Image default
Specials

Special: Unsere Meinung zur E3 2015 – Teil 4

Lindas Meinung:

Ich stehe vor der schwierigen Aufgabe, diese Zeilen in etwa zehn Tage nach den Ereignissen in Los Angeles aufs digitale Papier zu bringen, ein Zeitraum, in dem ich zur Uni, zum Bäcker und zum örtlichen Kebab-Haus gegangen bin; Ein Zeitraum, in dem ich ein Rockfestival besucht, vom Schlamm und Regen gezeichnete Wäsche gewaschen und schließlich den Weg zurück in den andersartigen Alltag gefunden habe. Und so möchte man meinen, dass binnen dieser beinahe vergangenen zwei Wochen jegliche Euphorie bezüglich der auf der Electronic Entertainment Expo (kurz E3) gezeigten Videospielneuheiten und -altbekanntheiten nahezu gänzlich verflogen ist.

Ätsch, nein!

Meine Augen sind natürlich immer noch tränenerfüllt, wenn ich an diese Zeit zurück denke, in der ich, übrigens durch und durch Tag-Mensch, bis spät in die Nacht hinein elektrisiert, hochgradig euphorisiert und manchmal auch peinlich berührt vor meinem Notebook hockte und die Live-Übertragungen verfolgte, um am nächsten Tag in Kauf zu nehmen, wie ein gescheiterter Haufen Mensch zu erscheinen, der mit seinen eigenen Augen ringt.

Die Enthüllung des Remakes von Final Fantasy VII war nur einer von vielen ganz besonderen Momenten der E3 2015.

Die E3 hat einen ganz besonderen Platz in meinem Leben eingenommen, gleich nach Weihnachten oder vielleicht sogar davor. Ja doch, bleiben wir so romantisch: Ein Punkt, den ich an der E3 noch viel lieber mag als die vorgestellten Videospiele, die als ein Faktor von einigen wenigen anderen mein Leben mit Sinn erfüllen, ist die Freude daran, seine Begeisterung (oder auch seinen Missmut) mit Gleichgesinnten zu teilen, vorzugsweise auf Twitter (oder manchmal auch mit lauthalsen Grölen hinaus aus dem Fenster wie es beispielsweise beim Final Fantasy-Remake der Fall war).

Kollektive Begeisterungsstürme, die in expressiven Ausdrücken von ,,Aww yeah“ bis ,,wtf?!“ in meiner Twitter-Timeline akkumulierten als beispielsweise Electronic Arts endlich Bewegtbilder zu Mass Effect Andromeda zeigte oder als das verschollen geglaubte The Last Guardian den Anfang einer jetzt schon legendären Sony-Konferenz markierte, machten auch diese E3 zu einem Fest der Emotionen.

Die E3 macht Spaß, immer. Doch die aus dem Jahre 2015 tat es besonders.

Doch das rührt nicht nur von denkwürdigen, ganz und gar erfreulichen Momenten her: Die Ankündigung von Shenmue 3 wurde und wird überschattet von einer völlig konfusen, intransparenten Finanzierungspolitik Sonys, die sich der Marke angenommen haben; EA langweilte zwischen Mirrors Edge Catalyst und der Indie-Überraschung Unravel mit Sport, Sport und noch mehr Sport, was gewiss eine Frage des Geschmacks ist, mich aber in einen Tiefschlaf beförderte, der nur von Star Wars Battlefront, brachialen AT-ATs, tobenden Blaster-Schüssen und nicht zuletzt von der anschließenden Ubisoft-PK, souverän moderiert von Aisha Tyler, wieder aufgebrochen wurde.

nintendo muppets
Nintendo orginiell wie eh und je, leider diesmal ohne viel Gehaltvolles.

Und dann war da noch Nintendo: Reggies Körper schien bereit wie noch nie, spritzige, Muppet-esque Püppchen von Iwata, Miyamoto und Fils-Aime erweckten anfänglich den Eindruck, bei dieser Nintendo Direct kommt etwas ganz Großes auf uns zu. Falsch. Im letzten Jahr noch wie ein rotznäsiges Kind, dass die abgedroschenen Eliten mit Einfallsreichtum, Warmherzigkeit und einer Spur Naivität in die Knie zwang, gehörte Nintendo auf dieser E3 nun unzweifelhaft zu den Kunst- und Schmucklosen: Zur angedeuteten Konsole NX hören wir erst irgendwann später etwas, für die WiiU gab es kaum Nennbares, das angekündigte Metroid Prime: Federation Force ist kein echtes Metroid und The Legend of Zelda: Tri Force Heroes ist kein echtes Zelda. Star Fox Zero beeindruckte mich visuell überhaupt nicht, ebenso wenig Nintendos aggressive Aufrüstungspolitik in Sachen amiibos (Ja, mich interessieren diese Dinger nicht).

Dennoch gibt es neben diesen mal kleineren, mal größeren Enttäuschungen umso mehr Großartigkeiten, deren Nachwirkungen mir auch nach dem Ende der späten Präsentationen den Schlaf raubten. Tja, und das eigene Empfinden über diese besondere E3 einige Zeit später niederzuschreiben, birgt noch eine kleinere Problematik, die ich diesmal nicht entkräften kann, wie ich es anfangs tat: Vieles wurde bereits gesagt, die Publikumslieblinge wurden gekürt, die liebsten Titel wurden favorisiert. Um dich, liebe/r Leser/in, nicht zu Langweilen, halten wir es zunächst kurz:

Ja, verdammt, ich freue mich auf Fallout 4, ein Spiel, das meinem geliebten Fallout 3 trotz gewöhnungsbedürftiger moderner Umgebungs-Crafting-Mechanik so sehr ähnelt und selbige schöne Stunden im Ödland wieder verspricht; Ich singe, tanze, schreie und jodele bei dem Gedanken, dass irgendwann in den nächsten Jahren ein Remake von Final Fantasy VII erscheint; Ich herze Unravel mit allen Herzen, die ich habe (leider nur eins, Mist); Und ich sehne jetzt schon die überhaupt nicht verschwendete Zeit herbei, die ich Star Wars Battlefront widmen werde, mit dessen Vorgängern mein bester Kumpel und ich vor zehn Jahren die Schulferienzeit im Nu vergehen ließen. Jawohl!

Was nun folgt, ist eine Auflistung der Titel, die zwischen der Schwulst an emotional dominierenden potenziellen Wunderwerken, in den Hintergrund gerückt, aber nicht minder vielversprechender klingen.

Platz 5: Assassin’s Creed Syndicate (PC, PS4, Xbox One)

assassins_creed_syndicate_18
In AC: Syndicate begleiten wie das Geschwisterpaar Jacob und Evie Frye durch das London des 19. Jahrhunderts

 Assassin’s Creed nervt. Nicht nur, weil es so sicher kommt wie der braune Straßenmatsch nach dem allwinterlichen Schneefall, sondern auch weil es Ubisoft immer wieder schafft, mich neu für diese ausgelutschte, ausgespuckte und wieder in den Mund genommene Serie zu begeistern. Diesmal heißt der Grund meiner Euphorie Evie Frye. Elegant, diskret und unbeeidruckt vom Schweiß- und Industrie-Gestank ihrer Widersacher, zwingt sie eben solche mit Wurfmessern, versteckter Klinge und very britischem Cane-Sword in die Knie, während ihr backenbärtiger Bruder Jacob sich in Kneipen mit seiner Gang, den Roots, über Theken und zersplitterten Bierkrügen prügelt. Toll. Ich mag London; Ich mag Dampf, Züge und Straßengangs; Ich mag Evie als starke weibliche Heldin, mit der ich mich identifizieren will. Verdammt nochmal, Ubisoft.

Assassin’s Creed nervt und deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass der neuste Ableger – so scheint es mir – im Kollektiv vergleichsweise wenig Gehör findet, oder überhaupt auf Begeisterung trifft. Trotzdem bekommt es einen Platz in meiner Liste. Ich werde es würdigen, werde es zum Release Ende Oktober spielen und ich werde hoffentlich behaupten können, dass Ubisoft aus all dem gelernt hat, was Assassin’s Creed: Unity falsch gemacht hat – in meinen Augen primär eine überhaupt nicht vorhandene Geschichte, der fehlenden Rahmenhandlung, die mich in der Ezio-Saga noch in erster Linie am Ball behalten hat, ganz zu schweigen.

Platz 4: Enter The Gungeon (PC, PS4)

[youtube id=“OMh0tw0bADs“]

Nach dem großen Bekannten kommt das größere Unbekannte: Enter The Gungeon ist einer von vielen Indie-Geheimtipps dieser E3, der bei mir den Wunsch auslöst, sofort und unverzüglich loslegen zu wollen: Wahnwitzige Action, schnelles Gameplay und ein JRPG-anmutender Retro-Look vereinen sich im Debut-Titel von Dodge Roll Games und Publisher Devolver Digital, unter anderem bekannt für Hotline Miami, The Talos Principle oder OlliOlli.

Wie der Name möglicherweise schon verrät, wird der Spieler in ein Dungeon befördert, nicht etwa bewaffnet mit Schwert und Schild, sondern mit einer Feuerwaffe, mit der er sich wahnsinnig durch die Gänge bolzt. Das oben aufgeführte Video erklärt den Rest. Enter The Gungeon soll Ende 2015/ Anfang 2016 für PC und PS4 erscheinen. Viel lieber hätte ich bei diesem Titel, sicherlich passender Begleiter bei langen Zugfahrten, eine PS-Vita-Version, die Sony auf dieser E3 übrigens mehr als sträflich behandelt hat.

Platz 3: Yo-Kai Watch (3DS)

2842589-yo-kai+watch+image
Die lang ersehnte Alternative zu Pokémon? ich denke schon!

Ach schau an, doch noch ein Nintendo-Titel, den ich jubelnd entgegennahm! Wer mich kennt, weiß, dass ich eine starke Verbindung zum Pokémon-Franchise habe, deren Spiele für den Game Boy damals meine Videospiel-Karriere in die Wege leiteten. Jeden neuen Ableger, zuletzt Pokémon Alpha Saphir, reiße ich dem Postboten ruppig und schrill quietschend aus den Händen, um anschließend etliche Stunden damit zu verbringen, fantasievoll gestaltete Geschöpfe auf andere fantasievoll gestaltete Geschöpfe zu hetzen.

Aus heiterem Himmel kam Yo-Kai Watch: Nie auf der persönlichen Watchlist gehabt, schlug es knüppelhart auf den Knopf in meinem Kopf, auf dem ,,Taschenmonster!“ steht. Das Rollenspiel von Level-5 erinnert nicht nur an die oben genannte Spielereihe, sondern auch an das wundervolle Ni No Kuni, das übrigens gerade in diesem Moment in meiner PS3 rotiert und meine Gier nach Yo-Kai Watch nur noch stärker werden lässt.

Das RPG für den 3DS wird wohl Anfang 2016 erscheinen. Kollege Eric durfte sogar schon mal reinschnuppern. Neid!

Platz 2: Dreams (PS4)

dreams
Zu Dreams ist noch nicht viel bekannt. Mehr Infos sollen auf der Paris Games Week Ende Oktober kommen.

Dreams ist der nächste Titel von Media Molecule, Entwickler von Tearaway und Little Big Planet, der verspricht, letztere Reihe vom Thron zu stoßen, die mit dem dritten Teil Ende des letzten Jahres (nicht einmal mehr von Media Molecule selbst entwickelt) wohl ihren Zenit erreicht hat. Charme, Einfallsreichtum und Schaffenskraft von Spielern wie Spiel-Schaffenden sind drei Substantive, die sich sofort mit dem britischen Entwicklerstudio in Verbindung bringe, welches mir mit seinen Papier- und Sackfiguren so viele Stunden des durchgehenden Dauergrinsens beschert haben.

Das Leitmotiv von Dreams bilden Träume als Füllhorn schier grenzenloser Kreativität und Fantasie: Die Spieler sollen Träume erleben und zugleich selbst welche erschaffen, indem sie komplexe Umgebungen aus vielerlei Objekten, Sounds und Musik erschaffen. Auf konkreteres Material müssen wir uns hier aber noch gedulden, jedoch verspricht das neuste Projekt Media Molecules für die PS4 jetzt schon, zauberhaft zu werden, nicht zuletzt durch das Festhalten an der altbewährten Create-Play-Share-Formel, die mit Little Big Planet 1 im Jahre 2008 zwischen all den Ego-Shootern und Action Adventures ein ganz eigenes Community-Space voller Liebe und Glitzeraugen zustande gebracht hat.

Platz 1: Eitr (PC, PS4)

eitr
Bei Eitr waren echte Dark-Souls-Fans am Werk und das sieht man auch.

Aussprechen bitte ,,Iter“ und nicht wie das gelbe Zeug, das unter anderem aus Brandblasen quillt, die man sich schmerzhaft zugezogen hat bei dem Versuch seine Mozzarella-Sticks aus dem Ofen zu hebeln. Gut, da nun diese wichtige Grundlage geklärt ist, kann ich ja jetzt versuchen, meine Vorfreude auf dieses Indie-Spiel in Worte zu fassen: Bei Eitr handelt es sich um ein Indie-Hack-and-Slay, welches unter der Flagge von Devolver Digital vertrieben wird und sich der nordischen Mythologie bedient.

Ich weiß das Bild der eitrigen Brandblase dir, werte/r Leser/in, nicht mehr aus dem Kopf, während du diese Zeilen liest (ich bitte vielmals um Entschuldigung). Also lenke ich deine Aufmerksamkeit auf eine andere Sache, die so manch hartgesottenen Homo Ludens und vielleicht ja auch dich in Angst und Schrecken versetzt: Dark Souls. Hah! Denn die Entwickler von Eitr, zwei Brüder, sind Riesenfans des Hardcore-Rollenspiels und wollen nun genau diese hundsgemeine aber zugleich elefantastische Philosophie in ihr eigenes Pixel-Werk transferieren. Hinzu kommen Zufalls-Loot ala Diablo, riesenhafte Bossgegner und eine erfrischende weibliche Heldin, die Shield Maiden, welche sich durch neun Welten von Midgard bis Asgard und weiß Loki, wohin noch, schlägt.

Ich liebe den Norden, ich hassliebe Dark Souls und ich habe ein Faible für den Retro-Look: Ja, ja und nochmals ja – affirmativ nehme ich Eitr entgegen, auf Knien und mit beiden Händen nach vorn gerichtet wie eine Kriegerin, die das mächtigste Schwert der Jarls-Familie für eine alles entscheidende Schlacht entgegennimmt.

Eitr soll 2016 für den PC und die PlayStation 4 erscheinen. Der aus der nordischen Mythologie stammende Begriff Eitr ist übrigens eine flüssige Substanz, Ursprung allen Lebens und hochgradig giftig zugleich (ja, Wikipedia).

verwandte Beiträge

Testbericht: Sims 4: Outdoor Leben

Taugt das ATB-System heute noch?

Nebencharaktere: Das Salz in der Suppe