Titel fast vollends. Überall innerhalb der verwinkelten Areale Prags finden sich Schleichwege. Etwa durch die Kanalisation, die Lüftungsschächte oder über die Dächer. Dank präziser Steuerung bewege ich mich katzenhaft und wie ein Geist von Deckung zu Deckung und warte die gegnerische Patrouille ab.

Hacken, schleichen, tarnen, erkunden. Das Stealth-Gameplay ist gelungen
Hacken, schleichen, tarnen, erkunden. Das Stealth-Gameplay ist gelungen

Dann aktiviere ich die Tarnung, welche mich unsichtbar werden lässt und schleiche über eine Leiter in das nächste Gebiet. Ungesehen und ohne jemanden ausschalten zu müssen. Sofern mir dies natürlich gelingt. Zudem lenke ich beim Hacken von Türen oder Geschützen die Aufmerksamkeit meiner Kontrahenten von mir oder führe sie mit einer geschickt geworfenen Mülltonne in die Irre.

Deus Ex: Mankind Divided bietet, wie bereits mehrfach erwähnt, derart viele Möglichkeiten und verschiedene Herangehensweisen, dass das Ausprobieren selbiger zu einer wahren Freude wird.

Und so verbringe ich viel Zeit damit, das für mich perfekte Vorgehen zu planen und zu experimentieren. Ich löse für mich komplett irrelevante, da viel zu lahm präsentierte Aufgaben innerhalb der blassen Story. Denn zumindest in diesem Aspekt scheitert Mankind Divided kläglich.


Fazit:

awardSerien-Fans dürften Deus Ex: Mankind Divided mitunter zwiegespalten entgegenstehen.
Eigentlich ist es den Entwicklern gelungen, fast jeden Aspekt des hervorragenden Vorgängers nochmals zu verbessern. Die Atmosphäre ist stimmig, die Welt lebendig.
Das actiongeladene Gameplay wurde nochmals an allen Ecken verbessert. Darüber hinaus suchen die Stealth-Mechaniken fast schon Ihresgleichen. Zudem bietet das Spiel eine fast noch nie dagewesene spielerische Freiheit. Und das in absolut allen Aspekten des Spiels.

Wären da nur nicht die mitunter sehr zähe Spielgeschwindigkeit und die enttäuschende Story, welche nicht nur für Serien-Maßstäbe einfach viel zu blass bleibt.
Trotzdem ist Deus Ex: Mankind Divided ein sehr gutes Rollenspiel geworden. Welches vor allem aus spielerischer Sicht fast vollends überzeugen kann.

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