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PS Vita Tests

Review: Persona 4 Golden

Mysteriöse Morde in einer kleinen Ortschaft, eine abstrakte Welt im Fernsehen, die Fähigkeit, mächtige Monster zu beschwören und sie in den Kampf zu entsenden und ihr seid mitten drin in der Action. Mit Persona 4 Golden kommt die überarbeitete Fassung des PlayStation-2-Klassikers nun auf die PlayStation Vita. Ein gewaltiges, aber auch etwas anderes Japano-RPG allererster Güte will die Spielerschaft in den Bann ziehen. Wieso das so gut funktioniert und weshalb kein Vita-Besitzer um den Titel herum kommt, erfahrt ihr hier!

Back to School

Die Persona-Reihe ist eine Spin-Off Serie der Megami-Tensei-Spiele. Die Namensgebenden Personas stellen dabei Aufrufe dar, die euch im Kampf unter die Arme greifen sollen. In abgedrehten Szenarien werdet ihr dabei Zeuge, wie sich Menschen in Zombies verwandeln, oder in diesem Fall, auf mysteriöse Art und Weise verschwinden, nur um einige Tage später tot wieder aufgefunden zu werden. Nicht nur dies ist seltsam, auch andere merkwürdige Dinge werden schnell erkennbar. So zeigen sich die vermissten Personen um Mitternacht im sogenannten Midnight Channel im Fernsehen, völlig anders agierend, als man sie kennt. Die Leichen werden dann immer nach längeren Regenphasen, wenn der Nebel einsetzt, gefunden. Das Geheimnis um diese Morde zu lösen, herausfzufinden, in welchem Zusammenhang sie stehen und ob es einen Weg gibt, die Menschen vor ihrem tragischen Schicksal zu bewahren, das ist eure Aufgabe!

Ihr zieht gerade von der Stadt in eine kleine Ortschaft zu eurem Onkel und seiner Tochter. Da euer Onkel bei der Polizei arbeitet und die Morde begannen, als ihr aufgetaucht seid, steht ihr natürlich irgendwo auch im Verdacht. Doch erstmal will der Tagesablauf geregelt werden und hier beginnt sich die Persona  4 von anderen JRPGs zu unterscheiden. Ihr geht noch auf die Highschool und müsst daher neben der üblichen “Rette-die-Welt“-Quest auch noch euren Alltag meistern. So geht ihr von Montags bis Samstags in die Schule, schreibt Tests und freut euch über die Sonn- und Feiertage, an denen ihr tun und lassen könnt, was ihr wollt. Doch eines nach dem anderen. Sechs Tage die Woche geht es also zur Schule. Dort werdet ihr verschiedene Fächer durchgehen und hin und wieder mit einem Frage-Antwort Spiel beschert. Für das richtige beantworten gibt es nicht nur Boni auf gewisse soziale Attribute, ihr solltet euch die Antwort auch merken, denn in der Test-Woche werden alle Themen noch einmal behandelt – und wer ein gutes Ergebnis erzielen will, lernt nicht nur Abends an seinem Schreibtisch, sondern passt auch im Unterricht auf. Doch nicht nur die Schule will gemeistert werden, natürlich baut ihr euch nach und nach auch einen Freundeskreis auf. Interaktionen sind hier das Stichwort, denn manchmal  ergeben sich Gelegenheiten sich mit den neuen Freunden zu treffen, in der Pause gemeinsam zu essen oder abends durch die Straßen zu schlendern. Clubs könnt ihr ebenfalls beitreten, nicht nur um weiteren Personen zu begegnen, sondern auch zusätzliche Attribute zu verbessern. Und das ist der Knackpunkt: Das Verbessern der Attribute ermöglicht es euch, neue Personen kennen zu lernen. Die Beziehung zu diesen zu verbessern hilft wiederum dabei, dass Personas beim Fusionieren (dazu findet ihr weiter unten mehr) zusätzliche Erfahrungspunkte erhalten. Ihr könnt aber nicht konstant mit anderen Menschen Zeit verbringen, weil ihr nebenher auch noch in euren Club müsst, mal einen Abstecher in die TV-Welt wagt oder gerade jobbt, um ein paar Yen zu verdienen. Die Magie des Spiels liegt auf der einen Seite darin, seinen Alltag so abzustimmen, dass man möglichst vieles erledigt in dem Zeitfenster, das man zur Verfügung hat. Denn viele der Aktivitäten beanspruchen einen ganzen Tagesabschnitt und es liegt an euch zu entscheiden, was wann gemacht wird, je nachdem auf was ihr euch konzentrieren wollt.

Die andere Seite der Medaille

Auf der anderen Seite steht dann das Mysterium der ganzen Morde. Recht schnell findet ihr heraus, dass ihr in den Fernseher hineinsteigen könnt. Dort trefft ihr auf Teddie, in einer Welt, die wie ein TV-Set auszusehen scheint. Er erklärt euch, dass diese Welt von Monstern beherbergt wird und dass die Aktivität dieser steigt, wenn sich ein Mensch hier hinein verirren sollte. Ausgerüstet mit Waffen und euren hier zugänglichen Personas macht ihr euch dann auf, die jeweiligen Menschen vor ihrem Tod zu bewahren. Dafür kämpft ihr euch durch Dungeons, die in mehrere Etagen gegliedert sind. Viele dieser sind zufallsgeneriert, nur bestimmte Puzzle- oder Boss-Etagen sind vorgefertigt. Schatztruhen und Monster trefft ihr hier zuhauf, während ihr euch immer tiefer in den Dungeon begebt. Leider folgen die Dungeons stets einem bestimmten Thema, weshalb alle Etagen den selben Look haben. Je nach Figur ändert sich die Thematik dann, pro Dungeon werdet ihr aber immer und immer wieder durch die selben Gänge laufen, lediglich das abgebildete Labyrinth ändert sich.

Geratet ihr in einen Kampf schlagt ihr entweder mit den mitgebrachten Waffen zu oder setzt eure Personas ein. Diese beherrschen verschiedene Fähigkeiten, die namentlich am Anfang etwas irreführend sind (der Eiszauber nennt sich beispielsweise Bufu), dank Erklärungen am unteren Bildschirmrand und einem kleinen Symbol neben dem Zauber aber immerhin die Richtung und Auswirkung andeuten. Gesammelte Personas können dann fusioniert werden, um mächtigere Typen zu schaffen, welche von den Statusboni aus der sozialen Interaktion profitieren. Gegnertypen sind oft aus den Vorgängern entnommen, selbiges gilt für die Personas. Wer also beispielsweise den dritten Teil schon einmal gespielt hat, wird viele Modelle wiederfinden, in verschiedenen Größen und mit neuer Farbpalette. Vorteile im Kampf könnt ihr euch erarbeiten, wenn ihr den im Dungeon sichtbaren Gegnern von hinten eine verpasst. Dies solltet ihr aber auch tun, wenn sie euch von vorne angreifen, denn sonst erhalten sie einen Rundenbonus. Ihr entscheidet, wie weit ihr euch pro Tag in den Dungeon wagt und könnt beim erneuten Betreten in die zuletzt besuchte Etage zurückkehren. So kann man das Erforschen der Dungeons über mehrere Tage verteilen.

Pures Gold

Persona 4 Golden ist die best aussehendste und umfangreichste Variante des Spiels, das seinerzeit bereits PlayStation-2-Spieler begeistert hat. Zwei Charaktere haben neue Stimmen bekommen, einige Musikstücke und zusätzliche Charaktere wurden hinzugefügt. Außerdem hat man dem Titel ein neues Anime-Opening verpasst und optionale Videos ins Spiel gepackt, die ihr nach und nach freischaltet und aus dem Menü heraus anschauen könnt.

Optisch weiß das Spiel zu gefallen. Das anfängliche Kantenflimmern lässt schnell nach und  selbst wenn mitunter ein wenig getrickst wurde, wie etwa bei den zweidimensionalen Baumkronen, so kann sich das Spiel doch immer noch sehen lassen. Viele, bei weitem jedoch nicht alle Dialoge wurden vertont und die englischen Sprecher machen allesamt einen klasse Job und passen stimmlich perfekt zu den von ihnen verkörperten Charaktere. Alles kommt im leichten Anime-Look daher, vor allem die Charaktere selbst sind stilsicher aus den 2D-Vorlagen, die ihr während der Gespräche zu sehen bekommt, in die dritte Dimension geholt worden. Da man ein gesamtes Schuljahr nachspielt, kommt man gut und gerne auf seine 50 Stunden Spielzeit. Wer viel levelt und seinen Alltag so umfangreich wie möglich gestaltet, um das gute Ende zu erhalten, bekommt locker mehr zusammen. Wer nichts gegen JRPGs hat und mal etwas anderes in dieser Richtung erleben möchte, kommt um Persona 4 Golden nicht herum. Ein wahres Must-Have für alle PlayStation-Vita-Besitzer, das aufgrund seiner erfrischenden Gameplay-Mischung ungemein in den Bann zu ziehen weiß.


Fazit:

Persona 4 hat mich schlicht und ergreifend gepackt, wie schon lange kein JRPG mehr. Die Mischung aus Alltagssimulation und Dungeoncrawler, wie elegant jedes Element in ein weiteres übergeht und sich so nichts bloß optional oder gar sinnlos anfühlt – es ist fantastisch! Die liebevollen Charaktere, die man trifft, mit denen man mitleidet, Freundschaften schließt und Kämpfe bestreitet, während man stets an der Lösung des großen Mysteriums arbeitet, um endlich die Antwort auf alle Fragen zu erhalten – es zieht ungemein in den Bann. Für mich ist Persona 4 Golden bereits ein Kandidat zum Hit des Jahres und jeder geneigte Vita-Besitzer schlägt hier ohne mit der Wimper zu zucken zu – es lohnt sich!

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