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PS Vita Reviews

Testbericht: Demon Gaze

Derzeit können sich PlayStation Vita-Besitzer nicht über Spielemangel beklagen. Momentan erscheint ein Kracher nach dem anderen für das Handheld und in die Reihe dieser möchte sich auch Demon Gaze gesellen. Doch kann der Dungeon Crawler mit Perlen wie Danganronpa oder der kommenden God of War HD Collection mithalten? Wir haben uns das Spiel angeschaut und erzählen euch, was euch mit Demon Souls erwartet.Demon_Gaze_Screen_1

But Thou Must, Demon Gazer!

Wir wachen in einem Kerker auf. Eine Wache stürmt auf uns zu, teilt uns mit, dass hinter jeder Ecke Gefahr lauern könnte. Ein Dämon treibt sein Unwesen, wie wir schnell herausfinden. Der Kerker selbst ist überschaubar. Einige verschlossene Türen lassen sich über weit entfernte Schalter öffnen, hier und da liegen Items herum, die unsere HP regenerieren oder Statuseffekte heilen können. Die Wache geht voraus. Ein Aufschrei, plötzlich Stille. Sie hat es nicht geschafft. Als wir uns weiter zum Ausgang machen, kommt es, wie es kommen muss. Auch uns stellt sich der Dämon entgegen. Mit all unserer Kraft können wir ihn überwinden. Als er sich nach der Niederlage in eine andere, weniger aggressive Form verwandelt, erfahren wir, dass wir unser Auge benutzen können, um den Dämon zu bannen. Diese Kraft, welche nur wenige besitzen, macht uns zu einem Demon Gazer. Die Welt ist überrannt worden, Monster treiben ihr Unwesen. Ehemals lebendige Städte sind nur noch ein Schatten ihrer selbst, stehen in Ruinen und Flammen. Doch es gibt Hoffnung. Denn der Kerker, in welchem wir aufwachten, führt uns zum Dragon Princess Inn. Dort treffen wir auf Lancelorna, eine ehemalige Demon Gazer, welche ihr Demon Gaze Auge in einer großen Schlacht verloren hat. Geführt wird das Inn von Fran, die uns schnell klar macht: Wenn wir hier in Sicherheit hausen wollen, müssen wir Geld verdienen. Dafür müssen wir durch die Dungeons dieser Welt marschieren, Gegner bekämpfen, Dämonen bezwingen und nebenbei auch noch einige wichtige Punkte Frans und unserer Herkunft klären.Demon_Gaze_Screen_2

Generisch

Und das klingt doch erstmal alles ziemlich spannend. Jedoch entscheidet sich schnell, ob ihr mit dem Titel euren Spaß haben werdet oder nicht, denn die Macher haben einige Designentscheidungen getroffen, die nicht jedem gefallen. So wird das Geschehen fast ausschließlich in Textform erläutert. Währenddessen werden uns die Artworks der anwesenden Charaktere vor generischen Hintergründen angezeigt, hin und wieder gibt es aber auch ein einzigartiges Artwork, welches die aktuelle Situation besser einfängt. Die Standbilder und Charaktersprites sind alle in einem generischen Animestil gehalten, sind aber je nach Figur sehr niedlich anzusehen. Selbiges gilt auch für den Humor und die Geschichte. So dürft ihr Fran einmal sehr früh im Spiel an die Brüste fassen, nur um sicherzustellen, dass sie auch wirklich ein Mensch ist. Ein anderes Mal erwischen wir die Maid, welche einer katzenähnlichen Rasse angehört, dabei, wie sie an Frans Unterwäsche schnüffelt, obwohl sie aufräumen sollte. Sie erklärt uns dann errötend, dass dies nunmal so sei bei ihrer Rasse. Und auf dieser Ebene bewegt sich der Humor im Allgemeinen. Die Story hält dann zwar ein paar Überraschungen parat, wer allerdings von Anfang an die Dialoge aufmerksam mitliest und sich gewisse Charaktersprites mal etwas genauer anschaut, kann eine Vielzahl der Plottwists voraussagen, ehe das Spiel wirklich an Fahrt aufgenommen hat.

Denn das Spiel zieht sich ungemein. Wenn wir nicht gerade in einer ewiglangen Eventkette hängen, die uns von einer Textbox zur nächsten zwingt, streifen wir durch die Dungeons, die mit stetigem Fortschritt immer mehr Areale preisgeben. Dort gibt es jeweils einen Hauptdämon, den es zu bändigen gilt. Doch um sich ihm stellen zu können müssen wir eine gewisse Anzahl an Portalen schließen und nutzen dafür Gems, die wir entweder käuflich erwerben oder in Zufallskämpfen gewinnen. Hier spielt eines der wirklich gelungenen Elemente ein, denn die Waffen und Rüstungen im Spiel sind in Klassen unterteilt. Bis ihr eine S-Rang Rüstung und Waffe tragt, können gute 15 bis 20 Stunden Spielzeit vergehen, wenn nicht noch mehr. Die Portale geben nämlich Bossgegner preis, die je nach platziertem Gem (etwa ein Rüstungsgem, ein Schwertgem, Schildgem, etc.) und Anzahl dieser an Masse und Stärke gewinnen. Je mehr Gems wir platzieren, desto stärker ist der Bossgegner und desto besser ist die Belohnung die wir erhalten. Jedoch gibt es auch hier wieder einen Dämpfer, denn zu Beginn des Spiels kann es schnell passieren, dass wir bei den Kämpfen unser Leben geben. Aufleveln dauert bereits in den frühen Stufen einige Zeit und wenn wir Pech haben, stoßen wir auf einen Gegner, der uns weit überlegen ist. Regelmäßiges Speichern ist also angesagt, vor allem vor dem Betreten von Portalen oder den Kämpfen mit den Dämonen. Kleinere Quests sorgen für Abwechslung, jedoch stehen euch schon zu Beginn einige zur Verfügung, zu deren Zielort ihr aber noch gar nicht gelangen könnt und die ihr erst im späteren Spielverlauf freischaltet. So entsteht schnell eine Routine, die entweder langweilt oder begeistert. Ihr durchstreift die Dungeons, levelt eure Charaktere, kehrt zurück, zahlt Miete, verkauft unnötige Items, kontrolliert, ob ihr bessere Rüstung kaufen könnt, führt ein, zwei Gespräche mit Questgebern und geht dann wieder in die Dungeons.Demon_Gaze_Screen_3Wollt ihr weitere Charaktere in eure Party aufnehmen, kostet dies ebenfalls Geld. Der Preis steigt pro Figur, auch dafür ist grinden angesagt. Bis zu sieben Figuren könnt ihr so haben, wobei nur fünf davon jeweils aktiv in eurer Party sind. In den Dungeons könnt ihr, wenn ihr mit der PlayStation Vita online seid, ähnlich wie in Dark Souls Nachrichten von anderen Spielern mit Hinweisen finden oder diese selbst schreiben. Der Soundtrack hat ein paar nette Stücke, allerdings wirkt der Gesang hin und wieder sehr künstlich, als würde es direkt aus Vocaloid kommen. Für Puristen gibt es in den Optionen auch noch eine japanische Sprachausgabe neben der englischen, jedoch sind nur wenige Dialoge komplett vertont worden.

Routine

Am Ende bleibt ein Spiel, welches eigentlich nichts wirklich falsch macht, aber auch nirgends wirklich hervorsticht. Die Persona-Reihe etwa hat sich immer mehr vom Dungeoncrawler entfernt und mehr Wert auf Story und Charaktere gelegt. Demon Gaze fühlt sich sehr altmodisch an, legt mehr Wert auf eine lange Spielzeit und hofft, dass die stetig besser werdenden Rüstungsgegenstände einen bei Laune halten. Die Story ist meist nur Beiwerk, drängt sich aber dann doch immer wieder in den Vordergrund, um dem Spieler auf die Nerven zu gehen. Dennoch kann das Spielprinzip gerade dadurch auf einem Handheld glänzen. Denn wer oft Zug oder Bus fährt, gelegntliche Wartezeiten überbrücken will, findet hier einen kleinen Zeitfresser ohne wirkliche Mängel. Schnell mal durch die Dungeons zu rennen und einige Kämpfe zu bestreiten für Geld und Erfahrungspunkte, in diesen Momenten glänzt Demon Gaze. Mehr darf man dann aber nicht erwarten.


Vielen Dank an NIS America für die freundliche Bereitstellung eines Testmusters!

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