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Special: Final Fantasy VII – Ein Erfahrungsbericht

Eigentlich kann ich mit diesem Text nur unbeliebt machen, denn ich werde hier deutliche Kritik an Final Fantasy VII üben, einem Spiel, welches eine der größten und treuesten Fan-Gemeinden überhaupt hat und das viele sogar als das beste Videospiel aller Zeiten bezeichnen. Ich sage es gleich vorweg: Nein, es ist für mich persönlich definitiv nicht das beste Videospiel aller Zeiten, auch nicht das beste Rollenspiel und schon gar nicht das beste Japano-Rollenspiel. Aber es ist ohne Frage ein gutes Spiel.

Für viele war es seinerzeit das erste Final Fantasy, vermutlich auch das erste Rollenspiel. Für mich nicht. Mein Einstieg in die Reihe erfolgte vor zwei Jahren mit Final Fantasy VI und dieses Spiel hat mich dermaßen komplett umgehauen, obwohl es inzwischen so viele Jahre auf seinem virtuellen Buckel hat. Danach folgten I, IV, III, II, V, XIII, The 4 Heroes of Light, IV: The After Years und XIII-2. Bis auf die beiden 13er mag ich jedes dieser Spiele sehr gerne, neben VI würde ich auch IV in der Complete Collection zu meinen Allzeitfavoriten zählen. Final Fantasy hat sich innerhalb relativ kurzer Zeit zu meiner absoluten Lieblingsvideospielreihe entwickelt.

Entsprechend gespannt war ich auf den Teil der Serie, um den von Gamern der meiste Hype gemacht wird. Jetzt habe ich endlich Final Fantasy VII nachgeholt. Auf meiner PSP habe ich mir dafür extra einen US-Account angelegt, weil ich schon zu oft gelesen hatte, dass die deutsche Synchro so schlecht sein soll. Nach kleineren Schwierigkeiten beim digitalen Kauf von US-PSN-Guthaben konnte es dann endlich losgehen.

Wegen des großen Aufhebens um Final Fantasy VII war ich ein wenig skeptisch. Ich verfahre generell nach der Devise „Don’t Believe the hype“. Bei Harry Potter war der Hype gerechtfertigt, bei Avengers auch, bei Chrono Trigger ist er überzogen. Und bei Final Fantasy VII macht der Hype das Spiel viel größer als es eigentlich ist. Ich gebe bereitwillig zu, dass ich nicht verstehe, warum ausgerechnet dieses Spiel für eine solche Furore sorgt.

Ein kurzer Blick in die Entwicklungsgeschichte

Final Fantasy VII war schon zu SNES-Zeiten in Planung und sollte zunächst für das N64 erscheinen. Square war von Nintendo jedoch schon oft verärgert worden, beispielsweise musste Final Fantasy VI gekürzt werden, weil Nintendo SquareEnix keine Module mit höherer Speicherkapazität zur Verfügung stellte. Darüber hinaus hätte das Spiel auf einer ganzen Reihe von Cartridges erscheinen müssen, was letztendlich viel zu teuer geworden wäre. So wechselte man von Nintendo, die immerhin die Hardware für sechs Final-Fantasy-Teile geliefert hatten, zu Sonys PlayStation.

Ein frühes Konzept zu Final Fantasy VII aus der Feder von Tetsuya Takahashi, den man heute als kreativen Kopf hinter Xenoblade Chronicles kennt, wurde später unter dem Titel Xenogears umgesetzt, weil man die Handlung als „zu düster und kompliziert“ für einen Final-Fantasy-Teil empfand. Eine weiterer Entwurf drehte sich beispielsweise um einen Detektivgeschichte in New York, daraus wurde dann Parasite Eve. Wieder andere Elemente wurden in Chrono Trigger aufgegriffen.

Die Handlung des Spieles wurde letztendlich dadurch geprägt, dass Hauptentwickler Hironobu Sakaguchi den Tod seiner Mutter verkraften musste. Entsprechend dreht sich in Final Fantasy VII alles um Themen wie Tod und Wiedergeburt. Auch die sogenannte Gaia-Hypothese wurde aufgegriffen und im Spiel als sogenannter „Lebensstrom“ eingebaut (übrigens schon damals besser als in „Avatar“).

Final Fantasy VII wurde ein Riesenhit und mit 9,8 Millionen verkauften Einheiten zu einem der absoluten Systemseller der PlayStation. Bis heute ist die Begeisterung der Fans ungebrochen. SquareEnix selbst hat die Diskussion um ein HD-Remake angeheizt, als sie auf der E3 2005 das Intro zu Final Fantasy VII in neu gestalteter, hochauflösender Grafik zeigten, um die grafischen Fähigkeiten der PS3 zu demonstrieren. Bisher stießen die Wünsche der Fans jedoch auf taube Ohren.

Nervige Passagen sind nervig

Ich hab mir zwar bei Twitter schon ein blaues Auge geholt, aber ich bleibe dabei, dass es in Final Fantasy VII eine ganze Reihe von Passagen gibt, die mich genervt und aus dem eigentlichen Spielfluss gerissen haben. Du muss jetzt das Kabel treffen, du musst jetzt mit dem Delfin springen, du musst jetzt aus dieser Gaskammer entkommen, du musst jetzt Snowboard fahren, du musst jetzt am Chocobo-Rennen teilnehmen. Ich möchte keine Rennspielsequenzen in meinen Rollenspielen. Echt nicht, lasst das doch bitte mal. Ich fand das in Knights of the Old Republic störend, es hat mir bei Chrono Trigger nicht gefallen und auch in Final Fantasy VII machte es keinen Spaß. Wenn man das optional einbaut, ok, kann ich mit Leben. Aber bitte nicht als unumgänglichen Part der Story. Und da ich die dumme Gaskammer schon erwähnt habe: Irgendwann habe ich nur noch blind auf die Tasten meiner PSP eingehämmert und bin absolut davon überzeugt, dass mich das Spiel nur aus bloßem Mitleid weiterkommen ließ. Echter Spielspaß geht anders.

Das Navigieren durch die Render-Hintergründe ist auch nicht immer einfach. An manchen Stellen ist die Steuerung leider konter-intuitiv belegt. Da muss man dann plötzlich nach rechts drücken, um nach oben zu gelangen. Selbst mit eingeblendeten Hilfsanzeigen gestaltet sich etwas vermeintlich Einfaches wie die Bewegung durch den digitalen Raum manchmal unnötig kompliziert.

Von Figuren und ihren Fähigkeiten

Das Materia-System ist gut, aber fast schon zu einfach, denn jeder Charakter kann letztendlich alle Techniken beherrschen. Die Figuren haben keinerlei spezifische Fähigkeiten. In Final Fantasy VI dagegen hat jede Figur ein einzigartiges Talent: Shadow kann Gegenstände werfen, Sabin hat seine Blitz-Attacken, Edgar benutzt verschiedene Werkzeuge und Terra kann ihre Esper-Form annehmen. Teil IV kann Rydia Monster beschwören, Edge Ninjutsu wirken und Kain Sprungattacken ausführen. In Teil VII dagegen sind die Figuren allesamt leere Hüllen. Lediglich die Limit-Breaks und die jeweiligen Waffen führen dazu, dass sich die Figuren ein klein wenig von einander unterscheiden.

Im Gegensatz zu den älteren Teilen ist man leider nur noch mit drei Kämpfern unterwegs und einer davon ist meistens auch noch Cloud, so dass man automatisch einen Großteil der Truppe vernachlässigt. Final Fantasy VI macht das entschieden besser. Wenn man alle Figuren zusammengesammelt hat, kann man sich diese nach Lust und Laune zu einem oder gleich mehreren Teams zusammenstellen. Zugegeben, man ist auch in Final Fantasy VII an einer Stelle mit mehreren Charakteren unterwegs, aber diese eine Szene ist nicht annähernd so gut wie die entsprechenden Passagen in Teil VI.

Die Figuren bleiben insgesamt leider eher blass. Wer ist Aerith? Kaum hat man sie kennengelernt, ist sie auch schon wieder futsch und weg. Klar, ihr letzter Auftritt ist eine ergreifende Szene, durch „over-exposure“ im Internet habe ich die Szene nur schon vorher so oft gesehen, dass sie ihre volle emotionale Wirkung nicht mehr entfalten konnte. Und Meta-Gamer, der ich bin, hatte ich Aerith meistens gar nicht in meiner aktiven Party, weil ich ihr Schicksal bereits kannte und eben keine Lust darauf hatte, dass sie mir mit einem letzten „So long, and thanks for all the gear“ womöglich sogar noch wichtige Ausrüstungsgegenstände entreißt.

Red XIII, Barret und Cid sind die einzigen, die mir einigermaßen ans Herz gewachsen sind. Und ich persönlich finde, dass Red XIII, oder besser: Nanaki, tatsächlich die interessanteste Figur mit der besten Hintergrundgeschichte ist. In VI mochte ich dagegen den gesamten, immerhin stolze 14 Figuren umfassenden Cast. Und in Final Fantasy IV: The After Years habe ich sehr viel auf mich genommen, um zum Schluss alle 22 Charaktere am Leben zu haben. In VII habe ich Yuffie rekrutiert, dafür aber auf Vincent komplett verzichtet, weil er mir einfach egal war.

Die Charaktermodelle sind deformiert und sahen damals schon nicht gut aus, eine ganze Reihe von PS1-Titeln zeigt, dass das auf jeden Fall besser ging. Die Render-Hintergründe und Zwischensequenzen jedoch sind auch in der heutigen Zeit noch ein Hingucker. Besonders gelungen sind die nahtlosen Übergänge von Zwischensequenzen in das eigentliche Spielgeschehen, auch im Zeitalter „cineastischer Erfahrungen“ wissen diese Passagen zu überzeugen. Womöglich hat hier der kleinere PSP-Bildschirm geholfen, gröbere Unschärfen zu vertuschen. Insgesamt finde ich, dass Final Fantasy VII optisch bis auf die Charaktermodelle relativ gut gealtert ist. Man muss nur die Erwartungshaltung runterschrauben und akzeptieren, dass Final Fantasy VII ein PS1-Spiel aus den 90ern ist, kein Next-Gen-Titel.

Ein musikalisches Intermezzo

Dass ich Final Fantasy VI so liebe, liegt insbesondere am Soundtrack. Nobuo Uematsu hat mit den Kompositionen für den sechsten Final-Fantasy-Teil ein absolutes Meisterwerk abgeliefert. Die Musik in Teil VII enthält einige gute Stücke, kommt aber nicht annähernd an die durchgehende Genialität seines Vorgängers heran.

Mein Favoriten aus dem Soundtrack sind Cosmo Canyon und The Great Warrior, wahrscheinlich mag ich genau deshalb Nanaki so sehr, weil seine Szenen immer mit unfassbar guter Musik verbunden sind. Der Rhythmus und dieses „indianische“ Gefühl, das die Songs vermitteln, haben mich direkt in ihren Bann gezogen. Und natürlich wird Aerith’s Theme mit der einen Szene nur noch emotionaler. Costa Del Sol ist ein glasklarer Carlos-Santanta-Ripoff, aber genau deshalb auch richtig gut. Und weil Auflistungen so viel Spaß machen, gibt es jetzt noch ein paar Stücke, die mir gut gefallen: Barret’s Theme, Ahead On Our Way, Mark of a Traitor, Buried in the Snow, The Highwind Takes to the Skies, A Secret, Sleeping Deep in the Sea, Sending a Dream Into the Universe. Aber leider versucht Uematsu in vielen der anderen Stücke zu ominös, zu gruselig, zu geheimnisvoll zu klingen, weshalb sie mir eben nicht gefallen.

Was für die Figuren, das Gameplay und die Musik gilt, trifft auch auf die Story zu. Sie kommt nicht an Teil VI und auch nicht an IV oder V heran. Das Ende ist keins, um den Gesamtzusammenhang zu verstehen, muss ich erstmal einen Shooter spielen oder mir einen schlechten Anime-Film anschauen, weil man bei Square offensichtlich nicht in der Lage war die gesamte Geschiche zu erzählen. Und selbst wenn man sich mit der kompletten Compilation of Final Fantasy VII auseinandersetzt, sind immer noch viele Fragen offen. Was ist mit den Cetra? Müsste Cloud nicht sterben, um Jenova und Sephiroth für immer zu vernichten? Viele lose Fäden, die weiterhin darauf warten, verknüpft zu werden.

Lange Schwerte ersetzen keine Persönlichkeit

Wenn wir schon bei Cloud und Sephiroth sind: Was ist bitteschön so toll an den beiden? Cloud ist so dermaßen charakterlos, dass er sich sogar selbst einredet, er hätte die Persönlichkeit eines anderen. Und es tut mir leid, aber bei den Schwertern von Cloud und Sephiroth kann ich nicht anders als an Siegmund Freud, Phallus-Symbole und Überkompensation zu denken.

Cloud war „emo“, bevor es zur überzogenen Jugendkultur wurde. Aber welches Problem hat er denn? Er war nicht gut genug, um Soldat zu werden, also hat er an einem wissenschaftlichen Experiment teilgenommen. OK, warum auch nicht. Rydia Final verliert in Fantasy IV zuerst ihre Mutter, ihr Dorf wird niedergebrannt, dann ertrinkt sie fast, wird in das Reich der Esper gezogen, altert dort schneller und muss sich erst langsam wieder an das Leben unter Menschen gewöhnen. Wessen Pille war jetzt bitterer?

Sephiroth findet heraus, dass er ein Klon ist und dass seine Mutter eine Außerirdische ist, also beschwört er einen Meteor, weil seine Mutter eben eine Außerirdische ist. Sorry, aber das soll der große Bösewicht sein? Auch hier gewinnt Final Fantasy VI, weil Kefka als Joker des Final-Fantasy-Universums einfach so unfassbar krass ist und eben keine halben Sachen macht. Die meisten Final-Fantasy-Bösewichte wollen die Erde zerstören. Kefka labert nicht groß rum, sondern tut genau das und ergötzt sich dann daran, die wenigen Überlebenden auch noch mit seiner Magie zu foltern. Bei Kefka muss man gar nicht großartig wissen, welche Motivation er hat, er tut das einfach aus Spaß am Schrecken. Darüber hinaus hat Kefka mit „Dancing Mad“ auch noch den besseren Song als Sephiroth mit „One-Winged Angel“.

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Fazit:

Als Fazit bleibt mir zu sagen, dass ich Final Fantasy VII trotz der vielen spielerischen Mängel, trotz der banalen Geschichte und der fast durchgehendend uninteressanten Figuren mochte. VI und IV bleiben weiterhin meine Favoriten, Teil VII kann den beiden meiner Meinung nach aber noch nicht einmal annähernd das Wasser reichen. Obwohl Final Fantasy VII so alt ist, lohnt es sich dennoch, es auch heute noch zu spielen, insbesondere wenn man es zu PS1-Zeiten verpasst hat. Ein gutes Kampfsysten, zahlreiche Nebenquests, viele versteckte Geheimnisse – selbst nach vielen Stunden wird Final Fantasy VII nicht langweilig. Da es eines der leichtesten Spiele der ganzen Reihe ist, dürfte es vor allem auch für Final-Fantasy-Einstieger gut geeignet sein. Ich würde als Plattform die PSP empfehlen, weil ich glaube, dass das Spiel auf einem großen HD-Fernseher wohl doch seine technischen Schwächen zu sehr offenbart. Insgesamt gilt: Don’t believe the hype. Man bekommt mit Final Fantasy VII ein gutes Spiel, aber auch nicht mehr.

Wer mir jetzt böse ist, weil ich Final Fantasy VII eben nicht für das beste Videospiel aller Zeiten halte, dem sei gesagt, dass das meine ganz persönliche Meinung ist. Wie bei dem in die Seife beißenden Affen ist das letztendlich alles Geschmackssache. Ich mag Final Fantasy VII, aber ich finde tatsächlich, dass insbesondere Teil VI und Teil IV Vieles besser machen, und hoffe, dass ich das einigermaßen nachvollziehbar erklären konnte. Ihr seid gerne dazu eingeladen, in den Kommentaren schreiben, was genau ihr persönlich an Final Fantasy VII mochtet.

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