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Testbericht: Darksiders 2: Deathinitive Edition

Fragt man mich, was für mich persönlich die fünf besten Spiele der vergangenen Konsolengeneration sind, zählt definitiv der Auftritt des zweiten apokalypischen Reiters Tod im 2012 veröffentlichten Action-Adventure Darksiders 2 dazu. Doch leider blieb dem umfangreichen Abenteuer des flinken Sensenmanns seinerzeit der kommerzielle Erfolg verwehrt – kaum einer kennt den zweiten Teil der Reihe aus dem mittlerweile geschlossenen Hause Vigil Games.

Die nun erschienene Deathinitive Editon soll das jetzt ändern, warum es endlich Zeit ist, das Abenteuer nachzuholen und warum sich den Titel absolut niemand entgehen lassen sollte, versuche ich an dieser Stelle zu klären.

Der Tod reit' - Darksiders ist wieder da: Besser als je zuvor
Der Tod reit‘ – Darksiders ist wieder da: Besser als je zuvor

Eine Prise Zelda, etwas Soul Reaver und ein Hauch von Action-RPG

Wie heißt es so schön: Lieber gut geklaut, als schlecht selbst gemacht. Dieses Motto traf bereits hervorragend auf den 2010 erschienen ersten Teil der Serie mit dem Untertitel Wrath of War zu, welcher eine atmosphärische Fantasy-Welt mit Spielelementen der beliebten Spieleserie um Link und Zelda aus dem Hause Nintendo verband und das Ganze mit dem Szenario der drohenden Apokalypse garnierte.

Während ich im Erstling in die Haut von Krieg – einem der vier Reiter der Apokalypse – schlüpfe, bekämpfe ich die Heerschar von Dämonen im zweiten Teil als Kriegs Bruder Tod. Die Handlung beider Spiele verläuft dabei parallel: Krieg befindet sich im Kampf zwischen Engeln und Dämonen weil er beschuldigt wird, die Apokalypse vorzeitig herbeigeführt zu haben. Gleichzeitig macht sich Tod allerdings auf, den Namen seines Bruders reinzuwaschen.

Zugegeben: Die Story von Darksiders 2 ist nicht wirklich komplex, bietet teils etwas verwirrende Wendungen und driftet an manchen Punkten in die Belanglosigkeit ab, nur um kurz darauf wieder in erzählerische Höhen zu schießen. Letztlich ist die Aufgabe ziemlich simpel – ich metzele mich durch unzählige Gegner und teils bildschirmausfüllende Bosse, erkunde die riesige, größtenteils offene Spielewelt und suche allerlei Geheimnisse.

Und diese Mischung geht auf: Die knapp 30-stündige Kampagne des Spiels fesselt nach dem etwas zähen Einstieg ungemein und hat mich seinerzeit wie heute magisch in ihren Bann gezogen und nicht mehr losgelassen. Mit von der Partie in der Deathinitive Edition sind übrigens auch sämtliche Zusatzinhalte, welche die Länge des Spiels mal eben verdoppeln.

Im Grunde genommen lässt sich das Spielprinzip mit dem der Legend of Zelda-Serie vergleichen: Nach und nach schalte ich den Weg zu Tempeln frei, welche sich – genau wie bei Nintendos Blondschopf mit der grünen Mütze – immer einem bestimmten Thema widmen. Innerhalb dieses Tempels erhalte ich einen bestimmten Gegenstand oder eine Fähigkeit, welche ich zum Bezwingen des jeweiligen Bosses benötige und welche mir dann innerhalb der Spielewelt neue Wege eröffnet. Dieses Spielkonzept geht vollends auf und ist noch heute genauso spannend und zeitlos, wie bereits vor 29 Jahren. Durch das deutlich erwachsenere und blutigere Gerüst um dieses Konzept herum und das spannende Apokalypse-Setting hatte ich persönlich mit den Titeln allerdings deutlich mehr Spaß, als mit den letzten Ablegern der Zelda-Serie.

Sieht besser aus und spielt sich noch immer genial.
Sieht besser aus und spielt sich noch immer genial.

Das liegt auch an der enorm präzisen Steuerung, sowie dem herausragenden Kampfsystem – während Krieg im Erstling eher gemächlich und wuchtig agierte, ist sein toter Bruder hingegen flink wie ein Wiesel und beharkt die Gegner mit schnellen Sensen- und Fernkampfangriffen und wechselt per Tastendruck zu einer schweren Waffe. So treibe ich in den Kämpfen gegen eine feindliche Übermacht den Kombozähler in schwindelerregende Höhen, weiche aus, pariere Schläge und setze blutige Finishing-Moves ein.

Im Gegensatz zum Vorgänger hielten bei Darksiders 2 auch vereinzelte, sinnvolle Rollenspielelemente Einzug: Gevatter Tod verfügt über zwei Talentbäume, mit denen ich entweder die physischen Angriffe verstärke oder vermehrt auf Magie setzen kann. Entsprechend ändert sich natürlich auch das Spielgefühl. Zudem gibt es unterschiedlich starke Waffen – darunter auch alte Reliktwaffen, welche ich mit anderen Materialien füttern kann, um diese zu verstärken, diverse Rüstungsgegenstände und vieles mehr. Hier hat man sich deutlich von Diablo inspirieren lassen, denn all diese Elemente funktionieren hervorragend.

Außerdem hat die Remastered-Version eine spürbare Verbesserung des Balancings erhalten – der teils stark schwankende Schwierigkeitsgrad gehört nun endlich der Vergangenheit an. Auch, weil die Entwickler von Gunfire Games kräftig an der Lootverteilung gearbeitet haben.

Grafisch gibt es aufwändigere Titel, aber der Look ist zeitlos und stimmig.
Grafisch gibt es aufwändigere Titel, aber der Look ist zeitlos und stimmig.

Ein spielbarer Comic

Viele weitere Verbesserungen sind vor allem grafischer Natur: So flimmert das Spielgeschehen nun in nativen 1080p über den Bildschirm. Neue Licht- und Schatteneffekte, sowie stark verbesserte Umgebungsgrafiken und Charaktermodelle machen Darksiders 2 zu einem wirklich schönen Spiel.

Auch das teils heftige Tearing des Originalspiels, sowie die hässlichen, flackernden und ausfransenden Schatten gehören in der Deathinitive Edition der Vergangenheit an. Auch wenn der Titel grafisch nie zu den aufwändigsten oder detailliertesten Spielen gezählt hat, ist das rundum stimmige und wunderschöne Comic-Artdesign des US-amerikanischen Zeichners Joe Madureira für mich noch heute eines der besten der vergangenen Jahre.

Eben mit den richtigen Ecken und Kanten, glaubhaften Charakteren und einer unglaublich atmosphärischen Spielewelt. Ähnlich verhält es sich da mit der Vertonung, welche aufgrund von hervorragenden und passenden Sprechern, tollen Soundeffekten und vor allem einem herausragenden Soundtrack auf ganzer Linie punkten kann.

Hinweis: Bei meinem ersten Anspielen kam es zu Rucklern und Soundaussetzern – scheinbar wird das Spiel dabei anfangs weiter installiert, denn beim zweiten Spielstart waren sämtliche Aussetzer und Fehler verschwunden.


Fazit:

AwardUnverständlich, warum das originale Darksiders 2 seinerzeit kaum Beachtung fand. Schon damals zählte der Titel aufgrund toller Inszenierung, unglaublicher Welt und fesselndem Gameplay-Mix zu den besten Spielen der vergangenen Konsolengenerationen und zog mich magisch in seinen Bann.

Tods Abenteuer leistet sich nur ganz wenige Fehler und genau dort setzt die Deathinitive Edition an: Der Schwierigkeitsgrad ist ausgeglichener, die Grafik hübscher und die Beuteverteilung deutlich fairer. In der riesigen Spielewelt gibt es unglaublich viel zu entdecken, schade nur dass die meisten Nebenaufträge nur Sammelaufgaben sind. Auch die vielen Ladezeiten, sowie die nicht konstanten 60 Bilder pro Sekunde stören den ansonsten rundum gelungenen Gesamteindruck. Dennoch sage ich: Darksiders 2 muss jeder gespielt haben. Jetzt erst recht!


 

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